{"id":5228,"date":"2026-09-12T20:38:29","date_gmt":"2026-09-12T18:38:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=5228"},"modified":"2026-09-14T18:06:07","modified_gmt":"2026-09-14T16:06:07","slug":"land-wasser-zuege-und-schlucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2026\/09\/12\/land-wasser-zuege-und-schlucht\/","title":{"rendered":"Land, Wasser, Z\u00fcge und Schlucht"},"content":{"rendered":"<p>Samstag wars, die Temperaturen sind mit &#8222;hochsommerliche Hitze&#8220; gut beschrieben, und ich hatte einen Plan. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Olsenbande\">M\u00e4chtig gewaltig<\/a>. Eigentlich sogar zwei Pl\u00e4ne. Und die wurden auch umgesetzt. Dar\u00fcber hinaus passierten auch noch ungeplante Sachen und mindestens ein dussliges Missgeschick.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der erste Teil des Plans lautete ganz simpel: Befahre die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnstrecke_Landquart%E2%80%93Davos_Platz\">Bahnstrecke<\/a> von Klosters Platz <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnstrecke_Davos_Platz%E2%80%93Filisur\">Richtung Filisur<\/a> bis mindestens zur Station Davos Monstein. Warum? Weil ich diese Strecke in diesem Abschnitt noch nicht gefahren war und mir das dementsprechend in meiner Statistik noch fehlte. Alle anderen Strecken der rh\u00e4tischen Bahn (mit Ausnahme des Abschnitts \u00f6stlich vom Vereinatunnel <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnstrecke_Bever%E2%80%93Scuol-Tarasp\">nach Scuol-Tarasp<\/a>) bin ich schon mehrfach gefahren, und dieser L\u00fcckenschluss war nun langsam mal f\u00e4llig.<\/p>\n<p>Den Abschnitt von Filisur nach Davos Monstein war ich 2013 gefahren, als ich damals mit meinem Studienkumpel Bj\u00f6rn (Gr\u00fc\u00dfe gehen raus) zwei Tage in Filisur weilte. <a href=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2013\/07\/05\/urlaubsruckblick-7\/\">Damals<\/a> waren wir von Filisur via <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wiesener_Viadukt\">Wiesener Viadukt<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Z%C3%BCgenschlucht\">Z\u00fcgenschlucht<\/a> nach Davos Monstein gewandert, und heute war eine \u00e4hnliche Tour geplant. Von Davos Monstein durch die Z\u00fcgenschlucht, aber dann nicht \u00fcber den Wiesener Viadukt, sondern hinunter ins Landwassertal und weiter zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Landwasserviadukt\">Landwasserviadukt<\/a> und von dort aus dann mit dem Zug zur\u00fcck nach St. Moritz.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260808\/s-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Der zweite Teil des Plans war der Besuch des Fotostandorts am Schmittentobel, von dem aus man den besten Blick aufs Landwasserviadukt hat. Und wenn man schon mal da ist, kann man auch Z\u00fcge knipsen, bis einem die Sonne zu viel wird.<\/p>\n<p><strong>Die gro\u00dfe Vorbereitung<\/strong><\/p>\n<p>Das war also der Plan, und entsprechend begann der Tag mit Fr\u00fchst\u00fcck &#8211; schick mit K\u00e4nnchen Kaffee und Wurstbrot. Punktabz\u00fcge gab es f\u00fcr den nicht vorhandenen Scheibenk\u00e4se, am fr\u00fchen Morgen schon mit dem groben Hobel K\u00e4sest\u00fccke aus dem Vollen schnitzen ist jetzt eher weniger mein Fall. Gut gest\u00e4rkt ging es dann direkt los mit Fr\u00fchsport: Vom Restaurant im Tiefgeschoss die Treppe bis in den vierten Stock hochkraxeln, und das als H\u00f6hentraining, denn St. Moritz liegt ja auf knapp 1800m.<\/p>\n<p>Nachdem ich dann die Wanderstiefel umgeschnallt hatte, ging es die Treppen wieder runter, Schl\u00fcssel am Empfang abgeben und auf zum Bahnhof. Seit dem gro\u00dfen Umbau um 2013 herum marschiert man dazu Richtung Kulm Hotel (das mit dem dicken Rolls-Royce in der Einfahrt) und biegt dahinter rechts ab ins Parkhaus, denn da kommt man mittels (Roll-)treppe runter auf die Bahnhofsebene. Ich wollt ja trainieren, also ging es die Treppe runter. Und weil das Hirn ja auch trainiert werden muss, habe ich Treppenstufen gez\u00e4hlt. Immer 18 Stufen bis zum n\u00e4chsten Absatz, aber die allerletzte Treppe &#8211; so nach ca 150 Stufen) ist dann anders geschnitten, und prompt hab ich mich verhaspelt. Das passierte man dann in den folgenden Tagen immer wieder, ich bin also offensichtlich zu doof, bis 192 zu z\u00e4hlen &#8211; zwischen 188 und 194 war alles dabei. Vielleicht wars auch das Multitasking &#8211; Treppen steigen und z\u00e4hlen gleichzeitig, oder der Kaffee hatte einfach noch nicht gewirkt.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall biegt man dann links ab durchs Parkhaus und kommt direkt am Bahnhof raus. Das Parkhaus hat daf\u00fcr einen breiten Zebrastreifen und au\u00dferdem ist dort jeder Parkplatz an der Decke farbig markiert &#8211; gr\u00fcn f\u00fcr &#8222;frei&#8220; und rot f\u00fcr &#8222;belegt&#8220;. Man sieht also sehr schnell, ob sich irgendwo hinten hinter dem dicken SUV noch ein freier Platz versteckt. Frauenparkpl\u00e4tze sind nicht gr\u00fcn, sondern dunkellila markiert.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend ich an der Handvoll Frauenparkpl\u00e4tze vorbeilief &#8211; da stand ein dicker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Range_Rover#Range_Rover_(L460,_seit_2021)\">Range Rover<\/a> (das ideale Frauenauto f\u00fcr die Innenstadt *hust*) und eine Gruppe von Frauen, die eifrig diskutierten. Eine der Damen hatte sich mitten auf den Frauenparkplatz gestellt, und die Diskussion drehte sich nun darum, dass man auf dem Frauenparkplatz ja Frauen parkt statt Autos. Kann man schon mal so sehen.<\/p>\n<p>Langer Rede kurzer Sinn: Ich lief zum Bahnhof und begann eine l\u00e4ngliche Reise mit der Kuh ums Dorf mit mehrfach Umsteigen.<\/p>\n<p><strong>St. Moritz &#8211; Samedan (5.3 km, 0:33h, \u21970m, \u219885m)<\/strong><\/p>\n<p>Anmerkung: Die Zeit und H\u00f6henmeter beinhalten den Weg vom Hotel zum Bahnhof, die Fahrt selbst dauerte keine 10 Minuten.<\/p>\n<p>Der erste Abschnitt der Reise war eine sehr kurze Fahrt mit dem Zug, bei der es sich quasi nicht lohnte, sich \u00fcberhaupt zu setzen. Mit kurzem Zwischenhalt in Celerina ging es nach Samedan, quasi zwei Stationen weiter von St. Moritz. Der Zug von St. Moritz aus f\u00e4hrt dann weiter \u00fcber die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albulabahn\">Albulastrecke<\/a>, w\u00e4hrend ein aus Pontresina kommender Zug die Korrespondenz Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vereinalinie\">Vereinalinie<\/a> herstellt. Und weil ich ja nicht auf k\u00fcrzestem Weg nach Davos Monstein wollte, sondern von hinten durch den langen Tunnel war das eben mit Umsteigen verbunden. Das klappt ja hier aber problemlos, die Z\u00fcge halten am gleichen Bahnsteig und man stiefelt nur einmal quer r\u00fcber. Da ist dann auch eine Umsteigezeit von weniger als f\u00fcnf Minuten realistisch.<\/p>\n<p><strong>Samedan &#8211; Saglains (35.8 km, 0:47h, \u21970m, \u2198295m)<\/strong><\/p>\n<p>Der zweite Zug des Tages fuhr nun Richtung Scuol-Tarasp, also immer am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Inn\">Inn<\/a> entlang, der ja aus dem St. Moritzersee abflie\u00dft und sich dann teilweise in beeindruckende Schluchten gegraben hat, bevor er dann Richtung \u00d6sterreich davonflie\u00dft. Da geht es also &#8211; verglichen mit der Albulastrecke &#8211; relativ unspektakul\u00e4r Richtung Ost-Nord-Osten, bis man dann irgendwann den Inn nochmal \u00fcberquert und dann in gro\u00dfem Bogen Zernez erreicht. Ab hier biegt das Tal samt Bahnstrecke in nord\u00f6stliche Richtung ab, die Schlucht ist hier deutlich tiefer und spektakul\u00e4rer und dann ist man auch schon am Abzweig zum Vereinatunnel. Links abbiegen nach Klosters, geradeaus nach Scuol-Tarasp.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260808\/s-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Der Zug tat letzteres, ich wollte ersteres, dementsprechend war jetzt wieder Umsteigen angesagt. In Sagliains war es nun wieder das gleiche Spiel, zwei Seiten eines Bahnsteiges und einmal quer r\u00fcber, keine f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter geht es weiter. Faszinierend wie gut sowas klappen kann wenn man seine Infrastruktur auf sowas hin trimmt.<\/p>\n<p><strong>Sagliains &#8211; Klosters Platz (22.9 km, 0:19h, \u21970m, \u2198232m)<\/strong><\/p>\n<p>Der mit Abstand spektakul\u00e4rste Abschnitt der Fahrt folgte nun auf dem Fu\u00dfe &#8211; wenn man das Anschauen einer dunklen Tunnelwand f\u00fcr spektakul\u00e4r h\u00e4lt. Der Vereinatunnel ist \u00fcber 20km lang, damit der weltweit l\u00e4ngste Tunnel einer meterspurigen Eisenbahnlinie und die Fahrt da durch dauert eben eine reichliche Viertelstunde. Sagliains liegt am s\u00fcdlichen Tunnelende, Klosters am n\u00f6rdlichen. Viel mehr gibt es zu dieser Fahrt nicht zu erz\u00e4hlen, au\u00dfer dass es bis Sagliains, also auf der S\u00fcdseite, einigerma\u00dfen bew\u00f6lkt war, w\u00e4hrend in Klosters die Sonne ungehindert vom blauen Himmel brutzelte.<\/p>\n<p><strong>Klosters Platz &#8211; Davos Monstein (27.8 km, 1:20h, \u2197138m, \u21980m)<\/strong><\/p>\n<p>Anmerkung: Die Zeit enth\u00e4lt 30min Wartezeit am Bahnhof Klosters Platz.<\/p>\n<p>In Klosters hatte ich nun eine halbe Stunde Aufenthalt, weil ich ja unbedingt mit der Kuh ums Dorf fahren musste, anstatt wie ein normaler Mensch die direkte Verbindung zu nutzen. Somit sa\u00df ich also bei sch\u00f6nstem Sonnenschein und st\u00e4ndig steigenden Temperaturen am Bahnhof herum. Ich h\u00e4tte in einen Zug einsteigen k\u00f6nnen, der mich bis Davos gebracht h\u00e4tte, aber dann h\u00e4tte ich dort wieder eine halbe Stunde gewartet und w\u00e4re in genau den gleichen Zug gestiegen, auf den ich gerade in Klosters wartete. War also gehupft wie gesprungen, es sa\u00df sich da auf der Bank am Bahnsteig aber auch so ganz angenehm.<\/p>\n<p>Die eigentliche Zugfahrt war nun tats\u00e4chlich eine Premiere f\u00fcr mich, denn diesen Streckenabschnitt kannte ich ja nun noch nicht. Der beginnt auch direkt mit einer spektakul\u00e4ren Schleife von Klosters aus um 180 Grad nach Norden, um dann in einer weiteren Schleife nach Westen abzuknicken und H\u00f6he zu gewinnen. Dann hat man im Prinzip auch schon das Hochplateau von Davos erreicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Davos\">Davos<\/a> selbst &#8211; bekannt aus den Nachrichten von diesem Weltwirtschaftsforum &#8211; hat gleich mehrere verstreute Haltestellen. Am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Davosersee\">Davosersee<\/a> war viel Betrieb mit Baden, Wasserski und \u00e4hnlichem, bei dem herrlichen Sommerwetter war das ja auch angebracht. Hinter dem eigentlichen Bahnhof Davos Platz folgen dann in teilweise beachtlichem Abstand noch weitere Haltepunkte als Bedarfshalt. Einer davon ist dann Davos Monstein, wo nicht nur ich ausstieg, sondern ein halbes Dutzend weitere Wanderer.<\/p>\n<p><strong>Wanderung (15.0 km, 4:13h, \u2197815m, \u21981093m)<\/strong><\/p>\n<p>Anmerkung: Die H\u00f6henwerte stimmen nicht, da hatte das GPS diverse Empfangsprobleme. Realistischer ist weniger als die H\u00e4lfte der H\u00f6henmeter. Au\u00dferdem ist in der Aufzeichnung der kurze Trip mit dem Viaduktshuttle \u00fcber den Landwasserviadukt mit drin, das verzerrt die Dinge zus\u00e4tzlich. Die reine Wanderzeit war eine reichliche Stunde k\u00fcrzer, ich sa\u00df am Ende l\u00e4ngere Zeit am Aussichtspunkt und fotografierte Z\u00fcge, und dann ist da auch die Fahrt mit dem Viaduktshuttle und die Wartezeit in Filisur mit drin.<\/p>\n<p>Erste Amtshandlung war nun das Auftragen von Lichtschutzfaktor, immerhin war ich auf \u00fcber 1000 H\u00f6henmetern unterwegs. Au\u00dferdem musste ich den restlichen Wandereren den Weg weisen, weil die offensichtlich ohne Vorplanung den Plan &#8222;Richtung Wiesener Viadukt wandern&#8220; gefasst hatten und der Wanderweg nicht direkt ausgeschildert war &#8211; da stand nur ein Wegweiser &#8222;Zu den Wanderwegen&#8220;. Man muss da halt noch 200m die Stra\u00dfe lang auf nem Trampelpfad bis zum n\u00e4chsten Wegweiser, und ab da beginnt dann der Wanderweg \u00fcber die alte Z\u00fcgenstra\u00dfe.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260808\/s-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Das war bis in die 1970er Jahre hinein die Verbindungsstra\u00dfe Richtung Alvaneu und ins Albulatal. Sie entsprach damals nicht mehr den verkehrlichen Anforderungen (zu schmal, steinschlaggef\u00e4hrdet usw.) und wurde durch einen langen Tunnel ersetzt. Die alte Stra\u00dfe ist nun also ein breiter und sch\u00f6n einfach begehbarer Wanderweg mit spektakul\u00e4ren Tunneln und Ausblicken in die Z\u00fcgenschlucht. Entsprechend popul\u00e4r ist der Wanderweg, es waren etliche Wanderer unterwegs.<\/p>\n<p>Umso irritierter war ich mich keine 10 Minuten nach Beginn der Wanderung, quasi am ersten gr\u00f6\u00dferen Knick im Wanderweg, pl\u00f6tzlich mit nackten Tatsachen konfrontiert sah. Da hatte sich eine Badenixe zum Sonnenbaden oben ohne ins Bachbett auf einen gro\u00dfen Stein gelegt. Kann man machen, aber wenn man dabei nicht gest\u00f6rt werden will, sollte man es vielleicht nicht weniger als 50m neben einem viel begangenen Wanderweg tun. Besagte Badenixe rollte sich n\u00e4mlich ob der pl\u00f6tzlich ankommenden Wanderer hastig in ihr Badetuch. Im \u00dcbrigen standen da alle paar Meter Schilder, dass man sich im Naturschutzgebiet befindet, nicht vom Weg abweichen soll und der Aufenthalt im Bachbett lebensgef\u00e4hrlich ist. Letzteres liegt an der Regulierung des Wasserstandes wegen Hochwasserabwehr und zus\u00e4tzlich zur Energiegewinnung in Wasserkraftwerken. Da kann also jederzeit mal eine gr\u00f6\u00dfere Flutwelle kommen, auch wenn es seit Wochen nicht geregnet hat. Wie auch immer, mir kam spontan Loriot in den Sinn, der ja gesagt hatte &#8222;ein Leben ohne M\u00f6pse ist m\u00f6glich, aber sinnlos&#8220;. Ich hatte also quasi wilde Waldm\u00f6pse in freier Wildbahn gesichtet.<\/p>\n<p>Weiter ging es nun ohne weitere ungew\u00f6hnliche Sichtungen. Der Weg windet sich durchs Tal, links und rechts steigen steile Felsw\u00e4nde an, nebenan rauscht das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Landwasser_(Albula)\">Landwasser<\/a> im Bachbett und nach jeder Ecke gibt es tolle neue Fotomotive &#8211; mal ein in den rohen Fels gehauener Tunnel, mal die Eisenbahnbr\u00fccke, die an beiden Enden in Tunnel \u00fcbergeht, In Richtung Davos Wiesen schneidet sich das Landwasser immer tiefer in die Schlucht, w\u00e4hrend die Stra\u00dfe &#8211; anfangs noch auf Ebene des Wassers &#8211; graduell immer mehr H\u00f6he gegen\u00fcber dem Talgrund gewinnt, was wiederum die Aussichten immer spektakul\u00e4rer macht, je n\u00e4her man Davos Wiesen kommt.<\/p>\n<p>Kurz vor besagtem Davos Wiesen biegt die Stra\u00dfe nach Norden ab. Hier hat man noch mal einen tollen Aussichtspunkt, bevor es nun auf einem schmalen Wanderweg weiter direkt nach Davos Wiesen ging. Das war nun schon ziemlich zur Mittagszeit, entsprechend gut besucht war der Wanderweg und entsprechend voll war das Caf\u00e9 am Bahnhof Davos Wiesen. Auf s\u00fc\u00dfen Kuchen oder eine Portion salzige Pommes hatte ich jetzt ohnehin keinen Bock. Die Temperaturen hatten inzwischen die 30 Grad \u00fcberschritten, das Trinken kohleydratreicher Getr\u00e4nke war also mehr als ausreichend.<\/p>\n<p>Nach kurzer Pause begann nun der zweite Teil der Wanderung, von Davos Wiesen aus hinunter ins Landwassertal. Das ist ein schmalerer Wanderweg, der gleichzeitig f\u00fcr Mountainbiker freigegeben ist. Laufen l\u00e4sst es sich ganz gut, man muss halt nur extrem aufpassen, ob hinter einem ein r\u00fccksichtsloser Kampfradler angerauscht kommt. Sehr cool fand ich da zwei vorbildliche Radler, die einfach eine ganze Armada an Glocken an ihre Lenkerstangen gebastelt hatten. Man stelle sich eine Kuh samt Kuhglocke vor, die im Schweinsgalopp (oder Kuhgalopp?) den Berg runtersprintet, und das auf dreifachem Tempo. Die Jungs waren also schon ewig vorher zu h\u00f6ren und man konnte problemlos an geeigneter Stelle warten und sie durchlassen.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon gab es sch\u00f6ne Aussichten auf den Wiesener Viadukt, \u00fcber den man auch dr\u00fcberlaufen kann, wenn man von Davos Wiesen in Richtung Filisur laufen will &#8211; das hatten Bj\u00f6rn und ich damals in umgekehrter Richtung gemacht. Damals gab es aber auch den Haltepunkt am Landwasserviadukt noch nicht, der heute mein Wanderziel war.<\/p>\n<p>Ich war noch nicht ganz auf Talniveau angekommen, da fehlten noch ungef\u00e4hr f\u00fcnf Meter, als mir ein fieses Missgeschick passierte. Ich stolperte \u00fcber eine ganz gemeine fu\u00dfangelige Wurzel, und verlor das Gleichgewicht. Ich fiel also nach vorne und w\u00e4hrend ich mich noch mit einem Ausfallschritt vorm Sturz zu retten versuchte entwickelte der schwere Rucksack mit den Getr\u00e4nken auf dem R\u00fccken ein Eigenleben und zog mich erst weiter nach vorn und dann pl\u00f6tzlich nach links &#8211; vom Weg runter ins Geb\u00fcsch. Bl\u00f6derweise ging es dort aber eben auch steil nach unten Richtung Bach. Urpl\u00f6tzlich fand ich mich also neben dem Weg am Abhang im Geb\u00fcsch liegend wieder, mit dem Kopf ungef\u00e4hr auf Wegh\u00f6he. Gl\u00fccklicherweise war die B\u00f6schung zwar steil, aber auch voll mit B\u00fcschen, so dass ich mich recht problemlos wieder auf den Weg strampeln konnte. Das h\u00e4tte echt bl\u00f6d ausgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260808\/t-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Die restlichen H\u00f6henmeter verliefen nun aber ohne weitere Zwischenf\u00e4lle, der Weg wurde breiter, \u00fcberquerte auf einer Holzbr\u00fccke den Bach und hielt nun mehr oder minder topfeben auf das Landwasserviadukt zu. Durch den verwinkelten Lauf des Baches und entsprechend des Wanderweges daneben ist der Viadukt von dieser Seite quasi erst sichtbar, wenn man schon quasi drunter steht. Aus der anderen Seite sieht man ihn ja schon aus mehreren Kilometern Entfernung.<\/p>\n<p>Unter dem Viadukt gibt es einen kleinen Kiosk mit B\u00e4nken, da kann man also gut verweilen, was auch viele Wanderer taten. Die Tourismusfritzen sind dort echt bestrebt, den Zugang m\u00f6glichst einfach zu gestalten, so f\u00e4hrt so eine kleine Bummelbahn wie man sie von Freizeitparks kennt vom Bahnhof Filisur aus den runden Kilometer bis zu diesem Ort &#8211; da geht es auch weniger um die Entfernung als um den H\u00f6henunterschied. Der Viadukt hat 65m H\u00f6he, der Bahnhof Filisur liegt nochmal einige Meter h\u00f6her, also sind das schon so knapp 100m H\u00f6henunterschied.<\/p>\n<p>Ich wollte zwar nicht zum Bahnhof Filisur, aber einen finalen steilen Anstieg hatte ich nun auch noch vor mir. Inzwischen war es 13 Uhr durch, laut Fahrplan kommt kurz nach halb der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bernina_Express\">Bernina-Express<\/a>, und den wollte ich fotografieren. Dazu musste ich nun noch die Fotostelle erreichen. Die liegt oberhalb des Viaduktes auf der S\u00fcdseite des Tals, also eben knapp 100m h\u00f6her. Fr\u00fcher h\u00e4tte man den Weg hochmarschieren m\u00fcssen, dann Fotos gemacht, w\u00e4re dann wieder ins Tal abgestiegen und w\u00e4re dann auf der anderen Seite wieder 100m hoch zum Bahnhof gelaufen. So erpicht war ich dann doch nie auf eigene Fotos von diesem Spot, dass ich mir das antun wollte. Nun hat die Rh\u00e4tische Bahn aber vor 2-3 Jahren einen neuen Haltepunkt eingerichtet, direkt am Schmittentobelviadukt, quasi 100m vor dem Fotopunkt. Da h\u00e4lt nur ein extra eingerichteter Viadukt-Shuttle, der im Sommer den ganzen Tag zwischen Filisur und Alvaneu pendelt, so dass man alle halbe Stunde Anschluss nach Filisur hat. Dementsprechend brauchte ich nun blo\u00df noch einmal den Berg hoch, konnte Fotos machen und dann im Shuttle nach Filisur fahren. Das war dann auch der m\u00e4chtig gewaltige Plan.<\/p>\n<p>Der Aufstieg war steil und anstrengend, die Hitze half auch nicht unbedingt. Einige Verschnaufpausen sp\u00e4ter war ich am Schmittentobel und damit am neuen Haltepunkt angekommen, von hier aus waren es nun nur noch 150m und zehn H\u00f6henmeter zum Aussichtspunkt. Dort war auch gut Betrieb, man hat dort mehrere Picknicktische und eine Feuerstelle, auch wenn Grillen bzw. offenes Feuer aufgrund der Witterung in der gesamten Gegend streng verboten war wegen Waldbrandgefahr. Da war auch gut Betrieb und ich war auch nicht der Einzige, der dort Z\u00fcge knipsen wollte.<\/p>\n<p>Keine zehn Minuten sp\u00e4ter kam auch schon der Bernina Express mit seinen Panoramawagen und ich \u00fcberlegte nun, was ich noch machen wollte. Eine Stunde sp\u00e4ter w\u00e4re der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glacier_Express\">Glacier Express<\/a> durchgekommen. Das war verlockend, aber der Viaduktshuttle fuhr 5 Minuten vorher &#8211; oder eben nochmal eine Stunde sp\u00e4ter. Inzwischen war es fast 14 Uhr, der n\u00e4chste Zug ab Filisur nach St. Moritz fuhr um 15 Uhr, den w\u00fcrde ich verpassen wenn ich hier auf den Glacier Express warten w\u00fcrde. Das w\u00e4re mir ansich relativ egal gewesen, aber ich h\u00e4tte dann noch \u00fcber eine Stunde in der prallen Sonne gesessen, und da hatte ich dann Angst vor Sonnenbrand.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260808\/t-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Also trollte ich mich gegen 14 Uhr zum Haltepunkt. Der hat zwar die geilste Aussicht aller Haltepunkte der Schweiz, aber eben auch null Wetterschutz, man sitzt in der prallen Sonne. Da fuhr dann zun\u00e4chst der Regionalzug nach St. Moritz durch, der Filisur gegen 14 Uhr verl\u00e4sst, bevor der Viadukt-Shuttle kam. Der besteht eigentlich nur aus einer Lok, einem offenen Aussichtswagen und einem zweiten Wagen mit Wendezugsteuerung. Vier Nasen bestiegen den Zug, also drei plus meine Wenigkeit.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Minuten Fahrt im offenen Aussichtswagen auf Holzb\u00e4nken \u00fcber den Landwasserviadukt, durch den Landwassertunnel und die letzten paar Meter nach Filisur &#8211; geilste Bahnfahrt des Tages, mit Abstand. Nun stand ich viertel nach zwei am Bahnhof Filisur und musste noch bis 15 Uhr Zeit totschlagen. Ich lie\u00df mich auf der Webcam vom Bahnhofshotel filmen, wo mich dann auch meine Eltern sehen konnten &#8211; schei\u00df moderne Technik, \u00fcberall wird man \u00fcberwacht&#8230; Kurz nach halb kam der Glacier Express und hielt kurz im Bahnhof &#8211; nicht voll ausgebucht, au\u00dfer in der Excellence Class.<\/p>\n<p>Aus Richtung Davos kam ein historischer Zug &#8211; also moderne Lok, aber historische Wagen, noch so richtig mit offenen Plattformen an den Enden und alten Holzb\u00e4nken und Raucherwagen, in denen heutzutage trotzdem nicht mehr geraucht werden darf. Statt Mehrzweckfahrradabteil gab es einen Gep\u00e4ckwagen mit Gep\u00e4ckschaffner, wie ich es zuletzt in meiner Kindheit erlebt habe. Das war halt klassische Eisenbahn wie vor 50-60 Jahren \u00fcblich.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckfahrt (38.6 km, 0:58h, \u2197636m, \u21980m)<\/strong><\/p>\n<p>Ich war trotzdem froh, dass heutzutage moderne Z\u00fcge mit Klimaanlage fahren, so \u00fcberstand ich dann die finale R\u00fcckfahrt ab 15 Uhr bis kurz vor 16 Uhr recht unbeschadet. Fahrten \u00fcber die Albulastrecke sind sowieso immer ein Highlight, das Fotografieren sparte ich mir, am n\u00e4chsten Tag war da ohnehin Wanderung geplant. Und so erreichte ich dann etwas kn\u00fclle und verschwitzt, aber ziemlich zufrieden St. Moritz.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260808\/t-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Dort angekommen ging es den gleichen Weg zur\u00fcck wie am Morgen &#8211; durchs Parkhaus und diesmal aber die Rolltreppen hoch statt die Treppe. Das finale Missgeschick des Tages passierte mir dann am oberen Ende der Rolltreppen: Ich wollte nach dem Heraustreten aus dem Parkhaus die Sonnenbrille wieder aufsetzen und bemerkte, dass sie sich in dem Augenblick wo ich die B\u00fcgel ausklappte in ihre Einzelteile aufl\u00f6ste &#8211; das linke Glas war herausgefallen. Der gleiche Mist war mir bereits vor Jahren mit dem rechten Glas passiert, allerdings in Erlangen vor der Haust\u00fcre. Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Das Glas war einfach nur runtergefallen und ein aufmerksamer Bub neben mir hatte es schon aufgehoben und reichte es mir. Zweites Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Auf dem Weg zum Hotel kam ich an einem Optiker vorbei. Ungl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Es war Samstag nach 16 Uhr, der Laden war geschlossen. Das hie\u00df nun auch, dass ich am n\u00e4chsten Tag auch keine Sonnenbrille zur Verf\u00fcgung hatte. Das war nun ein etwas ungl\u00fccklicher Ausgang des Tages.<\/p>\n<p>Im Hotel angekommen und eine Dusche sp\u00e4ter sah das dann alles schon wieder etwas besser aus. Ich hatte ja doch einiges erlebt. Den Rest des Abends verbrachte ich zappenderweise auf dem Hotelbett heruml\u00fcmmelnd, wobei diesmal nicht die Kika-Nachtschleife lief, sondern eine mehrteilige Dokumentation \u00fcber den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/FC_Bayern_M%C3%BCnchen#FC_Hollywood\">FC Hollywood<\/a>. Da ging es um die Zeiten vor rund 30 Jahren, als es hie\u00df Trapp gegen die Mannschaft, Scholl und Basler gegen Trapp, Klinsmann gegen Loddar, Loddar gegen alle, der Kaiser gegen K\u00f6nig Otto und was damals sonst noch so alles lief. Zu der Zeit verfolgte ich die Bundesliga noch am Rande und freute mich schon diebisch, als 1997 der FC Kaiserslautern am ersten Spieltag mit K\u00f6nig Otto die Bayern in M\u00fcnchen besiegte und anschlie\u00dfend Otto Rehhagel s\u00fcffisant grinsend im Sportstudio sa\u00df.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag wars, die Temperaturen sind mit &#8222;hochsommerliche Hitze&#8220; gut beschrieben, und ich hatte einen Plan. M\u00e4chtig gewaltig. Eigentlich sogar zwei Pl\u00e4ne. Und die wurden auch umgesetzt. Dar\u00fcber hinaus passierten auch noch ungeplante Sachen und mindestens ein dussliges Missgeschick.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5228"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5228"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5228\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5236,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5228\/revisions\/5236"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5228"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5228"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5228"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}