{"id":4836,"date":"2024-10-18T21:33:27","date_gmt":"2024-10-18T19:33:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4836"},"modified":"2024-10-18T21:33:27","modified_gmt":"2024-10-18T19:33:27","slug":"album-der-woche-245","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/10\/18\/album-der-woche-245\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche gabs wilde und abgefahrene Kl\u00e4nge. Und am Ende des Eintrags erw\u00e4hnte ich dann einige andere Bands, die davon massiv beeinflusst wurden und in der Folge eigene abgefahrene Kl\u00e4nge produzierten. Mit genau einer solchen Band besch\u00e4ftigen wir uns hier heute, und eine nebens\u00e4chliche Hauptrolle spielen dabei verquer tr\u00f6tende Fl\u00f6tent\u00f6ne.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Bei dieser Beschreibung sollte klar sein, dass es nicht um den gleichnamigen englischen Agronomen und Vater der Agrarwissenschaften, sondern um die Band um Querfl\u00f6tenderwisch Ian Anderson (nicht zu verwechseln mit Jon Anderson von Yes). Achso, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jethro_Tull\">Jethro Tull<\/a> hei\u00dfen Agronom und Band. Besagte Band war in diese Reihe schon mehrfach zu Gast, und diese Woche geht es um das 74&#8217;er Album &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/War_Child_(album)\">War Child<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p>Auf den Vorg\u00e4ngeralben hatte die Band die progressive Komplexit\u00e4t auf die Spitze getrieben, &#8222;Thick As A Brick&#8220; und &#8222;A Passion Play&#8220; bestanden aus zwei St\u00fccken die jeweils eine komplette LP-Seite einnahmen. Das funktionierte auf &#8222;Thick As A Brick&#8220; wahnsinnig gut, w\u00e4hrend das andere Album massiv polarisierte und wenig erfolgreich war.<\/p>\n<p>Auf &#8222;War Child&#8220; haben die Songs eine leichter verdauliche L\u00e4nge, was aber nicht hei\u00dft, dass die Musik einfach konsumierbar w\u00e4re. Das Titelst\u00fcck macht den Auftakt und beginnt mit Soundeffekten eines Luftangriffs, Sirenengeheul und mittendrin (very british) Teetassengeklapper. Das leitet dann in den eigentlichen Song \u00fcber, der eine wilde Mischung aus durchgeknallter Rhythmik und ebenso durchgeknallten Arrangements mit allerlei wilden Instrumenten inklusive Streichern und Bl\u00e4sern darstellt.<\/p>\n<p>In \u00e4hnlicher Form geht es mit <em>Queen And Country<\/em> weiter. Schr\u00e4ge Rhythmik, schr\u00e4ge Riffs, schr\u00e4ge Texte und schr\u00e4ge Kl\u00e4nge (hier ists wohl ein Akkordeon wenn mich meine Ohren nicht t\u00e4uschen). Das folgende <em>Ladies<\/em> beginnt mit akustischer Gitarre, endlich kommt die Querfl\u00f6te zum Einsatz und nach rund drei Minuten ist der ansonsten recht unauff\u00e4llige Song auch schon vorbei. Achja, Streicher und Handclaps sind hier als zus\u00e4tzliche &#8222;Instrumentierung&#8220; zu verzeichnen. Im folgenden <em>Back-Door Angels<\/em> darf sich hingegen eine elektrische Gitarre austoben, die aber auch hier wieder in ein v\u00f6llig wirres rhythmisches Songkonstrukt eingebunden wird &#8211; Strophen und Refrains gibt es bei Jethro Tull einfach mal so gut wie gar nicht. Musiktheoretiker h\u00e4tten sicher ihre helle Freude daran, ich seh einfach nur, dass man sich die Songs teilweise echt erarbeiten muss. St\u00fcck Nummer f\u00fcnf hei\u00df <em>SeaLion<\/em> und geht flott mit elektrische Gitarre voran, nur um im &#8211; huch &#8211; Refrain komisch ausgebremst zu werden. Bis auf diesen Refrain ist es aber so ziemlich der konventionellste Song bis hierhin &#8211; soll hei\u00dfen bis zum Ende der ersten LP-Seite.<\/p>\n<p>Auf der zweiten Seite beginnt man mit zwei Songs, die am ehesten zum Reinh\u00f6ren geeignet sind. <em>Skating Away On The Thin Ice Of The New Day<\/em> klingt sperrig, ist aber eine ruhig arrangierte Folkrock-Hymne, sparsam instrumentiert und mit starkem Fokus auf Ian Andersons Gesang. In eine \u00e4hnliche Kerbe schl\u00e4gt <em>Bungle In The Jungle<\/em>. Da rifft man elektrisch und mit Pianounterst\u00fctzung, garniert mit Streichertupfern und walzt so durch den Dschungel. Der Song ist strukturell eher konventionell aufgebaut, was sicherlich dazu beitr\u00e4gt, dass man ihm eher folgen kann als so manchen Verr\u00fccktheiten auf der ersten LP-Seite.<\/p>\n<p>An dritter Stelle folgt die haupts\u00e4chlich akustische Ballade <em>Only Solitaire<\/em>, die aber schon nach nicht mal 90 Sekunden ausklingt und somit eher als \u00dcberleitung f\u00fcr das folgende <em>The Third Hoorah<\/em> dient. Das klingt f\u00fcr mich nach Marschmusik, erinnert an The Battle Of Epping Forest von Genesis, biegt dann aber doch ganz anders ab, nimmt das Riff und ganze Songteile aus <em>War Child<\/em> wieder auf und kann quasi als Reprise des Titelst\u00fccks durchgehen, minus der bombigen Soundeffekte. Solche Sachen sind dann doch irgendwie wieder progressiv &#8211; oder waren es zumindest damals. Den Abschluss des Albums bildet <em>Two Fingers<\/em>, welches ein Motiv aus <em>SeaLion<\/em> aufgreift. Man wei\u00df nun nicht, ob ihnen einfach die Ideen ausgingen, oder ob sie damit eine gewisse Geschlossenheit des Songmaterials als konzeptionelle Einheit erreichen wollten. Ist letztendlich auch wurscht, Hauptsache man f\u00fchlt sich gut unterhalten.<\/p>\n<p>Fazit: Das Album muss man eigentlich am St\u00fcck und mehrfach h\u00f6ren, damit man die Querverweise zwischen den Songs \u00fcberhaupt mitbekommt. Die gro\u00dfe Ausnahme sind die ersten beiden Songs der zweiten LP-Seite, <em>Skating Away On The Thin Ice Of The New Day<\/em> (wer kommt nur mit so sperrigen Songtiteln an?) und <em>Bungle In The Jungle<\/em>, was gleichzeitig die Anspieltipps sind. Auf Albuml\u00e4nge schw\u00e4chelt es etwas, da bevorzuge ich &#8222;Thick As A Brick&#8220;, aber das wiederum enth\u00e4lt ja eigentlich nur ein \u00fcberlanges St\u00fcck Musik.<\/p>\n<p>Und n\u00e4chste Woche gibts dann weniger durchgeknallte und daf\u00fcr verzerrtere Kl\u00e4nge auf die Ohren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche gabs wilde und abgefahrene Kl\u00e4nge. Und am Ende des Eintrags erw\u00e4hnte ich dann einige andere Bands, die davon massiv beeinflusst wurden und in der Folge eigene abgefahrene Kl\u00e4nge produzierten. 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