{"id":4858,"date":"2024-11-28T21:12:40","date_gmt":"2024-11-28T20:12:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4858"},"modified":"2024-11-28T21:13:21","modified_gmt":"2024-11-28T20:13:21","slug":"album-der-woche-251","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/11\/28\/album-der-woche-251\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Hmpf, jetzt sitz ich schon f\u00fcnf Minuten vor dem leeren &#8222;Blatt&#8220; elektronischen Papiers, weil mir mal wieder keine hirnrissige Einleitung einf\u00e4llt. Mir f\u00e4llt nicht mal eine vern\u00fcnftige Einleitung ein, mir f\u00e4llt quasi \u00fcberhaupt gar nix ein. Dabei g\u00e4be es viel zu sagen, denn es soll diese Woche um ein Album gehen, was vor einem reichlichen Vierteljahrhundert mein Verst\u00e4ndnis von Heavy Metal massiv erweitert hat und allein deswegen einen speziellen Platz in meinem Schrank verdient h\u00e4tte. Ganz unabh\u00e4ngig davon ist es aber sowieso ein Meisterwerk voller Theatralik, Dramatik, vokaler und sechssaitiger Akrobatik und diverser weiterer Worte, die auch auf -ik enden \ud83d\ude09<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>So, nachdem nun also doch irgendeine Einleitung steht, k\u00f6nnen wir ja mal zum Thema kommen. Band der Woche ist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Savatage\">Savatage<\/a>, und die schmissen vor 35 Jahren eine Scheibe namens &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Gutter_Ballet\">Gutter Ballet<\/a>&#8220; auf den Markt, die das Album der Woche darstellt. Das Vorg\u00e4ngeralbum &#8222;The Hall Of The Mountain King&#8220; von 1987 hatte die Band mit Produzent Paul O&#8217;Neill zusammengebracht, der den Sound von rohem Power Metal in eine theatralischere Richtung ver\u00e4nderte. Das zeigte sich hier nun noch st\u00e4rker in Form von einer Breitwandproduktion mit viel Piano, die trotzdem aber genug Raum f\u00fcr die Verr\u00fccktheiten von Criss Oliva l\u00e4sst, der mal wieder alle Flitzefinger der damals angesagten Hair-Metal Szene alt aussehen l\u00e4sst. Musikalisch hatten Savatage mit denen ohnehin nix am Hut.<\/p>\n<p>Quasi das gesamte Album wurde von den Oliva-Br\u00fcdern und Paul O&#8217;Neill komponiert, rausgekommen ist ein knappes Dutzend Songs, darunter zwei Instrumentalst\u00fccke. Die Bandbreite reicht dabei vom geradlinigen Banger bis hin zum epischen Overkill in \u00dcberl\u00e4nge, und am Ende des Albums kommt noch eine Songtrilogie dazu, die thematisch zusammenh\u00e4ngt. Klingt nach einer wilden Mischung, ist auch eine wilde Mischung.<\/p>\n<p>Bevor wir zum Inhalt kommen muss man an dieser Stelle mal das fantastische Artwork feiern, welches Gary Smith mit Airbrush hingezaubert hat (er machte auch die Cover f\u00fcr u.a. &#8222;The Hall Of The Mountain King&#8220; und &#8222;Edge Of Thorns&#8220;). Die Theaterb\u00fchne mit dem Piano, die angedeutete Ballerina, Criss&#8216; wei\u00dfe Gitarre und alles eingerahmt von schweren Teppichen und Kronleuchtern, das ist schon eine ganz spezielle Stimmung, die so keine andere Band hinbekommen hat. Und es passt eben auch einfach mal wie die Faust mitten ins Gesicht, wenn auch auf ganz andere Art als vier Jahre fr\u00fcher bei &#8222;Power Of The Night&#8220; mit der Faust auf dem Cover.<\/p>\n<p>Er\u00f6ffnet wird das Album mit <em>Of Rage And War<\/em>, einem relativ unspektakul\u00e4ren Song, der nichtsdestoabertrotz inhaltlich heute genauso relevant ist wie damals &#8211; wir k\u00f6nnten alle ganz gut ohne Wut und Krieg auskommen. Direkt danach folgt das Titelst\u00fcck, welches mit einem Pianointro beginnt, welches Jon seit Criss&#8216; Tod angeblich nicht mehr fehlerfrei gespielt haben will. F\u00fcr den Song wurde ein Musikvideo gedreht, welches beim damals noch real existierenden MTV lief. Der Songtitel geh\u00f6rte eigentlich zum Konzept, aus dem zwei Jahre sp\u00e4ter das n\u00e4chste Album &#8222;Streets&#8220; werden sollte, welches im Endeffekt ja eine Geschichte aus der Gosse erz\u00e4hlt. Macht aber nix, der Song wurde ein Klassiker und zeigt Jon und Criss in Bestform &#8211; tats\u00e4chlich spielte Jon f\u00fcr diesen Song im Studio wohl Piano, Bass und Schlagzeug ein.<\/p>\n<p>An dritter Stelle folgt <em>Temptation Revelation<\/em>, ein wildes Instrumentalst\u00fcck mit klassischen Kl\u00e4ngen aus dem Keyboard, welches das Intro f\u00fcr das nachfolgende <em>When The Crowds Are Gone<\/em> darstellt. Der Song ist einer der allergr\u00f6\u00dften Klassiker im Katalog der Band, und was Jon hier im letzten Drittel mit seinen Stimmb\u00e4ndern anstellt ist erstens nicht von dieser Welt und zweitens arg ungesund &#8211; wobei es nicht geholfen hat, dass er raucht(e) und seine Nase in allerlei teure P\u00fclverchen steckte. Wie auch immer, wenn man wissen will, wie theatralische Dramatik und Heavy Metal zusammengehen, muss man sich genau diesen Song anh\u00f6ren. Teile der Lyrics (&#8222;I never wanted to know, never wanted to see, I wasted my time till time wasted me. Never wanted to go, always wanted to stay, &#8218;cause the person I am are the parts that I play&#8220;) waren sogar gut genug, um sie zwei Jahre sp\u00e4ter in <em>Believe<\/em> zu recyclen, was ja eine weitere extrem wichtige Nummer der Bandgeschichte ist.<\/p>\n<p>Zum Durchschnaufen folgen nun das sehr akustische Instrumental <em>Silk And Steel<\/em> und der gradlinige Banger <em>She&#8217;s In Love<\/em> (mit einem Text der Sorte &#8222;da sagen wir mal besser nix dazu&#8220;). N\u00e4chstes Highlight ist das m\u00e4chtig d\u00fcstere <em>Hounds<\/em>, in dem es um furchteinfl\u00f6\u00dfende H\u00f6llenhunde geht, was musikalisch mit schwersten Keyboardwalzen unterlegt wird. Weniger d\u00fcster, aber daf\u00fcr mit den wildesten Gitarrenhexereien und markantem Geschrei von Jon ausgestattet ist das folgende <em>The Unholy<\/em>, was textlich irgendwo bei Conan dem Barbar und \u00e4hnlichen Schmonzetten geklaut ist.<\/p>\n<p>Den Abschluss bildet die Songtrilogie <em>Mentally Yours<\/em>, gefolgt von <em>Summer&#8217;s Rain<\/em> und <em>Thorazine Shuffle<\/em>. Da geht&#8217;s um eine mental instabile Person, die schlussendlich in der Irrenanstalt landet. Musikalisch haben die Songs nicht allzuviel miteinander zu tun, ich pers\u00f6nlich z\u00e4hle sie auch nicht unbedingt zu den relevantesten Highlights der Band.<\/p>\n<p>Es wurden noch ungef\u00e4hr hundertdr\u00f6lfzig weitere Songs aufgenommen oder vorbereitet, die dann teilweise als Bonussongs auf anderen Ver\u00f6ffentlichungen landeten, teilweise sp\u00e4ter von Jon \u00fcberarbeitet und unter dem Banner seiner neuen Band Jon Oliva&#8217;s Pain ver\u00f6ffentlicht wurden.<\/p>\n<p>Fazit: Ein ganz gro\u00dfer Klassiker der Band, ein f\u00fcr mich emotional unheimlich wichtiges Album und deswegen v\u00f6llig verdient Album der Woche. Achja, die Videos zu <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ubmft9_LeE8\">Gutter Ballet<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mv82_BvKjw0\">When The Crowds Are Gone<\/a> findet man nun in der Onlinevideothek des geringsten Misstrauens, leider nur in grottiger Aufl\u00f6sung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hmpf, jetzt sitz ich schon f\u00fcnf Minuten vor dem leeren &#8222;Blatt&#8220; elektronischen Papiers, weil mir mal wieder keine hirnrissige Einleitung einf\u00e4llt. Mir f\u00e4llt nicht mal eine vern\u00fcnftige Einleitung ein, mir f\u00e4llt quasi \u00fcberhaupt gar nix ein. 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