{"id":877,"date":"2010-07-18T19:24:16","date_gmt":"2010-07-18T18:24:16","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.ws\/?p=877"},"modified":"2010-07-18T19:24:16","modified_gmt":"2010-07-18T18:24:16","slug":"kopfschutteln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2010\/07\/18\/kopfschutteln\/","title":{"rendered":"Kopfsch\u00fctteln!"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Wochenende war im beschaulichen Balingen Metalfestival angesagt &#8211; Bang Your Head! um genau zu sein. Es folgt die Kurzzusammenfassung f\u00fcr alle, die zu faul zum Lesen sind: Oberaffenmegageil wars!<\/p>\n<p><!--more--><strong>Anfahrt<\/strong><\/p>\n<p>Los gings mit einem Kollegen am Freitag gegen 11 mit der Fahrt von Erlangen nach Balingen mit Umweg \u00fcber B\u00f6blingen (bei den Kollegen vorbeischauen und Post abliefern). Hinter Stuttgart war dann Stau, wir kamen aber trotzdem wunderbar p\u00fcnktlich und bei tollstem Sonnenschein am Gel\u00e4nde an.<\/p>\n<p>Es stellte sich schnell heraus, dass sich das gesamte Festival um eine Person drehte, die leider nicht anwesend sein konnte und auch nie wieder auf einer irdischen B\u00fchne stehen wird &#8211; Gott in persona <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ronnie_James_Dio\">Ronnie James Dio<\/a> ist ja bekannterma\u00dfen im Mai an Krebs gestorben und spielt nun vermutlich in einer Allstarband mit John Bonham, John Entwistle und Jimi Hendrix oder so. Die L\u00fccke, die Dio hinterl\u00e4\u00dft, war f\u00f6rmlich greifbar &#8211; jede Band widmete ihm mindestens einen Song oder spielte einen seiner Songs. Ebenso wurde in den Umbaupausen nur Zeugs gespielt, bei dem Dio am Mikro stand &#8211; und da gibts aus den \u00fcber 30 Jahren bei Rainbow, Black Sabbath und solo ja so einige unsterbliche Klassiker.<\/p>\n<p>Wir kamen gerade an, als <strong>Anvil<\/strong> schon mitten in ihrem Set waren. Die sind ja seit einer sehr gelungenen Doku (die ich noch nicht kenne) in aller Munde und erleben gerade ihren x-ten Fr\u00fchling. Entsprechend wurden sie bei br\u00fctender Hitze auch abgefeiert. Wir begn\u00fcgten uns mit einem Radler und freuten uns \u00fcber das kurz angespielte <em>Heaven And Hell<\/em>, bevor die Umbaupause kam und ein Piano auf die B\u00fchne gewuchtet wurde.<\/p>\n<p>Ein Piano hat auf der B\u00fchne nur bei zwei Bands was zu suchen, und da Freddie Mercury bekanntlich nur noch im Rock&#8217;n&#8217;Roll-Himmel auftritt, kann nur noch Mountain King <strong>Jon Oliva<\/strong> in Frage kommen. Der startete mit einigen neuen Songs, freute sich diebisch \u00fcber die Fans und war allerbestens bei Stimme. \u00dcberhaupt ist der Mann ein Ph\u00e4nomen mit tonnenweise Charisma, was man vor allem bei seinen Ansagen zum nach wie vor br\u00fcllendhei\u00dfen Wetter merkte &#8211; er ist ja nicht der Schlankste, um es mal vorsichtig zu formulieren, was ihn aber nicht davon abhielt, wie ein Derwisch \u00fcber die B\u00fchne zu toben. So richtig ging nat\u00fcrlich die Post ab, als er die alten Savatage-Klassiker ausgrub. Das begann mit <em>Edge Of Thorns<\/em>, ging weiter mit <em>Sirens<\/em> (ich h\u00e4tte ja nie gedacht, dass er das \u00fcberhaupt noch mal live bringt), <em>The Dungeons Are Calling<\/em> und endete mit <em>Hall Of The Mountain King<\/em> (und zwischendrin waren noch mehr, aber die hab ich schon wieder vergessen&#8230;). Zwischendrin widmete er Dio den sowieso besten Savatage-Song aller Zeiten, n\u00e4mlich <em>Believe<\/em>. Und da rollten bei mir dann die Tr\u00e4nen, wenn auch eher weil mir der Zigarettenqualm vom Nebenmann in den Augen brannte&#8230; Nach einem weiteren aktuellen Song gabs dann noch <em>Rainbow In The Dark<\/em> und nicht nur ich war restlos begeistert.<\/p>\n<p>N\u00e4chste im Bunde war <strong>Doro<\/strong>, die vermutlich auch in der Sahara noch mit Leder und Nieten herumlaufen w\u00fcrde (obgleich sie zwischendurch auch zu k\u00e4mpfen hatte und kaum mit dem Trinken hinterherkam). Auch sie konzentrierte sich auf alte Schoten aus Warlock-Zeiten wie <em>I Rule The Ruins<\/em>, <em>Earth Shaker Rock<\/em> und das allseits bekannte <em>All We Are<\/em>. Zwischendrin gabs neuere Sachen, <em>F\u00fcr Immer<\/em> durfte nat\u00fcrlich keinesfalls fehlen und als Bonusschmankerl obendrauf wurden <em>Breaking The Law<\/em> und <em>Egypt (The Chains Are On)<\/em> serviert. Vorhersehbarer Auftritt, aber genau passend zu diesem Zeitpunkt auf dem Festival.<\/p>\n<p>Nun war es Zeit f\u00fcr <strong>Krokus<\/strong>. Ich kannte die Eidgenossen bis dato nur vom Namen (und von der aktuellen Single, die als Zugabe gespielt wurde), aber Anfang der 80er m\u00fcssen die mal &#8217;ne gro\u00dfe Nummer gewesen sein, die dann den Durchbruch doch nicht geschafft hat. Auf jeden Fall lieferten sie eine gute Show, der Begeisterung der \u00e4lteren Semester nach zu urteilen wurde auch viel Altbekanntes gespielt &#8211; ich kannte davon nur <em>American Woman<\/em>, weil das &#8217;n Cover aus den Sp\u00e4tsechzigern ist. Auf jeden Fall rockte das Zeugs schon ordentlich, ich denke mal ich muss mir da mal ein paar CDs zulegen um die Bildungsl\u00fccke zu f\u00fcllen&#8230;<\/p>\n<p>Headliner am Freitag waren <strong>Hammerfall<\/strong>. Die Jungs sind ja inzwischen auch schon seit deutlich \u00fcber 10 Jahren im Gesch\u00e4ft und spielten eine richtig gute Show, mit ein paar launigen Ansagen, die zeigten, dass sie sich selbst nicht so ganz bierernst nehmen. Die Fans fuhren jedenfalls tierisch drauf ab, und bei Mitgr\u00f6hlnummern wie <em>Hearts On Fire<\/em> oder inzwischen zu Klassikern gereiften Fr\u00fchwerken wie <em>Heeding The Call<\/em> war weiter vorn heftiges Propellerbanging angesagt, und Dio wurde (wie kaum anders zu erwarten) durch <em>Man On The Silver Mountain<\/em> gew\u00fcrdigt. Die Headlinerrolle haben sie jedenfalls problemlos ausgef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Danach gings dann zu meinem Kollegen nach Hause zum \u00dcbernachten und Ausschlafen, am n\u00e4chsten Tag hatte das Wetter leider umgeschlagen, es war knappe 20 Grad kalt und regnete in Str\u00f6men. Den Auftritt von <strong>Fates Warning <\/strong>verfolgten wir daher von einem Pommesstand au\u00dferhalb des Festivalgel\u00e4ndes. Es wurde dann aber langsam besser, wir wagten uns aufs Gel\u00e4nde, stellten uns unters Partyzelt und begannen den Tag erstmal mit einem Bier. Den Auftritt der <strong>Quireboys<\/strong> ignorierten wir geflissentlich, ich kannte die Band nicht, und das was ich h\u00f6rte war nicht unbedingt angetan, diesen Zustand zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Der Regen hatte aufgeh\u00f6rt, und <strong>Nevermore<\/strong> gingen auf die B\u00fchne. Sie zockten zwar ein richtig heftiges Brett, aber entweder wars noch zu nass, oder die Songs zu anspruchsvoll, aber ich hatte nicht so richtig den Eindruck, als wenn der Funke \u00fcberspringen wollte. Auf Tonkonserve sind sie aber eh \u00fcber jeden Zweifel erhaben.<\/p>\n<p>Vorletzte Band und erstes Highlight des Tages waren danach <strong>Queensr\u00ffche<\/strong>. Bl\u00f6derweise spielten die ziemlich viele neue Sachen, die die Fans nicht nachhaltig beeindruckten. Das \u00e4nderte sich, als endlich <em>Breaking The Silence<\/em>, <em>Jet City Woman<\/em>, <em>Silent Lucidity<\/em> und <em>I Don&#8217;t Believe In Love<\/em> ausgepackt wurden. S\u00e4nger Geoff Tate hielt eine sehr bewegende Ansprache \u00fcber Dio (Queensr\u00ffche hatte mehrfach mit ihm zusammengearbeitet), bevor die Band eine b\u00e4renstarke Version von <em>Neon Knights<\/em> ablieferte, bei der insbesondere Geoff Tate bewies, dass er nach wie vor zu den Besten seines Fachs z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Und damit war die Zeit reif f\u00fcr den Headliner. Vor der B\u00fchne wurde es merklich enger, die letzten Wolken verzogen sich zum Sonnenuntergang, und alles wartete auf <strong>Twisted Sister<\/strong>. Ums kurz zu machen: Es wurde ein Triumphzug. Mit Hits wie <em>I Wanna Rock<\/em>, <em>I Am (I&#8217;m Me)<\/em>, <em>The Kids Are Back<\/em>, <em>Under The Blade<\/em>, <em>Stay Hungry<\/em>, <em>Captain Howdy<\/em>, <em>You Can&#8217;t Stop Rock&#8217;n&#8217;Roll<\/em> und nicht zuletzt <em>We&#8217;re Not Gonna Take It<\/em> (was die Fans so lange weiterbr\u00fcllten, bis die Band den Refrain noch zweimal wiederholt hatte) kann man aber auch nicht viel falsch machen. Zu <em>Burn In Hell<\/em> wurde Dee Snider in grellrotes Licht getaucht, beim Schlagzeugsolo wurde mit LEDs im Drumstick mal eindrucksvoll visualisiert, wie sich die Bewegungsmuster so ver\u00e4ndern beim Trommeln und auch sonst war alles im dunkelgr\u00fcnen Bereich. Die Fans gingen ab wie Schmidt&#8217;s Katze, eine Dame pr\u00e4sentierte auf den Schultern ihres Freundes sitzend ihre prallen Silikonm\u00f6pse und Dee Snider sprang \u00fcber die B\u00fchne wie ein Flummi auf Speed. Sp\u00e4testens beim von allen Fans mitgesungenen <em>Long Live Rock&#8217;n&#8217;Roll<\/em> (einen passenderen Song h\u00e4tten Twisted Sister nicht covern k\u00f6nnen) rasteten dann endg\u00fcltig alle aus &#8211; nun muss man auf die DVD warten, die die Band aus diesem superfetten Auftritt schneidern will.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Feuerwerk beendete anschlie\u00dfend zwei Tage Headbangen, und nach einem Absackerbier war dann auch f\u00fcr uns Schluss. Und nun noch die Plusminus-Kritik:<\/p>\n<p>Es ist nicht Metal:<\/p>\n<ul>\n<li>mit Baggypants, Calvin Klein-Unterhose und Sonnenbrille cool in der Gegend herumzustehen und w\u00e4hrend eines Bandauftritts zu telefonieren (oder es zu versuchen, zum Gl\u00fcck war die Band laut genug)&#8230;<\/li>\n<li>stoisch in der Gegend herumzuglotzen, w\u00e4hrend ringsrum die Fans am Ausrasten sind und dabei nicht mal ein Bier in der Hand zu halten, was als Ausrede dienen k\u00f6nnte<\/li>\n<li>w\u00e4hrend des Auftritts nur damit besch\u00e4ftigt zu sein, Handyfotos unterirdischer Qualit\u00e4t zu machen, anstatt mitzusingen\/mitzuklatschen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es ist sehr Metal<\/p>\n<ul>\n<li>anderen zu sagen, dass sie ein cooles Shirt \/ Backpatch \/ Hut tragen<\/li>\n<li>sich nicht einfach vorzudr\u00e4ngeln, sondern zu warten, bis Platz ist (egal ob vor der B\u00fchne oder am Klo oder am Bierstand)<\/li>\n<li>den M\u00fcll in die M\u00fcllbeh\u00e4lter zu tun und nicht das ganze Gel\u00e4nde einzum\u00fcllen<\/li>\n<li>den Damen, die am Freitag viel Haut zeigten, nicht ungeniert hinterherzupfeifen, sondern sich gesittet zu benehmen (bzw. wenn doch mal einer nen bl\u00f6den Spruch l\u00e4sst, dieser von seinen Kumpels zurechtgewiesen wird)<\/li>\n<li>drauf aufzupassen, dass die Bierholer selbiges nicht im Gedr\u00e4nge verkippen<\/li>\n<li>sich entschuldigen und schulterklopfen, wenn beim Propellerbanging dem Nachbarn die Haare ins Gesicht fliegen<\/li>\n<li>erwachsen genug zu sein, sich nicht bei 30 Grad und prallem Sonnenschein die Kante zu geben<\/li>\n<li>Leute mit Kindern auf den Schultern nach vorn zu lassen, wenn die Kinder Geh\u00f6rschutz tragen (was bei fast allen der Fall war)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Man merkt dem Festival durchaus an, dass die Fans im Schnitt deutlich \u00dc40 sind. Es geht einfach sehr sch\u00f6n relaxt zu, man kann mit vielen Leuten prima quatschen, die wenigsten kommen einem bl\u00f6d, weil man andere Bands mag, und \u00fcberhaupt zeigt sich in vielen kleinen Gesten deutlich, dass die Leute Spa\u00df haben wollen, ohne in irgendeiner Form agressiv zu sein. Und so machts dann auch Spa\u00df, da hinzugehen.<\/p>\n<p>Ruhe in Frieden, Ronnie &#8211; deine Songs sind unsterblich, das hat dieses Festival auf beeindruckendste Art gezeigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Wochenende war im beschaulichen Balingen Metalfestival angesagt &#8211; Bang Your Head! um genau zu sein. 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