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Es geht bergab

30. September 2026, 18:30 Uhr von Uwe

Die Wanderungen des letzten Urlaubstages standen unter diesem schönen Motto. Immerhin hatte ich mir die Knie bis dato noch nicht völlig ruiniert, es war also quasi die letzte Gelegenheit 😉

Der Tag begann wie üblich mit einem guten Frühstück. Das heißt, eigentlich begann er mit einem Blick aufs smarte Phone, weil ich einen Platz beim Italiener für den Abend reservieren wollte. Da war aber nix zu reservieren, weil ausgebucht. Somit wurde kurzerhand ein Platz im anderen Restaurant reserviert, womit man sich anstatt auf Pizza eben auf ein Stück Fleisch mit Pommes freuen konnte. Danach ging es aber tatsächlich zum Frühstück.

Fahrt nach Alp Grüm (27.2 km, 1:01h, ↗536m, ↘220m)

Gut gestärkt und mit Hut, Sonnenbrille, Lichtschutzfaktor und Getränken ausgestattet begann nun der große Wandertag. Dazu wurde wie schon an den Vortagen die Fahrt Richtung Berninapass aufgenommen. Da war ich zwar in den Vortagen schon mehrfach langgekommen, aber die Albulastrecke war nach dem Unwetter vom Vortag – welches in St. Moritz nur als entferntes Donnergrollen und dreieinhalb Regentropfen erkennbar war – tatsächlich unterbrochen. Das Unwetter hatte nämlich im Val Bever, also zwischen Bever und dem Albulatunnel, keine fünf Kilometer von St. Moritz entfernt, einen Erdrutsch verursacht, der da die Strecke unterspült hatte. Außerdem ist die Landschaft am Berninapass immer eine Reise wert.

Cabriowagen mit luftiger Aussicht gab es heute keine, war aber auch nicht notwendig, hatte ich ja erst am Vortag gehabt. Die großartige Aussicht konnte man trotzdem genießen, die üblichen Highlights (Montebellokurve, Morteratschgletscher, Stausee an der Passhöhe) gehen ja sowieso immer. Nach rund einer Stunde Bahnfahrt stand ich dann also am Aussichtspunkt Alp Grüm und konnte gemächlichen Schrittes mit der Wanderung beginnen.

Wanderung (3.8 km, 2:11h, ↗47m, ↘444m)

Zunächst mal mussten da aber viele Fotos gemacht werden, weil wegen da is ja Aussicht, so in die Ferne und Tiefe, Richtung Cavaglia und Poschiavo. Damit war zumindest mal das Ziel der Wanderung direkt in Sicht, liegen ja auch nur 400 Höhenmeter und rund 1.5km Luftlinie dazwischen.

Vorher musste aber der neu angelegte Kräutergarten angeschaut werden – ich hab von sowas ja keine Ahnung, aber auf einer Seite vom Weg war gelbes Kraut und auf der anderen Seite Schafgarbe. Nachdem dieser Bildungsauftrag also abgearbeitet war ging es nun gemütlich den Berg hinunter, mit kurzer Pause am Bahnübergang, denn da musste ich selbstverfreilich noch ein Foto vom entgegenkommenden Zug machen.

Das erste Zwischenziel war der Lago Palü unterhalb des Palügletschers. Der See ist, wie eigentlich quasi jeder See in der Gegend, eher ein Rückhaltebecken, von dem aus unzählige unterirdische Leitungen zu diversen Wasserkraftwerken führen. So auch hier, und da gab es noch einige entsprechende Schautafeln dazu. Der See war recht schnell erreicht, der Weg dahin nicht allzu schwierig und der Höhenunterschied auch überschaubar. Außerdem hat man da noch das Panorama mit dem Palügletscher im Hintergrund. Allerdings war es wie schon an den vorherigen Tagen gut warm geworden.

Der anstrengende Teil der Wanderung folgte nun, denn jetzt ging es über Stock und vor allem Stein – große Steine, die eine nicht DIN-genormte steile Treppe formen, die es hinabzusteigen galt. Immerhin konnte man da nebendran gleich mehrere Wasserfälle entdecken. Zwischendrin ging das dann allerdings mächtig auf die Beinmuskulatur und die Knie. Der steile Abstieg war dann aber bald geschafft und es folgte noch ein länglicher quasi ebener Abschnitt, bei dem man sich schön lockern konnte.

Am Bahnhof Cavaglia angekommen war nun allerdings noch viel Wartezeit bis zum nächsten Zug angesagt. Man hätte da jetzt auch noch weiter zum Gletschergarten wandern können, aber irgendwie hielt sich die Motivation schwer in Grenzen. Am Bahnhof selbst war ordentlich Betrieb, diverse Wanderer und eine Mountainbike-Gruppe warteten da am Bahnsteig. Allerdings nur bis sie von der Bahnhofsvorsteherin zusammengestaucht worden waren (ich spreche kein Italienisch, aber es klang schon gewaltig nach Zeter und Mordio) – da war ein schmaler Bahnsteig zwischen den Gleisen und dort darf man sich wohl nicht aufhalten wegen „is gefährlich“ oder so. Allein die Tatsache, dass es da an diesem Bahnhof mitten im Nirgendwo überhaupt Personal gibt…

Wie auch immer, der Zug in Richtung Berninapass kam pünktlich (warum erwähne ich das überhaupt?) und somit ging es dann zum letzten Mal in diesem Urlaub über den Pass.

Nochmal übern Berg (17.5 km, 0:36h, ↗545m, ↘219m)

Der Plan war, bis zur Station Bernina Suot zu fahren, das ist eine von mehreren Stationen zwischen Morteratsch und der Passhöhe, von denen aus man jeweils Umsteigemöglichkeiten zu Bergbahnen hat (Bernina Suot, Bernina Diavolezza und Bernina Lagalb nämlich). Auf Seilbahn hatte ich es allerdings nicht abgesehen, sondern ich wollte nochmal schauen, ob ich in Richtung der Wasserfälle oberhalb von Morteratsch laufen und dann noch einen finalen Abstecher Richtung Montebellokurve machen könnte.

Kurz hinter der Passhöhe kam dann ein italienisches Pärchen an und der Kerl (ein typischer Klischee-Italiener um die 55 Jahre, sonnengebräunt, mit Blingbling-Kettchen und Gel im Haar) war dann tatsächlich der Meinung meinen Sitzplatz am Fenster beanspruchen zu müssen. Ich war mir ziemlich sicher, dass der Typ keine Platzreservierung hatte, er sprach aber auch kein Englisch oder Deutsch, sondern wedelte nur mit seinem Ticket. Da ich aber ohnehin fünf Minuten später aussteigen wollte war mir das nun grad egal, setzte ich mich eben auf der anderen Seite an den Gang eines quasi leeren Viererabteils, während der Knilch anschließend nur damit beschäftigt war, seine Freundin – eine typische Klischee-Italienerin, abzuknutschen. Man fragt sich, warum er dafür nun einen Fensterplatz wollte, wenn er eh nur Augen für seine Tussi hatte.

Egal, ich stieg dann in Bernina Suot aus und begann die letzte Wanderung des Urlaubs.

Weiter wandern (3.0 km, 0:54h, ↗129m, ↘275m)

Die Strecke kannte ich schon, die war ich 2023 schon mal gelaufen, damals war es allerdings an der Passhöhe losgegangen und die Wanderung endete schlussendlich in Pontresina. Ganz so weit wollte ich heute definitiv nicht mehr wandern. Bis zu den Wasserfällen geht es da mehr oder weniger gradeaus, und zwischendrin wähnt man sich ob der Aussichten schon mal in der kanadischen Wildnis.

An den Wasserfällen wird es dann natürlich gemäß steiler, und irgendwie lockte mich dann die Aussicht auf den Anstieg in Richtung Montebellokurve nicht mehr so richtig – bei deutlich über 30°C die 50m hoch, dann da in der Sonne rumstehen und auf den nächsten Zug als Fotomotiv warten, dann wieder den gleichen steilen Weg runter nach Morteratsch – dann lieber direkt nach Morteratsch und direkt in den nächsten Zug, zumal der in Kürze ohnehin abfahren würde. Die gesparte Zeit ließe sich mit einem Eisbecher in St. Moritz viel besser verbringen.

Rückfahrt (12.1 km, 0:36h, ↗0m, ↘133m)

Und so ließ ich die Montebellokurve also auch diesmal wieder rechts liegen und marschierte direkt zur Bahnstation. Da war auch ordentlich Betrieb, ebenso im Zug, aber für die paar Meter zurück nach St. Moritz war das nun auch egal. Und so war ich dann bereits kurz nach 14 Uhr zurück in St. Moritz, bei brütender Hitze und mit schmerzenden Beinen.

Spachteln und Schnabulieren (1.5 km, 1:06h, ↗90m, ↘34m)

Nun ging es also nochmal durch das Parkhaus in Richtung Rolltreppen – da war irgendwie auch massiv Betrieb und ich nutzte die Gelegenheit einen dort parkenden Rolls-Royce (so einen klassischen aus den 1980er Jahren) zu fotografieren. Oben angekommen machte ich dann noch ein Vergleichsfoto vom vor dem Kulm-Hotel geparkten Nobelhobel. Das klassische Model entschied den Vergleich klar für sich und ich stapfte nun mit schweren Beinen in Richtung Eiscafé.

Dort war auch tatsächlich ein Tisch frei, und ich hatte nun Zeit für ausführliche Studien. Da waren die drei depperten deutschen Touristen am Nachbartisch, die sich über alles und jeden aufregten, insbesondere aber über die Tatsache dass quasi jeder vorbeilaufende andere Tourist am Brunnen neben dem Café seine Trinkflasche auffüllte, obwohl da ein Schild „kein Trinkwasser“ dranhing. Ob ich mich nun damit vergifte oder mit einer Mischung aus Gin Tonic,Wein und Käsekuchen (wie diese depperten Touristen am Nebentisch) kommt ja am Ende aufs Gleiche raus, außerdem kann es einem doch völlig furzegal sein was andere machen, tun, trinken oder essen. Werd ich nie verstehen…

Ich orderte jedenfalls einen Eisbecher (den gleichen wie schon einige Tage vorher) und weil der gefühlt auf dem Weg in den Magen schon verdunstete wurde noch ein Milchshake hinterhergespült. Damit war ich nun für die letzten 150m Weg ins Hotel gestärkt.

Wie schon an den Vortagen wurde nun vor dem Abendessen noch ein Abstecher in die Sauna gemacht, diesmal war da aber ordentlich Betrieb. Das eine Ehepaar, was schon an den vorherigen beiden Tagen da war, war auch wieder da, dazu aber auch noch ein paar mehr Leute, so dass alle Liegen besetzt waren. Ich machte es mir also in der Weichei-Sauna (60 Grad) gemütlich, weil die andere gut besucht war. Da hatte ich meine Ruhe, und die Temperatur ließ sich auch besser aushalten. Blöd war nur, dass die Sanduhr nicht ordentlich rieselte und aus der Viertelstunde dann irgendwie 20 Minuten wurden – egal, Hauptsache warm und gut für die Muskulatur.

Das letzte Abendmahl des Urlaubs wurde dann im morgens reservierten Hotelrestaurant eingenommen. Da gab es dann zur Feier des Tages ein lecker Steak mit Kräuterbutter, Pommes und gebratenem Gemüse – das erleichtert das Konto mal eben um 50 Franken, und dazu muss man ja auch noch was trinken. Aber dafür ist es Urlaub, da muss man sich auch mal was gönnen, und das Steak war auch ausgezeichnet, wahrscheinlich aus lokalem Anbau von glücklichen lila Kühen, die nur glückliches Gras gefressen haben oder so.

Und damit war dann der letzte Urlaubstag irgendwie auch geschafft – am nächsten Morgen hieß es dann Rückfahrt antreten.

 

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