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Mixtape der Woche

29. Mai 2026, 20:11 Uhr von Uwe

Irgendwie ist die Woche schon wieder rum, gefühlt war grad eben erst Sonntag, sonnig und brütend heiß war es außerdem die ganze Woche – das Hirn weichgekocht in der Hitze und vom sinnlosen Rumhocken in zahllosen Meetings, in denen überaus wichtige Menschen überaus wichtige Dinge zu sagen hatten, wo man am Ende nur denkt „egal was für Zeug ihr einwerft, werft weniger davon ein – oder noch viel mehr. Oder noch besser, haltet einfach die Schnauze. Reden ist silber und so.“ Oder anders ausgedrückt: Nicht so viel Palaver, mehr Ruhe, um nicht zu sagen Stille.

Wir sind hier aber nun mal beim Mixtape der Woche, da geht es eher selten um Stille, aber das Thema passt trotzdem, denn mir sprang da spontan ein Song ins – erwähnte ich, dass mein Hirn grad recht weichgekocht ist? – Hirn (und wieso ist mein Hirn weichgekocht, Eier werden aber hartgekocht?). Also jedenfalls war ich beim Genießen der Stille, auf neuhochdeutsch „Enjoy The Silence“, dementsprechend geht es diese Woche um die Frühwerke von Depeche Mode.

Die Band hat die 80er Jahre mitgeprägt, ist bis heute musikalisch relevant (auch wenn ich sie nie wirklich verfolgt habe) und um einige Songs kommt man halt einfach mal nicht drumrum. Viele werden sagen, man kommt um viel mehr Songs nicht drumrum, aber da bin ich zu wenig im Thema. Anyway…

Just Can’t Get Enough

Beginnen wir mit dieser Single aus dem Jahr 1981, ganz am Anfang ihrer Karriere. Es war ihr erster Top-10 Hit und die Basis dafür, dass die Bandmitglieder sich ganz auf die Musik konzentrierten.

Everything Counts

Textlich ist das wie ich finde einer der größten Songs der 80er. An Zynismus kaum zu überbieten („confidence taken in by a suntan and a grin“), musikalisch dafür mit einem irre eingängigen Refrain gesegnet und sträflicherweise nur ein Top 10 Hit im Jahre 1983 – live bis heute einer der größten Hits der Band. Es ist die perfekte Hymne auf den Kapitalismus und passte perfekt in die Zeit – „the grabbing hands grab all they can, all for themselves after all it’s a competitive world. Everything counts in large amounts“…

People Are People

1984 erschien der bis dahin größte Hit der Band – klassischer Synth-Pop mit zahllosen Samples, eine Vorwegnahme des Industrial-Sounds der 90er und musikalisch wegweisend. Die Band hingegen findet den Song heute gar nicht mehr so cool und spielt ihn schon ewig nicht mehr live – er sei zu kommerziell. Kann man so sehen, trotzdem gehört er zu den 500 Songs, die laut der Rock And Roll Hall Of Fame (die eh nur seltem mal relevante Auswahl treffen) zu den 500 Songs, die Rock And Roll geformt haben (nur dass an diesem Song genau nix Rock And Roll ist…).

Master And Servant

Direkt darauf folgte diese Single, die inhaltlich falsch verstanden werden kann (und natürlich falsch verstanden wurde, was wiederum zu Kontroversen und dem Boykott bei einigen Radiosendern führte). Dabei geht es um das große Ganze, denn irgendwer ist immer der Chef und der andere der, der geknechtet wird. „Domination’s the name of the game, in bed or in life, they’re both just the same.“ Der Popularität tat es keinen Abbruch, die Single war Top-10 Hit, nur nicht in den prüden USA.

Personal Jesus

Meiner persönlichen Meinung nach erreichte die Band ihren Zenit 1989-90 mit dem Album „Violator“ (ja, viele werden da anderer Meinung sein). Die Band hatte zu diesem Zeitpunkt seit People Are People fünf Jahre vorher keine besonders herausstechenden Hitsingles mehr gehabt, und nun wurden gleich drei Welthits in die Runde geworfen. Den Anfang machte dieser Song, der im Sommer 1989 veröffentlicht wurde. Hier ist nix mehr mit fröhlichem Synth-Pop, es klingt düsterer und moderner. Bis heute zählt der Song zu den besten und wichtigsten Stücken der Band. Und ein Song über den eigenen persönlichen Gott – das passt.

Enjoy The Silence

Dieser Song ist für mich der Song überhaupt der Band. Musikalisch eingängig wie viele andere, aber textlich trifft er so dermaßen ins Schwarze, dass es wehtut. Es ist quasi das perfekte Liebeslied – wenn man keine Worte braucht und trotzdem und gerade deswegen alles klar ist. „All I ever wanted, all I ever needed is here in my arms. Words are very unnecessary, they can only do harm.“ Kann man das besser in Worte fassen? Worte, die sowieso keiner braucht? „Words like violence“… „words are meaningless and forgettable“

Policy Of Truth

Diese Single folgte direkt auf Enjoy The Silence und beschreibt textlich das genaue Gegenteil. Der Zynismus ist zurück, denn es geht darum, wie viel schwerer man es sich im Leben (und in der Liebe) macht, wenn man bei der Wahrheit bleibt – bzw. im umgekehrten Sinne wie wichtig es ist, durch Lügen eine Fassade aufrecht zu erhalten. Ja, Worte können Schaden anrichten, großen Schaden.

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