{"id":5193,"date":"2026-08-29T11:33:18","date_gmt":"2026-08-29T09:33:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=5193"},"modified":"2026-08-29T11:33:18","modified_gmt":"2026-08-29T09:33:18","slug":"kein-drama-in-drei-akten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2026\/08\/29\/kein-drama-in-drei-akten\/","title":{"rendered":"Kein Drama in drei Akten"},"content":{"rendered":"<p>Die erste Wanderung des Urlaubs bestand aus drei Etappen. Ein Drama wars trotzdem nicht, ergo der etwas komische Titel des Eintrags.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Nacht war kurz und gepr\u00e4gt von konstantem Schwitzen und Trinken. Bei Zimmertemperaturen deutlich \u00fcber 20 Grad kein Wunder. Der eingestellte Alarm vom Handy holte mich entsprechend auch nicht wirklich aus dem Schlaf, als er viertel vor sieben Uhr den pr\u00e4zise ausget\u00fcftelten Zeitplan des Tages in Gang setzte. Erster Punkt auf der Tagesordnung: Aus dem Bett fallen und den Prozess der Menschwerdung einleiten (ich erkenn dich zwar nicht im Spiegel, aber ich putz dir trotzdem die Z\u00e4hne). Dieser Prozess setzte sich dann auch beinahe p\u00fcnktlich kurz nach sieben Uhr fort, n\u00e4mlich mit dem hei\u00dfen Kampf am kalten B\u00fcffet, will sagen Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n<p>Es gab zwar keine Br\u00f6tchen, aber viele verschiedene Sorten Brot und die \u00fcbliche Auswahl an Wurst und K\u00e4se und S\u00fc\u00dfkram, edel pr\u00e4sentiert in einem sehr schicken Fr\u00fchst\u00fcckssaal. Um diese Uhrzeit hatte man da auch noch seine Ruhe, da rannte mehr Personal rum als G\u00e4ste. Eine Portion R\u00fchrei und mehrere Gl\u00e4ser Orangensaft sp\u00e4ter, nicht zu vergessen eine Tasse Kaffee zum Runtersp\u00fclen, war dann der Prozess der Menschwerdung soweit abgeschlossen wie das bei mir halt m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Nun war noch eine halbe Stunde Zeit bis zur Abfahrt des Zuges, also hie\u00df es nun Wanderstiefel schn\u00fcren und Rucksack packen. Zehn Minuten vor acht gab ich den Zimmerschl\u00fcssel &#8211; so ein richtig echter Schl\u00fcssel mit schwerem Blechschild f\u00fcr die Zimmernummer &#8211; an der Rezeption ab und stiefelte zum Bahnhof. Das Wetter versprach wieder h\u00f6llisch hei\u00df zu werden, zu dieser fr\u00fchen Stunde war es aber noch ertr\u00e4glich.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260804\/s-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Am Bahnhof angekommen enterte ich den bereitstehenden Zug nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lauterbrunnen\">Lauterbrunnen<\/a> &#8211; fr\u00fches Aufstehen sichert leerere Z\u00fcge, erfahrungsgem\u00e4\u00df ist da ab neun Uhr Hochbetrieb mit Touristengruppen. Die wollen dann aber entweder Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grindelwald\">Grindelwald<\/a> und dann weiter Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jungfraujoch\">Jungfraujoch<\/a>, oder Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/First_(Berg)\">Grindelwald First<\/a>. Das ist ein anderer Zugteil und konnte mir egal sein. Richtung Lauterbrunnen steigen die Touristenmassen dann \u00fcblicherweise entweder in die Bahn hinauf Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wengen_BE\">Wengen<\/a>, oder in den Bus zur Seilbahn Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/M%C3%BCrren\">M\u00fcrren<\/a> bzw. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schilthorn\">Schilthorn<\/a>. Ich als nicht fu\u00dflahmer Wanderer wollte auch zu dieser Seilbahn, aber eben per pedes, oder wie man das nennt wenn man einen Fu\u00df vor den anderen setzt.<\/p>\n<p>Langer Rede kurzer Sinn: Kurz nach acht begann die kurze Fahrt Richtung Lauterbrunnen. Am Zwischenhalt Zweil\u00fctschinen wird der Zug geteilt, der vordere Teil nach Lauterbrunnen, der andere nach Grindelwald. Hier hat man dann auch links und rechts schon hohe Berge und die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/L%C3%BCtschine\">L\u00fctschine<\/a> als wundersch\u00f6nes Flie\u00dfgew\u00e4sser neben der Strecke. Wenn man da zum ersten Mal langf\u00e4hrt wei\u00df man eigentlich nicht wohin man zuerst schauen soll.<\/p>\n<p>Kurz vor halb neun Uhr morgens war ich dann &#8211; man muss es nicht extra erw\u00e4hnen &#8211; p\u00fcnktlich in Lauterbrunnen angekommen. Zu dieser Zeit lag das gesamte Tal noch im Schatten, die hohen Berge ringsum verhindern direkte Sonneneinstrahlung. Und damit begann denn auch die erste eigentliche Wanderetappe.<\/p>\n<p><strong>Etappe 1 &#8211; Lauterbrunnen-Stechelberg (5.1 km, 1:20h, \u2197190m, \u219893m)<\/strong><\/p>\n<p>Anmerkung: Die H\u00f6henwerte sind definitiv falsch, das GPS hatte massive Schwierigkeiten durch die steilen Felsw\u00e4nde im Tal und mich hunderte Meter seitlich und bis zu tausend Meter vertikal falsch platziert. Ich habe die offensichtlich fehlerhaften Punkte entfernt, aber die akkumulierten H\u00f6henunterschiede sind trotzdem noch um etliche Dutzend Meter daneben. Das gilt auch f\u00fcr alle anderen Etappen, in Interlaken z.B. lief ich direkt an der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aare\">Aare<\/a> entlang, das war topfeben.<\/p>\n<p>Die erste Wanderetappe f\u00fchrte von Lauterbrunnen aus immer am Talboden entlang Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stechelberg\">Stechelberg<\/a>, bzw. zur dortigen Seilbahnstation. Das ist also ein ziemlich geradliniger Spaziergang von etwa 5 km ohne gro\u00dfe H\u00f6henunterschiede. Man ist sowieso mehr damit besch\u00e4ftigt die wahnwitzigen Aussichten links und rechts zu genie\u00dfen. Da gibt es n\u00e4mlich steil aufragende Felsw\u00e4nde, die sich bis zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lauterbrunnental\">1000m \u00fcber dem Tal<\/a> erheben. Dementsprechend gibt es dort nat\u00fcrlich auch zahllose &#8211; nein, halt, nicht ganz richtig, laut offizieller Z\u00e4hlung sind es 72 &#8211; Wasserf\u00e4lle der spektakul\u00e4ren Sorte. Der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Staubbachfall\">Staubbachfall<\/a> bei Lauterbrunnen d\u00fcrfte der bekannteste sein, allerdings bestand er aufgrund der lang anhaltenen Trockenheit mehr aus Staub denn aus Wasser.<\/p>\n<p>Ich verfolgte also die Bahn, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wengernalpbahn\">Richtung Wengen<\/a> emporkletterte und marschierte dann durch Lauterbrunnen und dann immer weiter geradeaus. Nach ungef\u00e4hr 10 Minuten wurde ich von einem Bus \u00fcberholt, der mitsamt Anh\u00e4nger pickepackevoll war &#8211; lauffaule Touristen auf dem Weg zur Seilbahn. Ich hingegen war so ziemlich der einzige, der zu Fu\u00df unterwegs war, abgesehen von einigen wenigen Leuten, die Br\u00f6tchen vom \u00f6rtlichen B\u00e4cker holten und zum Campingplatz am Ortsausgang unterwegs waren.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tr%C3%BCmmelbachf%C3%A4lle\">Tr\u00fcmmelbachf\u00e4lle<\/a> lie\u00df ich links liegen &#8211; da waren wir als Familie 2018 schon &#8211; und marschierte vorbei an den Markierungen des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jungfrau-Marathon\">Jungfrau-Marathons<\/a> (Interlaken Richtung Jungfrau, 42 km und ich wei\u00df nicht wie viele H\u00f6henmeter) immer geradeaus, vorbei an diversen Verbotsschildern: Keine Drohnen erlaubt, kein \u00dcbersteigen der Z\u00e4une erlaubt, keine Autos und Motorr\u00e4der erlaubt. An einem Schild musste ich dann tats\u00e4chlich erst einmal stehenbleiben und genau durchlesen, ob ich als daherlaufender Tourist da nun gemeint bin oder nicht.<\/p>\n<p>Was man hingegen dort darf, ist wild vom Fels runterh\u00fcpfen. Im Lauterbrunnental treffen sich alle lebensm\u00fcden Adrenalinjunkies zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gleitschirmfliegen\">Paragliding<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Base-Jumping\">Basejumping<\/a> und wie all diese komischen Aktivit\u00e4ten hei\u00dfen, bei denen man von irgendwo runterh\u00fcpft und dann kurz vor knapp die Rei\u00dfleine des Fallschirms zieht. Entsprechend bunt gewandete Gestalten waren auch schon zu dieser fr\u00fchen Stunde unterwegs.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260804\/s-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>So raschelte es unvermittelt irgendwo 200m vor und \u00fcber mir &#8211; ich guck irritiert nach oben und sehe wie da grad einer am Fallschirm h\u00e4ngend den Landeanflug einleitet und dann 50m neben mir auf der Wiese landete. Jede Landung von der man weggehen kann ist eine gute Landung, war also eine. Klappt aber manchmal auch nicht, dann endet man als bunt angezogene tote Leiche (jeder siebte Todesfall bei diesen Aktivit\u00e4ten weltweit passiert im Lauterbrunnental). Auf jeden Fall war der Typ dann wohl ziemlich wach. Mir reicht ja eine Tasse Kaffee, andere m\u00fcssen sich eben hunderte Meter in die Tiefe st\u00fcrzen&#8230;<\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr nach einer Stunde, gegen viertelhalb zehn oder so um den Dreh, war die Sonne denn auch hoch genug um die Schatten aus dem Tal zu vertreiben. Da war ich auch schon fast an der Seilbahnstation angekommen. Ich trug also die erste Lage Lichtschutzfaktor auf und marschierte die letzten Meter zur Seilbahn.<\/p>\n<p><strong>Steiler Aufstieg &#8211; Seilbahn Stechelberg-M\u00fcrren (860m, 4min, \u2197780m, \u21980m)<\/strong><\/p>\n<p>Dort parkten bereits unz\u00e4hlige Autos und Reisebusse, und auch an der Kasse war eine \u00fcberschaubare Schlange. Ich brauchte am Ende aber noch nicht mal einen Fahrschein kaufen, denn die Seilbahn war in meinem Travel Pass enthalten. Also ging es ohne weitere Verz\u00f6gerung kurz vor zehn Uhr in die Seilbahnkabine.<\/p>\n<p>Die Seilbahn von vom Talboden nach M\u00fcrren existierte noch nicht, als ich das letzte Mal hier war. Da musste man mit Umweg \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gimmelwald\">Gimmelwald<\/a> und Umsteigen nach M\u00fcrren fahren, um von dort aus weiter Richtung Schilthorn zu fahren. Die direkte Seilbahn nach M\u00fcrren wurde erst vor kurzem in Betrieb genommen. Sie ist die steilste Seilbahn der Welt, wenn es noch steiler aufw\u00e4rts gehen soll m\u00fcsste man einen Fahrstuhl bauen. Auf nur 1200m Strecke \u00fcberwindet die Bahn knapp 800m H\u00f6henunterschied.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260804\/s-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Die Fahrt dauert keine f\u00fcnf Minuten, daf\u00fcr hat man dann von \u00fcber 1600m H\u00f6he einen fantastischen Blick auf&#8230; naja, eigentlich stellt man nur fest, dass die Berge ringsum noch ein paar Tausend Meter h\u00f6her sind. Auf jeden Fall steht man dann in M\u00fcrren, und das sieht schon ziemlich pittoresk aus, mit Holzh\u00e4usern, ohne Autos und nicht ganz so vielen Touristen wie in Zermatt.<\/p>\n<p><strong>Etappe 2 &#8211; M\u00fcrren-Gr\u00fctschalp (5.5 km, 1:31h, \u219798m, \u2198261m)<\/strong><\/p>\n<p>Die zweite Wanderetappe f\u00fchrte mich nun quasi wieder zur\u00fcck Richtung Lauterbrunnen, allerdings nicht am Talboden, sondern eben 800m h\u00f6here an der westlichen Talflanke entlang zur Seilbahn, die dann wieder hinunter nach Lauterbrunnen f\u00fchrt. Parallel zum Wanderweg f\u00fchrt auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bergbahn_Lauterbrunnen%E2%80%93M%C3%BCrren\">eine Bahnstrecke<\/a>, auf der alle paar Minuten ein Zug Touristen transportiert &#8211; und einen Teil der Verbrauchsmaterialien, die man in M\u00fcrren f\u00fcr den Hotelbetrieb ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Ich schmierte mich also mit ordentlich Lichtschutzfaktor ein &#8211; H\u00f6hensonne ist ja nicht zu untersch\u00e4tzen &#8211; und begann dann den Spaziergang Richtung Gr\u00fctschalp. Verlaufen kann man sich quasi nicht, immer entlang der Bahnstrecke Richtung Norden. Links geht es den Berg hoch, rechts geht es hinter der Bahnstrecke steil nach unten, und im Hintergrund sieht man je nach Blickrichtung Wengen, das Dreigestirn <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eiger\">Eiger<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/M%C3%B6nch_(Berg)\">M\u00f6nch<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jungfrau_(Berg)\">Jungfrau<\/a> &#8211; oder eben die Wolken, die letzteres teilweise verdecken, wie an diesem Tag.<\/p>\n<p>Die Wanderung &#8211; eigentlich wars ein gem\u00fctlicher Spaziergang von einer reichlichen Stunde und rund 5 km &#8211; war ziemlich entspannt. Inzwischen waren auch deutlich mehr Wanderer unterwegs, aber immer noch weit entfernt von &#8222;\u00fcberlaufen&#8220; wie an anderen Stellen. Viertel nach 11 war ich dann auch schon an der Gr\u00fctschalp angekommen, obwohl ich mir wirklich Zeit gelassen und zahllose Fotos gemacht hatte. Ich hatte sogar ein Reh bemerkt, was hunderte Meter unter mir durchs Unterholz stolzierte. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich h\u00e4tte mit K\u00fchen gerechnet, aber da waren keine zu sehen.<\/p>\n<p><strong>Steiler Abstieg &#8211; Seilbahn Gr\u00fctschalp-Lauterbrunnen (1,27 km, 3:13min, \u21970m, \u2198349m)<\/strong><\/p>\n<p>In der Bahnstation, also der Umsteigestation von der Seilbahn zur Bahnstrecke war ordentlich Betrieb, allerdings nur in der Richtung, in der ich nicht unterwegs war. Das waren also die ganzen Langschl\u00e4fer, die jetzt auf dem Weg Richtung M\u00fcrren via Lauterbrunnen waren. Ich hingegen hatte zwei Drittel meines Wanderplans schon hinter mir und es war noch nicht mal Mittag. Inzwischen wurde es aber auch gut warm, h\u00e4tte mich ziemlich gest\u00f6rt wenn ich jetzt erst angefangen h\u00e4tte mit meiner Wanderung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260804\/t-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Der Fahrscheinautomat war irgendwie wenig aussagekr\u00e4ftig, also fragte ich den wichtig aussehenden Mitarbeiter zwecks Fahrscheinkauf und zeigte meinen Travel Pass vor. \u00dcberraschenderweise gab es auch hier nix zu bezahlen &#8211; &#8222;Also wenn sie wollen k\u00f6nnen sie gern bezahlen, aber sie m\u00fcssen nicht&#8220;. Der Kollege schien einen Clown gefr\u00fchst\u00fcckt zu haben. Auf jeden Fall war ich damit schon mal sehr zufrieden, da hatte mir mein Travel Pass schon mehrere Dutzend Franken gespart.<\/p>\n<p>Kurz nach zw\u00f6lf war ich dann auch schon wieder in Lauterbrunnen angekommen. Am Bahnhof nutzte ich die Zeit dann gleich noch f\u00fcr die Kl\u00e4rung weiterer Fahrkarteng\u00fcltigkeiten. Ich war mir zwar bereits ziemlich sicher, dass mein Travel Pass auch bis nach Wengen gilt, wollte das aber sicherheitshalber nochmal best\u00e4tigt haben. Und damit begann dann die dritte Wanderetappe.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen war die Seilbahnkabine quasi leer &#8211; man konnte die Reisenden problemlos an zwei H\u00e4nden abz\u00e4hlen (dezimal, nicht bin\u00e4r), w\u00e4hrend in Lauterbrunnen eine Schlange bis zur T\u00fcre heraus war mit Touristen, die in Gegenrichtung unterwegs sein wollten.<\/p>\n<p><strong>Etappe 3 &#8211; Lauterbrunnen-Zweil\u00fctschinen (4.5 km, 1:09h, \u2197123m, \u2198273m)<\/strong><\/p>\n<p>Diese Etappe f\u00fchrte mich von Lauterbrunnen nach Zweil\u00fctschinen. Der Weg f\u00fchrt immer entlang der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weisse_L%C3%BCtschine_(L%C3%BCtschine)\">Wei\u00dfen L\u00fctschine<\/a> (die entw\u00e4ssert das Lauterbrunnental, w\u00e4hrend die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schwarze_L%C3%BCtschine\">schwarze L\u00fctschine<\/a> von Grindelwald kommt). In Zweil\u00fctschinen (man erkennt jetzt wohl, woher der Name kommt) vereinigen sich beide zur L\u00fctschine, die knapp 10km weiter in den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brienzersee\">Brienzersee<\/a> abflie\u00dft. Unabh\u00e4ngig von diesem hydrologischen Exkurs sind das nochmal reichlich f\u00fcnf Kilometer ohne gro\u00dfe H\u00f6henunterschiede.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260804\/t-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Hier l\u00e4uft man nun wieder ziemlich im schmalen Tal, eingezw\u00e4ngt von hohen Felsw\u00e4nden und vorbei an zahlreichen Warnschildern bzgl. Steinschlag. Den Weg muss man sich mit Mountainbikern teilen, was je nach Einstellung der Radler mal einfacher und mal schwieriger ist. Gr\u00f6\u00dfere Probleme blieben diesmal aber aus, der Weg war auch nicht geeignet dazu, gro\u00dfartig Tempo aufzubauen, es ging ja wieder quasi nur geradeaus, also h\u00f6hentechnisch.<\/p>\n<p>Die Mittagssonne brannte inzwischen ziemlich ordentlich, und kurz vor dem Ziel stand ich dann noch mehrere Minuten am Bahn\u00fcbergang herum &#8211; was gleichzeitig bedeutete, dass ich meinen Zug um etwa f\u00fcnf Minuten verpassen w\u00fcrde. K\u00fcnstlerpech halt.<\/p>\n<p>Am Bahnhof Zweil\u00fctschinen angekommen hatte ich nun also fast eine halbe Stunde Zeit. Die wurde genutzt um gem\u00fctlich im Schatten herumzusitzen und etwas zu trinken. Der Zug zur\u00fcck nach Interlaken zeigte dann erneut, wie wichtig antizyklische Reiseplanung ist. Zur falschen Zeit sind die Z\u00fcge zwischen Interlaken und Grindelwald\/Lauterbrunnen n\u00e4mlich Sardinendosen der besten G\u00fcteklasse. Ich hingegen hatte kurz nach 13 Uhr auf dem R\u00fcckweg Richtung Interlaken die freie Auswahl, das gesamte Abteil war v\u00f6llig leer.<\/p>\n<p>In knapp 20 Minuten ging es nun z\u00fcgig &#8211; und mit viel Zugluft, weil ein Zug ohne Zugluft ja kein Zug ist, wie schon die Beatles 1964 im Film &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yeah!_Yeah!_Yeah!\">A Hard Day&#8217;s Night<\/a>&#8220; feststellten &#8211; zur\u00fcck nach Interlaken. Und weil man gegen 13:30 Uhr noch nicht wieder ins Hotel gehen braucht gab es nun noch eine Bonusetappe, nachdem ich im \u00f6rtlichen Supermarkt Getr\u00e4nkenachschub organisiert hatte.<\/p>\n<p><strong>Bonusetappe &#8211; Interlaken (3,4 km, 49min, \u2197121m, \u2198103m)<\/strong><\/p>\n<p>Die Bonusetappe war so eigentlich nicht geplant, passte aber super in den Zeitplan. Ich marschierte gem\u00fctlichen Schrittes die Aare entlang und machte quasi eine Ortsbegehung von Interlaken.<\/p>\n<p>An der Aare treffen sich die Einheimischen n\u00e4mlich zum Schwimmen im eiskalten Gletscherwasser. Das Ufer ist zumindest auf einer Seite von B\u00e4umen ges\u00e4umt, zwischen denen B\u00e4nke zum Verweilen einladen. Im Freibad war ebenfalls ordentlich Betrieb. Ich spazierte also vergleichsweise ziellos durch die Gegend und machte Fotos, die Motive dr\u00e4ngten sich f\u00f6rmlich auf.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20260804\/t-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Inzwischen wurde die Hitze ziemlich unertr\u00e4glich, ich sah also zu, dass ich dann doch so langsam mal den Weg Richtung Hotel lenkte. Dazu musste ich zun\u00e4chst aber mal noch f\u00fcnf Minuten am Bahn\u00fcbergang beim Bahnhof <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnhof_Interlaken_West\">Interlaken West<\/a> herumstehen, bevor es an der gro\u00dfen Touristenmeile entlang Richtung Interlaken Ost und damit Richtung Hotel ging.<\/p>\n<p>An dieser Touristenmeile gibt es zahllose Juweliere, jede Menge Restaurants von McDonalds bis zur gehobenen Preisklasse und in zahllosen Geschmacksrichtungen. Selbst eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hooters\">Hooters<\/a>-Filiale gibt es da &#8211; nicht mein Fall, aber daneben stolperte ich \u00fcber ein italienisches Restaurant, dessen Speisekarte gar nicht mal so \u00fcbel aussah. Das merkte ich mir mal f\u00fcr sp\u00e4ter vor.<\/p>\n<p>Und so war dann auch die Bonusetappe am fr\u00fchen Nachmittag abgeschlossen. F\u00fcr weitere Besch\u00e4ftigungen war es einfach zu warm, inzwischen deutlich \u00fcber 30 Grad. Ich lie\u00df im Hotelzimmer also die Rollos runter und d\u00f6ste gem\u00fctlich vor mich hin. Man k\u00f6nnte auch behaupten ich verpennte den Rest des Nachmittages. So richtig aufraffen konnte ich mich dann auch am Abend nicht um nochmal irgendwo essen zu gehen, die Hitze machte einfach nur tr\u00e4ge, und Getr\u00e4nke hatte ich genug gekauft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die erste Wanderung des Urlaubs bestand aus drei Etappen. 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