{"id":4697,"date":"2024-02-22T18:24:59","date_gmt":"2024-02-22T17:24:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4697"},"modified":"2024-02-22T18:24:59","modified_gmt":"2024-02-22T17:24:59","slug":"album-der-woche-211","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2024\/02\/22\/album-der-woche-211\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Auch in dieser Woche gibt es wieder einen Rundumschlag mit mehreren kurzen Besprechungen, da ich mich nicht so recht entscheiden konnte, welches der relevanten Alben das eine Album der Woche sein k\u00f6nnte. Immerhin existiert die Band schon seit ungef\u00e4hr 1968 und hat in dieser Zeit unz\u00e4hlige Gitarristen, Bassisten und S\u00e4nger verschlissen. Nur der Schlagzeuger ist von Anfang an dabei, das ist ja sonst immer die Position, wo wild herumgewechselt wird&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Band der Woche h\u00f6rt auf den Namen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deep_Purple\">Deep Purple<\/a> und ist in dieser Reihe ja schon mehrfach aufgetaucht. Die ganz gro\u00dfen Klassiker wurden alle abgefr\u00fchst\u00fcckt, also schauen wir mal, was da nun noch so \u00fcbrigbleibt.<\/p>\n<p>Gehen wir zun\u00e4chst mal zur\u00fcck ins Jahr 1969. Da erschien das Album &#8222;Deep Purple&#8220; als drittes Album der Bandgeschichte. Damals war die Band zwar in Amerika recht erfolgreich, in der Heimat aber noch ein recht unbeschriebenes Blatt. Musikalisch schwankte man noch zwischen psychedelischem Rock und Klassik-Adaptionen, der eigene Stil war noch nicht gefunden. Dann kamen Led Zeppelin und definierten die Grenzen des Hard Rock neu. Das beeindruckte insbesondere Gitarrist Ritchie Blackmore nachhaltig, wodurch sich die Ausrichtung der Band im Lauf des Jahres 1969 in diese Richtung bewegen sollte. Vorher war jedoch noch ein Album abzuliefern. Und das springt stilistisch noch zwischen diesen verschiedenen Richtungen, ohne wirklich zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>So gibt es einige relativ geradlinige Rocksongs (<em>Chasing Shadows<\/em>, <em>Bird Has Flown<\/em>), ein psychedelisches Cover eines Songs von Donovan (<em>Lalena<\/em>) und als einziges gro\u00dfes echtes Highlight ein zw\u00f6lfmin\u00fctiges dreiteiliges progressives St\u00fcck namens <em>April<\/em>, dessen Mittelteil von einem Orchester gespielt wird.<\/p>\n<p>Spannender als das Album ist hingegen die direkt darauf folgende Bandgeschichte: Im April war die Band auf US-Tour, wobei das Album dort noch gar nicht erschienen war, weil die amerikanische Plattenfirma quasi pleite war. Zu dieser Zeit hatte das Trio Blackmore, Lord und Paice die zuk\u00fcnftige Ausrichtung zu mehr Hard Rock bereits festgelegt, nur hielten sie ihren S\u00e4nger Rod Evans und den Bassisten Nick Simper f\u00fcr ungeeignet f\u00fcr diesen Stilwechsel. Schon w\u00e4hrend der Tour war klar, dass danach mit Ian Gillan und Roger Glover neue Leute einsteigen w\u00fcrden, die Stimmung in der Band war also ziemlich angespannt. Bereits im Juli 1969 stand das neue Lineup (das klassische Mark II-Lineup, welches danach die gro\u00dfen Klassiker &#8222;In Rock&#8220;, &#8222;Machine Head&#8220; und &#8222;Made In Japan&#8220; eint\u00fcten w\u00fcrde) live auf der B\u00fchne. Ebenfalls noch 1969 folgte das &#8222;Concerto For Group And Orchestra&#8220;, bei dem bereits eine Urversion von <em>Child In Time<\/em> dargeboten wurde.<\/p>\n<p>Fazit: Das Album &#8222;Deep Purple&#8220; ging damals v\u00f6llig unter, \u00fcberschattet vom folgenden Besetzungswechsel und dem wesentlich ambitionierteren Concerto For Group And Orchestra. Komplettisten sollten in <em>April<\/em> reinh\u00f6ren, aber wirklich zwingend ist das alles nicht.<\/p>\n<p>Also weiter im Text, n\u00e4chster Stopp ist im Jahr 1974. Da war gerade die Mark-II Besetzung zerbrochen, nachdem Ian Gillan und Roger Glover Mitte 1973 im Streit ausgestiegen waren. Deep Purple war zu diesem Zeitpunkt eine der gr\u00f6\u00dften Rockbands der Welt, entsprechend viel Presseecho hatten die Besetzungswechsel. Neu hinzu kamen David Coverdale (der nach seiner Zeit bei Deep Purple zusammen mit anderen fr\u00fcheren Mitgliedern Whitesnake aus der Taufe hob und bis heute anf\u00fchrt) sowie Glenn Hughes am Bass (sp\u00e4ter u.a. bei Black Sabbath und Black Country Communion sowieso solo aktiv) und ebenfalls am Mikro. Musikalisch verschob sich der Fokus dadurch wenig, der Hard Rock unter Federf\u00fchrung von Ritchie Blackmore wurde durch eine Prise Funk und Soul erg\u00e4nzt. Und so erschien Anfang 1974 das Album &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Burn_(Deep_Purple_album)\">Burn<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p>Unter den acht St\u00fccken des Albums ragen das Titelst\u00fcck (ein ganz typischer Rocker im klassischen Stil von Deep Purple) und eine Nummer namens <em>Mistreated<\/em> heraus. Letztere wurde sp\u00e4ter von Rainbow mit Ronnie James Dio am Mikro live in aller epischen Monumentalit\u00e4t zelebriert, auch David Coverdale bringt die Nummer mit Whitesnake nach wie vor gerne live. Die Funk-Einfl\u00fcsse h\u00f6rt man am ehesten in <em>You Fool No One<\/em>.<\/p>\n<p>Bereits im Herbst des gleichen Jahres erschien das n\u00e4chste Album &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Stormbringer_(album)\">Stormbringer<\/a>&#8222;. Hier kommen die musikalischen Einfl\u00fcsse gerade von Glenn Hughes mehr zum Tragen. Das Album hingegen ist eine eher zwiesp\u00e4ltige Angelegenheit. Das Titelst\u00fcck ist ok, aber keiner der ganz gro\u00dfen Klassiker, ansonsten sind noch das kurz und schmerzlos rockende Lady Double Dealer und die Ballade Soldier Of Fortune erw\u00e4hnenswert. Die restlichen Songs hinterlie\u00dfen keinen nachhaltigen Eindruck im reichhaltigen Fundus der Band.<\/p>\n<p>Ritchie Blackmore hatte keinen Bock auf die Einfl\u00fcsse von Funk und Soul, die Glenn Hughes einbrachte, stieg nach der Tour zum Album aus und formierte Rainbow mit Ronnie James Dio. Der Rest der Band machte mit dem neuen Gitarristen Tommy Bolin weiter, wobei diese Phase von massiven Drogenproblem bei Bolin und Hughes \u00fcberschattet war. Als Bolin Ende 1976 an einer \u00dcberdosis starb l\u00f6sten sich Deep Purple auf.<\/p>\n<p>Schlagzeuger Ian Paice und Organist Jon Lord landeten sp\u00e4ter bei Whitesnake, Roger Glover produzierte zahlreiche Alben u.a. f\u00fcr Judas Priest, Rory Gallagher und sp\u00e4ter sogar Rainbow. Und pl\u00f6tzlich war 1984 die Zeit reif f\u00fcr eine Reunion des Mark-II Lineups.<\/p>\n<p>Heraus kam das Album &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Perfect_Strangers_(album)\">Perfect Strangers<\/a>&#8222;. Aufgrund der Bandkonstellation und der Reunion gab es nat\u00fcrlich viel Wirbel, aber wenn man sich die Scheibe 40 Jahre sp\u00e4ter anh\u00f6rt, gibt es vor allem relativ unspektakul\u00e4ren Rock zu h\u00f6ren &#8211; nat\u00fcrlich klasse gespielt und produziert, aber es fehlt die Wildheit der fr\u00fchen 1970er. Lediglich das fett orgelnde Titelst\u00fcck wurde zu einem wirklichen Klassiker, erw\u00e4hnenswert ist noch <em>Knocking On Your Back Door<\/em>, die restlichen Songs sind solide Rocksongs, aber eben auch nicht viel mehr. Die Reunion hielt bis Anfang der 90er, danach war Ritchie Blackmore endg\u00fcltig Geschichte und die Band konnte mit Steve Morse neu durchstarten.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst: Vier Alben aus vier verschiedenen Epochen der Bandgeschichte, keins davon ein ganz gro\u00dfer Klassiker, aber zum Verst\u00e4ndnis der Bandgeschichte absolut relevant. Am ehesten w\u00fcrde ich noch &#8222;Burn&#8220; empfehlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch in dieser Woche gibt es wieder einen Rundumschlag mit mehreren kurzen Besprechungen, da ich mich nicht so recht entscheiden konnte, welches der relevanten Alben das eine Album der Woche sein k\u00f6nnte. 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