{"id":4768,"date":"2024-07-11T19:42:43","date_gmt":"2024-07-11T17:42:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4768"},"modified":"2024-07-11T19:42:43","modified_gmt":"2024-07-11T17:42:43","slug":"album-der-woche-231","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/07\/11\/album-der-woche-231\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Irgendwie ist es jetzt doch mal ziemlich warm geworden. Zur Abk\u00fchlung gab es grad ein Eis, und weiter geht es mit dem Album der Woche, was dieses mal ziemlich politisch ausf\u00e4llt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich hab eine ganze Weile \u00fcberlegt, ob ich dieses Album, bzw. die Band dahinter, in dieser Reihe diskutieren will. Am Ende fiel die Entscheidung zugunsten des Albums, in erster Linie, weil es einfach bockstark ist, und zum anderen weil man eben die Kunst vom K\u00fcnstler trennen muss, auch wenn das manchmal schwierig bis unm\u00f6glich scheint. Im Endeffekt geht es hier auch gar nicht um die Band insgesamt, sondern um eine konkrete Person. Es ist eigentlich eine traurige Geschichte von jemandem, der sein gesamtes Lebenswerk weggeschmissen hat.<\/p>\n<p>Wenn ich jetzt schreibe, dass es um Jon Schaffer und Iced Earth geht, ist den Eingeweihten klar, was Sache ist. F\u00fcr alle anderen der Kurzabriss: Jon &#8211; in meinen Augen einer der besten und stilistisch pr\u00e4gnantesten Rhythmusgitarristen der Welt &#8211; gr\u00fcndete die Band Mitte der 80er Jahre, f\u00fchrte sie in den f\u00fcr Metal sehr schwierigen 90ern durch zahllose Besetzungswechsel, bis die Band sich Ende der 90er mit Ausnahmes\u00e4nger Matt Barlow und mehreren hervorragenden Alben in eine Position spielte, kurz vor dem ganz ganz gro\u00dfen Durchbruch zu sein. Dann kam der 11. September, der der Band letztlich das Genick brach. Matt Barlow stieg aus und ging zur Polizei, Jon machte mit Tim &#8222;Ripper&#8220; Owens (ex-Judas Priest) weiter, das Personalkarussell rotierte wie wild (Matt Barlow kam zwischendurch auch tempor\u00e4r zur\u00fcck) und die folgenden Alben waren auch eher mal so halbgar, da sich der textliche Fokus weg von Fantasy und Horror hin zu politischeren Themen verschob. Jon driftete politisch immer weiter in eine verschw\u00f6rungstheoretische radikale Ecke und war schlussendlich am Sturm aufs Capitol im Januar 2021 beteiligt. Wenige Tage sp\u00e4ter war die Band Geschichte, ebenso wie seine Kollaboration mit Hansi K\u00fcrsch unter dem Banner Demons &amp; Wizards.<\/p>\n<p>Vor 25 Jahren waren <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Iced_Earth\">Iced Earth<\/a> auf dem H\u00f6hepunkt ihrer Popularit\u00e4t, gerade in Europa. Und das zementierte sich im Livealbum &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Alive_in_Athens\">Alive In Athens<\/a>&#8222;, welches als 3CD-Set so ziemlich das ultimative Livedokument \u00fcberhaupt ist. Auf 180 Minuten gibt es hier mit insgesamt 31 Songs quasi das Best Of der Bandgeschichte, wobei insbesondere die fr\u00fchen Songs durch den Gesang von Matt Barlow noch einmal unheimlich gewinnen.<\/p>\n<p>Stilistisch gibt es die Mischung aus der melodischen Seite von Iron Maiden, gemixt mit komplexem Riffing von 80er-Jahre Metallica. Die Bandbreite reicht dabei vom kurz und knackig (<em>Stand Alone<\/em>) bis zu episch ausladend (<em>Dante&#8217;s Inferno<\/em> braucht halt seine reichliche Viertelstunde, <em>Travel In Stygian<\/em>, <em>A Question Of Heaven<\/em> oder <em>The Coming Curse<\/em> kratzen auch knapp an den 10 Minuten), der Rest verteilt sich irgendwo dazwischen und kommt mal getragener (<em>Melancholy<\/em> oder <em>I Died For You<\/em>), mal d\u00fcster und aggressiv (<em>Stormrider, The Path I Choose<\/em>) und mal mit mehr Fokus auf Melodie als auf Riffs daher (<em>The Hunter<\/em>, <em>Slave To The Dark<\/em>). Besonders steil gehen die Fans ganz am Ende des Albums, als beim Rausschmei\u00dfer <em>Violate<\/em> kurz das Riff von Maiden&#8217;s The Trooper angespielt wird. Ebenfalls hervorzuheben ist <em>Angels Holocaust<\/em> mit seinem aus der Klassik geklauten Riff als Er\u00f6ffnung, <em>Pure Evil<\/em> als Beispiel f\u00fcr das sehr spezielle Riffing von Jon Schaffer. Wenn man hier was zu meckern findet, dann die Tatsache, dass <em>Burnt Offerings<\/em> nicht in der Setlist auftauchte.<\/p>\n<p>So bleibt also von dieser Band in erster Linie dieses Livealbum als \u00fcberragendes musikalisches Verm\u00e4chtnis, zusammen mit der Frage: Was h\u00e4tte sein k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irgendwie ist es jetzt doch mal ziemlich warm geworden. 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