Kategorien

Archiv

Kalender

September 2026
M D M D F S S
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  

Züge von links und Züge von rechts

16. September 2026, 20:52 Uhr von Uwe

Der Plan des Tages lautete: Durch den Wald laufen und Züge fotografieren. Und je nach Lust, Laune und Wetter mehr oder weniger weit laufen.

Anfahrt (17.3 km, 0:20h, ↗0m, ↘51m)

Der Tag begann eigentlich genauso wie die vorherigen, Frühstück und Spaziergang zum Bahnhof. Einziger Unterschied: Heute musste es ohne Sonnenbrille gehen, was mich direkt nervte, da die Sonne ungehindert von jeglicher Bewölkung bereits am frühen Morgen für ordentlich Hitze sorgte. Die Anreise nach Preda ist ganz gemütlich, nach 20 Minuten war die Station direkt am nördlichen Portal des Albulatunnels erreicht. Als ich das letzte Mal dort herumstand, gab es nur einen niedrigen Bahnsteig (siehe Foto auf der Wikipedia-Seite) und ich hatte eine Wanderung von Filisur aus in den Beinen. In den letzten 10 Jahren wurde da nicht nur der neue Albulatunnel gebohrt, sondern auch der Bahnhof komplett überarbeitet, neue Bahnsteige inklusive.

Wanderung (7.7 km, 3:46h, ↗152m, ↘548m)

Anmerkung: In der Zeit ist die Wartezeit am Bahnhof Bergün mit drin. Die 152m Anstieg halte ich auch für viel zu viel, das sind größtenteils akkumulierte Rundungsfehler und Positionsfehler aufgrund von Empfangsproblemen.

Nach dem Auftragen von Lichtschutzfaktor ging es auch direkt flotten Fußes los, denn ich wollte den folgenden Glacier Express im Streckengewirr zwischen Preda und Bergün fotografieren. Da gibt es allein die vier Albulaviadukte und außerdem drei Kehrtunnel. Die Ingenieure mussten damals eine sehr wilde Streckenführung ausknobeln, um den Höhenunterschied mit einer gleichmäßigen Steigung zu überwinden. Die Bahnstrecke ist damit mehr als doppelt so lang wie der Wanderweg. Der Glacier Express fuhr 40 Minuten nach meinem Zug ab, ich hatte also eine reichliche halbe Stunde Zeit an eine passende Stelle zu marschieren.

Einen konkreten Plan hatte ich mir nicht gemacht, und wenn ich ihn gemacht hätte wärs sowieso nur schiefgegangen. Auf Höhe des vierten (aus Richtung Bergün gezählt) Albulaviadukts wurde ich das erste Mal überrascht. Da fuhren nämlich auf der Passstraße ein saurer (ja nee, ein Saurer) Postbus-Oldtimer aus den 50er Jahren vorbei, den man für Ausflüge chartern kann. Und weil sauer lustig macht, kam direkt ein zweiter Bus hinterher. Kurz darauf kam ein Bernina-Express aus Richtung Chur vorbeigerauscht, da lief ich aber grade unter einem der Viadukte durch und hatte daher keinen guten Fotostandpunkt.

Einen passenderen Platz hatte ich schließlich am ersten (=untersten) Albulaviadukt erreicht, wo bergfahrende Züge anschließend in den ersten der drei Kehrtunnel einfahren. Und ich hatte es zeitlich gerade so abgepasst, denn kaum war ich da, kam der Glacier Express auch schon vorbei. Da war es grade mal halb elf durch und prinzipiell konnte ich beinahe schon fast schon Bergün vor mir im Tal sehen, wenn da nicht ein paar Bäume im Weg gewesen wären. Andererseits war es bereits mörderisch heiß geworden, obwohl ich irgendwo auf 1500m unterwegs war.

Ich ließ es für den Rest des Weges nun ausgesprochen gemütlich angehen, zumal der Weg nun deutlich steiler wurde – die Bahnstrecke macht vor Bergün nochmal eine längliche Schleife, die der Wanderweg einfach mal weglässt. Außerdem kommt man dann auch aus dem Wald raus und läuft über eine ausgedehnte Wiese, also in der prallen Sonne. Der langen Rede kurzer Sinn: Meine Motivation die Wanderung über Bergün hinaus zu verlängern ging ziemlich genau gegen Null, auch wenn das hieß dass ich bereits gegen Mittag die Rückreise antreten würde.

Ich kam ziemlich genau gegen Mittag am Bahnhof Bergün an und wollte dann zunächst mal eine Verschnaufpause einlegen und den Schweiß trocknen lassen. Danach könnte man sich das dortige Bahnmuseum im Bahnhofsgebäude anschauen und danach mal gucken, was man mit dem Rest des Nachmittages so anstellen könnte. Blöderweise stieg dann aus dem nächsten aus Richtung Preda kommenden Zug eine größere Ami-Familie aus, die man anschließend nicht nur quer über den Bahnhofsvorplatz hören konnte, sondern die dann auch noch ins Museum marschierten. Meine Motivation, besagtes Museum damit noch zu betreten war damit von jetzt auf gleich verflogen.

Rückfahrt (29.8 km, 0:45h, ↗386m, ↘30m)

Damit lautete der Entschluss, mit dem nächsten Zug nach St. Moritz zurück zu fahren und sich irgendwie im Schatten zu verkriechen. Somit ging es bereits kurz nach 13 Uhr bergwärts weiter. Ich war rund zweieinhalb Stunden gewandert, der Zug schafft die Strecke mit ihren Schleifen und Kehrtunneln naturgemäß deutlich schneller. Kurz vor 14 Uhr war ich wieder in St. Moritz angekommen.

Ausklang mit Eisbecher (0,99 km, 0:37h, ↗88m, ↘3m)

Der direkte Weg zurück ins Hotel war mir zu dieser Uhrzeit noch zu doof, also schaute ich, ob es einen freien Platz im Eiscafé auf dem Platz vorm Hotel, neben der Konditorei Hanselmann gab. Und siehe da, es war tatsächlich noch ein Platz frei. Da hätte man jetzt Kaffee oder Cola oder auch Kuchen bestellen können, meine Wahl fiel aber auf einen Eisbecher. Der war schön groß, hatte viel Sahne oben drauf, Soße unten drin und Nüsse dazwischen. Ausgesprochen lecker und genau das richtige bei der Hitze.

Nach diesem Genuss trottete ich nun gemächlich ins Hotel zurück und machte es mir erst unter der Dusche und dann auf dem Bett bequem. Blöderweise bemerkte ich jetzt auch einige fies verhärtete Muskeln in den Beinen, denen ich mit einigen Dehnungsübungen zu Leibe rücken musste – eine Lektion aus dem Urlaub 2023, nach dem ich kaum noch die Treppen hoch und runter kam. Und damit war dieser Tag dann auch fast geschafft.

Letzte Amtshandlung war dann eine weitere Folge FC Hollywood, diesmal mit dem Kaiser gegen Stefan Effenberg, Basler gegen Bier und Zigaretten, Münchner Nobeldiskotheken gegen die halbe Mannschaft, die Medien gegen die gesamte Mannschaft, Klinsmann gegen eine Werbetonne und Trappatoni gegen leere Flaschen. Wer braucht schon Fußball wenn man mit solchen Nebensächlichkeiten auf die Titelseiten kommt?

Einen Kommentar schreiben