{"id":4737,"date":"2024-05-09T09:55:35","date_gmt":"2024-05-09T07:55:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4737"},"modified":"2024-05-09T09:55:35","modified_gmt":"2024-05-09T07:55:35","slug":"album-der-woche-222","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/05\/09\/album-der-woche-222\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Heute ist Feiertag, deswegen gibt es den relevanten Beitrag zum Album der Woche schon am Vormittag. Und au\u00dferdem geht es diese Woche auch um die Erf\u00fcllung eines Bildungsauftrages, denn dusslig rumlabern k\u00f6nnt ja jeder&#8230; Und bei genauerer Betrachtung hat sogar der Feiertag was mit dem Album der Woche zu tun&#8230; Aber der Reihe nach:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Beginnen wir mal mit einer Geschichtsstunde: Fr\u00fcher, als wir noch einen Kaiser hatten (also ich meine den Kaiser, der Anfang der 70er damit besch\u00e4ftigt war, den Pokal der Landesmeister nach M\u00fcnchen zu holen &#8211; heute hingegen hat mein fr\u00fcherer Kollege als gl\u00fchender Bayernfan gute Gr\u00fcnde zum Saufen, nachdem sie gestern abend im Halbfinale gegen Real Madrid gescheitert sind, h\u00e4h\u00e4) wurden viel mehr Briefe und Postkarten verschickt. Und damit die ankommen, wurde ein System von sogenannten Postleitzahlen entwickelt. Das braucht man heutzutage nur noch, damit die Pakete von amazon, zalando und co. den Weg zur Packstation finden. Heutzutage sind die in Deutschland f\u00fcnfstellig und k\u00f6nnen damit auch nicht mehr mit den Pin-Nummern von der EC-Karte verwechselt werden. Fr\u00fcher, als wir noch einen Kaiser hatten (der damals die Fu\u00dfballschuhe gegen ein Sakko getauscht hatte und kurz davor stand, lizenzfrei als &#8222;Trainer&#8220; bzw. Teamchef die Nationalelf gegen Maradona antreten zu lassen) waren diese Nummern noch vierstellig.<\/p>\n<p>Eingef\u00fchrt wurden die Postleitzahlen \u00fcbrigens (und das wusste ich tats\u00e4ch bisher auch nicht) infolge des Zweiten Weltkrieges, um die halbwegs p\u00fcnktliche Zustellung der Post auch in den besetzten Gebieten bzw. durch ungelernte Fremdarbeiter zu gew\u00e4hrleisten. Damals noch ein- bis zweistellig, wurden die System in den 1960er Jahren dann vierstellig und in Ost und West unterschiedlich. Witzigerweise hab ich nach wie vor die f\u00fcr mich damals relevanten Zahlen im Kopf (4090, 9022 und 3256). Da beide Systeme Nummern doppelt vergaben musste nach der Wiedervereinigung das f\u00fcnfstellige System eingef\u00fchrt werden. Soweit der historische Abriss, nun aber endlich zum Album der Woche:<\/p>\n<p>Das erf\u00fcllte n\u00e4mlich den v\u00f6llig irrelevanten Bildungsauftrag, quasi jedem Bundesb\u00fcrger begreiflich zu machen, welche Postleitzahl eine ganz bestimmte Stadt (damals) hatte. Diese liegt im tiefen Westen, wo die Sonne verstaubt. Richtig, diese Woche sind wir bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herbert_Gr%C3%B6nemeyer\">Herbert Gr\u00f6nemeyer<\/a> und seinem wie ich finde gr\u00f6\u00dften Album &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/4630_Bochum\">4630 Bochum<\/a>&#8220; (und mein Studienkumpel Bj\u00f6rn wird mir nun wieder was von wegen &#8222;alternativer Musikauswahl&#8220; erz\u00e4hlen wie vor zwei Wochen bei Abba schon, hihi).<\/p>\n<p>Auf jeden Fall erschien das Album am 11. Mai 1984 (wenn man Wikipedia trauen kann), also ziemlich genau vor 40 Jahren. Das Album war der Gr\u00f6nemeyers Durchbruch als S\u00e4nger in Deutschland, vorher hatte er haupts\u00e4chlich als Schauspieler am Theater und im TV gespielt. Ebenso hatte er 1981 die Quasi-Hauptrolle in &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Boot_(Film)\">Das Boot<\/a>&#8222;, was ich bis heute f\u00fcr die wichtigste TV- bzw. Kinoproduktion Deutschlands halte. Seine ersten vier Alben, erschienen zwischen 1979 und 1983, hingegen waren ziemlich erfolglos. All das sollte sich nun aber \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Unter den zehn Songs des Albums sind quasi keine Ausf\u00e4lle, einige St\u00fccke z\u00e4hlen bis heute zu den erfolgreichsten in seiner Karriere und entwickelten ein Eigenleben weit \u00fcber den Kontext des Albums hinaus. Das beginnt schon beim er\u00f6ffnenden <em>Bochum<\/em>, was inzwischen quasi zur inoffiziellen Hymne der Stadt (&#8222;Hier, wo das Herz noch z\u00e4hlt, nicht das gro\u00dfe Geld&#8220;) und seines Fu\u00dfballvereins (&#8222;machst mit &#8217;nem Doppelpass jede Abwehr nass&#8220;) geworden ist.<\/p>\n<p>Direkt danach folgt mit <em>M\u00e4nner<\/em> sein vermutlich gr\u00f6\u00dfter Hit. Je nach Sichtweise ist es ein Abgesang auf Machos (&#8222;M\u00e4nner haben Muskeln, M\u00e4nner sind furchtbar stark, M\u00e4nner k\u00f6nnen alles, M\u00e4nner kriegen &#8217;nen Herzinfarkt&#8220;), eine Satire (&#8222;M\u00e4nner kriegen keine Kinder, M\u00e4nner kriegen d\u00fcnnes Haar, M\u00e4nner sind auch Menschen, M\u00e4nner sind etwas sonderbar&#8220;) oder das Eingest\u00e4ndnis dass es M\u00e4nner eben auch nicht einfach haben im Leben &#8211; es traf jedenfalls den Nerv der Zeit, in der Ina Deter ja &#8222;neue M\u00e4nner braucht das Land&#8220; proklamiert hatte. Und die Frage &#8222;Wann ist ein Mann ein Mann?&#8220; ist tats\u00e4chlich bis heute relevant, Stichwort &#8222;toxische M\u00e4nnlichkeit&#8220;. Der Song wurde im Sommer 1984 als Single ver\u00f6ffentlicht und landete in den Top 10. Selbstredend bietet sich das St\u00fcck zum Covern und Verfremden an, so dichteten J.B.O. es 1995 textlich recht fies auf Frauen um (&#8222;werden als Kind schon auf blond gebleicht&#8220;), wohingegen die Toten Hosen es als Vehikel f\u00fcr ihre Animosit\u00e4t bez\u00fcglich einer am Rhein gelegenen Gro\u00dfstadt nutzten: &#8222;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hY0maOdK1OA\">Warum gibt es K\u00f6ln?<\/a>&#8222;. Dar\u00fcber hinaus wurde der Song nat\u00fcrlich im soziokulturellen Kontext wissenschaftlich seziert und z\u00e4hlt unterm Strich irgendwie zu den wichtigsten deutschsprachigen Songs der Popmusikgeschichte. Muss man auch erst mal hinbekommen sowas.<\/p>\n<p>Nach diesen flotten Popnummern folgt nun eine schwerm\u00fctige Ballade &#8211; <em>Flugzeuge im Bauch<\/em>. Der Song \u00fcber eine kaputte Beziehung funktioniert f\u00fcr mich nicht so richtig, wenn ich Flugzeuge im Bauch f\u00fchltee lag das bisher immer daran, dass ich zu viel oder das falsche oder zu viel vom falschen gefuttert hatte und dies dann m\u00f6glichst schnell wieder aus dem Magen raus wollte. Gr\u00f6\u00dferen Erfolg hatte die (f\u00fcr mich v\u00f6llig unh\u00f6rbare) Coverversion eines gewissen Oli P in den 90er Jahren.<\/p>\n<p>Allerdings geht es danach gleich weiter mit einem gro\u00dfen Klassiker, der dann auch einen Bezug zum heutigen Feiertag hat (M\u00e4nnertag, Vatertag, Christi Himmelfahrt, egal): <em>Alkohol<\/em>, eine &#8222;Hymne&#8220; mit treffsicherem Text (&#8222;Alkohol ist das Drahtseil auf dem du stehst, Alkohol ist das Schiff mit dem du untergehst&#8220;). Der Song war ebenfalls eine Single, wenn auch damals ohne gr\u00f6\u00dferen Erfolg.<\/p>\n<p>Die restlichen sechs Songs sind neben diesen St\u00fccken irgendwie etwas untergegangen, obwohl es da einige Perlen zu entdecken gibt: <em>Amerika<\/em> kritisiert die weltpolitische Rolle der damals von Reagan regierten USA (&#8222;lad Russland endlich zu dir ein, einigt, entr\u00fcstet euch, Amerika. Oder schie\u00dft euch gemeinsam auf den Mond, schlagt euch dort oben, er ist unbewohnt&#8220;). <em>F\u00fcr Dich Da<\/em> ist ein Lied \u00fcber Liebe (&#8222;Ich bin f\u00fcr Dich da, auch wenn die Welt durchdreht&#8220;), <em>Jetzt oder Nie<\/em> ist heute aktueller als damals (&#8222;Das Fernsehen redet uns tot, Pflanzen sterben an Atemnot, wir warten immer zu lange, die Zeit rennt weg, wir m\u00fcssen&#8217;s angehen&#8220;), <em>Fangfragen<\/em> ist eine oberfl\u00e4chlich flotte lustige Nummer mit einem fiesen Text \u00fcber Eifersucht, w\u00e4hrend <em>Erwischt<\/em> das Kribbeln des Verliebtseins textlich wundervoll auf den Punkt bringt (&#8222;Du hast mich restlos aufgetaut, ich schmelz dahin, machst mir st\u00e4ndig eine G\u00e4nsehaut, v\u00f6llig von Sinnen&#8220;).<\/p>\n<p>Den Rausschmei\u00dfer der Scheibe bildet die k\u00fcrzeste Nummer des Albums: <em>Mambo<\/em> ist flott und tanzbar und hat einen \u00fcberaus witzigen Text (&#8222;Ich dreh&#8216; jetzt schon seit Stunden hier so meine Runden. Es trommeln die Motoren, es dr\u00f6hnt in meinen Ohren. Ich finde keinen Parkplatz, ich komm&#8216; zu sp\u00e4t zu Dir mein Schatz.&#8220;) &#8211; kann mir nicht passieren, ich fahre Bahn (da komme ich aus anderen Gr\u00fcnden zu sp\u00e4t, hrhr).<\/p>\n<p>Fazit: Einige der wichtigsten Songs der deutschen Popgeschichte sind auf diesem Album versammelt, allein schon deswegen sollte man es kennen, auch wenn man sonst mit Popmusik nicht viel anfangen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist Feiertag, deswegen gibt es den relevanten Beitrag zum Album der Woche schon am Vormittag. 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