Ich hab in den letzten Tagen ein lustiges Spiel gezockt, bei dem man Chef einer Chaotentruppe von Superhelden ist, die nicht so wirklich heldenhaft sind.
Vorgestellt werden sie dem Spieler als „your own motley crew of dangerous fuck ups“. Und damit sind wir beim Thema, denn Mötley Crüe (nur echt mit mehr Umlauten als Motörhead und Blue Öyster Cult) sind bzw. waren genau so eine Chaotentruppe von Tunichtguten, die mehr Drogen nahmen als Ozzy Osbourne (zumindest in Summe über alle Bandmitglieder) und nebenbei irgendwie trotzdem Musik machten.
Ende 1981 erschien das Debütalbum „Too Fast For Love“. Hier war noch nicht viel vom späteren glattpolierten Sound zu hören, stattdessen ging es noch recht ungeschliffen zu. Das Album kam in zwei Versionen in den Handel, in der späteren Version fehlte dieser Titel, warum auch immer.
Das 1983 erschienene zweite Album war, um es mit den Worten von Bela B. zu sagen, so „richtig schön evil“. Also zumindest vom Coverartwort und dem Titel her. Das Titelstück wurde entsprechend zum Hit, außerdem erreichte die Scheibe gar nicht mal schlechte Chartplatzierungen, obwohl die Musik alles andere als satanisch ist. Mehr Schein als Sein, aber das Image war am Sunset Strip ja schon immer besonders wichtig.
1985 erschien das nächste Album „Threatre of Pain“. Die Band, zumindest einige Bandmitglieder, hatten zu diesem Zeitpunkt schon erhebliche Drogenprobleme, die nicht zuletzt zu einem Autounfall führten, bei dem der Schlagzeuger der Hanoi Rocks starb. Zur eher seichten Ballade Home Sweet Home wurde ein Video gedreht, und bei einigen Bandmitgliedern erkennt man deutlich, dass sie ziemlich am Arsch sind und die Spuren durch Sonnenbrillen verbergen wollen.
Das Folgealbum erschien 1987 ist wohl das typischste Crüe-Album, was den textlichen Inhalt betrifft. Sex, Drugs, Rock’n’Roll – nicht zwingend in dieser Reihenfolge. Sänger Vince Neil hatte einen Entzug hinter sich, Schlagzeuger Tommy Lee hatte erstmals geheiratet (Schauspielerin Heather Locklear) und Bassist Nikki Sixx war immer noch rund um die Uhr auf Drogen. Trotzdem erreichte das Album beinahe Platz 1 der Charts, nur Whitney Houston war im Weg.
Das finale Album der erfolgreichsten Crüe-Zeit erschien 1989 und landete diesmal doch auf Platz 1. Nachdem einzelne Bandmitglieder es vorher beinahe geschafft hatten, sich durch Überdosen ins Jenseits zu katapultieren (Nikki Sixx entging 1987 nur knapp dem Tod, der Notarzt konnte ihn erfolgreich reanimieren – und Sixx hatte nix besseres zu tun, als aus dem Krankenhaus zu türmen und sich daheim angekommen den nächsten Schuss zu setzen). Die Plattenfirma schickte die Truppe zum Entzug, und parallel zu den Aufnahmen hing man viel mit Aerosmith ab (ebenfalls erfahren im Umgang mit toxischen Substanzen und gerade erst clean geworden).
Ebenfalls vom 1989er Album „Dr Feelgood“ stammt diese Nummer, deren Intro schwer nach startendem Motorrad klingt – aber trotzdem nur eine Gitarre ist.
Ab 1991 wurde es recht ruhig um die Band. Glam und Hair Metal war tot, Nirvana und Grunge war angesagt, und nach internen Querelen musste Sänger Vince Neil den Hut nehmen. Tommy Lee heiratete Baywatch-Nixe Pamela Anderson, und überhaupt war die Band eher im Bezug auf ihre Ehefrauen (Playmates und Schauspielerinnen) in den Schlagzeilen. Ende der 90er gab es weitere Personalwechsel, und musikalisch war die Truppe nicht mehr relevant. 2001 erschien die Bandbiographie „The Dirt“, die zur erneuten Annäherung der Originalbesetzung führte, welches schließlich zu einer Reunion und einem neuen Album im Jahr 2008 führte.
Fassen wir zusammen: Mötley Crüe waren die wildesten Musiker der 80er Jahre in Los Angeles, und ihre größte Leistung besteht darin, überhaupt noch am Leben zu sein. Achja, und einige Glamrock-Klassiker kamen auch noch bei rum.

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