{"id":4704,"date":"2024-03-07T20:14:23","date_gmt":"2024-03-07T19:14:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4704"},"modified":"2024-03-07T20:14:23","modified_gmt":"2024-03-07T19:14:23","slug":"album-der-woche-213","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/03\/07\/album-der-woche-213\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Aus Gr\u00fcnden (zu viel um die Ohren) kommt dieser Eintrag eigentlich einen Tag zu sp\u00e4t. Gestern hatte n\u00e4mlich nicht nur <a href=\"https:\/\/www.openttd.org\/\">OpenTTD<\/a> 20. Geburtstag (und vielleicht bin ich aktuell mal wieder v\u00f6llig darin versackt&#8230;), gestern hatte auch eine ebenso wichtige wie einflussreiche und umstrittene Pers\u00f6nlichkeit Geburtstag. Und deswegen kann man da nun eben auch mit Versp\u00e4tung (was die Bahn kann, kann ich schon lange) noch auf ein paar passende Alben gucken, auf denen diese Person am Bass herumfuhrwerkt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Geburtstagskind hei\u00dft Joey DeMaio und wurde schlappe 70 Jahre jung. Bekannt ist der gute Joey selbstverst\u00e4ndlich als Begr\u00fcnder von Manowar, der truesten und st\u00e4hlernsten aller Metalbands. Gut, in \u00fcber 40 Jahren Bandgeschichte kam auch so mancher Schwachfug bei rum, das letzte aus meiner Sicht ernstzunehmende Album ist auch schon wieder \u00fcber 20 Jahre her, aber in den 1980ern wurde von der Band so einiges an echtestem rostfreien Edelstahl geschmiedet.<\/p>\n<p>Begeben wir uns daher zur\u00fcck ins Jahr 1984, da erschienen n\u00e4mlich gleich zwei Alben der Band: Den Anfang machte im Fr\u00fchjahr &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hail_to_England\">Hail To England<\/a>&#8222;. Warum man nun ausgerechnet England hochleben lassen will sei dahingestellt, aber Tobias Sammet lieferte sp\u00e4ter die kurze und pr\u00e4gnante Begr\u00fcndung &#8222;England&#8217;s got Steve Harris&#8220; (und au\u00dferdem die Beatles, Stones, The Who, Led Zeppelin, Black Sabbath, Deep Purple, Judas Priest und dr\u00f6lfzigtausend andere Bands). Auf jeden Fall liefern Manowar unter der Federf\u00fchrung des Majon\u00e4sen-Joey (er schrieb fast alle Songs im Alleingang) sieben Kostproben solidester Schmiedekunst ab. Die meisten Songs kommen in etwas \u00fcber vier Minuten auf den Punkt, nur das abschlie\u00dfende Epos <em>Bridge Of Death<\/em> braucht f\u00fcr seinen Spannungsbogen knapp neun Minuten, wohingegen das instrumentale <em>Black Arrows<\/em> zum Gl\u00fcck schon nach drei Minuten vorbei ist.<\/p>\n<p>Die Texte sind (ich schrieb es in fr\u00fcheren Beitr\u00e4gen zur Band schon) nat\u00fcrlich alle aus dem powermetallischen Textbaustein-Baukasten (kill, death, fight, blood, enemy, steel, power und so weiter). Damit muss man klarkommen. S\u00e4nger Eric Adams schreit sich die Seele aus dem Leib, und so stapft das Album unaufhaltsam durch die Weltgeschichte, um die Fahne des wahren Metal hochzuhalten und so. Es ist ziemlich m\u00fc\u00dfig hier besondere Songs herauszugreifen, allein die ersten vier Songs sind feinstes Klassikerfutter, mein Favorit ist aber gerade das abschlie\u00dfende <em>Bridge Of Death<\/em> weil wegen ist episch as fuck, d\u00fcster und schleppend und schwerstens d\u00e4monisch (immerhin geht es um einen Pakt mit dem Teufel).<\/p>\n<p>Fazit: Muss man als Metal-Fan zumindest kennen, nur an der Produktionsqualit\u00e4t k\u00f6nnte man aus heutiger Sicht herumkritisieren.<\/p>\n<p>Und weil man damals auch zwei Klassiker-Alben in einem Kalenderjahr aufnehmen konnte wurde im Herbst &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sign_of_the_Hammer\">Sign Of The Hammer<\/a>&#8220; nachgeschoben. Erneut schrieb Joey De Maio fast das ganze Album im Alleingang, hier ist alles noc heine Spur pomp\u00f6ser, es gibt es gleich zwei Songs von \u00fcber sieben Minuten L\u00e4nge, ein unn\u00f6tiges Instrumentalst\u00fcck ist auch wieder mit von der Partie und textlich geht es nicht nur um den erw\u00e4hnten Textbaukasten, sondern auch um nordische Mythologie, das Ende der Welt und auch mal viel banalere Sachen wie Lautst\u00e4rke.<\/p>\n<p>So wird das Album mal gleich mit <em>All Men Play On Ten<\/em> er\u00f6ffnet, was nat\u00fcrlich Bl\u00f6dsinn ist, weil seit Spinal Tap jeder wei\u00df, dass man die Verst\u00e4rker auf 11 dreht. Au\u00dferdem kann jeder Depp laut spielen, echte M\u00e4nner beherrschen hingegen auch die leisen T\u00f6ne (hab ich mir sagen lassen). Aber mit so differenzierten Sichtweisen braucht man Manowar nicht kommen, da gibt es voll auf die Zw\u00f6lf. Der Bass kl\u00f6nkt, Eric Adams gurgelt Rasierklingen, und ungef\u00e4hr so klingt es dann eben auch. Meine Favoriten sind wieder die l\u00e4ngeren und epischeren St\u00fccke, einfach weil da musikalisch mehr passiert und die Band zwischendrin tats\u00e4chlich mal das Tempo rausnimmt und ein paar Melodien Zeit zum Atmen gibt. Danach wirken schnelle Abrissbirnen wie <em>The Oath<\/em> gleich viel heftiger. Das abschlie\u00dfende <em>Guyana (The Cult Of The Damned)<\/em> bildet den epischen Abschluss, da l\u00e4uft die Band zu allerh\u00f6chster Hochform auf, und beim Refrain kriege ich regelm\u00e4\u00dfig G\u00e4nsehaut, was sicher auch dem textlichen Inhalt geschuldet ist.<\/p>\n<p>Da aller guten Dinge drei sind gibt es als Zugabe noch ein Livealbum aus dem sch\u00f6nen Jahr 1999. Das Doppelalbum hei\u00dft &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hell_on_Stage\">Hell On Stage<\/a>&#8220; und enth\u00e4lt 16 Songs aus s\u00e4mtlichen Abschnitten der damaligen Bandgeschichte, darunter auch viele selten gespielte Fan-Favoriten. So sind eben gerade <em>Bridge Of Death<\/em> und <em>Guyana (Cult Of The Damned)<\/em> als einzige Songs der vorher erw\u00e4hnten Alben vertreten. Aber wenn man ein halbes Dutzend Klassikeralben herausgebracht wird kann man es eh niemandem recht machen, jeder wird da Songs vermissen.<\/p>\n<p>Am kultigsten sind jedoch die Bonus-CDs, die es in verschiedenen L\u00e4ndern gab: Die Franzosen bekamen eine witzige Coverversion von Lady Marmalade (Voulez-Vouz Coucher Avec Moi Ce Soir?) (&#8222;all the brothers of Manowar fuck hard and fast, Scott, give us the fast beat!&#8220; und dann br\u00fcllt die Menge den Refrain &#8211; zum Wegschmei\u00dfen komisch). Wesentlich gehaltvoller ist hingegen die auf franz\u00f6sisch gesungene Version von <em>Courage<\/em>. Die deutsche Bonus-CD enth\u00e4lt unter anderem die Nummer <em>Herz aus Stahl<\/em> mit genialer Ansage, aufgenommen im S\u00fcdbahnhof zu Chemnitz (&#8222;you know, we&#8217;ve played here before, and Chemnitz is one crazy heavy fuckin&#8216; Stadt&#8220;). Die Portugiesen und Spanier bekamen unter anderem verschiedene Versionen von <em>Kill With Power<\/em> (warum muss ich da spontan an Stromschl\u00e4ge und AC\/DC denken?).<\/p>\n<p>Fazit: Selbst ohne die Bonus-Beigaben ist das Album die wohl beste Livescheibe der Band und bietet einen guten Querschnitt \u00fcber die besten Songs. Au\u00dferdem gewinnen die meisten Songs durch die druckvolle Produktion nochmal ordentlich, das war ja bei den fr\u00fchen Studioaufnahmen alles eher ausbauf\u00e4hig.<\/p>\n<p>In diesem Sinne &#8211; nachtr\u00e4glich alles Gute zum Geburtstag lieber Joey. Und wenn er bis dahin nicht f\u00fcr den Metal gestorben ist, dann feiert er n\u00e4chstes Jahr wieder Geburtstag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Gr\u00fcnden (zu viel um die Ohren) kommt dieser Eintrag eigentlich einen Tag zu sp\u00e4t. Gestern hatte n\u00e4mlich nicht nur OpenTTD 20. Geburtstag (und vielleicht bin ich aktuell mal wieder v\u00f6llig darin versackt&#8230;), gestern hatte auch eine ebenso wichtige wie einflussreiche und umstrittene Pers\u00f6nlichkeit Geburtstag. 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