{"id":4847,"date":"2024-11-07T20:01:03","date_gmt":"2024-11-07T19:01:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4847"},"modified":"2024-11-07T20:01:03","modified_gmt":"2024-11-07T19:01:03","slug":"album-der-woche-248","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/11\/07\/album-der-woche-248\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Wir leben ja in wirklich seltsamen Zeiten. Die Amis w\u00e4hlen verurteile Kriminelle zum Pr\u00e4sidenten, die deutsche Regierungskoalition zerbr\u00f6selt wegen Haushaltsstreitigkeiten (das h\u00e4tts bei meinen Gro\u00dfeltern nicht gegeben, da war klar geregelt, wer abw\u00e4scht), und \u00fcberhaupt kann man den ganzen Zirkus nur mit dem Wort &#8222;Affentheater&#8220; umschreiben &#8211; wobei ich mich umgehend bei allen Affen entschuldige, die gar nix daf\u00fcr k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In so bekloppten Zeiten ist es also gut, wenn man sich auf gewisse Konstanten verlassen kann: Die Krankenkassenbeitr\u00e4ge steigen, die Weihnachtsplanung ist ungekl\u00e4rt, und ich referiere in unn\u00f6tiger Epik \u00fcber das Album der Woche. In dieser Woche geht es um einen Typen, der hier tats\u00e4chlich noch nicht Thema war, weil er eigentlich vor rund 25 Jahren nur mit auff\u00e4llig schmalzigen Balladen im Radio pr\u00e4sent war. Heutzutage ist er in erster Linie photografisch t\u00e4tig, vorgestern hatte der gute Mann 65. Geburtstag. Die Rede ist von Bryan Adams, und der hatte vor 40 Jahren tats\u00e4chlich mal ein ausgesprochen zeitloses Album ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Dieses h\u00f6rt auf den Titel &#8222;Reckless&#8220; und erschien auf den Tag genau an seinem 25. Geburtstag. Kann auch nicht jeder von sich behaupten, an seinem Geburtstag ein Album auf die Menschheit losgelassen zu haben, schon gar nicht eins dass dann auch noch weit oben in die Charts kletterte.<\/p>\n<p>Die Scheibe umfasst 10 Songs (davon 6(!) als Single ausgekoppelt) im radiotauglichen Format zwischen drei und vier Minuten. Der H\u00e4rtegrad ist eher \u00fcberschaubar und d\u00fcrfte niemanden gro\u00df erschrecken, der gute Bryan geht ja eh als Schwiegermuttis Liebling durch, das passt also. Den Auftakt macht <em>One Night Love Affair<\/em> mit einem eher kr\u00e4ftig verzerrten Riff, inhaltlich geht es wie auch beim Rest des Albums um eher gef\u00fchlsduselige Themen. Das folgende <em>She&#8217;s Only Happy When She&#8217;s Dancing<\/em> klingt nicht halb so sperrig wie der Titel lang ist, w\u00e4hrend das an dritter Stelle platzierte <em>Run To You<\/em> einen der zwei ganz gro\u00dfen Klassiker des Albums darstellt. Die Nummer l\u00e4uft heute noch im Rockradio, war au\u00dferdem sehr pr\u00e4sent (zumindest bei mir) im Soundtrack von GTA Vice City und ist auch sonst rundherum super &#8211; aber wem erz\u00e4hl ich das eigentlich, kennt doch quasi eh jeder.<\/p>\n<p>Mit dem vierten Song <em>Heaven<\/em> hab ich nun so meine ganz eigenen Probleme. Das ist &#8217;ne ganz gef\u00fchlvolle ruhige Ballade, die eigentlich nicht so richtig zum Rest des Albums passen will. Bei mir ist die aber vermutlich auf ewig mit der Beerdigung eines Arbeitskollegen verbunden, der 2012 an einem unsagbar d\u00e4mlichen Unfall verstorben war. Das Lied lief da eben auf der Beerdigung, und nun kommt diese Erinnerung jedes Mal wieder hoch, wenn ich den Song h\u00f6re. Das soll aber nix dran \u00e4ndern, dass die Nummer eigentlich eine ganz wundersch\u00f6ne Rockballade ist &#8211; fanden auch die Amis, die das Ding auf Platz 1 der Singlecharts kauften.<\/p>\n<p>So, weiter geht es mit rockigeren Sounds, <em>Somebody<\/em> ist wieder ganz auf der Linie der ersten drei Songs, war ebenfalls als Single ausgekoppelt und l\u00e4uft ebenso immer mal wieder im Rockradio. Dahinter folgt der zweite ganz gro\u00dfe Klassiker des Albums, und da geht es ausnahmsweise mal nicht um die gro\u00dfen Gef\u00fchle, sondern um Kindheitserinnerungen, wie sie Bruce Springsteen auch gern vertont. Die Rede ist von <em>Summer Of &#8217;69<\/em>. Kennt vermutlich eh jeder, wenn man Bryan Adams erw\u00e4hnt d\u00fcrfte das eine der ersten Assoziationen sein.<\/p>\n<p>Nach diesem Klassiker f\u00e4llt die Qualit\u00e4tskurve mit <em>Kids Wanna Rock<\/em> ein wenig ab, wobei andere f\u00fcr so eine Nummer sicher diverse K\u00f6rperteile und Schwiegerm\u00fctter verkaufen w\u00fcrden. Auf der Zielgeraden folgt mit <em>It&#8217;s Only Love<\/em> kein Beatles-Cover, sondern ein weiteres gradeaus rockendes St\u00fcck Musik mit Tina Turner als Gast am Mikro. War nat\u00fcrlich auch eine Single, v\u00f6llig klar. Die letzten beiden Songs <em>Long Gone<\/em> und <em>Ain&#8217;t Gonna Cry<\/em> sind dann mehr oder weniger nochmal das Gleiche in Gr\u00fcn, wobei grad letztere Nummer nochmal den H\u00e4rtegrad etwas erh\u00f6ht und \u00fcberraschend heftig aus den Boxen dr\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Das mag jetzt alles etwas despektierlich geklungen haben, aber das Album ist eines von ganz wenigen, die von vorn bis hinten keinerlei F\u00fcllmaterial enthalten. Im Fach &#8222;radiokompatible Rockmusik&#8220; spielt das in der allerobersten Liga mit. Ich muss mir das Album jetzt nicht unbedingt st\u00e4ndig anh\u00f6ren, aber man muss eben neidlos anerkennen, dass der gute Bryan hier so ziemlich alles richtig gemacht hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben ja in wirklich seltsamen Zeiten. 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