{"id":5003,"date":"2025-09-08T17:14:44","date_gmt":"2025-09-08T15:14:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=5003"},"modified":"2025-09-08T17:14:44","modified_gmt":"2025-09-08T15:14:44","slug":"auf-und-ab-mit-toller-aussicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2025\/09\/08\/auf-und-ab-mit-toller-aussicht\/","title":{"rendered":"Auf und ab mit toller Aussicht"},"content":{"rendered":"<p>Die l\u00e4ngste Wanderung des Urlaubs hatte ich mir auf meinen Geburtstag gelegt. Dabei war der Geburtstag eigentlich v\u00f6llig egal, wichtiger war mir, dass die Wanderung nicht am Wochenende ist, denn da fahren weniger Z\u00fcge auf der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gotthardbahn\">Gotthardstrecke<\/a>. Und wenn ich schon mal da wandere, dann will ich auch ein paar Z\u00fcge sehen, nachdem ich bei meiner letzten Wanderung an dieser Strecke exakt null G\u00fcterz\u00fcge gesehen hatte. Schon doof so ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gotthard-Basistunnel\">Basistunnel<\/a>. So weit die Theorie, die Praxis sah freilich wieder etwas anders aus.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Morgen begann tats\u00e4chlich anders als die vorherigen beiden N\u00e4chte, denn in der Nacht auf Montag gab es keine Disko-induzierten Erdbeben. Ich tigerte also einigerma\u00dfen besser ausgeruht zum Fr\u00fchst\u00fccksbuffet, um mich f\u00fcr die bevorstehenden Aufgaben zu st\u00e4rken. Zur Feier des Tages gab es drei Glas Orangensaft statt zwei, man muss ja nicht \u00fcbertreiben.<\/p>\n<p><strong>Wenn man sich selbst bedient&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Danach spazierte ich beim lokalen Supermarkt vorbei, um genug Getr\u00e4nke zu erstehen. Da ich nur das Sixpack Getr\u00e4nke brauchte dachte ich mir, ich probier mal die Selbstbedienungskasse aus, kann ja so kompliziert nicht sein. Sixpack hingestellt, es piept, Preis erscheint, Menge mal sechs, super. Ich dr\u00fcck auf fertig und wunder mich, dass er fast 20 CHF haben will. Nachdem ich die Liste der Artikel \u00fcberpr\u00fcfte stellte ich fest, dass er mir das Sixpack zweimal anzeigt. Gut, von mir aus, kann man ja l\u00f6schen. Pustekuchen, kann man nicht. Also den gro\u00dfen roten &#8222;Ich brauch hier Hilfe&#8220; Button gedr\u00fcckt, der Kassiererin kurz erkl\u00e4rt wo das Problem ist, sie durfte das dann l\u00f6schen, nachdem sie sich eingeloggt hatte. Danach nur noch rausfinden, wo man an dem Ger\u00e4t die Karte ranh\u00e4lt, und schon konnte ich den Laden verlassen.\u00a0Halten wir fest: Die Aktion dauerte statt 20s an einer normalen Kasse etwa zwei Minuten, die Kassiererin musste trotzdem eingreifen und einen sch\u00f6nen Tag hat mir der d\u00e4mliche Kasten auch nicht gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall hatte ich nun genug Proviant f\u00fcr die Wanderung, die Sonne knallte herunter, Wolken waren nicht mal hinter den sieben Bergen Richtung S\u00fcden zu sehen, es konnte also losgehen.<\/p>\n<p><strong>Anfahrt (39,46km, 0:46h, \u219717 m, \u219827 m)*<\/strong><\/p>\n<p><small>* Alles Rundungsfehler, der Bahnhof Brunnen liegt in etwa auf gleicher H\u00f6he wie der von Luzern.<\/small><\/p>\n<p>Die Anreise erfolgte mit dem gleichen Regionalbummelzug wie am Vortag, nur dass ich diesmal nicht in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnhof_Arth-Goldau\">Arth-Goldau<\/a>, sondern erst an der Endstation in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnhof_Brunnen\">Brunnen<\/a> aussteigen w\u00fcrde. Vor dem Aussteigen muss man aber erst mal einsteigen, und das war diesmal ungleich komplizierter als am Vortag, denn da gab es eine chinesische Reisegruppe, die das mit der H\u00f6flichkeit und dem &#8222;man l\u00e4sst die Leute erst aussteigen&#8220; wohl noch nie geh\u00f6rt hatten. Nachdem die ersten drei Chinesen den Zug gest\u00fcrmt hatten und die Leute nicht aussteigen konnten baute ich mich dann breit vor der T\u00fcre auf und winkte die Leute aus dem Zug raus. Irgendeiner muss ja den Verkehrspolizisten spielen, das geht auch ohne Worte. Platz war im Zug ja trotzdem genug, auch wenn die Reisegruppe die erste Klasse ziemlich komplett f\u00fcllten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20250825\/s-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Die Fahrt danach war recht ereignislos, die Chinesen schliefen direkt nach der Abfahrt ein, wer wei\u00df welche Zeitverschiebung die in den Knochen hatten. Ich hingegen guckte mir die Landschaft an und \u00e4rgerte mich, dass ich gestern auf der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rigi\">Rigi<\/a> in den Wolken rumgeturnt war &#8211; heute waren da keine Wolken zu sehen. Egal, kann man sowieso nicht \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Auf dem kurzen Abschnitt zwischen Immensee und Arth-Goldau kamen uns auch direkt zwei G\u00fcterz\u00fcge mit Containern bzw. Lastwagenaufliegern als Rollende Landstra\u00dfe entgegen, was gut zu meinem Plan zu passen schien, bei der Wanderung auch ein paar Z\u00fcge zu sehen. Die Chinesen verlie\u00dfen den Zug in Arth-Goldau und folgten der Reiseleiterin in Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arth-Rigi-Bahn\">Rigi-Bergbahn<\/a>, ich hingegen hatte nun die erste Klasse f\u00fcr mich f\u00fcr die weitere Fahrt Richtung S\u00fcden bis nach Brunnen. In erster Linie hie\u00df das, dass es links wie rechts Landschaft zu sehen gab, so weit das Auge reicht. Berge, noch mehr Berge, zwischendrin Seen und eine Autobahn. Einfach nur sch\u00f6n &#8211; also die Autobahn weniger, aber so das Gesamtbild in der Komposition.<\/p>\n<p><strong>Wandern (16,4km, 4:55h, \u2197668m, \u2198653m)*<\/strong><\/p>\n<p><small>* 15m Rundungsfehler ist gar nicht schlecht, am Ende stand ich wieder an &#8217;nem Schiffsanleger, also auf identischer H\u00f6he.<\/small><\/p>\n<p>Kurz vor zehn Uhr morgens stieg ich also in Brunnen aus und marschierte los. Zun\u00e4chst ging es ein paar hundert Meter die Hauptstra\u00dfe lang auf der Suche nach einem Wegweiser. Da hatte ich mich vorher mittels Google Street View informiert, und konnte mich dann nach links eine Treppe hoch in die Natur steigen.<\/p>\n<p>Als erstes \u00fcberholte ich eine Kindergartengruppe, die da den Weg hochstolperte. Danach ging es in weiten Kurven die sogenannte Olympstrasse nach oben. Also nicht zum Olymp, sondern zu einem Grillplatz. Danach gabs dann die n\u00e4chsten Wanderwegweiser, man musste da nur aufpassen, dass man nicht versehentlich auf einem Mountainbike-Trail landet, ansonsten konnte man sich da quasi nicht verlaufen. Ich wanderte ja nicht einfach nur Richtung irgendwohin, sondern auf dem &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weg_der_Schweiz\">Weg der Schweiz<\/a>&#8222;, der seinen eigenen Eintrag am Wegweiserwirrwarr hat.<\/p>\n<p>Es ging also stetig, aber gut laufbar, den Berg hinauf bis zum ersten Aussichtspunkt namens Ch\u00e4nzeli (nicht zu verwechseln mit dem K\u00e4nzeli am B\u00fcrgenstock oder dem K\u00e4nzeli an der Rigi). Da hatte man dann schon ordentlich H\u00f6henmeter gegen\u00fcber dem See gemacht und eine entsprechend gute Aussicht.<\/p>\n<p><strong>Hoch hinaus zur guten Aussicht<\/strong><\/p>\n<p>Ein paar Fotos sp\u00e4ter ging es weiter den Berg hoch, mit einem kurzen Abstecher zum n\u00e4chsten Aussichtspunkt neben einer 100j\u00e4hrigen Douglasie (laut Schild, keine Ahnung, da standen viele B\u00e4ume im Wald). Schlussendlich kam ich am Aussichtspunkt Axenstein heraus, der irgendwie als einer der sch\u00f6nsten am gesamten Seeufer beschrieben wird. Ich kann zumindest best\u00e4tigen, dass es da eine fantastische Aussicht gab, denn das Wetter spielte mit &#8211; strahlend blauer Himmel, t\u00fcrkisblaues Wasser und ein Dampfer dampfte unten auch noch vorbei.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20250825\/s-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>An dieser Stelle musste ich nun aber mal ganz dringend auf Sommerbetrieb umstellen, denn die langen Hosenbeine waren f\u00fcr dieses Wetter mal die v\u00f6llig falsche Wahl. Bisher war ich ja nur im schattigen Wald herumgelaufen, nun folgte offenes Gel\u00e4nde, also wurden die Hosenbeine gek\u00fcrzt, die Sonnenbrille hervorgekramt und der Schlapphut aufgesetzt. Achja, und Lichtschutzfaktor aufgetragen, man will ja nix riskieren.<\/p>\n<p>Derart ger\u00fcstet und nach einer Pause zum Trinken und Fotografieren ging es nun&#8230; bergab. Der Weg f\u00fchrt nun hinab ins Dorf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Morschach\">Morschach<\/a>, vorbei an der \u00f6rtlichen Schule &#8211; man h\u00e4tt ich das doof gefunden bei dem Wetter in der Schule sitzen zu m\u00fcssen oder &#8211; noch schlimmer &#8211; Runden auf dem Sportplatz zu laufen. Dann lieber ins Spa\u00dfbad auf der anderen Stra\u00dfenseite.<\/p>\n<p>Der Weg f\u00fchrte nun auf der anderen Seite des Ortes wieder den Berg hoch. Das war problemlos zu laufen, im Prinzip ist das die Zufahrtsstra\u00dfe f\u00fcr die verschiedenen Geh\u00f6fte oberhalb des Ortes. Da war auch das Postauto unterwegs, was mich dann mehrfach \u00fcberholte, weil er nat\u00fcrlich an jedem Weiler und jeder Stichstra\u00dfe abbiegen musste.<\/p>\n<p>Verlaufen kann man sich da quasi auch nicht, links ist der Berghang, rechts gehts nach unten, dort kann man auch das Rauschen der Nationalstra\u00dfe 2 h\u00f6ren, w\u00e4hrend die Bahnstrecke da durch einen Tunnel verl\u00e4uft. Die Aussicht war fantastisch, immer wenn man um eine Kurve kam ergaben sich neue Ansichten des Sees mit Steilufer und Bergen im Hintergrund. Wann immer ich also etwas au\u00dfer Puste war, blieb ich kurz stehen und machte Fotos&#8230;<\/p>\n<p>So erreichte ich ohne weitere Schwierigkeiten den h\u00f6chsten Punkt der Wanderung. An diesem Punkt ist dann wieder ein Grillplatz, dort baute grad ein Typ aus Deutschland mit seiner Freundin ein Picknick auf &#8211; mit Klappstuhl und Sonnenschirm. Naja, wenn man den ganzen Kram mit dem Mietwagen da hochf\u00e4hrt kann ich das auch, wo bleibt denn da die Herausforderung?<\/p>\n<p><strong>Wer hochsteigt, muss auch wieder absteigen<\/strong><\/p>\n<p>Ab hier ging es nun bergab, denn der Weg f\u00fchrte nun zum Zwischen-Etappenziel <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sisikon\">Sisikon<\/a>. Auf dem ersten Kilometer lief sich das problemlos, da ging es auch noch recht gem\u00e4chlich den Berg runter. Je n\u00e4her ich Sisikon kam, desto steiler wurde der Weg, es wurden einige Serpentinen der Stra\u00dfe durch Treppen abgek\u00fcrzt, und nach einem kurzen und steilen St\u00fcck kam ich direkt am Bahnhof von Sisikon raus.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Weges dort runter hatte ich noch einen sch\u00f6nen Blick von oben auf den Ort, der eigentlich nur ein klitzekleines Dorf ist, daf\u00fcr aber einen Bahnhof und einen Schiffsanleger hat. Dazu kommt ein Bootshafen und ein Campingplatz. W\u00e4hrend ich da den Berg runterlief fuhren auch zwei Z\u00fcge durch, ein Intercity und ein Regionalbummelzug. Sisikon liegt quasi genau zwischen zwei Tunneln der Bahnstrecke, nur deswegen sieht man da \u00fcberhaupt was davon.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20250825\/s-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Gut, weiter gings nun mit der n\u00e4chsten Etappe der Wanderung, die laut Beschreibung deutlich einfacher sein sollte, was die H\u00f6henunterschiede anging. Immer sch\u00f6n unten am Seeufer lang bis nach Fl\u00fcelen, vorbei an der Tellskapelle (die haben es ja in der Schweiz mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Tell\">Wilhelm Tell<\/a> als Nationalheld) und dann quasi immer gradeaus.<\/p>\n<p><strong>Hoch zur Stra\u00dfe und runter zum See<\/strong><\/p>\n<p>Der Weg entpuppte sich als deutlich anstrengender als gedacht. Nat\u00fcrlich gab es weiterhin wahnsinnig tolle Ausblicke, und solang man da am Seeufer langlief war das auch alles sch\u00f6n ruhig und entspannend. Das Gel\u00e4nde ist dort aber eher schwierig, das Seeufer ist sehr steil, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Axenstrasse\">Axenstrasse<\/a> als Nationalstra\u00dfe hat man da mit vielen Tunneln und Br\u00fccken an den Steilhang gepflastert. F\u00fcr den Wanderweg hei\u00dft das, dass es an mehreren Stellen notwendig ist, vom Seeufer hinauf zur Stra\u00dfe zu steigen, dann hundert oder so Meter an der Stra\u00dfe langzulaufen, weil da zum Beispiel eine Br\u00fccke ist, und dann steigt man wieder zum Seeufer runter.<\/p>\n<p>In der Praxis hei\u00dft das: Viele Treppenstufen. Kurze An- und Abstiege. Ich hab nix gegen lange Wege, solang es nicht zu steil ist. Aber das war nach dem zweiten Mal schon ziemlich \u00e4tzend. Ist irgendwie wie bei Schlangen: So eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/S%C3%BCdlicher_Felsenpython\">Python<\/a> mit ihren f\u00fcnf Metern ist (abgesehen von der Frage ob es nun der oder die Python hei\u00dft&#8230;) eigentlich recht harmlos f\u00fcr Menschen, solang sie nicht grad hungrig ist. Andere Arten sind hingegen kurz, aber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kreuzotter\">potentiell t\u00f6dlich giftig<\/a> (und kommen dann auch noch hier in der Gegend vor).<\/p>\n<p>Auf jeden Fall lief man da nun also entweder direkt am Seeufer entlang, oder eben 30-40m h\u00f6her an der Stra\u00dfe, und an einer Stelle auch mal an der Bahnstrecke &#8211; und da kam dann prompt auch ein Zug, wenn auch nur ein langweiliger Intercity. An der Stra\u00dfe langlaufen war ziemlich \u00e4tzend, denn als Nationalstra\u00dfe war da ordentlich Verkehr, ein Laster nach dem anderen. F\u00fcr die Fu\u00dfg\u00e4nger und Radler gibt es da zwar einen breiten Rad- und Fu\u00dfweg, aber die Ger\u00e4uschkulisse und die Abgase machen trotzdem keinen Spa\u00df. Und in der Schweiz sind ja auch richtig dicke Lastwagen erlaubt, so <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Lkw_Moser_RockBox_2017.png?uselang=de\">44t auf f\u00fcnf Achsen<\/a> an einem normalen Lastwagen (also kein Sattelzug), sowas gibt es in Deutschland gar nicht. Sattelz\u00fcge gabs nat\u00fcrlich auch ohne Ende, dazwischen dann auch ganz normale Autos, Lieferwagen und Motorr\u00e4der. Kurzum: Die Stra\u00dfe war verflixt gut besucht, man war dann doch immer wieder froh, die n\u00e4chsten Treppenstufen runterstolpern zu k\u00f6nnen, um der Ger\u00e4uschkulisse zu entfliehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20250825\/t-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Der letzte besonders heftige Anstieg f\u00fchrte dann hinter der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tellskapelle\">Tellskapelle<\/a> hoch zur Stra\u00dfe (im obigen Diagramm ab 13:30 Uhr), die dort einen Einschnitt in luftiger H\u00f6he \u00fcberbr\u00fcckt. Fieserweise gibt es da am oberen Ende der Treppen zwar einen sch\u00f6nen Aussichtspunkt, aber keine einzige Sitzbank. Da war ich dann grad etwas arg au\u00dfer Atem und hatte kurz Schwierigkeiten mich in der Senkrechten zu halten. Da kam inzwischen auch eine sch\u00f6n hochsommerliche Hitze hinzu. Ich hatte zwar noch genug Getr\u00e4nke dabei, musste aber erst mal durchatmen, dass ich \u00fcberhaupt trinken konnte. F\u00fcnf Minuten und einen halben Liter zuckerhaltiges <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rivella\">Nationalgetr\u00e4nk<\/a> sp\u00e4ter ging es aber auch schon wieder.<\/p>\n<p>Nebenbei guckte ich auch immer mal wieder scharf auf die Uhr, denn um 15 Uhr sollte das Schiff ablegen, mit dem ich die R\u00fcckfahrt nach Luzern antreten wollte. Laut Wanderwegweiser sollte ich so f\u00fcnf Minuten vorher am Ziel sein, das w\u00fcrde also eine enge Kiste werden. Ich h\u00e4tte zwar auch aufs n\u00e4chste Schiff warten k\u00f6nnen, aber dann w\u00fcrde ich erst 16 Uhr abfahren k\u00f6nnen und w\u00e4re dann schon reichlich sp\u00e4t wieder im Hotel angekommen. Oder anders gesagt: Ich hatte mir das so vorgenommen, also musste mein Stursch\u00e4del das jetzt auch durchziehen.<\/p>\n<p><strong>Gem\u00e4chliches Auslaufen<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wurde der Weg nun auch tats\u00e4chlich einfacher, denn das letzte Teilst\u00fcck f\u00fchrte zum Gro\u00dfteil gem\u00e4chlich \u00fcber die alte Axenstra\u00dfe (die erste originale Stra\u00dfe, bevor sie sp\u00e4ter ausgebaut und begradigt wurde) in Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fl%C3%BCelen\">Fl\u00fcelen<\/a>. Das hatte was von den Stra\u00dfen, die ich sonst nur aus Aufnahmen von der Rallye Korsika kenne, nur eben ohne Rennwagen. Sprich: schmale Stra\u00dfe an einer quasi senkrechten Felswand mit steinerner Mauer und Blick auf den See. Sehr spektakul\u00e4re Anblicke, das Ziel war dann auch schon in Sicht, und ich hatte noch \u00fcber eine Stunde Zeit, der 14 Uhr Dampfer (ein Hoch auf den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Taktfahrplan\">Taktfahrplan<\/a>) war gerade auf dem Weg zum Anleger. Das hatte bei dem sch\u00f6nen Wetter durchaus was von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mittelmeer\">Mittelmeer<\/a>, nur die Berge im Hintergrund waren zu hoch f\u00fcr diesen Eindruck (immerhin beginnt ein paar Kilometer weiter die Nordrampe der Gotthardstrecke und die Berge erreichen \u00fcber 3000m).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20250825\/t-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Auf jeden Fall zog sich der Weg nun doch noch recht ordentlich, auch wenn es sich nun vergleichsweise gut und ohne allzu arge Treppen (also schon noch mit Treppen, aber eben keine unendlich langen Treppen) laufen lie\u00df. Die letzten anderthalb Kilometer f\u00fchrten dann schon durch den Ort, direkt neben der Bahnstrecke und an der Uferpromenade. Bl\u00f6derweise war vom vorbeifahrenden Zug nix zu sehen, weil sie auch in der Schweiz L\u00e4rmschutzw\u00e4nde aufgestellt haben. Der L\u00e4nge des Zuges nach zu urteilen war es aber eh nur ein Regionalzugtriebwagen.<\/p>\n<p>Wie auch immer, bei strahlendem Sonnenschein und knapp 30 Grad traf ich reichlich verschwitzt und etwa 15 Minuten vor der Abfahrt des Dampfers in Fl\u00fcelen ein. Dort gab es (nat\u00fcrlich) auch keine Sitzbank im Schatten, daf\u00fcr aber ein kleines Selbstbedienungs-Imbissdingens. Ich holte mir also ein Eis am Stiel aus der K\u00fchltruhe (-26\u00b0C!), bezahlte ganz bequem mit Karte und suchte mir eine Sitzgelegenheit. Das Eis war wirklich tiefgefroren und bissfest &#8211; und kaum hatte ich es verspeist tutete es hinter mir, weil das Schiff angelegt hatte.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckfahrt (43,1 km, 2:48h, \u219722m, \u219821m)*<\/strong><\/p>\n<p><small>* Blabla Rundungsfehler, absch\u00fcssiger See mit hohen Wellen und so.<\/small><\/p>\n<p>Das Gedr\u00e4ngel war erheblich weniger als noch am Vortag in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vitznau\">Vitznau<\/a>, allerdings waren die Pl\u00e4tze an den Tischen (und nur da kommt die Bedienung vorbei) alle schon belegt. Ich sa\u00df zumindest mal an der frischen Luft, der Wind pfiff mir ins Gesicht und durch die verschwitzten Klamotten, und die Sonne brutzelte mir auf den R\u00fccken. F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter konnte ich mich umdrehen, und nochmal f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter waren die Klamotten dann auch schon luftgetrocknet. Der Fl\u00fcssigkeitshaushalt war nach einer weiteren Flasche Rivella auch wieder im Lot, und nun hatte ich immer noch gem\u00fctliche zweieinhalb Stunden Schiffstour vor mir.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Anleger wurde pl\u00f6tzlich der Tisch direkt neben meinem bisherigen Sitzplatz frei, also wechselte ich mal schnell an eben diesen Tisch. Zur Feier meines Geburtstages und als Abschluss der sch\u00f6nen und sch\u00f6n anstrengenden Wanderung wollte ich mir noch was Gutes tun. Als die Kellnerin also das n\u00e4chste mal vorbeikam bestellte ich &#8222;Das gr\u00f6\u00dfte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bier\">Bier<\/a> was sie dahaben.&#8220; Kurz darauf kam sie wieder und stellte mir eine Flasche und ein Glas hin und schenkte ein. Ich dachte mich trifft der Schlag. Das war eine 0.33er-Flasche und ein 0.15er Glas. Und das sollte das gr\u00f6\u00dfte Bier sein? In <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bierfranken\">Franken<\/a> wurden f\u00fcr solchen Frevel schon Kriege angezettelt&#8230; Und dann muss man sich das auch noch gut einteilen, kostete es doch \u00fcber CHF 6.<\/p>\n<p>Nun gut, musste ich mich also die n\u00e4chsten zwei Stunden an diesem kleinsten &#8222;gr\u00f6\u00dften Bier&#8220; der Schweiz festhalten. Immerhin konnte ich beim Bezahlen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schweizer_Franken\">Kleingeld<\/a> loswerden, was ich schon seit Jahren herumliegen hatte &#8211; bis dahin hatte ich alles bequem elektronisch bezahlt, hatte aber eben noch knapp CHF 10 in M\u00fcnzen dabei.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20250825\/t-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Das Schiff &#8211; der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schiller_(Schiff,_1906)\">Raddampfer Schiller<\/a> (da wurde dann auch unterwegs irgendwas \u00fcber den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Schiller\">Namensgeber<\/a> erz\u00e4hlt, was ich ob des allgemeinen Geschw\u00e4tzes der Passagiere aber nicht mitbekam) &#8211; wurde im weiteren Verlauf der Tour immer voller, das machte mir dann aber auch nix mehr aus. An meinem Tisch sa\u00dfen dann auch zwei Schweizer Rentnerinnen, die ich naturgem\u00e4\u00df eher nicht verstehen konnte, aber wir kamen dann sp\u00e4ter doch ins Gespr\u00e4ch, denn wenn sie wollen k\u00f6nnen die meisten Schweizer tats\u00e4chlich verst\u00e4ndlich sprechen, ohne dass sie einen Frosch im Hals haben.<\/p>\n<p>Kurz vor 18 Uhr war ich dann auch wieder in Luzern angekommen. Da war riesengro\u00dfer Andrang am Kultur- und Kongresszentrum, da fand irgendwie ein klassisches Konzert oder sowas statt. Die Schlange am Einlass ging jedenfalls ums halbe Geb\u00e4ude. Die Menschenmassen w\u00e4lzten sich da nun vorbei in Richtung Busbahnhof, Bahnhof und Innenstadt und ich stiefelte nun m\u00fcde, reichlich geschafft und etwas unterhopft ins Hotel zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Das Geburstagsessen im Restaurant verschob ich angesichts der Sommerhitze spontan auf den n\u00e4chsten Tag. Da sollte es zwar noch w\u00e4rmer werden, aber ich hatte da nur einen Stadtbummel samt Museumsbesuch geplant und w\u00fcrde deswegen deutlich weniger geschafft sein. Und nach drei Tagen Wandern kann man ja auch mal etwas k\u00fcrzer treten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die l\u00e4ngste Wanderung des Urlaubs hatte ich mir auf meinen Geburtstag gelegt. Dabei war der Geburtstag eigentlich v\u00f6llig egal, wichtiger war mir, dass die Wanderung nicht am Wochenende ist, denn da fahren weniger Z\u00fcge auf der Gotthardstrecke. 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