{"id":80,"date":"2004-11-30T00:00:16","date_gmt":"2004-11-29T23:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.ws\/blog\/2004\/11\/30\/von-pisa-lugengebauden-und-anderen-problemen\/"},"modified":"2023-11-15T19:01:32","modified_gmt":"2023-11-15T18:01:32","slug":"von-pisa-lugengebauden-und-anderen-problemen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2004\/11\/30\/von-pisa-lugengebauden-und-anderen-problemen\/","title":{"rendered":"Von PISA, L\u00fcgengeb\u00e4uden und anderen Problemen"},"content":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist weder eine differenzierte Betrachtung noch eine Bewertung, es ist vielmehr eine Ansammlung von mehr oder weniger (un)zul\u00e4ssig verallgemeinerten und mit viel Polemik gew\u00fcrzten Feststellungen, angereichert durch Sarkasmus, Zynismus und Apfelmus. Wer die selbstverst\u00e4ndlich enthaltenen inhaltlichen Widerspr\u00fcche findet, darf sie behalten. Es ist also durchaus m\u00f6glich, da\u00df ich hier totalen Mist schreibe, aber das ist ja der Sinn dahinter. Wer unbedingt Kritik loswerden will, ganz unten steht die Mailadresse. So, das war das Gerede um den hei\u00dfen Brei, nun gehts los:<\/p>\n<p><!--more-->Vor vier Jahren ereilte Deutschland der &#8222;PISA-Schock&#8220;. Ausgel\u00f6st wurde er durch die Ergebnisse der PISA-Studie. Hierbei steht PISA nicht f\u00fcr die Stadt mit dem Turm, der beweist, da\u00df Bodenuntersuchungen beim Bau nicht ganz unwichtig sind, sondern f\u00fcr &#8222;Programme for International Student Assessment&#8220;. Im Rahmen dieser Studie wurden die F\u00e4higkeiten der Sch\u00fcler in zahlreichen Industrienationen verglichen, und zwar in den drei Hauptbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Um es kurz zu machen: Deutschlands Sch\u00fcler waren in allen Bereichen unterdurchschnittlich (eine differenziertere Betrachtungsweise w\u00e4re zwar m\u00f6glich, aber dann m\u00fc\u00dfte ich ziemlich weit ausholen und au\u00dferdem kann man dann nicht mehr so sch\u00f6n zum Rundumschlag ausholen). Das Ergebnis waren wilde Presseberichte, zankende Bildungsminister und Unsicherheit allerorten.<\/p>\n<p>Drei Jahre sp\u00e4ter wurde eine erneute PISA-Studie durchgef\u00fchrt &#8211; mit so gut wie den gleichen Ergebnissen. Die genauen Ergebnisse sind zwar noch nicht bekannt, aber das Medienecho ist schon im Vorfeld gewaltig. 2006 folgt dann die n\u00e4chste Studie, und mittels vollst\u00e4ndiger Induktion kann man sich das Ergebnis ausrechnen &#8211; sp\u00e4testens 2025 sind wir Weltspitze im Sch\u00f6nreden der mittelm\u00e4\u00dfigen Ergebnisse.<\/p>\n<p>Was haben alle diese bekannten Fakten nun mit mir zu tun? Ganz einfach: Wenn jede Zeitung Leitartikel zum Thema verfassen kann, und 16 Kultusminister das Patentrezept zur L\u00f6sung der Bildungsmisere gefunden haben wollen, will ich auch mal meinen Senf zum Thema dazugeben. Einger\u00fchrt wurde dieser Senf aufgrund eigener Erlebnisse und unter der Benutzung des gesunden Menschenverstandes, jenes Konzeptes, welches vielen Entscheidungstr\u00e4gern unheimlich zu sein scheint.<\/p>\n<p>Mein Mathelehrer hat in der f\u00fcnften oder sechsten Klasse mal gesagt: &#8222;Die Mathematik ist wie ein L\u00fcgengeb\u00e4ude. Wenn man sich bei den Grundlagen bel\u00fcgt, kann man zwar mit den schwereren Aufgaben weitermachen, aber eines Tages wird das ganze Geb\u00e4ude in sich zusammenbrechen.&#8220; Quasi wie das ber\u00fchmte Kartenhaus, aus dem pl\u00f6tzlich einer die unterste tragende Karte entfernt. Das trifft nat\u00fcrlich nicht nur auf die Mathematik zu, sondern auf Bildung ganz allgemein &#8211; denn wer nicht lesen kann, dem kann <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shakespeare\">Shakespeare<\/a> egal sein.<\/p>\n<p>Ein kompletter Rundumschlag \u00fcber die mannigfaltigen Bildungseinrichtungen ist nat\u00fcrlich eine ziemlich unm\u00f6gliche Aufgabe, deswegen teile ich das in kleinere Rundumschl\u00e4ge \u00fcber die einzelnen mannigfaltigen Bildungseinrichtungen auf. Anstatt jetzt aber von unten nach oben durch die einzelnen Untiefen der deutschen Bildungsmondlandschaft zu waten, z\u00e4ume ich das Pferd mal von hinten auf: Was soll am Ende des Bildungsweges stehen? Richtig, mehr oder weniger gut (aus)gebildete Menschen, die sich ihren Lebensunterhalt mit Arbeiten verdienen k\u00f6nnen. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es nat\u00fcrlich unterschiedliche Anforderungen: Ein Maurer mu\u00df nicht notwendigerweise Kenntnisse der Quantenphysik haben, ein Architekt hingegen sollte dem Maurer nicht nur eine Bauzeichnung hinlegen k\u00f6nnen, sondern durchaus auch wissen, welche Gewichte eine Wasserwaage messen kann. Diesen unterschiedlichen Anforderungen soll ja in Deutschland bekannterma\u00dfen mit der dreigliedrigen Schulform (Haupt-\/Realschule\/Gymnasium) begegnet werden, wobei ebenfalls bekannterma\u00dfen nur das Abitur die M\u00f6glichkeit des Studiums er\u00f6ffnet (von Ausnahmen mal abgesehen).<\/p>\n<p>Fangen wir also mal ganz oben an, beim Hochschulstudium. Die Probleme der Universit\u00e4ten und Fachhochschulen will ich hier nicht im einzelnen ausf\u00fchren, den Gro\u00dfteil der Probleme kann man als Folgen von mangelnder finanzieller Ausstattung erkennen. Ein ganz anderes Problem ist aber, da\u00df in Deutschland jedem Abiturienten die T\u00fcren der Hochschulen offenstehen m\u00fcssen, weil es das Grundgesetz so vorsieht (Artikel 12, freie Berufswahl). Die prinzipiell gute Idee wird jedoch in vielen F\u00e4llen pervertiert: Man klagt sich seinen Studienplatz f\u00fcr altgermanische Literatur ein, und zigtausende studieren die Geschichte politischer Theorie, w\u00e4hrend sich nebenan die Maschinenbauer in viel zu kleinen H\u00f6rs\u00e4len zusammendr\u00e4ngen m\u00fcssen, weil die gro\u00dfen R\u00e4ume mit der Einf\u00fchrungsvorlesung in Marketing belegt sind. Wie viele altgermanische Literaturkritiker braucht die Welt? Wie viele Interpretationen der griechischen Theorie zur Demokratie mu\u00df man kennen? Wie viele Marketingabteilungen entwickeln v\u00f6llig bescheuerte Werbekampagnen f\u00fcr sinnlose Ramschartikel, die keiner haben will? Es l\u00e4\u00dft sich mit ziemlicher Sicherheit sagen, da\u00df der Bedarf an Leuten mit derartigen Kenntnissen nicht nur klein, sondern auch mehr als ges\u00e4ttigt ist. Gleichzeitig werden aber alleine in Deutschland h\u00e4nderingend mehrere zehntausend Ingenieure gesucht (andererseits soll es auch Hausfrauen geben, die ein Hochschulstudium abgeschlossen haben, sich aber lieber um den Herd k\u00fcmmern).<\/p>\n<p>Fragt man aber Studenten geisteswissenschaftlicher Studieng\u00e4nge, warum sie gerade das und nix anderes studieren und was sie nach dem Abschlu\u00df des Studiums machen wollen, so kriegt man zur Antwort, da\u00df das doch alles superinteressant und unheimlich spannend w\u00e4r. Das mag sein, aber ich glaube nicht, die F\u00e4higkeit, mehrst\u00fcndige Monologe \u00fcber den Einflu\u00df von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Nietzsche\">Nietzsche<\/a> auf die Literatur des 20. Jahrhunderts halten zu k\u00f6nnen, hilft dabei, die Ebbe in der Brieftasche oder die Leere im K\u00fchlschrank zu beheben (man vergleiche das Leben von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Marx\">Karl Marx<\/a> in London) &#8211; daher auch die Bezeichnung &#8222;brotlose K\u00fcnste&#8220;. Abgesehen davon mu\u00df es ja was bedeuten, wenn ein Philosoph wie Nietzsche seinen Lebensabend in geistiger Umnachtung verbrachte &#8211; entweder die Philosophie machte ihn irre, oder man mu\u00df \u00fcberhaupt irre sein, um Geisteswissenschaften nachzugehen. Aber ich schweife ab.<\/p>\n<p>Viele Professoren, besonders in den Naturwissenschaften, beklagen beispielsweise auch, da\u00df die Studienanf\u00e4nger (also die Abiturienten) immer bl\u00f6der w\u00fcrden. Nunja, der Umstieg von der Schule auf die Uni ist sicherlich nicht einfach, aber irgendwo wird ja wohl was dran sein, die Professoren lehren ihren Stoff ja schlie\u00dflich nicht erst seit gestern.<\/p>\n<p>Meine eigene Erfahrung hierzu ist eigentlich die, da\u00df es in Deutschland nicht nur sechzehn Bundesl\u00e4nder mit jeweils eigenem Abitur gibt, sondern da\u00df das Abiturzeugnis in aller Regel nicht mal das Papier wert ist, auf dem es geschrieben ist. Es gibt Bundesl\u00e4nder, da kann man zu Beginn der Sekundarstufe II Mathematik abw\u00e4hlen, es gibt Bundesl\u00e4nder, in denen man mit den Leistungskursen Kunst und Sport gl\u00e4nzen kann, es gibt Bundesl\u00e4nder, in denen man keine Deutschpr\u00fcfung machen mu\u00df und so weiter und so fort. Trotzdem kriegt man am Ende das Abitur und damit die allgemeine Hochschulreife bescheinigt und kann sich somit seinen Studienplatz einklagen. Jemand mit den Leistungskursen Ethik und Geschichte kann also auch Physik studieren, und Biologiestudenten brauchen keine Ahnung von Chemie zu haben. Das kanns ja wohl auch irgendwo nicht sein.<\/p>\n<p>Von diesem Problem mit dem Abitur abgesehen haben die h\u00f6heren Lehranstalten, neuhochdeutsch auch Gymnasien genannt, mit einem viel schwerwiegenderen Problem zu k\u00e4mpfen: Nur die wenigsten Abiturienten beginnen nach dem Schulabschlu\u00df ein Hochschulstudium. Die weitaus meisten beginnen eine Lehre, sagen wir mal als kaufm\u00e4nnische(r) Angestellte(r) oder in \u00e4hnlicher Position. Die meisten Firmen akzeptieren f\u00fcr diese Stellen auch gar keine Leute ohne Abitur &#8211; k\u00f6nnte es daran liegen, da\u00df auf den Mittelschulen keine brauchbaren Unterrichtsinhalte vermittelt werden (k\u00f6nnen)? Da l\u00e4uft also auch was falsch, aber dazu sp\u00e4ter mehr. Jedenfalls gibt es an den Gymnasien einen nicht unerheblichen Anteil Sch\u00fcler, f\u00fcr die das Abitur nur eine Premium-Eintrittskarte f\u00fcr die Lehrstellenlotterie ist &#8211; was eigentlich nicht Sinn und Zweck der Sache ist.<\/p>\n<p>Weiterhin ist es ja in Deutschland auch so, da\u00df der gr\u00f6\u00dfte Teil der Grundsch\u00fcler anschlie\u00dfend aufs Gymnasium wechselt &#8211; ob er will oder nicht, entscheiden tun das ja sowieso die Eltern, und die wollen ja grunds\u00e4tzlich nur das Beste f\u00fcr ihre Kinder. Bevor die Kinder also &#8222;nur&#8220; zur Realschule gehen, sollen sie lieber auf dem Gymnasium unter die R\u00e4der kommen &#8211; das Ergebnis lese man bei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unterm_Rad\">Hermann Hesse<\/a> nach. In den Gymnasien gibt es also auch eine ganze Menge Sch\u00fcler, die eigentlich auf die Mittelschulen geh\u00f6ren, weil f\u00fcr sie die Ausrichtung der Gymnasien grundfalsch ist. Warum sollen sich Sch\u00fcler jahrelang zum Abitur qu\u00e4len, dies vielleicht mit Ach und Krach schaffen und dann trotzdem mit leeren H\u00e4nden dastehen, weil der Ausbildungsbetrieb dem Kandidaten mit dem hervorragenden Zeugnis der Mittelschule den Vorzug gegeben hat? Die hier auftretene Verzerrung der Wertma\u00dfst\u00e4be ist ein weiterer Aspekt der Probleme der Bildung in Deutschland.<\/p>\n<p>Soviel also zu den h\u00f6heren Lehranstalten, wenden wir uns nun den Mittelschulen und den darauf aufbauenden Berufsschulen zu. Auch hier liegt so einiges im Argen &#8211; \u00fcbergro\u00dfe Klassen voller demotivierter und h\u00e4ufig schw\u00e4nzender Sch\u00fcler, und davon zu Recht entnervte Lehrer. Und gerade in dieser lernfreundlichen Umgebung wurde ein Gro\u00dfteil der PISA-Studie durchgef\u00fchrt. Nun k\u00f6nnen nat\u00fcrlich die meisten Sch\u00fcler nix daf\u00fcr, da\u00df die Situation so ist wie sie ist &#8211; wie soll man sich zum Lernen motivieren, wenn man ziemlich genau wei\u00df, da\u00df man nach dem Schulabschlu\u00df sowieso auf der Stra\u00dfe stehen wird, weil die ganzen Abiturienten mit ihren mittelm\u00e4\u00dfigen Abiturzeugnissen die besseren Karten bei der Lehrstellensuche haben? Wenn man dann noch mit so sinnlosen Sachen wie Elektrochemie konfrontiert wird, anstatt zu lernen, warum Essig besser wirkt als jeder Haushaltsreiniger oder welche Chemikalien sich hinter solchen Sachen wie Backpulver verbergen&#8230;<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der PISA-Studie sind jedenfalls eindeutig &#8211; ein Gro\u00dfteil der Mittelsch\u00fcler ist kaum in der Lage, Texte zu lesen, den Inhalt zu erfassen und somit darauf aufbauende Aufgaben zu l\u00f6sen. Womit wir bei der Grundschule w\u00e4ren, denn die soll den Sch\u00fclern ja in den ersten Schuljahren genau dies beibringen.<\/p>\n<p>Meine Klassenlehrerin in der Grundschule war der Meinung, da\u00df das Lesen die allerwichtigste F\u00e4higkeit \u00fcberhaupt ist, denn nur wer lesen kann, kann sich selbst\u00e4ndig weiteres Wissen aneignen. Dem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen. Allerdings scheint es in der Grundschule ein massives Problem bei der Vermittlung eben dieser Grundf\u00e4higkeit zu geben. Dies liegt sicherlich teilweise darin begr\u00fcndet, da\u00df die Kinder wie rohe Eier angefa\u00dft werden &#8211; es gibt nur in seltenen F\u00e4llen Kopfnoten (das sind die Noten f\u00fcr Flei\u00df, Ordnung, Betragen und Mitarbeit), es gibt am Anfang nicht einmal Zensuren, die ganze Schule mutet eher an wie ein Spielplatz. Was soll das denn? Als ich eingeschult wurde, hie\u00df es &#8222;Jetzt beginnt der Ernst des Lebens&#8220; &#8211; und damit man auch gleich merkte, da\u00df es ernst wurde, lernten wir schon am Tag der Einschulung (noch vor Empfang der Zuckert\u00fcte!) ein Gedicht, und es gab selbstverst\u00e4ndlich ab der ersten Klasse Hausaufgaben, Kopfnoten, Zensuren und am Ende des Schuljahres ein umfangreiche Bewertung im Zeugnis. Da wurden die Sch\u00fcler nicht verh\u00e4tschelt, sondern gefordert und gleichzeitig gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Es will mir nicht in den Kopf, da\u00df diese Herangehensweise so falsch gewesen sein soll, da\u00df man sie um gar keinen Preis wieder einf\u00fchren will. Es wurde jedenfalls drauf geachtet, da\u00df die Sch\u00fcler nach der ersten Klasse in der Lage waren, die Texte im Buch vorzulesen und mit einem F\u00fcller umzugehen (lernt man sowas heute \u00fcberhaupt noch oder wird mit Buntstiften rumgekritzelt?). Man sieht, es gibt auch in den Grundschulen einiges zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Allerdings sind diese Probleme auch wieder nur teilweise der Schule bzw. den Lehrern anzulasten. Es mangelt zum Beispiel an einer sinnvollen vorschulischen Ausbildung &#8211; am spielerischen Wissenserwerb im Kindergarten, insbesondere am Training der Konzentrationsf\u00e4higkeit. Zu meiner Kindergartenzeit wurde darauf geachtet, da\u00df sich die Kinder auch mal eine gewisse Zeit lang konzentriert mit einer festen Aufgabe auseinandersetzten, z.B. ein bestimmtes Spiel zu spielen. Wie soll man ohne solche \u00dcbungen auch in der Lage sein, in der Schule mal 45 Minuten still zu sitzen und etwas zu lernen? Bei vielen Kindern scheint die Konzentrationsspanne nicht gr\u00f6\u00dfer zu sein als die Zeit zwischen Beginn und Ende des Pausenklingelns. Wer sich aber im Unterricht nicht konzentrieren kann, wird nicht nur Probleme mit dem Lernen des Stoffs haben, sondern in aller Regel auch zapplig, f\u00e4ngt an mit dem Nachbarn zu reden und st\u00f6rt somit ganz allgemein den Unterricht &#8211; und dies nicht nur in der Grundschule, sondern auch in allen sp\u00e4teren Bildungszweigen. Und den Lehrern sind die H\u00e4nde gebunden, erzieherische Ma\u00dfnahmen wie schlechte Zensuren f\u00fcrs Betragen gibts ja nicht, und andere Mittel wie der Ausschlu\u00df vom Unterricht fruchten auch nicht.<\/p>\n<p>Ein weiteres grundlegendes Problem hierbei ergibt sich auch, wenn es ein Lehrer doch einmal wagt, einen Sch\u00fcler zu kritisieren. Unverst\u00e4ndnis und Wut auf den Lehrer sind oftmals die Folge. Warum? Tja, viele Jugendliche sind es scheinbar nicht gewohnt, f\u00fcr ihre Leistungen oder ihr Verhalten kritisiert zu werden. Daheim werden sie von den Eltern liebevoll umsorgt und kilometerdick in Watte eingepackt. Jeder Wunsch wird von den Lippen abgelesen und selbstverst\u00e4ndlich erf\u00fcllt, denn man will ja nur das Beste f\u00fcr den Nachwuchs. Da\u00df sich auf diese Art keinerlei Kritikf\u00e4higkeit entwickeln kann, liegt wohl auf der Hand. Die Folgen zeigen sich dann w\u00e4hrend der gesamten Schulzeit.<\/p>\n<p>Wie man sieht, hakt es an allen Ecken und Enden des Bildungswesens (was eigentlich noch ein bi\u00dfchen mehr umfa\u00dft als nur (Schul)bildung). Grunds\u00e4tzlich fehlt \u00fcberall Geld, au\u00dferdem fehlt es in vielen F\u00e4llen am grundlegendsten Verst\u00e4ndnis bez\u00fcglich des Wertes der Bildung &#8211; und am Ende herrscht an allen Fronten Unzufriedenheit: Die Erziehungsberechtigten gehen davon aus, da\u00df die Schule die Erziehung \u00fcbernimmt, die Lehrer (die eigentlich nicht die Fehler ausb\u00fcgeln sollen, die im Elternhaus gemacht werden) k\u00f6nnen prinzipbedingt nicht in der Lage sein, diese Aufgabe zu bew\u00e4ltigen, die Kultusministerien streiten sich \u00fcber Lehrpl\u00e4ne und Bildungsinhalte, und mittendrin sitzen die Sch\u00fcler, die f\u00fcr das ganze Chaos eigentlich am wenigsten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es ist klar, da\u00df es keinen K\u00f6nigsweg gibt, an dessen Ende die ultimative L\u00f6sung steht. Das Gez\u00e4nk nach der PISA-Studie hingegen zeigte eindrucksvoll, wie man sehr viel Zeit und Geld investieren kann, um wirkungsvoll auf der Stelle zu treten. Da wurde viel an Symptomen herumgedoktort anstatt mal klar und deutlich die Ursachen zu erforschen und zu benennen. Und wenn dann doch mal einer eine gute Idee hatte (soll ja selbst den besten Politikern ab und zu passieren), so wurde diese mit dem Argument &#8222;Das kostet zuviel&#8220; aufgehalten.<\/p>\n<p>Wenn man mal mit gesundem Menschenverstand an die Sache herangeht und nicht wie viele Politiker es anscheinend tun nur bis zum Ende der Legislaturperiode denkt, so kommt man irgendwann unweigerlich zur Frage, was sinnvoller ist: Jetzt in die Bildung der Jugend zu investieren, oder mittelfristig den Sozialstaat gegen die Wand zu fahren, weil die mangelhaft ausgebildete Jugend dann im Arbeitsamt Schlange steht? Ohne Bildung hat man auf dem Arbeitsmarkt keine Chance, und dies wird sich in Zeiten steigender Globalisierung wohl kaum \u00e4ndern. Diesen sich wandelnden Anforderungen mu\u00df die Bildungspolitik Rechnung tragen (sch\u00f6ner Satz, ungef\u00e4hr so sch\u00f6n wie alle S\u00e4tze, die sich in Parteiprogrammen finden). Das kann sie aber nicht, wenn Bildungspolitik mit kurzfristigen, hektischen und \u00fcbereilten Entscheidungen gemacht wird.<\/p>\n<p>Genau dies sehe ich aber f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr kommen, wenn die genauen Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie ausgewertet werden. Der einzige einigerma\u00dfen gangbare Ansatz kann (meiner bescheidenen Meinung nach) nur sein, zu vergleichen, was andere L\u00e4nder machen, das dort herrschende soziale Umfeld zu ber\u00fccksichtigen (ganz wichtig &#8211; man kann ja nicht einfach das Schulsystem von Japan \u00fcbernehmen, denn die Japaner haben eine ganz andere Einstellung zu dieser ganzen Problematik &#8211; was allerdings niemanden zu hindern scheint, da\u00df seit Jahrhunderten weltweit renommierte Hochschuldiplom gegen das Bachelor\/Master-System aus England\/Amerika zu tauschen), und dann die hiesige Bildungspolitik und die Rahmenbedingungen, unter denen diese gemacht wird, zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Das klingt ungef\u00e4hr genauso utopisch wie undurchf\u00fchrbar, denn alle gr\u00f6\u00dferen Ver\u00e4nderungen am Schulsystem (etwa Aufgabe der heiligen Dreifaltigkeit Haupt-\/Realschule\/Gymnasium oder bundesweit einheitliche Lehrpl\u00e4ne) werden an Parteigekl\u00fcngel und Kleinstaaterei der Bundesl\u00e4nder, Kultusministerkonferenzen etc. scheitern. Viele K\u00f6che verderben bekanntlich den Brei&#8230; Dabei schrieb schon <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_Heine\">Heinrich Heine<\/a> (allerdings in anderem Zusammenhang) &#8222;Ein einiges Deutschland tut uns not, Einig nach au\u00dfen und innen.&#8220; Dieser Einigkeit sind wir nicht nur im Bereich der Bildung so nahe wie der Mond der Erde.<\/p>\n<p>Das klingt alles recht pessimistisch, aber wenn ich mir so ansehe, welchen Stellenwert die Bildung hierzulande hat, so habe ich wahrlich keinen Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Fr\u00fcher war Deutschland bekannt als das Land der Dichter und Denker &#8211; dieser Satz ist schon lange zur hohlen Phrase verkommen, und man kann eher aus Heines <a href=\"http:\/\/www.delernen.de\/personen\/werke\/heineged.html\">Nachtgedanken<\/a> zitieren&#8230;<\/p>\n<p>Fazit: Viele Probleme, keine L\u00f6sungen. Ich habe auch keine. Wenn ich eine L\u00f6sung h\u00e4tte, dann w\u00e4re die so genial einfach, da\u00df sogar die Bildungsminister schon drauf gekommen w\u00e4ren&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist weder eine differenzierte Betrachtung noch eine Bewertung, es ist vielmehr eine Ansammlung von mehr oder weniger (un)zul\u00e4ssig verallgemeinerten und mit viel Polemik gew\u00fcrzten Feststellungen, angereichert durch Sarkasmus, Zynismus und Apfelmus. Wer die selbstverst\u00e4ndlich enthaltenen inhaltlichen Widerspr\u00fcche findet, darf sie behalten. 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