{"id":81,"date":"2005-02-07T00:00:17","date_gmt":"2005-02-06T23:00:17","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.ws\/blog\/2005\/02\/07\/wer-schon-sein-will-mus\/"},"modified":"2023-03-11T20:24:12","modified_gmt":"2023-03-11T19:24:12","slug":"wer-schon-sein-will-mus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2005\/02\/07\/wer-schon-sein-will-mus\/","title":{"rendered":"Wer sch\u00f6n sein will mu\u00df&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230;ja, was mu\u00df man? Leiden? Sicher, ohne ein wenig Qu\u00e4lerei kriegt man keinen sportlich gest\u00e4hlten K\u00f6rper, den die anderen bestaunen k\u00f6nnen. Aber braucht man den denn \u00fcberhaupt? Offenbar schon, wird doch in den Medien st\u00e4ndig darauf hingewiesen, da\u00df sch\u00f6ne Menschen mehr Geld verdienen, mehr Erfolg beim anderen Geschlecht haben, und \u00fcberhaupt die allertollsten sind. Da nun dummerweise ja nicht jeder von Natur aus sch\u00f6n sein kann, mu\u00df man eben ein wenig nachhelfen. Und dann kommt die n\u00e4chste Sendung zum Thema &#8222;Brustvergr\u00f6\u00dferung, Fettabsaugen und Nasenkorrektur&#8220;. Nachdem ich mich mal wieder m\u00e4chtig \u00fcber diese Verschwendung an Sendezeit ge\u00e4rgert hab, hab ich dann mal angefangen mich intensiver mit dem Begriff Sch\u00f6nheit auseinanderzusetzen, und dabei kommen einige interessante Sachen raus, die ich an den Anfang stelle, um mich dann hinterher zum Thema plastische Chirurgie zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p><!--more-->Fangen wir also mit dem Begriff Sch\u00f6nheit an. Was ist Sch\u00f6nheit? In erster Linie ist es ein abstrakter Begriff, der auf die verschiedensten Dinge mehr oder weniger sinnvoll angewendet werden kann. In den allermeisten F\u00e4llen geht es wie bereits erw\u00e4hnt um die Sch\u00f6nheit des menschlichen K\u00f6rpers, allerdings kann man genausogut von der Sch\u00f6nheit der Landschaft, einer Opernarie oder auch von der Sch\u00f6nheit des Faulenzens reden.<\/p>\n<p>Sch\u00f6nheit kann sich also auf verschiedene Arten \u00e4u\u00dfern, enth\u00e4lt jedoch immer eine Wertung. Und damit sind wir schon beim Kernproblem: wie bewertet man Sch\u00f6nheit? Wertungen erfolgen \u00fcblicherweise nach gewissen Wertma\u00dfst\u00e4ben. Diese sind jedoch starken Ver\u00e4nderungen unterworfen, man denke nur an die Verg\u00e4nglichkeit von Modetrends oder schlage im Lexikon unter Wertewandel nach. Hinzu kommt, da\u00df eine Bewertung von Sch\u00f6nheit auf einer emotionalen Ebene erfolgt, und da jeder andere Wertma\u00dfst\u00e4be anlegt kommen zwangsl\u00e4ufig unterschiedliche Ergebnissen heraus, die Bewertung ist also subjektiv.<\/p>\n<p>Konstatieren wir also, da\u00df Sch\u00f6nheit ein ziemlich komplexer Begriff ist, der nicht wissenschaftlich exakt und allumfassend greifbar ist. Wenn man versucht, Sch\u00f6nheit in ein derartiges Korsett zu pressen, um sie bewerten zu k\u00f6nnen, geht man komplett am Thema vorbei: Die Sch\u00f6nheit eines Menschen zum Beispiel l\u00e4\u00dft sich nicht auf 90-60-90 oder bestimmte Proportionen reduzieren, denn dies sind alles nur visuelle Aspekte. Ein Supermodel mit einer Heliumstimme verliert aber viel von seiner Sch\u00f6nheit&#8230;<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Fehlleistungen ergeben sich zwangsl\u00e4ufig auch in anderen Gebieten, in denen man versucht, Sch\u00f6nheit zu messen bzw. zu bewerten. Zu den \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen z\u00e4hlen hier Kunst, Musik und Literatur. Diese Gebiete zeichnen sich dadurch aus, da\u00df ihre Erzeugnisse (Gem\u00e4lde, Sinfonien, B\u00fccher und so weiter) das Ergebnis eines k\u00fcnstlerischen Prozesses sind. Das hei\u00dft, der K\u00fcnstler hat seine Vorstellungen von Sch\u00f6nheit in seine Arbeit einflie\u00dfen lassen und versucht, dadurch seine Idee von Sch\u00f6nheit auszudr\u00fccken. Da ja wie bereits gesagt Sch\u00f6nheit eine subjektive Gr\u00f6\u00dfe ist, kann niemand (au\u00dfer dem K\u00fcnstler selbst) eine Wertung \u00fcber die Sch\u00f6nheit des Ergebnisses abgeben.<\/p>\n<p>Ein besonders sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr eine derartige Fehlleistung beim Bewerten von Sch\u00f6nheit gibt es im Film <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Club_der_toten_Dichter\">Club der toten Dichter<\/a>. Dort wird in einem Lehrbuch konstatiert, da\u00df man die Sch\u00f6nheit eines Gedichtes anhand formaler dichterischer Kriterien und des Inhalts bestimmen kann. Dazu werden beide Elemente getrennt bewertet und in ein Koordinatensystem eingetragen, die Fl\u00e4che des so aufgespannten Rechtecks ergibt dann die Sch\u00f6nheit. Das ist nat\u00fcrlich totaler Quatsch. Eine Betrachtung von Reimschemata von Versma\u00dfen ist losgel\u00f6st vom Inhalt v\u00f6llig zwecklos, ebenso ist eine Bewertung des lyrischen Gehalts ohne Beachtung des kulturellen und historischen Hintergrundes der entsprechenden Epoche bzw. des Dichters unm\u00f6glich. Damit ist nat\u00fcrlich auch der gesamte mathematische Bewertungsansatz sinnlos. Dennoch werden die Sch\u00fcler mit den wechselnden Reimschemata im <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Faust_I\">Faust<\/a> genervt, anstatt sinnvoll mit dem Werk zu arbeiten.<\/p>\n<p>Wer auf derartige Hilfskonstruktionen zur\u00fcckgreifen mu\u00df, um Sch\u00f6nheit zu bewerten, hat etwas ganz grunds\u00e4tzliches nicht verstanden. Gleiches gilt nat\u00fcrlich f\u00fcr die Bewertung von Sch\u00fcleraufs\u00e4tzen zum Thema Interpretation einer Kurzgeschichte \/ eines Gedichtes. Eigentlich kann man in einem solchen Aufsatz nur schreiben, da\u00df der Autor bestimmte stilistische Stilmittel benutzt, aber eine Interpretation bzw. Bewertung der Bedeutung des Werkes ist eine rein subjektive Angelegenheit. Wenn der Sch\u00fcler hinschreibt, da\u00df das Gedicht bl\u00f6dsinniges S\u00fc\u00dfholzgeraspel ist, so kann er daf\u00fcr eigentlich auch keine schlechtere Zensur kriegen als einer, der nur das hinschreibt, was der Lehrer lesen will.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnlich bl\u00f6dsinniges Thema ist die Bewertung von Zeichnungen im Kunstunterricht. Man kann vielleicht die Feinheit des Pinselstrichs bewerten, aber wenn ein Sch\u00fcler beim Thema &#8222;sch\u00f6ne Landschaften&#8220; einen nebelverhangenen Herbsttag malt, ein anderer einen Fr\u00fchlingstag oder eine schneebedeckte Landschaft, so entzieht sich dies jeglichem Bewertungsma\u00dfstab, schlie\u00dflich hat jeder andere Vorlieben, die sich ja nicht mit denen des Lehrers decken m\u00fcssen. Im Endeffekt reicht es aus, den Sch\u00fcler zu fragen, ob das Ergebnis seinen Vorstellungen entspricht, und wenn dem so ist, dann kriegt er daf\u00fcr halt eine gute Zensur. In einem weiteren Schritt kann man den Kunstunterricht in seiner \u00fcblichen Form dann auch gleich ganz abschaffen und durch sinnvollere Alternativen ersetzen.<\/p>\n<p>Exakt das gleiche Problem hat man im Musikunterricht, obwohl es hier mit den Bewertungen noch vergleichsweise einfach ist, solange man nicht gerade das Singen bewertet. Die ganze Notenlehre besteht eh nur aus Mathematik, da kann man beim Bewerten nicht viel falsch machen. Andererseits kann man die Sch\u00f6nheit eines Gesangsvortrags oder eines Musikst\u00fccks nicht objektiv bewerten. Der eine bevorzugt simplen Punkrock, f\u00fcr andere gehts nicht ohne krumme Takte und wechselnde Instrumentierung. Die meisten Musiklehrer gehen einer solchen Diskussion lieber gleich aus dem Weg, indem sie nur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Sebastian_Bach\">Bach<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Friedrich_H%C3%A4ndel\">H\u00e4ndel<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_Amadeus_Mozart\">Mozart<\/a> und Co. behandeln. Doch auch da gibt es gravierende Unterschiede, dem einen gef\u00e4llt das Wuchtige von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Beethoven\">Beethoven<\/a> halt besser als das filigrane von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vivaldi\">Vivaldi<\/a>.<\/p>\n<p>Soviel zum Thema Bewertung von Sch\u00f6nheit. Allerdings gibt es auch noch ganz andere Bereiche, in denen man von Sch\u00f6nheit redet, so zum Beispiel in der Mathematik. Als Beispiel seien hier nur einmal Fraktale oder der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Goldener_Schnitt\">goldene Schnitt<\/a> genannt. Letzterer spielt ja auch in der Architektur und in vielen anderen Disziplinen eine gewichtige Rolle. Mit den richtigen (mathematischen) Wertma\u00dfst\u00e4ben entfaltet diese Zahl eine wahnsinnige Sch\u00f6nheit, die den meisten Menschen trotzdem egal sein d\u00fcrfte, weil sie andere Probleme haben &#8211; hatte ich das mit der Subjektivit\u00e4t der Sch\u00f6nheit schon erw\u00e4hnt?<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr eine Form der Sch\u00f6nheit ist die Sch\u00f6nheit des Einfachen. Dabei hei\u00dft einfach nicht zwingend einfach verst\u00e4ndlich, sondern es geht eher um einfache Beschreibungen komplexer Sachverhalte. So kann eine mathematische Definition eine gewisse Sch\u00f6nheit haben, die sich nicht vergr\u00f6\u00dfern l\u00e4\u00dft, wenn man Worte hinzuf\u00fcgt und rums\u00fclzt, oder Worte entfernt und sie damit ung\u00fcltig macht. Gerade die Notwendigkeit des Vorhandenseins aller Worte beim gleichzeitigen Verzicht auf allen \u00fcberfl\u00fcssigen Ballast macht ja eine Definition aus.<\/p>\n<p>F\u00fcr bestimmte Personen offenbart die Mathematik sehr viel Sch\u00f6nheit, so zum Beispiel beim L\u00f6sen einer komplizierten Aufgabe auf eine besonders elegante Art und Weise. Informatiker d\u00fcrften das kennen, wenn sie ein ziemlich anspruchsvolles Problem in wenigen Code-Zeilen durch einen cleveren Trick gel\u00f6st haben. Auch hier gilt: die Sch\u00f6nheit offenbart sich nur dem, der sich mit der Materie besch\u00e4ftigt und der entsprechende Wertma\u00dfst\u00e4be anlegt. So mu\u00df die k\u00fcrzeste L\u00f6sung nicht unbedingt die am besten lesbare oder verst\u00e4ndliche sein.<\/p>\n<p>Eine weitere Sache von besonderer Sch\u00f6nheit (unter Anwendung der passenden Bewertungsma\u00dfst\u00e4be) sind beispielsweise auch komplexe mechanische Anlagen, deren Aufbau sich strikt aus ihrer Funktion bzw. aus betrieblichen Notwendigkeiten ergibt (ein Auto mit eckigen R\u00e4dern ist zum Beispiel relativ unpraktisch). Ein inzwischen klassisches Beispiel f\u00fcr eine elegante L\u00f6sung eines komplexen technischen Problems stellt (zumindest f\u00fcr mich, andere werden das logischerweise anders sehen) die Steuerung einer Dampflokomotive dar &#8211; mit nur einem Hebel und ein paar Verbindungsstangen wird gesteuert, wozu man im Auto Gaspedal, Kupplung und Getriebe braucht. Nat\u00fcrlich offenbart sich die Sch\u00f6nheit dieser L\u00f6sung nur dem, der sich intensiv damit auseinandersetzt.<\/p>\n<p>Der &#8222;form follows function&#8220;-Ansatz wird aber nicht nur von Ingenieuren gesch\u00e4tzt, die technische Ger\u00e4te entwerfen, die keinen unn\u00fctzen Ballast herumschleppen und problemlos funktionieren sollen, sondern er spielt auch eine gewisse Rolle in der Architektur und in anderen Disziplinen &#8211; Stichwort <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bauhaus\">Bauhaus<\/a> und so. Andererseits ist nicht abzustreiten, da\u00df <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neuschwanstein\">Schlo\u00df Neuschwanstein<\/a> eine gewisse Sch\u00f6nheit besitzt, obwohl es eine wahnwitzig unpraktische Konstruktion ist.<\/p>\n<p>Das soll f\u00fcr eine oberfl\u00e4chliche Betrachtung der Mannigfaltigkeit des Begriffs Sch\u00f6nheit reichen, interessant w\u00e4re jetzt eigentlich nur noch, was man in diesem Zusammenhang unter sch\u00f6n versteht. Wenn Sch\u00f6nheit eine einem wie auch immer gearteten Objekt innewohnende Eigenschaft ist, dann ist sch\u00f6n die zugeh\u00f6rige Empfindung, die ausl\u00f6st wird. Somit kann man dann von sch\u00f6nen Bildern, Liedern, Bauwerken, L\u00f6sungen und unter Umst\u00e4nden auch vom sch\u00f6nen Wetter sprechen (wobei letzteres eigentlich nicht existiert, da ja offensichtlich immer alle \u00fcbers Wetter meckern).<\/p>\n<p>Bleibt also nur noch ein gro\u00dfes Thema, das dann auch den Haken zur\u00fcck zur Einleitung schl\u00e4gt, und das ist die Frage der Sch\u00f6nheit beim Menschen. Zun\u00e4chst sollte man hier aber gleich vom Begriff Sch\u00f6nheit abweichen und nur noch vom Aussehen sprechen, denn darum gehts ja im Endeffekt, es sei denn man vergleicht gerade zwei Operns\u00e4nger.<\/p>\n<p>Was aber zeichnet nun einen sch\u00f6nen (bzw. in diesem Kontext h\u00fcbschen oder gutaussehenden) Menschen aus? Wie \u00fcblich ist dies wieder recht subjektiv, zumal sich der Wertema\u00dfstab st\u00e4ndig \u00e4ndert. So haben es Blondinen in S\u00fcdamerika oder China \u00e4u\u00dferst schwer, sich vor Verehrern zu retten, w\u00e4hrend sie in Europa kaum auffallen &#8211; der exotische Reiz des Besonderen halt. Analoges gilt entsprechend f\u00fcr die S\u00fcdseesch\u00f6nheit auf dem Europa-Urlaub.<\/p>\n<p>Doch was gilt denn nun eigentlich als attraktiv? \u00dcbereinstimmende Untersuchungsergebnisse sprechen von symmetrischen Gesichtern, glatter ebenm\u00e4\u00dfiger Haut mit gleichm\u00e4\u00dfiger Hautfarbe, bestimmten Proportionen etc. pp. Zusammengerechnet ergibt sich dann meistens ein v\u00f6llig langweiliger Durchschnittstyp, mit einem aalglatten unnat\u00fcrlich aussehenden Gesicht. Ob das nun attraktiv ist, kann jeder f\u00fcr sich selbst entscheiden. Andererseits gibt es genug Gegenbeispiele, zum Beispiel war Cindy Crawford trotz (oder vielleicht auch gerade wegen) eines markanten Leberflecks im Gesicht eines der bestbezahlten Supermodels der fr\u00fchen 90er Jahre. Andererseits tendieren gerade diese Laufsteggrazien dazu, wie ein Haufen Knochen auszusehen (klar, ewig gro\u00df und gertenschlank), so da\u00df man Angst haben mu\u00df, da\u00df sie durchbrechen, wenn man sie umarmen will&#8230; Tja, Mann ist kein Hund, der sich auf einen Haufen Knochen schmei\u00dfen will &#8211; ist ja evolutionsbiologisch besehen auch Quark, eine Frau mit ein paar Rundungen ist vermutlich eher zur Erhaltung der Art geeignet.<\/p>\n<p>Die Sache mit dem Sch\u00f6nheitsideal gilt nat\u00fcrlich nicht nur f\u00fcr Frauen. Auch bei M\u00e4nnern wird ein spezielles Ideal angepriesen, wobei mir bereits mehrere M\u00e4dels versichert haben, da\u00df sie \u00fcberhaupt nicht auf braungebrannte Muskelpakete mit Waschbrettbauch und rasierter Brust stehen. Es l\u00e4\u00dft sich also dar\u00fcber streiten, was attraktiv ist, und die Ansichten dazu sind in etwa so haltbar wie eine ge\u00f6ffnete Milchpackung.<\/p>\n<p>Fest steht eigentlich nur, da\u00df es attraktive Menschen im Leben einfacher haben sollen, weil ein attraktives \u00c4u\u00dferes \u00fcblicherweise automatisch mit anderen Merkmalen wie Flei\u00df, Kreativit\u00e4t, Erfolg und so weiter assoziiert wird. Es versteht sich von selbst, da\u00df dies oftmals ein Trugschlu\u00df ist, allerdings z\u00e4hlt meistens halt doch der erste (optische) Eindruck &#8211; von dieser Tatsache lebt sowohl die Kosmetik- als auch die Bekleidungsindustrie, von anderen Sachen wie Friseursalons, Tattoostudios und Solarien mal gar nicht zu reden. Ich finde im \u00dcbrigen T\u00e4towierungen absolut potth\u00e4\u00dflich, au\u00dferdem f\u00e4llt man heutzutage eher auf, wenn man keine hat.<\/p>\n<p>Weiterhin mischen nat\u00fcrlich die Medien kr\u00e4ftig mit, indem ein v\u00f6llig unnat\u00fcrliches Sch\u00f6nheitsideal propagiert wird. Mit Hilfe g\u00e4ngiger Grafikprogramme ist es ja auch problemlos m\u00f6glich, Hautunreinheiten und Falten zu entfernen, die Z\u00e4hne strahlend wei\u00df zu machen und die Augen strahlendblau zu f\u00e4rben. Somit ist das Foto des Supermodels auf der Titelseite nat\u00fcrlich viel perfekter als das Model tats\u00e4chlich ist.<\/p>\n<p>Damit ist auch v\u00f6llig klar, da\u00df viele Menschen mit ihrem Aussehen bzw. ihrer Figur unzufrieden sind. V\u00f6llig logisch, gegen diese nachretuschierte Unnat\u00fcrlichkeit kann man nur verlieren. Allerdings vergessen die meisten Leute, da\u00df gutes Aussehen sekund\u00e4r ist. Es gibt ja schlie\u00dflich genug Gegenbeispiele, wo nach g\u00e4ngigen Ma\u00dfst\u00e4ben unattraktive Menschen viel besser mit ihrem Leben klarkommen als es attraktive und damit vermeintlich erfolgreiche tun. Das k\u00f6nnte durchaus direkt damit zusammenh\u00e4ngen, da\u00df die &#8222;unattraktiven&#8220; sich \u00fcberhaupt keine Gedanken \u00fcber \u00fcbliche Sch\u00f6nheitsideale machen und sich nicht mit Gedanken an ihre vermeintlichen Makel belasten. Wer das tut und st\u00e4ndig an seinem Aussehen zweifelt, wird auch kaum selbstbewu\u00dft auftreten &#8211; was einem erfolgreichen Auftritt naturgem\u00e4\u00df entgegensteht.<\/p>\n<p>Zum Erreichen des von den Medien angepriesenen Sch\u00f6nheitsideals werden denn auch immer extremere Mittel eingesetzt. W\u00e4hrend Di\u00e4ten, Sport, Kosmetika und Rasierapparate mit vier Klingen noch recht konventionelle Methoden sind, dem Trend hinterherzurennen, suchen immer mehr Menschen (und nicht nur Frauen!) ihr Gl\u00fcck mittels plastischer Chirurgie zu erzwingen. Ich hab ja prinzipiell nix gegen derartige Operationen, ich h\u00e4tte auch was dagegen, zum Beispiel nach einem Unfall mit einem verst\u00fcmmelten Gesicht herumzulaufen, wenn es sich auch reparieren lie\u00dfe; aber einen Haufen Geld auszugeben um meinen K\u00f6rper an ein \u00fcbermorgen wom\u00f6glich \u00fcberholtes Sch\u00f6nheitsideal anzupassen geht mir dann doch gegen den Strich. Dummerweise scheint das Fernsehen diese Meinung nicht zu teilen, wird doch auf vielen Sendern lang und breit \u00fcber Sch\u00f6nheitsoperationen referiert. Die Bandbreite (und die Preisvorstellungen) sind variabel, von Anti-Falten-Spritzen bis zur General\u00fcberholung ist alles drin.<\/p>\n<p>Wer derartige Operationen f\u00fcr notwendig h\u00e4lt, hat meiner Meinung nach ganz andere Probleme als zu gro\u00dfe Problemzonen oder zu kleine Br\u00fcste. Und abgesehen vom Risiko, da\u00df derartige Operationen auch gerne mal schiefgehen oder nicht die gew\u00fcnschten Resultate hervorbringen, so wird bei den OPs gerne mal \u00fcbertrieben, insbesondere bei Brustimplantaten. M\u00e4dels, ihr behauptet immer, da\u00df die Gr\u00f6\u00dfe des Penis nicht so entscheidend ist. Tja, selbiges gilt f\u00fcr weibliche Br\u00fcste &#8211; es sind keine Fu\u00dfb\u00e4lle. Das sieht nicht nur unvorteilhaft aus, das sorgt auch f\u00fcr erhebliche R\u00fcckenschmerzen, schlie\u00dflich mu\u00df Frau da ein nicht unerhebliches Gewicht herumschleppen. \u00dcber die Frage, was dann mit zunehmendem Alter und gr\u00f6\u00dferem Einflu\u00df der Schwerkraft mit den Implantaten passiert, will ich mal lieber nicht nachdenken.<\/p>\n<p>Es bleibt also festzuhalten, da\u00df das, was gemeinhin als Sch\u00f6nheit bezeichnet wird, verg\u00e4nglich ist, was nat\u00fcrlich nicht hei\u00dft, da\u00df man deswegen unattraktiv w\u00e4re, denn Aussehen ist nicht Alles. Dummerweise ist in der heutigen Gesellschaft ohne Aussehen alles Nichts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;ja, was mu\u00df man? Leiden? Sicher, ohne ein wenig Qu\u00e4lerei kriegt man keinen sportlich gest\u00e4hlten K\u00f6rper, den die anderen bestaunen k\u00f6nnen. Aber braucht man den denn \u00fcberhaupt? Offenbar schon, wird doch in den Medien st\u00e4ndig darauf hingewiesen, da\u00df sch\u00f6ne Menschen mehr Geld verdienen, mehr Erfolg beim anderen Geschlecht haben, und \u00fcberhaupt die allertollsten sind. 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