Als ich vor langer langer Zeit in einer weit weit entfernten Galaxis, äh, in einem weit weit im Südwesten Deutschlands gelegenen Arbeitgeber anfing, hatte ich noch einen Notizblock am Arbeitsplatz, der auch ständig benutzt wurde, um Zeugs zu notieren. Irgendwann, vor über 15 Jahren inzwischen, wechselte ich Arbeitgeber und Region, und aus dem Notizblock wurden A4-Hefte mit Karopapier.
Das blieb so bis etwa 2017 der Fall. Dann wechselte ich die Abteilung, bekam andere Aufgaben, und hatte nicht mehr so viele Gründe Zeugs aufzuschreiben. Dann kam irgendwann Corona und ich arbeitete von daheim. Da ging mir dann irgendwann der Notizblock aus, und ich fing an, Notizen im Texteditor zu machen. Und da man sich nicht mehr zum Meeting im Meetingraum traf, sondern in der Videokonferenz, konnte man auch dort bequem elektronische Notizen machen. Damit war das papierlose Büro quasi zur Realität geworden.
Gut, eigentlich wars eher das mitarbeiterlose Büro, denn der Mitarbeiter – nämlich ich – saß ja weiterhin dahoam. Warum sollte ich auch ins Büro kommen, wenn die Kollegen nicht da waren, bzw. die Kollegen in anderen Niederlassungen oder gar anderen Ländern arbeiten?
Das mitarbeiterlose Büro fiel nun auch meinem Brötchengeber auf, weswegen ich heute letztmalig (vorerst zumindest) ins Büro stiefelte – und meinen ganzen Kram aufräumte und entsorgte. Man glaubt ja gar nicht, welchen Kabelsalat man in 15 Jahren in der Schreibtischschublade züchten kann. Ich entdeckte außerdem ungefähr 300 Kugelschreiber, fünf Locher, mehrere Kilometer Netzwerkkabel, hundertdrölfzig Textmarker, kaputte SD-Karten, Zertifikate als zertifizierter Schulungsteilnehmer und jede Menge anderen Müll. Zum Glück konnte das alles direkt weggeworfen werden, natürlich ordentlich getrennt nach Papiermüll, Elektroschrott und so weiter, wir sind ja immer noch in Deutschland.
Und damit gibt es nun kein mitarbeiterloses Büro mehr, sondern einen bürolosen Mitarbeiter. Also eigentlich viele bürolose Mitarbeiter, denn es betrifft ja nicht nur mich. Jetzt gilt vorerst mal Arbeit von daheim, im Bürogebäude gibt es dann sogenannte Flexdesk-Lösungen, und nächstes Jahr zieht die Firma eh nach Nürnberg um, was meinen Arbeitsweg – wenn ich ihn denn antreten sollte – mal eben verzehnfacht.

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