{"id":4750,"date":"2024-06-06T19:11:20","date_gmt":"2024-06-06T17:11:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4750"},"modified":"2024-06-06T19:11:20","modified_gmt":"2024-06-06T17:11:20","slug":"album-der-woche-226","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/06\/06\/album-der-woche-226\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Kaum ist man mal ein Wochenende nicht da, schon bricht der Hochsommer aus. Das ist dann auch eigentlich das v\u00f6llig falsche Wetter f\u00fcr das Album der Woche, denn das ist eher was f\u00fcr kalte graue Novembertage. Allerdings wurde es vor genau 25 Jahren ver\u00f6ffentlicht, also muss man jetzt da durch.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Vorgeschichte, wie ich \u00fcber meinen damaligen WG-Mitbewohner <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lacrimosa\">Lacrimosa<\/a> kennengelernt habe, hatte ich <a href=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/04\/09\/album-der-woche-114\/\">vor zwei Jahren<\/a> schon beschrieben, und da hatte ich auch schon erw\u00e4hnt, dass ich das 1999 erschienene &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Elodia_(album)\">Elodia<\/a>&#8220; f\u00fcr die beste Scheibe der Band halte. Das sehe ich immer noch so, und dementsprechend ist auch klar, dass dies nun das Album der Woche ist.<\/p>\n<p>Dass wie \u00fcblich in ein schwarzwei\u00df gezeichnetes Cover verpackte Album ist ein Konzeptalbum \u00fcber eine auseinanderbrechende Beziehung in drei Akten, bestehend aus insgesamt acht Songs, viele davon mit \u00dcberl\u00e4nge von bis zu 14 Minuten. Neben den \u00fcblichen Instrumenten wie Keyboards, Gitarre, Schlagzeug und dem Gesang von Tilo Wolff und Anne Nurmi gibt es hier nun auch noch die orchestrale Vollbedienung in Form des London Symphony Orchestra, was wegweisend f\u00fcr die weitere Arbeit der Band war.<\/p>\n<p>Das Album beginnt mit <em>Am Ende der Stille<\/em>, einer ausufernden getragenen Nummer von acht Minuten mit starkem Fokus auf klassische Instrumente und Piano. Auf klassische Songschemata wird verzichtet, stattdessen muss man sich das St\u00fcck eher wie ein Werk aus der klassischen Musik erarbeiten.<\/p>\n<p>Deutlich konventioneller kommt das folgende <em>Alleine zu zweit<\/em> daher. Hier kommt vorrangig Rockinstrumentierung zum Einsatz, diverse Fl\u00f6tent\u00f6ne und \u00e4hnliches untermalen die Sache nur und verleihen mehr Tiefe. Die beiden Stimmen von Tilo und Anne zeigen den Kontrast, das Ende der Gemeinsamkeit (&#8222;einsam, gemeinsam, wir haben verlernt uns neu zu suchen&#8220;).<\/p>\n<p>Song Nummer drei kombiniert nun Streicher mit wilden Schlagzeugeskapaden und einem anklagenden Text &#8211; <em>Halt mich<\/em>. Die beiden &#8222;Strophen&#8220; kann man eigentlich nicht als solche bezeichnen, so richtig Fahrt nimmt die Nummer erst im Refrain auf &#8211; wenn man diesen als solchen bezeichnen kann &#8211; die Bridge (&#8222;Das Leben brennt mir von der Seele, die Sehnsucht erf\u00fcllt nur tapfer ihren Zweck&#8220;) zum Refrain (&#8222;Halt mich, mein Leben, halt mich!&#8220;) mit ihrer dicken Streicherinstrumentierung erzeugt jedenfalls noch immer G\u00e4nsehaut bei mir, und dann folgt ein kurzes klassisches Zwischenspiel, danach \u00fcbernehmen die elektrischen Gitarren und das St\u00fcck kulminiert in der finalen Wiederholung des Refrains. Ein kurzes und intensives Highlight des Albums.<\/p>\n<p>Das letzte St\u00fcck des ersten Aktes nennt sich <em>The Turning Point<\/em> und beginnt mit einem kurzen finnischen Gedicht. W\u00e4hrend <em>Halt Mich<\/em> von Tilo gesungen wird, darf hier nun Anne den Gesang beisteuern. Das ist die einzige englischsprachige Nummer des Albums, sehr viel lebensbejahender wird der Text davon aber auch nicht \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Akt zwei beginnt mit <em>Ich verlasse heut&#8216; Dein Herz<\/em>. Das bei dem Titel keine Musik f\u00fcr eine Sommerpoolparty zu erwarten ist, sollte klar sein. Tats\u00e4chlich wird der Achtmin\u00fcter von einer Basslinie getragen, \u00fcber den sparsame Pianokl\u00e4nge gelegt werden, gefolgt von dezenten Streicherteppichen und einem intensiven Text von Tilo. Und wenn vor dem finalen Textabschnitt zu den Zeilen &#8222;Ich danke Dir f\u00fcr all die Liebe, ich danke Dir in Ewigkeit&#8220; das Schlagzeug einsetzt, dann ist das gro\u00dfes Breitwand-Bombastkino &#8211; und da sind erst drei von acht Minuten rum. Es folgt ein geschmackvolles Gitarrensolo, dass David Gilmour kaum besser hinbekommen h\u00e4tte (aber der spielt mit deutlich weniger Verzerrung). Eine super Nummer f\u00fcr alle Momente, wo man mit Liebeskummer auf dem Bett liegt und ins Kissen heult.<\/p>\n<p>Das folgende <em>Dich zu t\u00f6ten fiel mir schwer<\/em> setzt nun wieder verst\u00e4rkt auf eine Mischung von Orchesterkl\u00e4ngen und verzerrter Gitarre. Der Gesang, der im vorherigen Song noch schwach und zerbrechlich klang, wird hier garstig und fies. Ebenfalls gro\u00dfes Kino, aber ein anderes Filmgenre.<\/p>\n<p>An vorletzter Stelle des Albums steht die l\u00e4ngste Nummer, das knapp viertelst\u00fcndige <em>Sanctus<\/em>. Das basiert auf dem gleichnamigen St\u00fcck aus der Kirchenmusik &#8211; da bin ich zugegebenerma\u00dfen \u00fcberhaupt nicht bewandert &#8211; und konzentriert sich auf klassische Instrumentierung und lateinische Chorges\u00e4nge. Im Endeffekt ist es ein Hohegesang auf die Liebe, jedenfalls interpretiere ich das im Kontext des Albums so.<\/p>\n<p>Den Abschluss bildet <em>Am Ende stehen wir zwei<\/em>. Das ist textlich noch einmal eine ganz wilde Nummer, vom irgendwie positiv gestimmten Refrain (&#8222;Du brauchst jetzt nichts zu sagen, brauchst mich nicht zu lieben, ich habe Hoffnung f\u00fcr uns beide, denn am Ende stehen wir zwei&#8220;) \u00fcber ausdrucksstarke Metaphern (&#8222;ein Abschied ohne Ende, ein Kreuzgang in Dein Herz&#8220;) bis hin zum finalen(?) Abschied: &#8222;Meine Hoffnung soll mich leiten durch die Tage ohne Dich, und die Liebe soll mich tragen, wenn der Schmerz die Hoffnung bricht&#8220;. Wie gesagt, kein Soundtrack f\u00fcr die Poolparty, aber wenn man sich mit einem Glas Rotwein auf dieses Album einl\u00e4sst ist das ein sehr intensiver aufw\u00fchlender Trip &#8211; den ich mir allerdings nur selten am St\u00fcck geben kann, allein schon weil ich sonst zum Alkoholiker werden w\u00fcrde ;-).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ist man mal ein Wochenende nicht da, schon bricht der Hochsommer aus. Das ist dann auch eigentlich das v\u00f6llig falsche Wetter f\u00fcr das Album der Woche, denn das ist eher was f\u00fcr kalte graue Novembertage. 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