{"id":654,"date":"2009-09-10T21:21:52","date_gmt":"2009-09-10T20:21:52","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.ws\/?p=654"},"modified":"2009-09-10T21:21:52","modified_gmt":"2009-09-10T20:21:52","slug":"yeah-yeah-yeah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2009\/09\/10\/yeah-yeah-yeah\/","title":{"rendered":"Yeah. Yeah? Yeah!"},"content":{"rendered":"<p>Es ist nun schon mehr als 20 Jahre her, dass die beiden selbsternannten Meister der einsamen Herzen eine hochspannende Englandreise unternahmen. Mal raus aus dem Alltag, wo man den ganzen Tag nur schuftete wie ein Berserker und abends fix und fertig ins Bett fiel. Mit ein wenig Hilfe von guten Freunden war es damals bis zur Kanalf\u00e4hre gegangen, und dahinter begann das Abenteuer&#8230; Da standen wir dann im Hafen von Southampton, wo unsere Rundreise beginnen sollte.<\/p>\n<p>Wir, das war in erster Linie mein Medizinerkumpel Robert, und diverse weibliche Bekanntschaften, die wir unterwegs machten und die uns dann zeitweilig begleiteten. Zum Beispiel war da diese eine supernette Franz\u00f6sin, die  leider nicht verstehen wollte, dass wir doch super zusammenpassen k\u00f6nnten. Oder diese h\u00fcbsche Politesse, die Robert zum Tee einlud, nachdem sie ihm ein Kn\u00f6llchen verpasst hatte. Sie reiste spontan mit, und Robert \u00fcberlie\u00df ihr lieber das Steuer des Mietwagens &#8211; Linksverkehr ist seltsam genug. Sie fragte mich zum Abschluss, ob sie mir ein Geheimnis verraten k\u00f6nnte. Tja, jeder hat ja irgendwas zu verbergen, jedenfalls dr\u00fcckte sie mir dann einen Brief in die Hand. Es war ein ziemlich schw\u00fclstiger Brief mit vielen lieblichen Worten, der mit einem recht kurzen Postscriptum aus drei Worten endete, was mich doch einigerma\u00dfen vom Hocker riss. Auf weitere Post wartete ich jedoch danach vergebens, da hatte es auch keinen Sinn, dem Brieftr\u00e4ger aufzulauern.<\/p>\n<p>Irgendwie hatten wir st\u00e4ndig andere Frauen dabei, am Anfang, zwischendrin, einfach st\u00e4ndig. Man hatte kaum &#8222;Hallo!&#8220; gesagt, als sie sich auch schon wieder verabschiedeten. Nat\u00fcrlich gabs darunter auch schr\u00e4ge Vertreter, wie das M\u00e4del, welches jeden Tag mit nem anderen Typen ging, oder die andere, deren komische Schauspielerinnen-Masche ich ganz schnell durchschaut hatte, sie h\u00e4tte sich nat\u00fcrlicher verhalten m\u00fcssen&#8230; Und bei einer anderen nahm Robert ganz schnell rei\u00dfaus, denn die meinte ziemlich bald, dass sie ihn rund um die Uhr die ganze Woche lieben w\u00fcrde, ihn brauche und ihm all ihre Liebe schenken w\u00fcrde &#8211; dabei war sie eiskalt und teuflisch berechnend. Robert sah es locker, er hatte sich sowieso schon immer f\u00fcr das Motto &#8222;Moneten will ich&#8220; entschieden. Damit blieb ihm auch der \u00c4rger mit dieser korpulenten Dame erspart, die ihrem Schatz ein &#8222;Ich will dich!&#8220; ins Ohr hauchte, was dieser Schatz ein wenig unfreundlich beantwortete. Ich glaub er rannte dann um sein Leben&#8230;<\/p>\n<p>Und dann war da noch diese namenlose Sch\u00f6nheit, die ich in der Disco stehen sah. Sie hatte dieses gewisse etwas in ihren Bewegungen, und ich war sehr erfreut, dass wir zusammen tanzten. Tja, ich w\u00e4re schon gern der Mann an ihrer Seite gewesen und h\u00e4tte vielleicht um ihre Hand angehalten. Sie hatte echt einen dicken Stein bei mir im Brett &#8211; und sie lie\u00df mich nach dem Tanz abblitzen&#8230;<\/p>\n<p>Schlu\u00dfendlich gabelten wir ein Hippiem\u00e4dchen auf, welches sich allerdings beim n\u00e4chsten Juwelier unsterblich in einen Diamanten verliebte und danach auf Wolke Sieben schwebte. Sie meinte nur zu mir, dass ich ja ihren Namen h\u00e4tte, ihre Nummer w\u00fcrde ich dann schon rauskriegen, bevor sich unsere Wege f\u00fcr immer trennten.<\/p>\n<p>Aber ich h\u00e4tte es ja sowieso besser wissen m\u00fcssen, dass man sich Liebe nicht kaufen kann, auch nicht mit Diamanten. Robert hatte da eher den richtigen Riecher &#8211; er meinte vorher schon, dass ich diese Frau sowieso verlieren w\u00fcrde. Au\u00dferdem braucht man ja sowieso mehr als nur Liebe zum Leben. Aber zur\u00fcck zum Ausgangspunkt.<\/p>\n<p>Wir sollten eigentlich zun\u00e4chst eine gemeinsame Bekannte treffen, die unsere Tickets f\u00fcr die Weiterreise nach London hatte. Dummerweise machte bei ihr aber keiner auf. Robert wollte dann durchs Badezimmerfenster in die Wohnung einsteigen, aber just in jenem Moment kam Maria &#8211; so hie\u00df die Dame &#8211; an und sorgte somit ganz schnell daf\u00fcr, dass wir diesen Bl\u00f6dsinn sein lie\u00dfen.<\/p>\n<p>In der N\u00e4he von London angekommen suchten wir in der Vorstadt ein Quartier. Wir kamen an einer leeren Kirche vorbei, wo offenbar grad jemand geheiratet hatte, liefen weiter bis zur Feuerwache und sahen dem Friseur daneben zu. Schlie\u00dflich fanden wir ein Zimmer in einer kleinen Herberge &#8211; nur echt mit einem dringend reparaturbed\u00fcrftigen Loch in der Decke, wo es reinregnete. Es war auch h\u00f6chste Zeit, ich war todm\u00fcde. Wir w\u00fcnschten uns noch eine Gute Nacht und damit war der Tag vorbei.<\/p>\n<p>Robert begr\u00fc\u00dfte mich morgens bereits hocherfreut mit &#8222;Einen wunderwundersch\u00f6nen guten Morgen&#8220;. Meine Antwort &#8222;Ich schlaf doch einfach nur, kein Grund mich zu nerven!&#8220; verstimmte ihn ein wenig. Erst als ich dann aus dem Fenster sah verstand ich seine gute Laune: Der sprichw\u00f6rtliche Regen hatte aufgeh\u00f6rt, stattdessen kam die Sonne hervor, es konnte also ein sch\u00f6ner sonniger Tag werden. Beim Fr\u00fchst\u00fcck las ich in der Morgenzeitung etwas \u00fcber den desolaten Zustand der Stra\u00dfen, etwas, was uns bereits aufgefallen war. Der Tee schmeckte \u00fcbrigens irgendwie ein wenig nach Honig.<\/p>\n<p>Als erstes ging es nun auf den Markt, wo wir mit einem Typen namens Desmond am Obststand ins Gespr\u00e4ch kamen. Danach holte ich mir noch ein billiges Taschenbuch als Reiselekt\u00fcre. Und dann wanderten wir drauflos und aus der Stadt, eine ziemlich lange und verschlungene Stra\u00dfe entlang. Weit kamen wir nicht, denn Roberts ausgelatschten braunen Treter machten langsam schlapp. Da standen wir nun mitten im Nirgendwo neben einer Erdbeerplantage. Robert brauchte gar nix sagen dass ich ihn jetzt nicht im Stich lassen k\u00f6nne, aber da ich mich prima f\u00fchlte wars auch kein Problem f\u00fcr mich, das Zusatzgewicht von seinem Rucksack mitzutragen.<\/p>\n<p>Zugegebenerma\u00dfen wurde die Tour in den n\u00e4chsten Wochen besser (siehe oben), Blasen hatte ich nur an den Fingern, vom Gitarrespielen n\u00e4mlich. Das war ein weiterer Begleiter auf dieser Tour, ruhige Gitarrenkl\u00e4nge, nix Rock&#8217;n&#8217;Roll, auch wenn Robert das dauernd h\u00f6ren wollte. Daf\u00fcr gabs andere denkw\u00fcrdige Dinge. Eines Abends hatten wir zum Beispiel einen H\u00fcgel erklommen und sahen uns die Gegend an &#8211; und den komischen Typen, der da sehr schr\u00e4g herumh\u00fcpfte und den Sonnenuntergang bestaunte. Oder auch der eine Abend im Zirkus, mit einer wirklich beeindruckenden Trampolin- und Hochseil-Nummer.<\/p>\n<p>Schr\u00e4g war auch die Situation, wo wir unterwegs von einer Frau aufgehalten wurden, die uns irgendwas von der Weltrevolution und von Mao und Marx erz\u00e4hlen wollte. Wir lehnten dankend ab und fragten uns insgeheim, wie sie wohl ihre Kinder ern\u00e4hrte. Sie fuhr mit einer Tirade gegen die Politiker fort, die alles und jeden immer mehr besteuern w\u00fcrden, und dass \u00fcberhaupt nix mehr f\u00fcr die Rentner getan w\u00fcrde, aber das bekamen wir auch nur noch am Rande mit. Das Leben ist sowieso schon kurz, da bleibt keine Zeit f\u00fcr sinnlose Streitereien, und \u00fcbers Rentenalter machten wir uns auch noch keine Gedanken.<\/p>\n<p>Tja, das waren so einige wenige der Highlights dieser Reise. Und dann mussten wir auch schon zur\u00fcck an unseren angestammten (Arbeits)platz. Und dann gings wieder im gewohnten Trott weiter &#8211; mit sehns\u00fcchtigen Gedanken an die vorangegangenen Tage.<\/p>\n<p><em>Obiger Text enth\u00e4lt anl\u00e4sslich des 09.09.09 66 Titel eines \u00fcberaus bekannten Interpreten. Wer alle findet kriegt einen noch zu spezifizierenden Preis.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nun schon mehr als 20 Jahre her, dass die beiden selbsternannten Meister der einsamen Herzen eine hochspannende Englandreise unternahmen. Mal raus aus dem Alltag, wo man den ganzen Tag nur schuftete wie ein Berserker und abends fix und fertig ins Bett fiel. 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