{"id":87,"date":"2005-09-20T00:00:10","date_gmt":"2005-09-19T23:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.ws\/blog\/2005\/09\/20\/geld-regiert-die-welt\/"},"modified":"2005-09-20T00:00:10","modified_gmt":"2005-09-19T23:00:10","slug":"geld-regiert-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2005\/09\/20\/geld-regiert-die-welt\/","title":{"rendered":"Geld regiert die Welt"},"content":{"rendered":"<p>&#8230;aber wer regiert das Geld? Schlie\u00dflich gibt es ja beim Geld nur eine Regel: Die mit dem Geld machen die Regeln. Aber der Reihe nach: Was ist Geld \u00fcberhaupt? Dar\u00fcber haben sich schon viele Leute den Kopf zerbrochen, K\u00fcnstler, Philosophen, Gauner und andere Menschen wie du und&#8230; naja, jedenfalls haben schon viele dar\u00fcber nachgedacht, und keiner hat eine allumfassende Antwort gefunden. Immerhin gibt es zumindest zahllose <a href=\"http:\/\/de.wikiquote.org\/wiki\/Geld\">Weisheiten zum Thema Geld<\/a>. Und es gibt auch kaum ein anderes Wort, f\u00fcr das es so viele nette Bezeichnungen gibt: Kohle, Kies, Zaster, Knete, Moneten, Schotter, Piepen, um nur mal einige Begriffe zu nennen. Und alle bezeichnen doch nur den schn\u00f6den Mammon. Und da sage noch einer, wir w\u00e4ren arm an Worten&#8230; (\u00e4hnlich schwierig ist es mit dem Wort &#8222;nein&#8220;, je nach Region kriegt man da von n\u00f6 \u00fcber nee bis hin zu naaa und ni alles zu h\u00f6ren &#8211; und in Ostsachsen gibts dann noch das Wort &#8222;nu&#8220;, was aber soviel wie &#8222;ja&#8220; bedeutet &#8211; das mu\u00df man einem Ausl\u00e4nder erstmal erkl\u00e4ren&#8230;). Aber zur\u00fcck zum Thema: Was ist Geld?<\/p>\n<p><!--more-->In erster Linie ist es praktisch. F\u00fcr einen kleinen Fetzen bedrucktes Papier kann man die tollsten Sachen kriegen, sei es was zu futtern, eine neue Hose oder ein Gebrauchtwagen. Im Gegenzug mu\u00df man nat\u00fcrlich die tollsten Sachen machen, um an diese Papierschnipsel heranzukommen, Arbeiten gehen zum Beispiel. Geld ist damit Mittel im Tauschgesch\u00e4ft, denn nix anderes ist ja das was man landl\u00e4ufig einkaufen nennt. &#8222;Tausche alten mehrfach zerknickten bedruckten Fetzen Papier gegen den Inhalt des Einkaufswagens (und eine bestimmte Menge Wechselgeld)&#8220;. Ohne Geld w\u00fcrde das ziemlich kompliziert werden. Ich will mir jedenfalls nicht vorstellen, wie viele H\u00fchnereier man zum Gebrauchtwagenh\u00e4ndler karren m\u00fc\u00dfte, damit man einen fahrbaren Untersatz kriegt. Zum Gl\u00fcck gabs in der Steinzeit weder Geld noch Gebrauchtwagen.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt war da das ganze Tauschgesch\u00e4ft viel einfacher: Die M\u00e4nner gingen auf die Jagd, die Frauen h\u00fcteten das Lager. Davon profitierten beide Parteien, die Frauen kriegten einen Teil vom toten Mammut oder S\u00e4belzahntiger oder was sonst so erlegt werden konnte, die M\u00e4nner kriegten die Frauen, und somit hatte die Evolution auch gleich das Problem der Fortpflanzung und Arterhaltung gekl\u00e4rt. Das funktioniert heutzutage allein schon deswegen nicht mehr, weil es erstens keine Mammuts und S\u00e4belzahntiger mehr gibt, und zweitens weil man nicht einfach so eine Kuh von der Weide erlegen kann, denn dar\u00fcber wachen ja zig \u00c4mter, vom Gesundheitsamt bis hin zum Europ\u00e4ischen Amt f\u00fcr Agrarsubvention (oder so), und drittens (last but not least) wird dann auch der oder die Frauenbeauftragte grantig, wenn die Frauen nur am Herd stehen sollen. Aber das soll uns jetzt nur am Rande interessieren.<\/p>\n<p>Kurze Zeit (also einige tausend Jahre) sp\u00e4ter war man dann soweit, einen etwas ausgefeilteren Tauschhandel zu betreiben. So hatte dann in einem Stamm \/ Dorf \/ Lager \/ sonstige Zusammenrottung jeder seine Marktnische. Der eine konnte besonders gut Felle zusammenn\u00e4hen, der n\u00e4chste war besonders geschickt im Umgang mit Waffen, und so weiter und so weiter. Wer gar nix konnte, konnte dann immerhin als schlechtes Beispiel dienen oder wurde Schamane, K\u00f6nig, oder wie auch immer man sonst diese Typen nennen will, die nix sinnvolles tun, aber von allen in den Himmel gehoben werden. Somit war f\u00fcr alle gesorgt und die Marktwirtschaft funktionierte auch (&#8222;Tausche gut erhaltenen wenig gebrauchten Barden gegen kr\u00e4ftigen Schmied&#8220;). Allerdings war damit noch immer nicht das Problem gel\u00f6st, was der Schmied mit den 150 Eiern machen sollte, die er als Bezahlung f\u00fcr das neue Schwert gekriegt hat. Wenn er clever war, bestand er auf Ratenzahlung (&#8222;ein halbes Jahr lang Fr\u00fchst\u00fccksei, und Sonntags auch mal zwei&#8220; &#8211; oder so).<\/p>\n<p>Damit nun die Spezies Mensch nicht an dieser prek\u00e4ren Problematik oder einer Salmonellenvergiftung eingeht (und sich am Ende wom\u00f6glich herausstellt, da\u00df unsere Vorfahren doch lieber auf den B\u00e4umen h\u00e4tten bleiben sollen), hat dann irgendeiner mal gesagt, da\u00df Geld als universelles Tauschmittel eine gute Idee sein mu\u00df. Es ist allerdings nicht \u00fcberliefert, was aus diesem Jemand geworden ist. Vermutlich wurde er ins zeitgen\u00f6ssische Pendant der Klapsm\u00fchle eingewiesen. Wie so viele mehr oder weniger bahnbrechende Erfindungen hat es sich dann doch durchgesetzt, mal in Form von Goldst\u00fccken (schwer und unhandlich, aber immerhin gl\u00e4nzend), mal als Salzklumpen, oder was auch sonst einen gewissen materiellen Wert darstellte. Und irgendwann wurde dann tats\u00e4chlich ein Fetzen Papier zum Tauschobjekt &#8211; gewisserma\u00dfen der Gipfel der Abstraktion, immer sch\u00f6n nach dem Motto &#8222;Papier: fast kostenlos, Farbe: fast kostenlos, Bedrucken: fast kostenlos, mehr bedruckte Papierschnipsel als der Nachbar haben: unbezahlbar&#8220;&#8230;<\/p>\n<p>Inzwischen ist die Abstraktion noch weiter fortgeschritten, Geldscheine braucht keiner mehr, eine Plastekarte und ein Computernetzwerk reicht v\u00f6llig aus. Und das ganze Verm\u00f6gen steht irgendwo in irgendeinem dunklen Keller als eine Folge von Einsen und Nullen. Da der Mensch aber doch lieber eine dicke Brieftasche mit sich rumschleppt &#8211; man kann halt besser damit angeben &#8211; wird sich das wohl aber nur als zweite Variante neben der alten &#8222;nur Bares ist Wahres&#8220;-Mentalit\u00e4t durchsetzen. Aber das ist nur ein Randproblem, zur\u00fcck zur Erfindung des Geldes als universales Tauschmittel: Mit dieser bahnbrechenden Erfindung waren nun so ziemlich alle Probleme des Tauschhandels beseitigt: Der Schmied mu\u00dfte sich nicht mehr um die Haltbarkeit seiner Fr\u00fchst\u00fcckseier sorgen, dem Barden wollte immer noch niemand zuh\u00f6ren, in die k\u00f6nigliche Schatzkammer pa\u00dften mehr Geldscheine als Goldm\u00fcnzen &#8211; und Gebrauchtwagen gab es immer noch keine.<\/p>\n<p>Somit w\u00e4re nun zwar gekl\u00e4rt, warum das Geld erfunden wurde, die n\u00e4chste Frage ist nun, warum immer alle zu wenig davon haben (was ungef\u00e4hr \u00e4quivalent zur Frage ist, warum das Wetter grunds\u00e4tzlich zu warm, zu kalt, zu na\u00df oder zu trocken ist). Aber eigentlich ist die Frage ja eine v\u00f6llig andere, denn Geld ist ja offenbar genug da. Entweder habens die falschen (der dicke Nachbar auf der anderen Stra\u00dfenseite zum Beispiel) oder man schuldets den falschen (im Regelfall der Bank). Und wenn man das nun \u00fcber alle Leute aufaddiert ist v\u00f6llig klar, da\u00df keiner genug Geld hat &#8211; was aber niemanden daran hindert, es f\u00fcr die sinnlosesten Dinge auszugeben.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich kann man Geld nicht nur ausgeben, man kann es auch einnehmen. Daf\u00fcr tut man entweder die bereits erw\u00e4hnten komischen Dinge (das Wort, welches mit A anf\u00e4ngt und rbeit aufh\u00f6rt). Das Konzept ist ja nicht neu und funktionierte schon bei den Urmenschen. Die ersten Probleme gab es vermutlich bei den Schamanen. Die lasen wahlweise in irgendwelchen Knochen, den Gestirnen oder in den noch nicht erfundenen esoterischen Zeitschriften. Das Ergebnis war in jedem Fall mindestens so akkurat wie die Wettervorhersage (deswegen hei\u00dft sie ja auch Sage, so wie in Argonautensage oder Nibelungensage &#8211; irgendwas wahres ist immer dabei). Ein cleverer Schamane konnte sich damit aber definitiv \u00fcber Wasser halten (&#8222;heiter bis wolkig, teilweise bedeckt, \u00f6rtlich Niederschl\u00e4ge, Wind aus wechselnden Richtung in verschiedenen St\u00e4rken&#8220;, &#8222;abends ist mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen&#8220;, &#8230;). Im Zweifelsfall konnte er damit noch als M\u00e4rchenonkel f\u00fcr den Stammesnachwuchs herhalten, das war dann wenigstens einigerma\u00dfen sinnvoll.<\/p>\n<p>Richtig problematisch wurde das mit dem Geld dann jedoch im Mittelalter. Da gab es K\u00f6nige, die au\u00dfer einem gro\u00dfen Hofstaat mit prunkvollem Gefolge nichts weiter zu unterhalten hatten. Naja, zwischendrin gab es noch den einen oder anderen Krieg oder Kreuzzug. Das brachte Ruhm und Ehre und sorgte daf\u00fcr, da\u00df die Lebenserwartung von K\u00f6nigen nicht ins Unerme\u00dfliche stieg. Aber irgendwie fehlt jetzt der Zusammenhang, denn auch ein K\u00f6nig braucht erstmal das Geld um sich einen Hofstaat leisten zu k\u00f6nnen. Arbeiten kommt bei einem K\u00f6nig nat\u00fcrlich nicht in Frage, das Volk bezahlt aber vermutlich auch nicht unbedingt freiwillig wenn ein neues Abgabengesetz in Kraft tritt. Andererseits wollen Soldaten, M\u00e4tressen und alles was ein K\u00f6nig sonst noch so ben\u00f6tigt auch irgendwie bezahlt werden. Da Bauern, Handwerker und das sonstige Volk ja erstens sowieso keine Kohle haben (siehe oben) und sie zweitens (wenn denn erstens falsch w\u00e4re) dem K\u00f6nig ihre Ersparnisse nicht freiwillig \u00fcberlassen wollen, haben sich clevere Leute was einfallen lassen (wie so oft in diesem komischen Ding was sich Menschheitsgeschichte nennt).<\/p>\n<p>Und weil die Menschheit manchmal tats\u00e4chlich besonders clevere Exemplare hervorbringt, gab es sogar mehrere tolle Ideen, wie man den Problemen mit dem Reichtum und der Finanzierung begegnen k\u00f6nnte. Die erste und nicht ganz so erfolgreiche Variante nennt sich Askese und hat nix mit einem l\u00f6chrigen Milchprodukt zu tun. Zahlreiche Religionen predigen ein Leben in Enthaltsamkeit. Das ist nat\u00fcrlich f\u00fcr den Rest der Menschheit Klasse, denn wenn die Geistlichkeit auf alle materiellen Dinge verzichtet bleibt nat\u00fcrlich mehr f\u00fcr die anderen \u00fcbrig. Das \u00e4ndert zwar nicht das eigentliche Problem, aber erw\u00e4hnenswert ist es trotzdem, zumal die Kl\u00f6ster des Mittelalters eine Quelle des Wissens (und wohlschmeckenden Gerstensaftes) waren.<\/p>\n<p>Die zweite und offensichtlich extrem erfolgreiche Idee war die Einf\u00fchrung von Abgaben, landl\u00e4ufig auch Steuern oder Geb\u00fchren genannt. Auch diese Idee d\u00fcrfte schon irgendwer in der Steinzeit gehabt haben, und sie hat sich wohl bew\u00e4hrt, schlie\u00dflich werden ja noch heute alle m\u00f6glichen Steuern erhoben und Geb\u00fchren kassiert. Neben den offensichtlichen Auswirkungen (jeder hat noch weniger Geld als ohnehin schon) gibt es weitere (Neben)wirkungen: Irgendwer mu\u00df ja die Steuern eintreiben, alles genau abrechnen, \u00fcberpr\u00fcfen, ob genug eingenommen wurde, da\u00df der eigene Arbeitsplatz (und am besten auch noch der Hofstaat des K\u00f6nigs) finanziert ist. Somit ist es also auch eine gro\u00dfangelegte Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahme, sozusagen.<\/p>\n<p>Wenn der notwendige Verwaltungsapparat nicht gerade damit besch\u00e4ftigt ist, sich selbst zu verwalten, k\u00f6nnte man mit den Steuereinnahmen nat\u00fcrlich auch die tollsten Sachen bezahlen &#8211; Armeen zum Beispiel, oder Waffenforschungsprogramme. Allerdings h\u00e4tte ein Staat, der sich auf diese Bereiche konzentriert ganz schnell ein ziemliches Problem &#8211; ihm gehen die Soldaten aus. Das Volk ist ja gl\u00fccklicherweise nicht v\u00f6llig verbl\u00f6det (auch wenn K\u00f6nige, Diktatoren oder die Bildzeitung kr\u00e4ftig am Gegenteil arbeit(et)en) und will auch irgendwie von den Steuereinnahmen profitieren, zum Beispiel durch den Ausbau des Schulwesens, der Medizin und so weiter. In der heutigen Zeit hat es sowieso nicht mehr allzuviel Zweck, den Nachbarstaat mit Soldaten beeindrucken zu wollen &#8211; das &#8222;Genius&#8220; des Menschen hat daf\u00fcr gesorgt, da\u00df man sich die Erde unterm Arsch wegbomben kann, und zwar gleich mehrfach innerhalb von Sekunden. Dummerweise haben dies noch nicht alle Staatschefs mitgekriegt.<\/p>\n<p>Ohnehin sind ja aber auch nicht die Staatschefs diejenigen, die bestimmen wo es langgeht. In den letzten 500 Jahren wurden die tollsten politischen Theorien ausprobiert, von der absolutistischen Monarchie bis hin zur Basisdemokratie. Die einzige Gemeinsamkeit all dieser Systeme ist schlicht und ergreifend, da\u00df die Marktwirtschaft in allen Systemen funktionierte, in welcher Auspr\u00e4gung auch immer. Das kann man gut finden oder auch nicht, aber man wird sich damit arrangieren m\u00fcssen, denn es liegt nunmal in der Natur des Menschen, vor allem an den eigenen Vorteil zu denken (von Ausnahmen wie der F\u00fcrsorge f\u00fcr die eigenen Nachkommen abgesehen, womit das auch auch schon wieder keine wirkliche Ausnahme ist). Alle Experimente, die dies in Richtung Gleichheit und Gleichverteilung ver\u00e4ndern wollten, waren somit von Vornherein zum Scheitern verurteilt, denn Gleichheit will man ja grunds\u00e4tzlich nur mit den Bessergestellten, auf deren Level nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Was sagt uns all das nun eigentlich? Keine Ahnung, ich hab hier ja auch nur eine ganze Menge vermutlich ziemlich wirren Bl\u00f6dsinn hingeschrieben, der so kreuz und quer durch meinen Kopf schwirrte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;aber wer regiert das Geld? Schlie\u00dflich gibt es ja beim Geld nur eine Regel: Die mit dem Geld machen die Regeln. 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