{"id":4872,"date":"2024-12-26T11:50:33","date_gmt":"2024-12-26T10:50:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4872"},"modified":"2024-12-19T12:32:19","modified_gmt":"2024-12-19T11:32:19","slug":"album-der-woche-255","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/12\/26\/album-der-woche-255\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei&#8230; Das ist der 255. Eintrag der Reihe, und damit genau die passende Nummer, um diese Reihe zu beenden. Man soll ja aufh\u00f6ren wenn es am sch\u00f6nsten ist, aber eigentlich ist einfach nur der Punkt erreicht, wo ich f\u00fcnf Jahre lang einmal die Woche \u00fcber ein mehr oder weniger relevantes Album (und manchmal mehrere) geschwafelt habe. Und da ich die Alben alle nach dem Kriterium ausgew\u00e4hlt habe, dass sie ein mehr oder minder halbrundes Jubil\u00e4um feiern &#8211; was hei\u00dft, dass das Alter des Albums ganzzahlig ohne Rest durch f\u00fcnf teilbar sein soll &#8211; ist es nun logisch, dass ich alle Jahrg\u00e4nge einmal durch habe und mich von nun an mit Alben auseinandersetzen m\u00fcsste, die ich in der ersten Runde nicht ber\u00fccksichtigt habe, weil sie mir einfach nicht wichtig genug waren im Vergleich zu denen, die ich hier besprochen habe.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der langen Vorrede kurzer Sinn: Dieser Eintrag ist nun der letzte in der Reihe &#8222;Album der Woche&#8220;. Und da passt nun ein Album ganz besonders gut dazu: &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adios_(Album)\">Adios<\/a>&#8220; von den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B%C3%B6hse_Onkelz\">B\u00f6hsen Onkelz<\/a>. Das erschien 2004, was ja nun auch schon wieder 20 Jahre her ist, und markierte damals das Ende der Band. Wie wir inzwischen wissen, war es dann doch nur eine Pause und nicht der endg\u00fcltige Abschied, aber so ist das ja \u00f6fter mal mit dem R\u00fccktritt vom R\u00fccktritt. \u00dcber die Gr\u00fcnde war damals viel gesagt und noch mehr verschwiegen worden, vieles kam erst Jahre sp\u00e4ter ans Licht, da will ich auch gar nicht drauf eingehen &#8211; wenn man ganz oben steht (und noch weiter oben als die Onkelz konnte man damals nicht stehen) kann es eigentlich nur noch abw\u00e4rts gehen, von daher war es damals wohl auch zwingend notwendig, die ganze Sache mit Ansage zum Abschluss zu bringen.<\/p>\n<p>Und so markierte dieses Album also das Ende einer \u00c4ra. Die Onkelz waren damals die mit Abstand erfolgreichste Rockband Deutschlands, ihre vorherigen drei Alben standen allesamt an der Spitze der Charts, sie tourten in den gr\u00f6\u00dften Hallen der Nation und hatten die geilsten Fans, die man sich vorstellen kann. Nat\u00fcrlich landete auch &#8222;Adios&#8220; an der Spitze der Charts.<\/p>\n<p>Ein letztes Mal nehmen die Vier aus Frankfurt also in 15 Songs diverse mehr oder minder relevante Themen aufs Korn und verpacken das in eing\u00e4ngige Melodien. Die sonst \u00fcbliche Selbstbeweihr\u00e4ucherung entf\u00e4llt hier allerdings weitestgehend.<\/p>\n<p>Die Scheibe wird von einem flotten Trio er\u00f6ffnet. <em>Feuer<\/em> ist der typische Opener, der mit etwas Selbstironie gew\u00fcrzt drauf einstimmt, dass die Onkelz eine neue Scheibe am Start haben: &#8222;Wir bringen euch Feuer, das ist M\u00e4nnersache, wollt ihr der Geschichte Feuer unterm Hintern machen&#8220;. <em>Immer auf der Suche<\/em> ist gleich die n\u00e4chste Partynummer, wobei ich da aus heutiger Sicht eine gewisse Drogenverherrlichung sehe, was grade im Hinblick auf die Geschichte von S\u00e4nger Kevin recht problematisch ist. Zwischendrin wird dann noch das Riff von <em>My Sharona<\/em> kopiert, kann man schon machen. Die n\u00e4chste Breitseite richtet sich gegen Dieter Bohlen und die damals von ihm losgetretene Welle von Casting-Shows: &#8222;Ich will M\u00e4dchen, M\u00f6pse und Millionen, mich soll der Bohlen holen&#8220;. Egal ob Deutschland nun den <em>Superstar<\/em> oder das Topfmodell sucht, ich kann mit diesem ganzen K\u00e4se nix anfangen.<\/p>\n<p>Danach wird es etwas ruhiger und nachdenklicher, passend zum Gesamtkontext des Albums. <em>Sowas hat man&#8230;<\/em> ist eine Reflektion \u00fcber das eigene Leben und den Werdegang der Bandmitglieder, wo sich aber viele Fans sicher auch selbst drin gesehen haben. Es folgen einige weniger relevante Songs, die im Albumkontext Sinn machen, aber nicht wirklich zu den relevantesten Hits der Bandgeschichte geh\u00f6ren. <em>Ja, ja<\/em> richtet sich an Quasselstrippen, die die Klappe nicht halten k\u00f6nnen (&#8222;jaja hei\u00dft lmaa&#8220;), <em>Lass mich gehn<\/em> ist ein Abgesang auf falsches Heldentum und die \u00dcberh\u00f6hung der Band durch die Fans (&#8222;ich bin nicht dass, was du aus mir machst&#8220;), und so weiter und so weiter.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste inhaltlich wirklich relevante Nummer ist <em>Hass-tler<\/em>, was sich zum wiederholten Mal mit Nazideppen auseinandersetzt. Danach folgt die Single <em>Onkelz vs. Jesus<\/em>, die gekonnt und mit viel Selbstironie den Gr\u00f6\u00dfenwahn der Band aufs Korn nimmt &#8211; man hatte ja in der Vergangenheit \u00f6fter einen auf dicke Hose gemacht und damit \u00f6fter mal m\u00e4chtig angeeckt (&#8222;es herrscht ein rauer Ton auf dem Weg zum Rock-Diplom. Die Presse war der Richter, nichts als Arschgesichter&#8230;&#8220;). Und am Ende wars eigentlich alles nur ein gro\u00dfer Zufall, dass die Band da landete wo sie landete.<\/p>\n<p>Und damit ist es dann auch langsam an der Zeit Abschied zu nehmen. Ihr h\u00e4ttet es wissen m\u00fcssen ist der Abschied der Band, eine Ansage an die Fans: &#8222;Trocknet eure Tr\u00e4nen, lasst uns Abschied nehmen, ein letzter Toast, die Zeit ist ein Dieb.&#8220; F\u00fcr die Band war es ein notwendiger Schritt, f\u00fcr die Fans nat\u00fcrlich eine ziemliche Katastrophe: &#8222;Der letzte macht das Licht aus, wir gehen.&#8220; F\u00fcr etwas tiefsch\u00fcrfende Philosophie ist auch noch Platz: &#8222;Die Zeit ist ein Dieb, sie nimmt sich was sie kriegt.&#8220; &#8211; nicht ganz das Format von <em>Time<\/em> von Pink Floyd, aber genauso wahr. Und doch sollte es ein Leben danach geben, das war der Band schon damals klar: &#8222;Wir nehmen unseren Hut, alles wird gut.&#8220; Danach folgt dann noch ein instrumentales Outro mit Wellenrauschen am Meeresufer, und dann wars das.<\/p>\n<p>Im Sommer 2005 waren die Onkelz dann vorerst Geschichte. Als kr\u00f6nenden Abschluss trommelten sie \u00fcber 100.000 Zuschauer am Lausitzring zusammen, um dort \u00fcber zwei Tage mit erlesenen G\u00e4sten (u.a. Mot\u00f6rhead, Rose Tattoo, Children Of Bodom, In Extremo, &#8230;) ihren Abschied zu feiern. Den Sonnenbrand h\u00e4tte ich damals nicht gebraucht, aber ansonsten war das ganz gro\u00dfes Tennis. Danach folgten Soloalben, Kevins kompletter Absturz und Wiederauferstehung, Reunion und neue Alben. Manchmal ist das Ende eben doch nicht so ganz endg\u00fcltig.<\/p>\n<p>Das ist ein passendes Schlusswort f\u00fcr diese Reihe, denn auch die wird in einer anderen Variante fortgesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei&#8230; Das ist der 255. Eintrag der Reihe, und damit genau die passende Nummer, um diese Reihe zu beenden. Man soll ja aufh\u00f6ren wenn es am sch\u00f6nsten ist, aber eigentlich ist einfach nur der Punkt erreicht, wo ich f\u00fcnf Jahre lang einmal die Woche \u00fcber ein mehr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4872"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4872"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4872\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4873,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4872\/revisions\/4873"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4872"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4872"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4872"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}