{"id":5256,"date":"2026-09-24T23:50:00","date_gmt":"2026-09-24T21:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=5256"},"modified":"2026-09-24T23:50:00","modified_gmt":"2026-09-24T21:50:00","slug":"gut-wanderung-auf-schlechtem-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2026\/09\/24\/gut-wanderung-auf-schlechtem-weg\/","title":{"rendered":"Gut Wanderung auf schlechtem Weg"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Viamala\">Viamala<\/a>-Schlucht bei Thusis war nicht nur ein wichtiger Verkehrsweg (bzw. ein fieses Hindernis auf einem wichtigen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spl%C3%BCgenpass\">Verkehrsweg<\/a>), sondern diente auch als Titel f\u00fcr einen Roman, der wiederum mehrfach verfilmt wurde (und nicht viel mit der Schlucht zu tun hat). Heute ist die Schlucht eine Touristenziel, und weil ich ja als Tourist schon \u00f6fter in der Gegend weilte, war dieses Ziel schon mehrfach in meinen Reiseplanungen aufgetaucht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Als ich 2019 eine Woche in Chur war hatte ich die Wanderung schon fest eingeplant, allerdings war das Wetter dann eher regnerisch und wolkenverhangen, so dass ich stattdessen einen Tagesausflug nach Alp Gr\u00fcm machte und an einem der anderen Tage einen 30km-Marsch durch die Rheinschlucht absolvierte. Dann war ich erst 2023 wieder in der Gegend, aber da waren dann Wanderungen an der Berninabahn das naheliegendere Ziel. Aber was lange g\u00e4rt, wird endlich Wut, und Wut steht bei meinen Eltern f\u00fcr &#8222;Wandern und Touristik&#8220; oder eher f\u00fcr &#8222;Wandern und Trinken&#8220;. In diesem Sinne war es nun endlich mal an der Zeit, diesen Plan umzusetzen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260811\/s-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Der Tag begann also wie \u00fcblich mit dem Fr\u00fchst\u00fcck, bei dem ich &#8211; wie ebenso \u00fcblich &#8211; zwei Br\u00f6tchen, eins mit Schinken eins mit <span style=\"text-decoration: line-through;\">Ei<\/span> Nutella mit ebenso vielen Tassen Kaffee runtersp\u00fclte. Im Hintergrund lief dazu eine sehr eklektische Musikauswahl, da folgte n\u00e4mlich auf Chris de Burgh&#8217;s <em>High On Emotion<\/em> mal eben AC\/DC&#8217;s <em>Highway To Hell<\/em>. Kann man schon mal machen, und h\u00f6llisch wurde die Wanderung dann sp\u00e4ter auch noch.<\/p>\n<p><strong>Anfahrt (61.7 km, 1:35h, \u21970m, \u21981009m)<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst mal musste man aber den Ausgangspunkt erreichen, n\u00e4mlich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thusis\">Thusis<\/a>. St. Moritz ist das Ende der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albulabahn\">Albulastrecke<\/a>, und die beginnt in Thusis. Von der Fahrt auf dieser Strecke kann man sowieso nie genug bekommen, also hin zum Bahnhof, rein in den Zug und schon ging es los. Bei sch\u00f6nstem Sonnenschein ist das Gekreisel zwischen Preda und Berg\u00fcn immer wieder ein Genuss, ebenso die Aussichten zwischen Berg\u00fcn und Filisur, das\/der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Landwasserviadukt\">Landwasserviadukt<\/a> und schlie\u00dflich das\/der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Soliser_Viadukt\">Soliser Viadukt<\/a> (ob die Viadukte nun m\u00e4nnlich oder s\u00e4chlich sind ist auch so eine offene Frage, des Viaduktes Kasus Beknacktus bleibt weiter unklar). Die Fahrt nach Thusis dauert ziemlich genau 90 Minuten, morgens halb zehn in <span style=\"text-decoration: line-through;\">Deutschland<\/span> Thusis gab es dann auch kein Fr\u00fchst\u00fcckchen, sondern es wurde Lichtschutzfaktor aufgetragen und dann begann die eigentliche Wanderung.<\/p>\n<p><strong>Wanderung (7.3 km, 3:08h, \u21971078m, \u2198654m)<\/strong><\/p>\n<p>Anmerkung: Die H\u00f6henunterschiede rauf und runter entsprechend nicht der Realit\u00e4t, da ist das GPS ein paar Mal ausgezackt. Die Bushaltestelle Via Mala liegt 170m h\u00f6her als der Bahnhof, insofern w\u00e4ren 820m Anstieg realistischer vermute ich mal.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260811\/s-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Und die hat es in sich, die beginnt n\u00e4mlich direkt mit einem steilen Aufstieg zur Burganlage <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hohen_R%C3%A4tien\">Hohen Rh\u00e4tien<\/a>. Der Bahnhof Thusis liegt auf knapp 700m H\u00f6he, die Burganlage rund 250m h\u00f6her. Luftlinie sind das nur 800m vom Bahnhof, und davon l\u00e4uft man die H\u00e4lfte erst einmal einigerma\u00dfen eben aus dem Ort raus und \u00fcberquert den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hinterrhein\">Hinterrhein<\/a>, bevor dann die Kraxelei beginnt. Da hat man dann die gr\u00f6\u00dfte Anstrengung direkt am Anfang und wird noch nicht mal mit besonders spekatul\u00e4rer Aussicht belohnt.<\/p>\n<p>Die Burganlage selbst lie\u00df ich rechts liegen, der Weg f\u00fchrte nun weiter am Rand der Schlucht &#8211; will sagen 200m oberhalb der Schlucht &#8211; am Fels entlang. Der Weg verl\u00e4uft dabei immer auf einem Niveau zwischen 950 und 1000 H\u00f6henmetern, mal hoch und mal runter. Definitiv nix f\u00fcr einen gem\u00fctlichen Sonntagsspaziergang. Unterwegs kommt man dann an so illustren Stellen wie dem &#8222;verlorenen Loch&#8220; vorbei, bevor man dann den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Traversiner_Steg\">Traversiner-Steg<\/a> \u00fcberqueren muss. Das ist eine sehr imposante H\u00e4ngebr\u00fccke mit eingebauten Treppenstufen und eigener Wikipedia-Seite.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260811\/s-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>An der Stelle machte ich eine l\u00e4ngere Verschnaufpause, auch das Trinken kam an dieser Stelle nicht zu kurz (allerdings nur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rivella\">Schweizer Nationalgetr\u00e4nk<\/a> und kein Alkohol, das w\u00e4re bei der hochsommerlichen Hitze auch ein schwerer Fehler gewesen). Witzigerweise flog da ein lustig bunter Schmetterling in der Gegend rum, der mein wei\u00dfes verschwitztes Shirt ausgesprochen interessant fand.<\/p>\n<p>Danach ging es nun abw\u00e4rts bis zu einem breiteren Forstweg, der mich mit dem Schild &#8222;Sie haben die Via Mala erreicht, herzlichen Gl\u00fcckwunsch&#8220; begr\u00fc\u00dfte. Da dachte ich mir schon, ok, jetzt noch ein paar gem\u00fctliche Meter gradeaus zum Lockern der Beinmuskulatur w\u00e4re nicht so ganz falsch. Da hatte ich die Rechnung aber ohne die Schweizer Wanderwegsplaner gemacht, denn die waren der Meinung &#8222;Via Mala hei\u00dft schlechter Weg, da muss man die doofen Touristen noch ein bissl triezen&#8220;. Dementsprechend ging es dann ungef\u00e4hr 300m vor dem Ziel nochmal ganz fies den Berg hoch &#8211; 100 H\u00f6henmeter steil nach oben und auf der anderen Seite steil nach unten. Und alles nur, damit man nicht auf der quasi unbefahrenen Stra\u00dfe l\u00e4uft, auf der au\u00dfer Mountainbikern und einigen Motorradfahrern nur zweimal st\u00fcndlich der Postbus vorbeikommt &#8211; der Durchgangsverkehr l\u00e4uft da durch einen modernen gut ausgebauten Tunnel.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260811\/t-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Dieser Aufstieg war Gift f\u00fcr meine Motivation, der Abstieg hingegen Gift f\u00fcr meine Knie. Kurz nach 13 Uhr war dann das Ziel erreicht, der Eingang zur eigentlichen Schlucht n\u00e4mlich. Das ist dann ein Besucherzentrum, wo man Eintritt zahlt und dann nochmal 90m von der Stra\u00dfe aus hinunter in die Schlucht steigen kann. Man kann sich den Eintritt aber auch sparen und vom Stra\u00dfenniveau aus spektakul\u00e4re Fotos machen. Die 90 H\u00f6henmeter wollte ich mir echt nicht mehr antun, gerade bei der Hitze und mit R\u00fccksicht auf meine Knie. Nach meinem Urlaub 2023 konnte ich wochenlang nur unter starken Schmerzen Treppen steigen und es dauerte bis weit ins Jahr 2024 hinein, dass ich das mit Hilfe vom Physio wieder hinbekam. Darauf hatte ich also mal gar keinen Bock.<\/p>\n<p><strong>Busfahrt (4.9 km, 0:07h, \u21971m, \u2198380m)<\/strong><\/p>\n<p>Anmerkung: Wie bereits gesagt, die Bushaltestelle liegt 170m h\u00f6her als der Bahnhof, da sind also 201m Messungenauigkeit auf von Empfangsschwierigkeiten in der steilen Schlucht mit drin.<\/p>\n<p>Ich machte also ein paar Fotos und studierte den Busfahrplan. Da fuhr ein Bus gegen 13:45 Uhr und einer kurz nach 14 Uhr, so oder so war dann der n\u00e4chste Zug 14:30 Uhr ab Thusis, so dass man 16 Uhr wieder in St. Moritz w\u00e4re. Mit dem fr\u00fcheren Bus h\u00e4tte man in Thusis 30 min Aufenthalt, der andere Bus kam kurz vor knapp an und darauf hatte ich eher wenig Lust. Da ich da nun auch alles gesehen hatte wurde also der fr\u00fchere Bus geentert und auch wenn sich alle Leute im Bereich der T\u00fcr dr\u00e4ngelten waren weiter hinten noch einige Pl\u00e4tze frei, so dass ich sogar gem\u00fctlich am Fenster sitzen konnte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260811\/t-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Eine kurze Busfahrt sp\u00e4ter war ich dann auch wieder in Thusis angekommen, wo ich mir die Wartezeit mit Trinken und Dehnungs\u00fcbungen vertrieb &#8211; da hatte mich der Physio damals drauf hingewiesen, dass dies ganz wichtig ist zum Vorbeugen. Und weil Vorbeugen nun mal besser ist als nach hinten fallen macht man dann sowas eben manchmal auch. Zwischendrin fuhr noch ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bernina_Express\">Bernina-Express<\/a> vorbei, den ich auch h\u00e4tte nehmen k\u00f6nnen, da h\u00e4tte ich aber dann nochmal umsteigen m\u00fcssen und w\u00e4re auch nicht eher in St. Moritz angekommen.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckfahrt (61.7 km, 1:31h, \u21971038m, \u219819m)<\/strong><\/p>\n<p>Die R\u00fcckfahrt verlief dann auch vergleichsweise unspektakul\u00e4r, ich war gut platt und die Albulastrecke hatte ich ja auf der Hinfahrt am Morgen schon zum wiederholten Male gesehen. Ich ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dies die letzte Fahrt auf der Strecke in diesem Urlaub sein w\u00fcrde. So oder so war ich kurz vor 16 Uhr wieder in St. Moritz, holte am Bahnhof noch ein paar Getr\u00e4nke und stapfte dann zum Hotel hinauf.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260811\/t-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Das Personal am Empfang dort war \u00fcbrigens schwer auf Zack, die hatten den Zimmerschl\u00fcssel schon rausgesucht bevor ich \u00fcberhaupt sagen konnte, dass ich den jetzt brauche. Eine Dusche und ein Attentat meiner Rasierklinge sp\u00e4ter war nun immer noch Zeit bis zum Abendessen &#8211; den Tisch hatte ich am Morgen auf 18:30 Uhr reserviert. Dementsprechend war nun im Sinne der Muskelentspannung Wellness angesagt. Das Hotel hatte da mehrere Saunen und einen Pool im Angebot, wovon ich dann auch reichlich Gebrauch machte. Das war tats\u00e4chlich sehr hilfreich und tat der verspannten Beinmuskulatur sehr gut.<\/p>\n<p>Damit stand nun das Abendessen auf dem Programm, diesmal nicht beim Italiener, sondern die Stra\u00dfe runter im Restaurant neben dem zentralen Kreisverkehr. Da dauerte es zun\u00e4chst etwas, bis sie meine Reservierung gefunden hatten &#8211; zum Gl\u00fcck hatte ich die Reservierungsbest\u00e4tigung auf dem smarten Taschencomputer parat. Nachdem das gekl\u00e4rt war funktionierte aber alles reibungslos, es gab regionales Craft Beer (lecker) und H\u00e4hnchenbrust mit Pommes (auch lecker).<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend verzog ich mich wieder ins Hotel und lie\u00df den Tag gem\u00fctlich ausklingen. Am n\u00e4chsten Tag war dann deutlich weniger Wandern und mehr spektakul\u00e4res Bahnfahren angesagt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Viamala-Schlucht bei Thusis war nicht nur ein wichtiger Verkehrsweg (bzw. ein fieses Hindernis auf einem wichtigen Verkehrsweg), sondern diente auch als Titel f\u00fcr einen Roman, der wiederum mehrfach verfilmt wurde (und nicht viel mit der Schlucht zu tun hat). 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