{"id":4744,"date":"2024-05-23T19:25:48","date_gmt":"2024-05-23T17:25:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4744"},"modified":"2024-05-23T19:25:48","modified_gmt":"2024-05-23T17:25:48","slug":"album-der-woche-224","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/05\/23\/album-der-woche-224\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Die Woche ist relativ vorbei (zum Gl\u00fcck), sie war auch relativ kurz (zum Gl\u00fcck) und das Wetter ist auch relativ brauchbar im Moment. Und Einstein ist trotz relativer Theorien absolut tot. Aber was hei\u00dft das schon, relativ? Ist sechs relativ viel oder relativ wenig? Sechs Platten im Schrank? Relativ wenig. Sechs Platten in der versch\u00e4rften Auswahl zum Album der Woche? Relativ viel. Und damit kommen wir dann auch mal zum Thema, heute gibt es n\u00e4mlich einen gr\u00f6\u00dferen Rundumschlag, weil ich mich einfach mal nicht entscheiden kann.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es geht um sechs Alben einer Band, die schon seit \u00fcber 30 Jahren nicht mehr so wirklich existiert, vorher aber Musikgeschichte geschrieben und Grenzen gesprengt hat: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Queen_(Band)\">Queen<\/a>. Und deswegen ohne weitere Umschweife zu den Kandidaten f\u00fcr das Album der Woche, denn die beschreiben auch die musikalische Wandlung der Band sehr sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Album Nummer eins ist &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Queen_II\">Queen II<\/a>&#8220; von 1974. Der Name l\u00e4sst es vermuten, es war das zweite Album der Band. Es enth\u00e4lt quasi keine der bekannten Welthits und ist auf den Greatest Hits gerade mal mit einem Song vertreten, n\u00e4mlich <em>Seven Seas Of Rhye<\/em> (erste Top 10 Single der Bandgeschichte oder so). Damit tut man der Scheibe v\u00f6llig Unrecht, denn sie gilt in Fankreisen als eines der besten Werke der Band &#8211; voller \u00fcberraschender Wendungen, stilistischer Schlenker und v\u00f6lligem Bombast-Overkill. Die Songs bilden zwei lose miteinander verbundene Suiten und reichen von ergreifenden Balladen (<em>White Queen<\/em>) bis zu harten Rockern (<em>Ogre Battle<\/em>). Die Band probiert einfach mal alles aus und wirft s\u00e4mtliche Genre-Konventionen \u00fcber Bord. So produziert man nat\u00fcrlich keine Hitsingles, aber eben abgefahrene Musik, die auch Jahrzehnte sp\u00e4ter noch relevant ist. Sowas kompliziertes wie <em>March Of The Black Queen<\/em> haben sie sp\u00e4ter nicht mehr produziert (was nicht hei\u00dfen soll dass sp\u00e4tere Songs easy listening gewesen w\u00e4ren&#8230;) Wer Queen in ihrer wilden Anfangsphase erleben will, sollte sich dieses Album am St\u00fcck reinziehen. Das ikonische Coverfoto ist nat\u00fcrlich ebenfalls perfekt.<\/p>\n<p>Noch im gleichen Jahr erschien bereits das Nachfolgealbum &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sheer_Heart_Attack\">Sheer Heart Attack<\/a>&#8222;, dessen Titelsong indes erst drei Jahre sp\u00e4ter auf &#8222;News Of The World&#8220; landete&#8230; Die progressiven Anteile wurden zur\u00fcckgefahren, die Songs etwas zug\u00e4nglicher gestaltet, und pl\u00f6tzlich war die Band hitverd\u00e4chtig. Der Opener <em>Brighton Rock<\/em> war und relativ (ha!) irrelevant, weil er eigentlich nur den Rahmen f\u00fcr ein ausgedehntes Gitarrensolo bildet, bei dem Brian May gegen sein eigenes Echo spielt. Danach folgt schon die erste gro\u00dfe Hitsingle der Band, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2ZBtPf7FOoM\"><em>Killer Queen<\/em><\/a>. Glam Rock at its finest, insbesondere textlich. Danach folgt ein wildes Medley von drei zusammenh\u00e4ngenden Songs, bevor mit <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3OSd17ko3O4\"><em>Now I&#8217;m Here<\/em><\/a> ein ziemlich unterbewerteter Hit folgt, bei dem die Band es so richtig krachen l\u00e4sst. In eine \u00e4hnliche Kerbe schl\u00e4gt <em>Stone Cold Crazy<\/em>, was sp\u00e4ter von Metallica gecovert wurde. Daneben gibt es wie \u00fcblich weitere stilistische Ausfl\u00fcge in alle Genres und Gebiete, die sich sonst niemand trauen w\u00fcrde. Ebenfalls gro\u00dfes Kino, und dass eine Band zwei derartige Alben in einem Jahr auf die Menschheit loslassen kann, sowas gibt es ja heutzutage gar nicht mehr.<\/p>\n<p>Aus dem gleichen Jahr stammen die Aufnahmen von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Live_at_the_Rainbow_%2774\"><em>Live at the Rainbow<\/em><\/a>, dass allerdings erst 2014 ver\u00f6ffentlicht wurde. Queen war eine legend\u00e4re Liveband, wobei die allermeisten Mitschnitte aus ihrer sp\u00e4teren Stadionphase stammen (Wembley 1986 zum Beispiel). Hier sind sie noch roh und hart rockend unterwegs, mit wilden Kost\u00fcmen und passender Theatralik und Dramatik. In der Setlist stehen s\u00e4mtliche relevanten Songs der ersten drei Alben, insbesondere eine erweiterte Fassung von <em>White Queen<\/em> mit mehr Piano in der Mitte, wohingegen viele andere Songs zu Medleys zusammengefasst wurden. Am Ende wird dann purer Rock&#8217;n&#8217;Roll zelebriert, indem <em>Jailhouse Rock<\/em> und andere Klassiker gecovert werden. Das Konzert sollte man sich als Bluray zulegen, die visuelle Komponente war bei Queen ja stets sehr bedeutsam. F\u00fcr Einsteiger ist das eher nix, weil so gut wie keiner der bekannten Hits enthalten ist, daf\u00fcr gibt es aber eben viele Songs, die sp\u00e4ter keinen Platz mehr in der Setlist fanden.<\/p>\n<p>Damit springen wir mal f\u00fcnf Jahre weiter und landen bei der damals ersten offiziellen Livescheibe der Bandgeschichte &#8211; <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Live_Killers\">Live Killers<\/a>. Das war ein Doppel-Livealbum, wie man es in den 70ern halt so machte. Das Coverfoto vor der grandiosen Lichtanlage macht was her (das waren damals noch keine LEDs, ich m\u00f6chte nicht wissen, wie viel Hitze das auf die B\u00fchne strahlte). Aufgenommen wurden die Songs im Fr\u00fchjahr 1979, zum Gro\u00dfteil am 2. Februar in Frankfurt. Allerdings (die Auflistung bei Wikipedia zeigt es) wurde da wild herumgemixt und Spuren verschiedener Konzerte in den gleichen Song zusammengeschmissen. Das erzeugt nicht unbedingt ein klanglich gutes Ergebnis, auch die Setlist ist eher eine Sehrgemischtwarenkiste. Spannend ist die schnelle Version von <em>We Will Rock You<\/em> als Opener (die Version gab es sonst nirgends), danach geht es quer durch die Hits der bis dahin ver\u00f6ffentlichten Alben (die ja die aus Fansicht st\u00e4rkste \u00c4ra der Band bilden) &#8211; mit Ausnahme von &#8222;Queen II&#8220;. <em>Brighton Rock<\/em> wird gitarrensolistisch auf weit \u00fcber 10 Minuten ausgewalzt, andere Songs hingegen wurden gek\u00fcrzt und zu Medleys zusammengefasst (<em>Killer Queen<\/em> und <em>Bicycle Race<\/em> sowie <em>I&#8217;m In Love With My Car<\/em>). Es gibt leider bis heute keinen kompletten Mitschnitt eines Konzerts aus den sp\u00e4ten Siebzigern als offizielles Tondokument, allerdings unz\u00e4hlige Fan-Edits auf Youtube.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter hatte sich der Sound der Band komplett gewandelt. &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Works_(Queen_album)\">The Works<\/a>&#8220; erschien 1984 und markiert den H\u00f6hepunkt der kommerziellen Phase der Band. Mindestens zwei Songs geh\u00f6ren dank ikonischer Videos zu den ganz gro\u00dfen Klassikern der Bandgeschichte, auch wenn sie nicht mehr viel mit dem pomp\u00f6sen Rock aus den 70ern zu tun haben &#8211; da komme ich gleich noch drauf zur\u00fcck. Hart gerockt wird allerdings auch, <em>Hammer To Fall<\/em> und <em>Tear It Up<\/em> sind zeitgem\u00e4\u00df aufpolierte Songs, die zeigen, dass Brian May es gern \u00f6fter h\u00e4tte krachen lassen, w\u00e4hrend Freddie stilistisch auf ganz anderen Bahnen unterwegs war, woran die Band in jener Zeit beinahe zerbrochen w\u00e4re. <em>Is This The World We Created&#8230;?<\/em> und <em>It&#8217;s A Hard Life<\/em> sind nette Balladen, wobei das Musikvideo zu letzterem zum Fremdsch\u00e4men ist. Die beiden gro\u00dfen Klassiker der Scheibe sind nat\u00fcrlich <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=azdwsXLmrHE\"><em>Radio Ga Ga<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=f4Mc-NYPHaQ\"><em>I Want To Break Free<\/em><\/a>, wobei das Video zu letzterem der Band in den USA das Genick gebrochen hat &#8211; die Bandmitglieder in Frauenklamotten, das war zu viel f\u00fcr die pr\u00fcden Amis. Die Band verzichtete auf eine Nordamerikatour, was quasi kommerzieller Selbstmord war. Aus bekannten Gr\u00fcnden gab es auch danach nie mehr eine Tour durch Nordamerika.<\/p>\n<p>Damit sind wir beim letzten Album f\u00fcr heute: &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Miracle_(album)\">The Miracle<\/a>&#8220; erschien 1989, nach \u00fcber einem Jahr Aufnahmezeit, und war eine teilweise Abkehr von kommerziellen Sounds, wieder mehr hin zu den progressiven Sachen der 70er. Der Band war klar, dass es aufgrund Freddies fortschreitender Erkrankung keine Liveaktivit\u00e4ten mehr geben w\u00fcrde, also brauchte man bei den Songs auch nicht mehr darauf achten, ob sie live aufgef\u00fchrt werden k\u00f6nnten. Das Titelst\u00fcck ist eine der komplexesten Nummern seit den sp\u00e4ten 70ern, \u00e4hnliches gilt f\u00fcr <em>Was It All Worth It<\/em>. Eher locker flockig poppig kommen <em>Rain Must Fall<\/em> und <em>My Baby Does Me<\/em> daher, <em>Breakthru<\/em> ist eine flotte Rocknummer und die absolute Vollbedienung in Sachen Rock gibt es bei <em>I Want It All<\/em>. Zu f\u00fcnf Songs wurden teils aufwendige Videos gedreht (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CEjU9KVABao\"><em>Breakthru<\/em><\/a> auf einem Plattformwagen hinter einer Damplok, ziemlich irre, keine Ahnung welche Versicherung das genehmigt hat&#8230;)<\/p>\n<p>Was macht man nun mit sechs solchen Alben? Man kann schwerlich eines wirklich weglassen &#8211; man w\u00fcrde damit immer wesentliche Punkte der Bandgeschichte ignorieren &#8211; die progressiv-pomp\u00f6se Anfangszeit, der Aufstieg zur Stadion-Rockband, die kommerziell erfolgreiche Phase der Achtziger und die R\u00fcckbesinnung auf progressivere Kl\u00e4nge zum Ende der 80er hin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Woche ist relativ vorbei (zum Gl\u00fcck), sie war auch relativ kurz (zum Gl\u00fcck) und das Wetter ist auch relativ brauchbar im Moment. Und Einstein ist trotz relativer Theorien absolut tot. Aber was hei\u00dft das schon, relativ? Ist sechs relativ viel oder relativ wenig? Sechs Platten im Schrank? Relativ wenig. 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