{"id":4633,"date":"2023-11-28T22:55:15","date_gmt":"2023-11-28T21:55:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4633"},"modified":"2023-11-28T22:55:15","modified_gmt":"2023-11-28T21:55:15","slug":"album-der-woche-199","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2023\/11\/28\/album-der-woche-199\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche waren wir im Jahr 1983 unterwegs, diese Woche kn\u00fcpfen wir direkt daran an und springen &#8211; so wie mein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Doctor_Who\">Lieblingsdoktor<\/a> &#8211; kreuz und quer durch die Zeit. Warum? Weil die heute zu besprechende Truppe erstaunlich viel Krach produziert hat, der in diesem Jahr runde oder halbrunde oder semi-eckige Jubil\u00e4en feiert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Band der Woche wurde &#8211; ich habs letzte Woche erw\u00e4hnt &#8211; ma\u00dfgeblich von Mercyful Fate beeinflusst und hat au\u00dferdem einen Typen aus D\u00e4nemark dabei, der eigentlich Tennisprofi h\u00e4tte werden k\u00f6nnen, dann aber doch nur Schlagzeuger in der gr\u00f6\u00dften Metalband Amerikas wurde. Richtig, Lars Ulrich, und entsprechend geht es heute um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Metallica\">Metallica<\/a>. Und weil das beste zum Schluss kommt, springen wir heute mal r\u00fcckw\u00e4rts durch die Zeit und arbeiten uns zum Urknall vor.<\/p>\n<p>Vor inzwischen auch schon wieder 15 Jahren erschien &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Death_Magnetic\">Death Magnetic<\/a>&#8222;, was aber vor lauter Riffs die Songs vermissen lie\u00df (so jedenfalls das von einem guten Kumpel (Hallo Bj\u00f6rn) aus einem Gespr\u00e4ch mit J.B.O. kolportierte Fazit). Die Songs allesamt \u00fcberlang, au\u00dferdem mies komprimiert und somit mit einem fies schlechten Klangbild verhunzt &#8211; man k\u00f6nnte meinen die Band wolle die Fehler aus einem 20 Jahre vorher erschienenen Album (da kommen wir gleich noch dazu) wiederholen. Nicht der gr\u00f6\u00dfte Knaller im Katalog der Band, aber auch nicht der gr\u00f6\u00dfte Rohrkrepierer.<\/p>\n<p>Einen guten Kandidaten f\u00fcr letzteres lieferten die Jungs 2003 ab, inzwischen also auch schon wieder vor 20 Jahren. &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/St._Anger\">St. Anger<\/a>&#8220; wurde ob der absolut unterirdischen Produktion v\u00f6llig zurecht komplett verrissen. Der eigentlich recht brauchbare Titelsong leidet besonders darunter, live hingegen war die Nummer um Welten besser, als ich sie um 2014 herum beim Rock im Park sah (war damals auch &#8217;ne bessere Show als zwei Tage sp\u00e4ter Iron Maiden). Die Songs kranken jedenfalls wieder am allgemeinen Problem der Riff-\u00dcberladung, zu viel, zu lang, zu wenig stringentes Songwriting. Vielleicht nicht der allergr\u00f6\u00dfte Stinker im Katalog, aber nicht weit weg davon.<\/p>\n<p>H\u00fcpfen wir also in die Phase, als Metallica noch richtig Metal waren, also vor dem Schwarzen Album. Im Jahr 1988 erschien &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/...And_Justice_for_All_(album)\">&#8230;And Justice For All<\/a>&#8222;, das erste volle Album nach dem Unfalltod von Basstier Cliff Burton. Auf eben dieses Album bezog ich mich zwei Abs\u00e4tze weiter oben &#8211; die Songs sind allesamt \u00fcberlang, enthalten n+1 Riffs und Tempiwechsel und alles leidet unter einer echt miesen Produktion mit quasi nicht vorhandenem Bass. Das ist umso schlimmer, weil die Songs eigentlich gro\u00dfes Kino sind &#8211; fast nur Klassiker, die live immer gut dabei sind. Der \u00dcberklassiker ist nat\u00fcrlich <em>One<\/em> (die Antikriegsthematik ist heute mal wieder aktueller denn je ist) &#8211; damit fanden Metallica erstmals auf MTV statt und setzten zum ganz gro\u00dfen Sprung an, der drei Jahre sp\u00e4ter mit dem schwarzen Album vollzogen wurde. Das Album geh\u00f6rt in jede gut sortierte Sammlung, die Produktion muss man sich halt sch\u00f6nh\u00f6ren.<\/p>\n<p>H\u00fcpfen wir weiter zum Urknall: 1983 wars, als Metallica ihr Deb\u00fct &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Kill_%27Em_All\">Kill &#8218;Em All<\/a>&#8220; auf die Menschheit loslie\u00dfen. Metal-Historiker deuten dies als Geburtsstunde des Thrash-Metal, und die Anzahl der von diesem Album nachhaltig beeinflussten Bands ist ziemlich un\u00fcberschaubar. James Hetfield klingt hier am Mikro noch v\u00f6llig anders als auf sp\u00e4teren Alben, daf\u00fcr s\u00e4gen die Gitarren umso dramatischer, Cliff Burton pumpt am Bass (inkl. Solospot in <em>(Anesthesia) Pulling Teeth<\/em>) und Lars Ulrich galoppelt an den Drums in wild \u00fcberschlagendem Tempo hinterher. Die Songs sind durch die Bank Klassiker, teilweise noch von einem gewissen Dave Mustaine komponiert (der nach seinem alkoholbedingten Rauswurf Megadeth gr\u00fcndete und seitdem den urspr\u00fcnglichen Thrash Metal spielt, w\u00e4hrend Metallica den Sound immer wieder in andere Richtungen ver\u00e4nderten). \u00dcberlange Songs gibts hier bis auf <em>The Four Horsemen<\/em> nicht (und der ist nicht lang nur um lang zu sein, sondern hat eine brauchbare Struktur), die meisten anderen Nummern kommen in \u00fcbersichtlichen vier Minuten auf den Punkt und stellen dabei Geschwindigkeitsrekorde auf (<em>Hit The Lights<\/em>, <em>Motorbreath <\/em>und <em>Whiplash<\/em>). Auf der zweiten Seite geht es tendenziell ausladender zu, der Klassiker auf der Seite ist <em>Seek And Destroy<\/em>. Von den bislang genannten Alben das mit Abstand relevanteste.<\/p>\n<p>Zum abschlie\u00dfenden Abschluss (das soll so, auch wenn sich des Deutschlehrers Zehenn\u00e4gel aufrollen sollten) ist noch ein Abstecher ins Jahr 1998 notwendig, denn hier schlie\u00dft sich nun der Kreis in Richtung Mercyful Fate: Mit &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Garage_Inc.\">Garage Inc.<\/a>&#8220; ver\u00f6ffentlichten Metallica ein ausgesprochen cooles Coveralbum. Sie hatten schon fr\u00fcher in ihrer Karriere immer wieder Coverversionen auf Singles untergebracht, Mitte der 80er nach dem Tod von Cliff Burton eine Cover-EP mit dem damaligen Neu-Basser Jason Newsted und dieses ganze rare und gesuchte Material erschien nun geb\u00fcndelt auf einer CD, zusammen mit einer zweiten CD mit neuen Cover-Songs.<\/p>\n<p>Die Auswahl der Songs ist dabei ziemlich erlesen: Fangen wir mal mit der zweiten CD an, da versammeln sich Songs aus der sogenannten New Wave Of British Heavy Metal (NWOBHM) aus den fr\u00fchen 80ern, die Metallica entscheidend beeinflussten &#8211; das sehr lesenswerte Booklet geht detailliert darauf ein, wie die Band in ihren Anfangstagen einen Gro\u00dfteil ihrer Liveauftritte mit Coverversionen von Diamond Head bestritt. Die Royalties f\u00fcr <em>Helpless<\/em> und <em>Am I Evil?<\/em> bezahlen den Jungs von Diamond Head noch heute die Rechnungen. Dann gibts noch Sachen wie <em>Last Caress\/Green Hell<\/em> (Misfits), <em>Stone Cold Crazy<\/em> (Queen) und nat\u00fcrlich das superb\u00f6se <em>So What<\/em> (Anti-Nowhere League). Diese Nummern werden auch live gerne mal f\u00fcr den Zugabenblock ausgepackt. Ebenfalls auf dieser CD langen vier Songs von Mot\u00f6rhead, n\u00e4mlich <em>Overkill<\/em>, <em>Damage Case<\/em>, <em>Stone Dead Forever<\/em> und <em>Too Late Too Late<\/em>. Und Mot\u00f6rhead geht ja wohl sowieso immer.<\/p>\n<p>Und damit sind wir bei der ersten Scheibe des Doppelalbums, denn hier finden sich neue Coverversionen: <em>It&#8217;s Electric<\/em> (nochmal Diamond Head), <em>Die Die My Darling<\/em> (nochmal Misfits) und <em>Free Speech For The Dumb<\/em> (Discharge) sind kurze Eruptionen, eher langsam getragen kommen <em>Turn The Page<\/em> (Bob Seger), <em>Loverman<\/em> (Nick Cave) und <em>Tuesday&#8217;s Gone<\/em> (Lynyrd Skynyrd) daher. Gr\u00f6\u00dfter Hit der Scheibe wurde das wild umarrangierte <em>Whiskey In The Jar<\/em> (kennt man von Thin Lizzy), sehr cool ist au\u00dferdem <em>Astronomy<\/em> (Blue \u00d6yster Cult) und <em>Sabbra Cadabra<\/em> (Black Sabbath, und hier ohne den psychedelischen zweiten Teil). Ich hab immer noch nicht Mercyful Fate erw\u00e4hnt &#8211; die werden mit einem elfmin\u00fcten Medley gew\u00fcrdigt, dass das halbe Album der letzten Woche beinhaltet.<\/p>\n<p>Fazit: Das Album zeigt nachdr\u00fccklich, welcher Krach Metallica inspiriert hat und geh\u00f6rt damit witzigerweise sogar zu den besten Albumver\u00f6ffentlichungen der Bandgeschichte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche waren wir im Jahr 1983 unterwegs, diese Woche kn\u00fcpfen wir direkt daran an und springen &#8211; so wie mein Lieblingsdoktor &#8211; kreuz und quer durch die Zeit. Warum? 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