{"id":4824,"date":"2024-10-03T12:53:19","date_gmt":"2024-10-03T10:53:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4824"},"modified":"2024-10-03T12:53:19","modified_gmt":"2024-10-03T10:53:19","slug":"album-der-woche-243","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/10\/03\/album-der-woche-243\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Feiertag, deswegen gibt es den Eintrag vormittags bzw. mittags. Tag der Deutschen Einheit, der Tag wo man feiert, dass man ohne Zoll- und Passkontrollen von Aachen nach G\u00f6rlitz reisen kann. Ob man das tun will ist eine ganz andere Frage, und es gibt ja genug Leute mit Mauern im Kopf, die in die Kleinstaaterei zur\u00fcckwollen. Ob da nun das zusammenw\u00e4chst was zusammengeh\u00f6rt und ob wir da nun die von der \u00fcberdimensionierten Birne versprochenen bl\u00fchenden Landschaften haben&#8230; nunja. Manchmal hat man ja durchaus das Gef\u00fchl, dass die verschiedenen Ecken Deutschlands in etwa so viel gemeinsam haben wie Alpha und Omega. Und damit schlagen wir nun den gro\u00dfen Haken zum Album der Woche.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Da geht es auch um alpha und omega, quasi den Anfang vom Ende. Und weil hinten das neue vorn ist fangen wir dort auch an: Es geht um die Band <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Omega_(Band)\">Omega<\/a> aus Ungarn. Die ist inzwischen Geschichte, womit wir nun vom Ende zur\u00fcck an den Anfang springen, n\u00e4mlich zu deren zweiten Album aus dem Jahr 1969 mit dem sch\u00f6nen Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/10000_l%C3%A9p%C3%A9s\">10000 l\u00e9p\u00e9s<\/a>&#8222;. Das hei\u00dft so viel wie 10000 Schritte.<\/p>\n<p>Auf dem Album finden sich zehn Songs, die den \u00dcbergang von der Beatmusik des Deb\u00fcts hin zu psychedelischem Hardrock markieren, wie ihn damals Bands wie die fr\u00fchen Deep Purple spielten, als sie noch versuchten Vanilla Fudge zu kopieren. Die ungarischen Texte sind dabei nat\u00fcrlich ein Alleinstellungsmerkmal. Je nach Song geht es dabei noch in diese oder jene Richtung, hier und da bleibt man noch nah an der Beatmusik, an anderen Stellen wird es hingegen richtiggehend progressiv.<\/p>\n<p>Das er\u00f6ffnende <em>Petr\u00f3leuml\u00e1mpa<\/em> (jepp, ne \u00d6llampe wie bei Aladdin) kommt mit einem markanten Schlagzeugmuster daher, mittendrin taucht &#8217;ne Mundharmonika auf und ansonsten ist die Nummer aber ziemlich simpel gestrickt. Direkt danach kommt der ganz gro\u00dfe \u00dcberhit von Omega und eine der bedeutendsten Nummern der ungarischen Rockmusikgeschichte. <em><a title=\"Gy\u00f6ngyhaj\u00fa l\u00e1ny\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Gy%C3%B6ngyhaj%C3%BA_l%C3%A1ny\">Gy\u00f6ngyhaj\u00fa l\u00e1ny<\/a><\/em> (Pearls In Her Hair bzw. Das M\u00e4dchen mit den Perlen im Haar) ist eine Ballade mit m\u00e4rchenhaftem Text (zumindest in der englischen Fassung, in der ich dann auch verstehe um was es geht). Die Nummer war ein riesiger Hit im gesamten Ostblock und wurde unz\u00e4hlige Male gecovert (in der DDR muss das wohl ein gro\u00dfer Hit von Frank Sch\u00f6bel gewesen sein), in den 90ern war es die musikalische Basis f\u00fcr den Song White Dove der Scorpions, und selbst Skandalrapper Kanye West hat sich unerlaubterweise an dem St\u00fcck vergangen wie ich jetzt gelesen habe&#8230; Wie auch immer, hier ist nix mehr mit Beatmusik, da sind schon deutliche Elemente der gerade aufkommenden h\u00e4rteren Rockmusik am Start, grade die Steigerung mit den Schreien am Ende des Songs sprechen da eine deutliche Sprache.<\/p>\n<p>Das folgende <em>T\u0171zvihar<\/em> (Firestorm) klingt wie es der Titel vermuten l\u00e4sst &#8211; der Song wird vom Schlagzeug und einer stark verzerrten Gitarre vorangetrieben. Mit englischem Text ginge das problemlos als Proto-Hardrock durch, Cream und Konsorten lassen gr\u00fc\u00dfen, nur das instrumentale Zwischenst\u00fcck nach zwei Minuten passt da nicht so ganz rein. Danach folgt mit <em>Udvari bolond kenyere<\/em> (Bread Of The Court Jester) eine ganz anders gelagerte Nummer, eher getragen und langsam, musikalisch von Orgel und Bl\u00e4sern bestimmt.<\/p>\n<p>Den Abschluss der ersten LP-Seite liefert danach der Achtmin\u00fcter <em>K\u00e9rgeskez\u0171 fav\u00e1g\u00f3k<\/em> (Callous Handed Woodcutters) &#8211; auf so einen Titel muss man erst einmal kommen&#8230; Der beginnt mit experimentellen Waldger\u00e4uschen, wo die Holzhacker ihrer Arbeit nachgehen. Nach reichlich zwei Minuten folgt dann ein episches Schlagzeugsolo, denn was John Bonham kann, kann man nat\u00fcrlich auch im Osten. Nach knapp vier Minuten Schlagzeugsolo folgt ein Orgelthema und der Song geistert rein instrumental noch zwei Minuten durch die Walachei. Das gro\u00dfe Vorbild hier ist unverkennbar Moby Dick von Led Zeppelin, nur dass man es hier eben auf \u00fcber acht Minuten auswalzt.<\/p>\n<p>Auf der B-Seite beginnt man mit furiosen Fanfarenkl\u00e4ngen zu <em>T\u00e9kozl\u00f3 fi\u00fak<\/em> (Prodigal Sons), bevor eine fett verzerrte Gitarre dazu losrifft. Das rockt ordentlich, auch wenn der Gesang hier echt gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig ist. Danach folgt das Titelst\u00fcck des Albums in Form von <em>T\u00edzezer l\u00e9p\u00e9s<\/em> (Ten thousand steps bzw. Zehntausend Schritte). Hier dr\u00f6hnt vor allem eine ganz schwere Orgel mit einem ebenso fetten Bass um die Wette. Das St\u00fcck walzt auf einem monotonen Riff in sechs Minuten einfach mal alles platt und ist dabei eine psychedelische Rocknummer von allerbester Qualit\u00e4t. Der Song ist f\u00fcr mich eine der besten Nummern von Omega \u00fcberhaupt und bringt die fr\u00fche Hardrockphase am allerbesten auf den Punkt.<\/p>\n<p>Als Kontrastprogramm folgt die entsprechend betitelte Boogie-Nummer <em>Az 1958-as boogie-woogie klubban<\/em> (In The 1958&#8217;s Boogie-Woogie Club), die genau so klingt wie man sich das vorstellt. Da wird eben etwas \u00fcber zwei Minuten am Klavier rumgeklimpert, und dann ist der Spuk auch schon vorbei. <em>Spanyolgit\u00e1r legenda<\/em> (Legend Of The Spanish Guitar) hingegen beginnt mit einer akustischen Gitarre und ist eine ruhige Folk-Nummer, die noch sehr an die Beatmusik-Anf\u00e4nge erinnert, w\u00e4hrend die Streicher im Hintergrund mich auch an fr\u00fche Bee Gees erinnern.<\/p>\n<p>Den Abschluss des Albums bildet schlie\u00dflich F\u00e9lbeszakadt koncert (Interrupted Concert), wo die Gitarre ordentlich verzerrt wird und hardrockig riffen darf. In der Mitte wird dann mit der Orgel um die Wette soliert (Deep Purple lassen gr\u00fc\u00dfen) und dann ist die Platte auch schon zuende.<\/p>\n<p>Fazit: Eine wilde Mischung aus unterschiedlichsten Kl\u00e4ngen, was eine nicht wirklich koh\u00e4sive Mischung ergibt. Da hier aber zwei der allergr\u00f6\u00dften Hits der Band vorhanden sind und diverse weitere versteckte Protohardrocker den weiteren Weg vorgeben, in den sich die Band weiterentwickeln w\u00fcrde, ist das Album ein wesentlicher Meilenstein in der Diskographie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Feiertag, deswegen gibt es den Eintrag vormittags bzw. mittags. Tag der Deutschen Einheit, der Tag wo man feiert, dass man ohne Zoll- und Passkontrollen von Aachen nach G\u00f6rlitz reisen kann. 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