{"id":4733,"date":"2024-05-02T19:04:16","date_gmt":"2024-05-02T17:04:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4733"},"modified":"2024-05-02T19:04:16","modified_gmt":"2024-05-02T17:04:16","slug":"album-der-woche-221","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/05\/02\/album-der-woche-221\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Alles neu macht der Mai! Alles? Nicht alles. Irgendwo im mittleren Franken sitzt nach wie vor ein Wirrkopf, der jede Woche mehr oder minder relevante Alben aus seinem Schrank zieht und sie zum Album der Woche k\u00fcrt. Und nachdem es letzte Woche hinterher hie\u00df, es sei spannend wenn ich alternative Musikrichtungen diskutiere (dabei sind Abba alternativlos&#8230;), wird es diese Woche vermutlich todlangweilig, weil der Grundsatz jetzt wieder hei\u00dft &#8222;Wenns nicht rockt, ists f\u00fcrn Arsch&#8220;.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Am meisten rockte es selbstverst\u00e4ndlich in den glorreichen 80er Jahren, da hatte die Welt noch Struktur: Elektrische Gitarren waren verd\u00e4chtig, und Heavy Metal war noch gef\u00e4hrlicher als die Kommunisten. Um Kommunisten geht es aber auch \u00fcberhaupt nicht, sondern nur um grell geschminkte Typen in seltsam femininen Klamotten, die von New York aus zum gr\u00f6\u00dften B\u00fcrgerschreck Amerikas wurden. Nein, Kiss sind nicht gemeint, die hatten ihre Masken abgelegt und wurden erst Jahre sp\u00e4ter wieder relevant. Die Rede ist von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Twisted_Sister\">Twisted Sister<\/a>. Und die haben in ihrer Karriere nur drei Alben ver\u00f6ffentlicht (so wie es auch nur drei Indy Jones Filme gibt), l\u00f6ste sich dann einfach auf, nur um reichlich 15 Jahre sp\u00e4ter ein triumphales Comeback zu feiern und live alles abzur\u00e4umen, ohne das Verm\u00e4chtnis durch halbgare neue Alben in den Schmutz zu ziehen (jaja, ein d\u00e4mliches Album mit Weihnachtsliedern ignorieren wir da einfach mal). Anyway, der langen Vorrede kurzer Sinn:<\/p>\n<p>Das Album der Woche hei\u00dft &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Stay_Hungry_(album)\">Stay Hungry<\/a>&#8220; und erschien 1984. Mit dem Cover erschreckt man auf jeden Fall schon mal jede brave Hausfrau, wichtiger ist aber wie immer der Inhalt, und der rockt &#8211; wie der Opener der zweiten Seite unmissverst\u00e4ndlich verk\u00fcndet. Die Band hatte zu dieser Zeit &#8211; 12 Jahre nach ihrer Gr\u00fcndung den Dreh raus, eing\u00e4ngige Hits zu schreiben, und die gibts hier zu Hauf. Im \u00dcbrigen zog die Band Fans aus allen Bereichen an, egal ob Punks oder Rocker, sie standen mit Lemmy auf der gleichen B\u00fchne und hatten damit sowieso g\u00f6ttlichen Segen. Ebenso wichtig war aber auch die Heavy Rotation beim damals noch real existierenden Musikfernsehen. Und da liefen die Videos zu den beiden Singles der Scheibe und sorgten so f\u00fcr hohe Verkaufszahlen.<\/p>\n<p>Aber der Reihe nach: Das Album wird vom recht durchschnittlichen Titelsong er\u00f6ffnet, bevor der \u00dcberhit der Platte durch die Boxen schallt: <em>We&#8217;re Not Gonna Take It<\/em> ist einer der gr\u00f6\u00dften Rocksongs \u00fcberhaupt. Was die Jungs da eigentlich nicht mehr (hin)nehmen wollen ist nicht so ganz klar, J.B.O. m\u00fcnzten es Jahre sp\u00e4ter auf Drogen um, fehlgeleitete Republikaner waren der Meinung, Twisted Sister w\u00fcrden gegen linke Extremisten auftreten (sehr zur Belustigung von S\u00e4nger Dee Snider, der daf\u00fcr Jahre sp\u00e4ter auf twitter sehr deutliche Worte fand). \u00dcberhaupt war Dee Snider ja noch nie um Aussagen verlegen, man muss sich mal seine Aussagen vor dem Kongress reinziehen, als er Mitte der 80er Jahre in Sachen &#8222;Parental Advisory&#8220; und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Parents_Music_Resource_Center\">PMRC<\/a> aussagte, weil Twisted Sister ins Fadenkreuz von Tipper Gore und anderen komischen Gestalten geraten waren. Immerhin waren sie da in guter Gesellschaft mit Judas Priest, AC\/DC, Mercyful Fate oder Black Sabbath. Aber ich schweife ab &#8211; <em>We&#8217;re Not Gonna Take It<\/em> ist jedenfalls unkaputtbar.<\/p>\n<p>In eine \u00e4hnliche Kerbe, wenn auch deutlich d\u00fcsterer, schl\u00e4gt <em>Burn In Hell<\/em>. Die erste Seite des Albums wird dann schleppend vom l\u00e4ngsten Song abgerundet: <em>Horror-Teria<\/em> besteht aus zwei Teilen und h\u00e4tte so mancher Black Metal-Kapelle zur Ehre gereicht. Die zweite Seite kommt wieder positiver daher, beim er\u00f6ffnenden <em>I Wanna Rock<\/em> ist der Name Programm (auch wenn damals beim Konzert in Balingen die Besucher beim Mitsingen in der Abwandlung I Wanna F**k deutlich lauter waren). Eine Art Halbballade hat die Band auch im Programm, <em>The Price<\/em> punktet in erster Linie mit einem \u00fcberraschend tiefgr\u00fcndigen Text. Die folgenden <em>Don&#8217;t Let Me Down<\/em> und <em>The Beast<\/em> fallen geringf\u00fcgig ab (aber wirklich nur geringf\u00fcgig), bevor als Rausschmei\u00dfer noch das kryptisch betitelte <em>S.M.F.<\/em> rausgekramt wird. Der Song h\u00e4tte die Aufmerksamkeit des PMRC verdient gehabt \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Fazit: Drei Weltklassehits, drei Hits, die zumindest live bis zum Ende einen Stammplatz hatten, und der Rest sind versteckte Perlen, die nur deswegen nicht den gro\u00dfen Bekanntheitsgrad haben, weil man neben <em>We&#8217;re Not Gonna Take It<\/em> eben doch den k\u00fcrzeren zieht. F\u00fcr das beste Album der Bandkarriere reicht es trotzdem locker.<\/p>\n<p>Und weil MTV heutzutage youtube hei\u00dft gibt es hier noch die passenden Videos: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=V9AbeALNVkk\">We&#8217;re Not Gonna Take It<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SRwrg0db_zY\">I Wanna Rock<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UpfZcEjopYE\">The Price<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles neu macht der Mai! Alles? Nicht alles. Irgendwo im mittleren Franken sitzt nach wie vor ein Wirrkopf, der jede Woche mehr oder minder relevante Alben aus seinem Schrank zieht und sie zum Album der Woche k\u00fcrt. 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