{"id":4998,"date":"2025-09-06T19:02:03","date_gmt":"2025-09-06T17:02:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4998"},"modified":"2025-09-06T19:02:03","modified_gmt":"2025-09-06T17:02:03","slug":"hoch-hinaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2025\/09\/06\/hoch-hinaus\/","title":{"rendered":"Hoch hinaus"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich hatte der Plan vorgesehen, eine Tagestour nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Z%C3%BCrich\">Z\u00fcrich<\/a> zu machen, da ich trotz zahlreicher Besuche in der Schweiz noch nix von Z\u00fcrich gesehen habe &#8211; au\u00dfer den zugegebenerma\u00dfen f\u00fcr Bahnfahrer exzellenten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Z%C3%BCrich_Hauptbahnhof\">Hauptbahnhof<\/a>. Nun ergab es sich aber, dass meine minimalen Kenntnisse des Schwyzerd\u00fctsch &#8211; bei dem Gekr\u00e4chze ist es kein Wunder, dass sie Ricola erfunden haben &#8211; ausreichten, um zu verstehen, dass im Lauf der Woche das Wetter zun\u00e4chst supersommerlich warm und dann aber total verregnet werden sollte. Beides keine guten Voraussetzungen f\u00fcr eine geplante Tour auf einen Berg. Also lautet der Beschluss, dass der Plan ge\u00e4ndert werden muss.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Schlafen ist nicht anstrengend, nur unm\u00f6glich<\/strong><\/p>\n<p>Der Tag begann mit einem etwa dreist\u00fcndigen Erdbeben. Wie ich inzwischen herausgefunden hatte, gibt es im Hotelgeb\u00e4ude eine Dachterrasse, dort gibt es eine Bar, und da l\u00e4uft bis nachts um drei Diskomucke, dass der Bass die W\u00e4nde wackeln l\u00e4sst. An Schlaf war demnach nicht zu denken, und ich googelte mitten in der Nacht schon nach anderen Hotels, denn eine ganze Woche wollte ich mir das keinesfalls geben. Am Morgen beschwerte ich mich &#8211; nachdem ich mich mit Orangensaft, Kaffee und Br\u00f6tchen in einen einigerma\u00dfen zivilen Zustand versetzt hatte &#8211; dann bei der Rezeption. Denen war das Problem bekannt, was die Sache nicht viel besser machte. Auf jeden Fall hie\u00df es aber, dass unter der Woche Ruhe w\u00e4re, denn da m\u00fcssen auch die Schweizer arbeiten gehen. Nun gut.<\/p>\n<p>Ich erstand dann noch die Briefmarken, die ich am Vortag nicht erhalten hatte &#8211; das wird wohl das letzte Mal gewesen sein, dass ich aus der Schweiz Karten verschicke, die nehmen ja ein Porto, daf\u00fcr kann man sich &#8217;ne (kleine) Tafel Schokolade kaufen. Und dann stellte sich sp\u00e4ter raus, dass die Karten auch noch \u00fcber eine Woche brauchten, um am Bestimmungsort anzukommen&#8230; Nuja, so ein berittener Bote mit Posthorn braucht eben etwas l\u00e4nger.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20250824\/s-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Auf jeden Fall konnte der Tag ja nun eigentlich nur noch besser werden, denn da stand nun der Besuch an einem der zwei Luzerner Hausberge auf dem Programm. Den einen Hausberg hatte ich 2011 schon einmal besucht &#8211; der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pilatus_(Bergmassiv)\">Pilatus<\/a> mit seinen rund 2100m. Damals standen wir dann mitten in fiesen Regenwolken herum und hatten null Aussicht. Den Fehler wollte ich nicht nochmal machen, deswegen ging es auch nicht als Pontius zu Pilatus, sondern auf den anderen Hausberg &#8211; die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rigi\">Rigi<\/a>. Die hat &#8222;nur&#8220; knapp 1800m, daf\u00fcr aber die \u00e4lteste Bergbahn Europas.<\/p>\n<p><strong>Ran an die Rigi (27.8 km, 0:32h, \u2197161m, \u2198104m)*<\/strong><\/p>\n<p><small>*Die H\u00f6henunterschiede enthalten rund 100m akkumulierte Rundungsfehler. Arth-Goldau liegt etwa 50m oberhalb von Luzern, und die Bahnstrecke ist ja keine Achterbahn.<\/small><\/p>\n<p>Im Plan stand nun also eine Rundtour: Zun\u00e4chst einmal mit dem Zug halb um die Rigi rum bis nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnhof_Arth-Goldau\">Arth-Goldau<\/a>, von da dann mit der Bergbahn hoch, oben ein bissl dusslig herumlaufen, mit einer anderen Bergbahn auf der anderen Seite wieder runter, und dann mit dem Schiff zur\u00fcck. Da ich vor der Abfahrt des Zuges noch Zeit hatte und das Wetter vielversprechend war, marschierte ich noch ein wenig in der Gegend herum und machte ein paar Fotos.<\/p>\n<p>Im Bahnhof war ordentlich Betrieb, neben den obligatorischen Touristengruppen waren auch zahlreiche Einheimische in Wanderklamotten unterwegs, die zum Sonntag das gute Wetter f\u00fcr einen Ausflug nutzen wollten. Entsprechend voll waren die Z\u00fcge Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Interlaken\">Interlaken<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Engelberg\">Engelberg<\/a>, was mich aber mal so gar nicht interessierte, denn ich wollte ganz woanders hin. Gegen neun Uhr bestieg ich also einen Regionalbummelzug in Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brunnen_SZ\">Brunnen<\/a> (die haben aber auch echt komische Ortsnamen in der Schweiz). Der war auch gut besucht, in der ersten Klasse ging es aber noch.<\/p>\n<p>Die Fahrt selbst war dann wenig aufregend, man kurvt halt in einer engen Kurve um 270 Grad rechtsherum aus Luzern raus, durch einen l\u00e4ngeren Tunnel und kommt dann neben der Uferpromenade wieder raus, bevor der Zug am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Verkehrshaus_der_Schweiz\">Verkehrshaus<\/a> h\u00e4lt. Danach geht es dann weiter am Seeufer mit Blick auf die Rigi bzw. das Rigimassiv nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/K%C3%BCssnacht_SZ\">K\u00fcssnacht am Rigi<\/a>. Vermutlich ist der\/die\/das Rigi das Schweizer \u00c4quivalent zur Frage nach dem richtigen Artikel bei Nutella.<\/p>\n<p>Diese <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnstrecke_Luzern%E2%80%93Immensee\">Strecke<\/a> ist eine Verbindungsbahn von Luzern zur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gotthardbahn\">Gotthardbahn<\/a>, die wiederum offiziell in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnhof_Immensee\">Immensee<\/a> beginnt. Auf besagter Gotthardbahn fuhr ich nun aber nur bis Arth-Goldau, denn dort beginnt die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arth-Rigi-Bahn\">Arth-Rigi-Bahn<\/a>, eine 150 Jahre alte Zahnradbahn, die bereits 1907 als erste normalspurige Zahnradbahn der Welt auf elektrischen Betrieb umgestellt wurde.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20250824\/s-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Da marschiert man also 150m am Bahnsteig lang, eine Treppe hoch und dann stand da auch schon der Zug bereit, der Sonntag morgens kurz vor 10 durchaus gut besucht &#8211; um nicht zu sagen voll &#8211; war. Ich fand trotzdem noch problemlos einen Sitzplatz, w\u00e4re ich ein paar Minuten sp\u00e4ter mit dem IR von Luzern angekommen, h\u00e4tte ich vermutlich die ersten Kilometer stehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Rauf auf die Rigi (8.6km, 0:54h, \u21971226m, \u21981m)<\/strong><\/p>\n<p>Die Fahrt begann also in gem\u00e4chlichem Tempo, die Durchsagen des Zugpersonals waren hingegen nicht zu verstehen, weil die Fahrg\u00e4ste in einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Babelfisch\">babelesken<\/a> Sprachwirrwarr wild durcheinander quatschten. Warum m\u00fcssen eigentlich immer alle die Klappe aufrei\u00dfen, nur um dann Platit\u00fcden wie &#8222;guck mal, die sch\u00f6ne Wiese&#8220; loszulassen?<\/p>\n<p>An der ersten Zwischenstation nach zwei Kilometern wurde der Zug dann schon leerer, da besteht n\u00e4mlich Anschluss an eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luftseilbahn_Kr%C3%A4bel%E2%80%93Rigi_Scheidegg\">Seilbahn<\/a>. Im weiteren Verlauf der Fahrt wurde es dann nur noch wenig leerer, daf\u00fcr wurde es merklich k\u00fchler. Weiter ging es also in gem\u00e4chlichem Tempo von rund 20 km\/h bis zur Endstation etwa 40m unter dem Berggipfel.<\/p>\n<p><strong>Wie sie sehen&#8230; (5.2km, 2:37h, \u219758m, \u2198386m)<\/strong><\/p>\n<p>So stand ich also kurz nach halb elf Uhr morgens an der Bergstation, um mich herum unz\u00e4hlige andere Touristen, die die gleiche Idee hatten wie ich. Kann man nix machen. Und sich mal eben irgendwo in die B\u00fcsche schlagen um in Ruhe wandern zu k\u00f6nnen kann man da auch vergessen, eildieweil es auf der H\u00f6he keinerlei B\u00fcsche gibt.<\/p>\n<p>Man hat nun die Wahl zwischen zwei Wegen zum Gipfel, ein kurzer steiler Weg (150m) und ein l\u00e4ngerer nicht ganz so steiler Weg (250m). Egal welchen Weg man w\u00e4hlt, man folgt einem Asphaltband in Richtung Antennenturm, der l\u00e4ngere Weg holt nur etwas weiter aus. Oben angekommen war mir dann auch langsam warm genug geworden um die Jacke im Rucksack zu verstauen, Lichtschutzfaktor aufzutragen und den Blick ins Tal schweifen zu lassen.<\/p>\n<p>In n\u00f6rdlicher Richtung war der Blick ziemlich gut, keine st\u00f6renden Wolken, obwohl am Horizont Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bodensee\">Bodensee<\/a> ganz deutlich eine diesige Luftschicht zu erkennen war. Nach links sieht man unten die Ausl\u00e4ufer des Vierwaldst\u00e4ttersees, Luzern und daneben den Pilatus, gradeaus f\u00e4llt der Blick auf K\u00fcssnacht, den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zugersee\">Zugersee<\/a> mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zug_(Stadt)\">Zug<\/a> am anderen Ende, und in der Ferne erahnt man den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Z%C3%BCrichsee\">Z\u00fcrichsee<\/a> bzw. Z\u00fcrich. Weiter rechts ist dann \u00f6stlich vom Zugersee der Blick versperrt durch einige niedrigere Berge wie der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rossberg_(Zentralschweizer_Voralpen)\">Wildspitz<\/a> mit 1580m.<\/p>\n<p>In s\u00fcdlicher Richtung gab es in erster Linie Wolken zu sehen. Das nahm ich der Wettervorhersage etwas krumm, die hatten n\u00e4mlich was von wolkenlosem Sommerhimmel erz\u00e4hlt. Bis zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stanserhorn\">Stanserhorn<\/a> reichte die Sicht, danach war dann alles nur noch Wolke. In einzelnen L\u00fccken waren dann trotzdem noch weiter entfernte Gipfel sichtbar, so z.B. der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Titlis\">Titlis<\/a> mit seinen reichlich 3200m. Man muss aber auch dazu sagen, dass die Rigi dort in Richtung Norden steil abf\u00e4llt, w\u00e4hrend das Bergmassiv nach S\u00fcden hin eher gem\u00e4chlich an H\u00f6he verliert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20250824\/s-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Nachdem ich da also ein paar Minuten lang L\u00f6cher in die Wolken geguckt hatte und einen Haufen sehr gleichartig aussehender Fotos auf dem Chip gespeichert waren, ging es nun an die eigentliche Wanderung. Naja, mehr Spaziergang. Geplant war ein geruhsamer Ausflug zu einem weiteren Aussichtspunkt mit theoretisch hervorragender Sicht in Richtung Luzern.<\/p>\n<p>Da marschiert man dann also recht steil den Berg runter bis zur n\u00e4chsten Station der Bergbahn, Rigi Staffel hei\u00dft die. Da hat man schon mal 200 H\u00f6henmeter verloren. Der Weg war trotz Steilheit gut zu laufen, im wesentlichen ist es wohl &#8217;ne Zufahrtsstra\u00dfe zur Bergstation. Da war nat\u00fcrlich viel Betrieb, viele Wanderer kamen mir entgegen, andere \u00fcberholten mich auf dem Weg nach unten &#8211; es gibt halt eben nur einen Berggipfel, und dementsprechend gro\u00df war der Andrang. Im weiteren Verlauf des Weges verteilte sich das dann alles ein wenig, blieb aber trotzdem gut besucht.<\/p>\n<p>Der Weg folgte nun der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vitznau-Rigi-Bahn\">Vitznau-Rigi-Bahn<\/a>, ihrerseits die \u00e4lteste Bergbahn Europas, er\u00f6ffnet 1871. Die wiederum f\u00fchrte eigentlich nur bis zur Station Rigi Staffelh\u00f6he, die Verl\u00e4ngerung bis zur Bergstation folgte erst sp\u00e4ter mit dem Bau der anderen Bergbahn, und selbst dann blieb das alles betrieblich kompliziert, weil der letzte Abschnitt im Kanton Schwyz liegt, und die Vitznau-Rigi-Bahn da keine Konzession besa\u00df. Da wurden also wild Streckenabschnitte gepachtet. Dieses Drama endete erst 1992, als die Bahnen fusionierten, nachdem sie bereits seit den 30er Jahren der Interoperabilit\u00e4t wegen technisch (z.B. bei der Fahrleitung) die gleichen Wege beschritten hatten. Aber zur\u00fcck zum Thema&#8230;<\/p>\n<p>Der Wanderweg f\u00fchrt an einer Gel\u00e4ndekante entlang, so dass man Richtung Norden guten Ausblick in Richtung K\u00fcssnacht und Umgebung hat, wenn sich nicht grad unfotogene Wolken im Weg schieben. Der Weg verl\u00e4uft da relativ eben und l\u00e4sst sich somit gut laufen, bevor man kurz vor dem Aussichtspunkt K\u00e4nzeli in ein paar Serpentinen runtersteigen muss.<\/p>\n<p>An dieser Stelle kam ich dann auch ordentlich ins Schwitzen, zum Einen weil die Temperaturen nun doch dem Wetterbericht folgen wollten, zum Anderen weil die aufziehenden Wolken f\u00fcr hohe Luftfeuchtigkeit sorgten. Am Aussichtspunkt angekommen sah ich prinzipiell nur, dass ich genau gar nix sah. Ich konnte also nur Fotos von den Tafeln machen, die mir erkl\u00e4rten, was ich alles sehen w\u00fcrde, wenn da eben keine Wolken im Weg w\u00e4ren. Zum Gl\u00fcck hatte ich gleich am Anfang an der Bergstation Fotos gemacht, denn die Sicht war nun zu nix mehr zu gebrauchen, obgleich die Wolken sich zwischen dem Aussichtspunkt und Luzern \u00fcber dem See sammelten &#8211; von weiter oben oder weiter unten h\u00e4tte man sicherlich eine tolle Sicht gehabt. Nur stand ich eben genau auf der H\u00f6he, in der auch die Wolken herumschwirrten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20250824\/t-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Eine kurze Pause sp\u00e4ter ging es nun einen bequemen Spazierweg entlang zur Station Rigi Kaltbad-First. Von da kann man dann mit der Bergbahn fahren, oder mit der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luftseilbahn_Weggis%E2%80%93Rigi_Kaltbad\">Seilbahn<\/a>, es gibt einen Minigolfplatz, ein Mineralbad, Restaurants, Ferienwohnungen und quasi alles was der Tourist so gebrauchen kann. Ich h\u00e4tte eine Klo gebrauchen k\u00f6nnen, das war aber au\u00dfer Betrieb. Nuja, irgendwas ist ja immer.<\/p>\n<p>Der Blick auf den Fahrplan verriet mir, dass ich nun 45 min auf den Zug warten musste, der mich hinunter nach Vitznau bringen sollte. Ich suchte mir also eine Sitzgelegenheit und guckte dem gesch\u00e4ftigen Treiben zu. Da kamen zwei bergw\u00e4rts fahrende Z\u00fcge durch, Menschenmassen w\u00e4lzten sich zu den Restaurants, man konnte \u00fcber komisch gewandete Touristen staunen (eine osteurop\u00e4ische Frau um die 60 in hohen St\u00f6ckelschuhen schoss den Vogel ab) und irgendwie hab ich mich in 45 Minuten auch schon mehr gelangweilt, zum Beispiel im Schulunterricht fr\u00fcher.<\/p>\n<p><strong>Sardine, eingedost (4.5km, 0:30h, \u21970m, \u2198971m)<\/strong><\/p>\n<p>Gef\u00fchlte Ewigkeiten vor Ankunft des Zuges stellten sich Horden von Touristen bereits am Bahnsteig auf, bereit den Zug zu \u00fcberrennen. Ich schlich mich dann p\u00fcnktlich zur Einfahrt des Zuges gem\u00fctlich an ihnen vorbei ans entfernteste Ende des Bahnsteigs, da war noch Platz. F\u00fcr den Zug kann man das nicht behaupten, der war knackevoll, und nachdem dann alle eingestiegen waren war das in etwa so wie eine Sardinendose &#8211; ich lehnte an einer Zwischenwand neben der T\u00fcre, da stand ich noch vergleichsweise bequem, umkippen konnte man sowieso nicht.<\/p>\n<p>Und dann ging die wilde Fahrt auch schon los, 25 Minuten f\u00fcr 4.5km. Ich lehnte mich wie gesagt bequem gegen die Wand, die mir gleichzeitig Stabilit\u00e4t gab f\u00fcr die steile Fahrt nach unten. Der vor mir im Einstiegsbereich sitzende Hund hatte mehr Probleme, der Boden war so glatt, dass er ob der Steigung einfach durch den Wagen rutschte. Ich hatte derweil eigentlich nur die Uhr im Blick, denn der Umstieg in Vitznau zur Bahn war zwar theoretisch reichlich bemessen, praktisch hatten wir aber ob der Tourimassen f\u00fcnf Minuten Versp\u00e4tung und hielten auch noch bei jedem Bedarfshalt auf dem Weg nach unten an.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20250824\/t-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Ich hatte dabei nat\u00fcrlich noch den Vorteil, dass ich an der vordersten T\u00fcr stand und somit den k\u00fcrzesten Weg f\u00fcrs Umsteigen hatte. Die Massen quollen also auf den Bahnsteig und schoben sich an der imposanten Drehscheibe (ich machte im Vorbeigehen noch zwei Fotos) vorbei zum Schiffsanleger. Da war nur noch gar kein Schiff, das war noch ein paar hundert Meter weg.<\/p>\n<p><strong>Nach links aufs Oberdeck, jeder nur eine Fahrkarte&#8230; (15.2km, 1:02h, \u219731m, \u219831m)*<\/strong><\/p>\n<p><small>*Nein, da gabs keine gro\u00dfen Wellen auf dem See, das sind wieder nur akkumulierte Rundungsfehler.<\/small><\/p>\n<p>Kaum war das Schiff am Anleger festgezurrt, gabs ein elendes Gedr\u00e4nge und Geschiebe, bis dann ein Schweizer etwas lauter wurde, weil da auch Leute mit Rollstuhl und Rollator waren, die da wenig respektvoll herumgeschubst wurden. Abgesehen davon hat so ein Schiff ja genug Platz f\u00fcr die paar hundert Leute, die da am Anleger herumstanden. Gut, w\u00e4re ich nicht grad an einem Sonntag der Ferienzeit da unterwegs gewesen w\u00e4re das wohl auch entspannter gewesen, aber wirklich schlimm ist anders.<\/p>\n<p>Ich fand einen Sitzplatz am Tisch eines italienischen Paares, was wohl (laut den Unterlagen auf dem Tisch) einen Ausflug mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gotthard_Panorama_Express\">Gotthard-Panorama-Zug<\/a> gemacht hatte. Das Angebot besteht aus der Zugfahrt \u00fcber die Gotthardstrecke von Lugano bis Fl\u00fcelen, ab dort dann mit dem Schiff nach Luzern, dort \u00dcbernachtung im Hotel und am n\u00e4chsten Tag zur\u00fcck. Auch ein sch\u00f6ner kleiner Kurzurlaub. Auf jeden Fall sa\u00df ich da an der frischen Luft, mit dem R\u00fccken zur Wand der Kabine und dementsprechend gut windgesch\u00fctzt und hatte einen fantastischen Blick auf den See.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20250824\/t-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Das Schiff wiederum war ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raddampfer\">Raddampfer<\/a>, so richtig mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schiffsdampfmaschine\">Dampfmaschine<\/a> und allem Drum und Dran. Uralte Technik, die aber heute noch tadellos funktioniert. Und es ist einfach spannend zu bemerken, wie das ganze Schiff im Takt der Maschine zuckt. Au\u00dferdem machen die gro\u00dfen Schaufeln links und rechts ordentlich was her, da wird der See sch\u00f6n umger\u00fchrt.<\/p>\n<p>Und so kam ich dann sehr entspannt bereits recht fr\u00fch am Nachmittag wieder in Luzern an. Die Zeit nutzte ich dann um zun\u00e4chst den fehlenden Schlaf nachzuholen und dann zum Schreiben von Ansichtskarten. Am folgenden Montag hatte ich Geburtstag, da war dann eine l\u00e4ngere Wanderung geplant, die laut Wetterbericht bei bestem Wetter ohne Wolken stattfinden w\u00fcrde. Aber das ist etwas f\u00fcr einen anderen Eintrag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich hatte der Plan vorgesehen, eine Tagestour nach Z\u00fcrich zu machen, da ich trotz zahlreicher Besuche in der Schweiz noch nix von Z\u00fcrich gesehen habe &#8211; au\u00dfer den zugegebenerma\u00dfen f\u00fcr Bahnfahrer exzellenten Hauptbahnhof. 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