{"id":4809,"date":"2024-09-12T23:01:35","date_gmt":"2024-09-12T21:01:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4809"},"modified":"2024-09-12T23:01:35","modified_gmt":"2024-09-12T21:01:35","slug":"album-der-woche-240","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/09\/12\/album-der-woche-240\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Pl\u00f6tzlich ist Herbst. Also so der Anfang vom Herbst. Diese bescheuerte Jahreszeit, wo man bei 30 Grad im Schatten auf der Terrasse sitzen und frisch gekauften Lebkuchen mampfen kann. Im Herbst der Karriere ist auch die Band angekommen um die es heute geht. Grund genug f\u00fcr einen R\u00fcckblick.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Band der Woche begann ihren Siegeszug Anfang der 70er Jahre, versackte 10 Jahre sp\u00e4ter im Drogensumpf, feierte Ende des Jahrzehnts eine triumphale Auferstehung und war Anfang der 90er Jahre auf dem H\u00f6hepunkt der Popularit\u00e4t angekommen. Seitdem ist nicht mehr allzuviel passiert, und die gro\u00dfe Abschiedstournee musste nun aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden abgesagt werden. Da Alice Cooper nach wie vor fit wie ein Turnschuh ist, kann er nicht gemeint sein. Richtig, denn es geht um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aerosmith\">Aerosmith<\/a>.<\/p>\n<p>Boston&#8217;s Finest waren in dieser Reihe schon mehrfach Thema, und bei der enormen Diskographie gibt es auch in diesem Jahr Alben, die mehr oder minder runden Geburtstag feiern.<\/p>\n<p>Beginnen wir mit dem &#8217;74er &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Get_Your_Wings\">Get Your Wings<\/a>&#8222;. Das im Vorjahr erschienene Deb\u00fctalbum war weitgehend erfolglos geblieben, die Band war aber quasi das gesamte Jahr auf Tour und erspielte sich so ihre Fans. Mit der gesammelten Erfahrung aus zahllosen Liveauftritten und mit Hilfe eines geeigneten Produzenten, der die musikalischen Vorlieben der Band teilte (Blues mit fetter Elektrifizierung, wie es britische Bands wie die Yardbirds um Eric Clapton oder Jimmy Page vorgemacht hatten), ging es nun an die Aufnahme des Zweitlings.<\/p>\n<p>Heraus kam zwar nicht das \u00dcberwerk, was die Band in die Hall Of Fame transportieren w\u00fcrde &#8211; das kam dann mit dem dritten Album &#8222;Toys In The Attic&#8220;, aber die Scheibe war in allen Belangen st\u00e4rker als das Deb\u00fct. S\u00e4nger Steven Tyler fand zu seinem typischen Gesang und profilierte sich beim Texten, w\u00e4hrend die Gitarristen Joe Perry und Brad Whitford mussten in den sauren Apfel bei\u00dfen mussten dass Studioprofis einige Soli einspielten, die sie einfach (noch) nicht spielen konnten.<\/p>\n<p>Meine pers\u00f6nlichen Favoriten sind der Opener <em>Same Old Song And Dance<\/em> und das folgende <em>Lord Of The Thighs<\/em> (in erster Linie wegen des Textes). Auf der B-Seite sticht der <em>Train Kept A-Rollin&#8216;<\/em> heraus, ein alter Bluessong, den zuvor schon die Yardbirds durch den Fleischwolf gedreht hatten. Vom textlichen Standpunkt her ist noch <em>S.O.S. (Too Bad)<\/em> heraus, wobei die Abk\u00fcrzung hier f\u00fcr &#8222;same old shit&#8220; stehen soll&#8230;<\/p>\n<p>Fazit: Zwei-drei Klassiker und ein ansonsten durchgehend gutklassiges Album, was mindestens zeigte, dass da eine Band vor dem ganz gro\u00dfen Durchbruch stand. Und der kam ja dann ein Jahr sp\u00e4ter auch.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter folgte hingegen der gro\u00dfe Abbruch, als Gitarrist Joe Perry mitten in den Aufnahmen zu &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Night_in_the_Ruts\">Night In The Ruts<\/a>&#8220; aus der Band ausstieg. Zu diesem Zeitpunkt war die Truppe einer der angesagtesten Stadium-Acts der Vereinigten Staaten, allerdings hatte das Rockstarleben mit allerlei Substanzen und aufgepusteten Egos daf\u00fcr gesorgt, dass man als Band nicht mehr miteinander klarkam und in kreativer Hinsicht nicht mehr viel auf die Reihe bekam. Das spiegelte sich in sinkenden Verkaufszahlen wieder, so dass das Management Druck auf die Band aus\u00fcbte, was nat\u00fcrlich die Situation nicht verbesserte. S\u00e4nger Steven Tyler hatte eine Schreibblockade, das Budget f\u00fcr die Aufnahmen war verbraucht ohne dass ein Album herausgekommen w\u00e4re, man ging auf Tour um Geld zu verdienen und schlie\u00dflich implodierte alles mehr oder weniger. Das Album ist ein recht solides Bluesrock-Album, aber nichts, was die Band vorher nicht schon in besserer Art eingespielt hatte.<\/p>\n<p>Nochmal zehn Jahre sp\u00e4ter sah das wieder ganz anders aus. Joe Perry war Mitte der 80er zur\u00fcckgekehrt, die Drogen geh\u00f6rten der Vergangenheit an, das 87&#8217;er Album &#8222;Permanent Vacation&#8220; war die gro\u00dfe kommerzielle Wiederauferstehung, und nun legte man mit &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Pump_(album)\">Pump<\/a>&#8220; noch eins drauf.<\/p>\n<p>Die Band hatte einen kreativen Lauf und schrieb weit mehr Material als schlu\u00dfendlich auf dem Album landete, konnte sich also ganz darauf konzentrieren, die besten Songs auf die Scheibe zu packen. Textlich geht es dabei einmal mehr um Sleaze und Sex, was ohnehin immer ein Markenzeichen der Band bzw. von Steven Tylers Texten war &#8211; als Beispiel sei <em>Young Lust<\/em> oder <em>Love In An Elevator<\/em> genannt (Steven Tyler meinte dazu wohl lapidar, er m\u00fcsse das nachholen, was er in den 70ern nicht gemacht hatte, als er Drogen nahm statt Sex zu haben&#8230;). Der \u00dcberhit <em>Janie&#8217;s Got A Gun<\/em> hingegen hat einen verdammt ernsten Text, den man auch erst einmal verdauen muss &#8211; andererseits gewann die Band damit ihren ersten Grammy.<\/p>\n<p>Musikalisch gab es wenig \u00dcberraschungen, hart rockender Blues in kommerzieller Verpackung, wie kaum anders zu erwarten. Hier und da scheint Glam und Hair Metal durch (hey, es war 1989, da war das angesagt). Das ganze wurde nat\u00fcrlich exzellent produziert und am Ende kamen neben vier Hitsingles &#8211; neben den schon erw\u00e4hnten <em>Janie&#8217;s Got A Gun<\/em> und <em>Love In An Elevator<\/em> waren das noch <em>The Other Side<\/em> und die Halbballade <em>What It Takes<\/em> &#8211; noch diverse starke Albumtracks bei raus. Songs wie <em>Voodoo Medicine Man<\/em> oder <em>Monkey On My Back<\/em> sind aber auch allerbester Hardrock, wobei mein Favorit aus der Ecke die Nummer <em>Don&#8217;t Get Mad, Get Even<\/em> ist.<\/p>\n<p>Das Album verkaufte sich v\u00f6llig zu Recht wie geschnitten Brot und sorgte daf\u00fcr, dass Aerosmith Anfang der 90er mit &#8222;Get A Grip&#8220; auf dem kommerziellen Zenit ankamen, mit MTV Heavy Rotation und allem was dazugeh\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pl\u00f6tzlich ist Herbst. Also so der Anfang vom Herbst. Diese bescheuerte Jahreszeit, wo man bei 30 Grad im Schatten auf der Terrasse sitzen und frisch gekauften Lebkuchen mampfen kann. Im Herbst der Karriere ist auch die Band angekommen um die es heute geht. 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