{"id":4843,"date":"2024-11-01T11:24:17","date_gmt":"2024-11-01T10:24:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4843"},"modified":"2024-11-01T11:24:17","modified_gmt":"2024-11-01T10:24:17","slug":"album-der-woche-247","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/11\/01\/album-der-woche-247\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen referierte ich ja in episch ausladender Unn\u00f6tigkeit \u00fcber King Crimson und die wachsende Rolle der Bedeutung [des Deb\u00fcts besagter Band] als Basis der Grundlage der Entwicklung progressiver Rockmusik. Im englischsprachigen Ausland schossen entsprechende Bands wie Pilze aus dem Boden, in Deutschland l\u00e4rmte man ausgesprochen experimentell herum, was zum Qualit\u00e4tsbegriff &#8222;Krautrock&#8220; f\u00fchrte, und dann war da noch eine Truppe von K\u00fcnstlern in D\u00fcsseldorf, die ihre ganz eigene Definition von Progressivit\u00e4t hatten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Besagte K\u00fcnstler fingen auch im Krautrock an und ver\u00f6fffentlichten da einige heute sehr rare &#8211; weil nicht mehr aufgelegte &#8211; Platten, die mehr mit Stockhausen als mit &#8222;kontempor\u00e4rer Popul\u00e4rmusik&#8220; zu tun haben. So richtig auf der Bildfl\u00e4che erschienen sie dann aber heute vor 50 Jahren, denn da erschien ein Album, welches in quasi jeglicher Beziehung bahnbrechend und wegweisend war.<\/p>\n<p>Besagte Adjektive passen auch prima zum Titel des Albums, denn das hei\u00dft schlicht &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Autobahn_(album)\">Autobahn<\/a>&#8220; und ist nat\u00fcrlich von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kraftwerk_(Band)\">Kraftwerk<\/a>. Damit d\u00fcrfte auch grob klar sein, welche Kl\u00e4nge einen hier erwarten, wobei die beiden LP-Seiten kaum unterschiedlicher sein k\u00f6nnten. Auf der zweiten Seite gibt es mit <em>Kometenmelodie 1<\/em>, <em>Kometenmelodie 2<\/em>, <em>Mitternacht<\/em> und <em>Morgenspaziergang<\/em> vier instrumentale Experimentierst\u00fccke mit Mischungen aus elektronischen Kl\u00e4ngen und analogen Instrumenten, die noch weit von der sp\u00e4ter so wichtigen Eing\u00e4ngigkeit der Pop-St\u00fccke wie <em>Das Modell<\/em> entfernt sind. Am ehesten in diese Richtung tendiert <em>Kometenmelodie 2<\/em>.<\/p>\n<p>Dreh- und Angelpunkt des Albums ist aber selbstverfreilich das Titelst\u00fcck, welches mal eben die gesamte erste LP-Seite einnimmt und dabei so monoton klingt wie eine Autobahnfahrt nunmal eben auch sein kann. Neben des in zig Varianten wiederholten Grundthemas gibt es sogar Gesang mit passender Stimmverzerrung und inhaltsleer banalem Text, der in seiner Einfachheit quasi schon dadaistisch daherkommt und somit quasi k\u00fcnstlerisch wertvoll ist. Nur die Deutschlehrer kommen zu kurz, in &#8222;Wir fahr&#8217;n fahr&#8217;n fahr&#8217;n auf der Autobahn&#8220; kann man nur mit gr\u00f6\u00dften Anstrengungen irgendwas reininterpretieren.<\/p>\n<p>Wichtig ist aber sowieso die Musik, und die passt eben ganz hervorragend als Untermalung zu einer Autobahnfahrt. Und wenn man seine Mitfahrer so richtig \u00e4rgern will dann eben auf Repeat \u00fcber mehrere Stunden. Das Erstaunliche an dem St\u00fcck ist ja eben gerade, dass sie aus total minimalen Mitteln ein St\u00fcck von \u00fcber 20 Minuten gezaubert haben, was einem wie h\u00f6chstens f\u00fcnf Minuten vorkommt, weil es durch die vielen Variationen einfach nicht langweilig wird.<\/p>\n<p>Dass Kraftwerk damit nat\u00fcrlich Vorreiter und Wegbereiter f\u00fcr alles m\u00f6gliche von Detroit Techno bis hin zu s\u00e4mtlichen Varianten zeitgen\u00f6ssischer elektronischer Musik in s\u00e4mtlichen Clubs von Berlin bis San Francisco waren ist sowieso klar. Inzwischen sind kann man sie quasi als Gesamtkunstwerk betrachten, welches weit \u00fcber die Musik hinausgeht &#8211; dazu geh\u00f6rt das entsprechende Image, die pr\u00e4zise geplanten Liveauftritte und so weiter und so weiter. Die Musiker hinter diesem Kunstwerk sind inzwischen teilweise verstorben, aber \u00fcber Kraftwerk wird man auch in Zukunft noch lange reden.<\/p>\n<p>Und ich h\u00f6r mir jetzt das St\u00fcck an, mit dem vor 50 Jahren alles anfing *brummbrumm* *hup*<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen referierte ich ja in episch ausladender Unn\u00f6tigkeit \u00fcber King Crimson und die wachsende Rolle der Bedeutung [des Deb\u00fcts besagter Band] als Basis der Grundlage der Entwicklung progressiver Rockmusik. 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