{"id":4536,"date":"2023-09-21T23:42:58","date_gmt":"2023-09-21T21:42:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4536"},"modified":"2023-10-13T18:54:18","modified_gmt":"2023-10-13T16:54:18","slug":"auf-umwegen-ans-ziel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2023\/09\/21\/auf-umwegen-ans-ziel\/","title":{"rendered":"Auf Umwegen ans Ziel"},"content":{"rendered":"<p>Nach einer Woche Brig hie\u00df es f\u00fcrs Erste Abschied nehmen vom Wallis. Die n\u00e4chsten Tage sollten in Graub\u00fcnden verbracht werden. Dazu musste ich mich und meinen dicken Koffer einmal quer durch die Schweiz kutschieren lassen. Und weil man ja, wenn man eh schon mal da ist, auch was von der Gegend sehen will, wurde noch ein Umweg eingebaut.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Brig &#8211; Lausanne<\/strong><\/p>\n<p>Der Tag begann mit einem hastigen Gang zum Fr\u00fchst\u00fcck, dass diesmal nur aus O-Saft und einem Wurstbr\u00f6tchen bestand. Auf Kaffee wurde verzichtet, denn eine hyperaktive Peristaltik war neben Versp\u00e4tungen das letzte was ich gebrauchen konnte. Aufgrund der geplanten Reisestrecke mit einem Haken in den tiefen Westen ging es bereits gegen halb acht Uhr morgens los.<\/p>\n<p>Mein Plan sah vor, noch gem\u00fctlich eine Stunde im Zug zu pennen, weil man da auf der Fahrt sowieso nicht allzuviel w\u00fcrde sehen k\u00f6nnen, zumal auch der Wetterbericht nach einer Woche Hochsommer einen Tag Pause verk\u00fcndet hatte. Der Plan war gut, nur&#8230; klappen muss er. Er scheiterte an zwei Gr\u00fcnden. Zum einen wollte meine d\u00e4mliche R\u00fcbe keine Ruhe geben, so dass ich gem\u00fctlich wegd\u00f6sen konnte (vermutlich unterbewusste Angst, das Aussteigen in Lausanne zu verpassen). Und zum zweiten wurde der Zug ab Sion ziemlich voll, um nicht zu sagen latent \u00fcberf\u00fcllt, selbst in der ersten Klasse.<\/p>\n<p>Ganz offensichtlich f\u00e4hrt das halbe Wallis nach Lausanne zum Arbeiten. Und der gemeine Berufspendler nimmt da auf so verpeilte Touristen wie mich eher keine R\u00fccksicht. Zu allem \u00dcberfluss \u00fcberquerte ich w\u00e4hrend der Fahrt gleich den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%B6stigraben\">R\u00f6stigraben<\/a> &#8211; was sich in erster Linie darin \u00e4u\u00dfert, dass die ganzen Berufspendler so eine komische Sprache sprechen. Gut, der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OChHZsDPQaw\">Mittermeier<\/a> w\u00fcrde nun einwenden, dass sie in der Schweiz <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6jR8RW2hiuQ\">eh alle komisch sprechen<\/a>, als w\u00f6llten sie Donald Duck imitieren. Vielleicht haben sie auch nur st\u00e4ndig einen Frosch im Hals und mussten deswegen Ricola erfinden, wer wei\u00df. Allerdings quasselten die hier nun kein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schweizerdeutsch\">Schwyzerd\u00fctsch<\/a> (oder wie auch immer das nu geschrieben wird), sondern Franzm\u00e4nnisch. Oder ganz wild &#8211; ne Mischung aus beidem. Ich kann der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz%C3%B6sische_Sprache\">franz\u00f6sischen Sprache<\/a> ja nicht allzuviel abgewinnen, in erster Linie war mir aber auch der Zug viel zu voll f\u00fcr eine gem\u00fctliche und ruhige Fahrt.<\/p>\n<p>Also guckte ich notgedrungen doch die Landschaft an, die sich unter tiefh\u00e4ngenden Wolken am Fenster vorbeischob. Bergwanderung w\u00e4re an dem Tag eine eher doofe Idee gewesen, die Wolken hingen in den Bergflanken und auch tief \u00fcberm <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Genfersee\">Genfersee<\/a>. Trotzdem ist der Anblick von der Bahnlinie aus irre, also ab etwa <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schloss_Chillon\">Schloss Chillon<\/a> \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Montreux\">Montreux<\/a> bis nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lausanne\">Lausanne<\/a> hinein. Teilweise liegt die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Simplonstrecke\">Bahnstrecke<\/a> direkt am Seeufer, dahinter t\u00fcrmt sich dann schon Frankreich mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mont-Blanc-Gruppe\">Mont-Blanc-Massiv<\/a> auf. Da muss ich bei Gelegenheit nochmal hin, aber bei besserem Wetter.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=A56QIhegNrk\">Video der Fahrt von Brig nach Lausanne<\/a><\/p>\n<p>Kurz nach 9 Uhr war der Zug dann p\u00fcnktlich in Lausanne und ich durfte das erste Mal an diesem Tag umsteigen. Da passierte mir etwas, was mir \u00fcberhaupt noch nie passiert ist, und was mir in Deutschland in den n\u00e4chsten 50 Jahren auch nicht passieren wird: Ich schaffte den unm\u00f6glichen Anschluss.<\/p>\n<p><strong>Lausanne &#8211; Z\u00fcrich<\/strong><\/p>\n<p>Meine Reiseplanung sah eigentlich vor, dass ich in Lausanne ungef\u00e4hr eine halbe Stunde Zeit haben w\u00fcrde, um in Ruhe in den IC nach Bern umzusteigen, um sp\u00e4ter von dort weiter nach Z\u00fcrich zu fahren. So weit, so sch\u00f6n entspannt. Ich stieg also aus, lie\u00df mich im Gedr\u00e4nge der Menschenmassen durch den Bahnhof treiben und lief ohne gro\u00dfe Hektik von Gleis 8 zu Gleis 1. Dort fuhr dem Plan nach gerade der IC nach Z\u00fcrich ab, den die SBB aber nicht als Anschluss f\u00fcr Reisende aus Richtung Brig vorsieht.<\/p>\n<p>Man muss dazu sagen, dass die SBB einen weiteren Anschluss drei Minuten sp\u00e4ter anbietet, allerdings w\u00e4re der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jurafusslinie\">via Neuch\u00e2tel<\/a> und Biel\/Bienne nach Z\u00fcrich gefahren. Die Strecke kenne ich zumindest teilweise schon, w\u00e4hrend ich die Strecke von Lausanne <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnstrecke_Lausanne%E2%80%93Bern\">\u00fcber Fribourg<\/a> nach Bern noch nicht kannte. Die war also mein Ziel. Kein normaler Mensch, der von Brig nach Z\u00fcrich will, f\u00e4hrt einen Umweg \u00fcber Lausanne, da f\u00e4hrt man direkt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/L%C3%B6tschberg-Basistunnel\">\u00fcber Spiez<\/a> (das hatte ich bei der Anreise ja gemacht). Insofern war die geplante halbe Stunde Aufenthalt meiner &#8222;ich fahr komische Umwege und guck die Gegend an&#8220;-Planung geschuldet.<\/p>\n<p>Ich stiefelte also gem\u00fctlichen Schrittes auf den Bahnsteig in der Erwartung, dort noch dem IC hinterher winken zu k\u00f6nnen. Tja, Pustekuchen. Der stand noch am Bahnsteig, abfahrbereit, der Schaffner schon mit Kelle in der Hand. Die Gelegenheit lie\u00df ich mir nicht nehmen, also ran an den Zug, rein in den Zug und rauf aufs Oberdeck f\u00fcr die gute Aussicht. Ich hatte mich noch nicht gesetzt, da fuhr der Zug bereits an. Somit hatte ich also in drei Minuten den Weg von Gleis 8 nach Gleis 1 geschafft.<\/p>\n<p>Das hatte nun noch einen weiteren Vorteil: Der Zug fuhr \u00fcber Bern bis nach Z\u00fcrich, w\u00e4hrend meine urspr\u00fcngliche Planung noch einen Umstieg in Bern n\u00f6tig gemacht h\u00e4tte. Daf\u00fcr hatte ich nun in Z\u00fcrich statt einer halben pl\u00f6tzlich eine ganze Stunde Zeit &#8211; eine Stunde eher als urspr\u00fcnglich geplant weiterfahren wollte ich nicht, der Wetterbericht hatte was von aufklarendem Wetter am Nachmittag gelabert, und die sch\u00f6ne Landschaft Richtung Graub\u00fcnden muss man ja genie\u00dfen. Und was will man schon um 15 Uhr im Hotel?<\/p>\n<p>Na jedenfalls gurkte der Zug nun zun\u00e4chst mal hoch \u00fcberm Genfersee Richtung Osten, um dann einen Tunnel sp\u00e4ter nach Nord-Nordost abzubiegen. Der Zug war relativ leer, lediglich ein paar dauertelefonierende B\u00fcrotiere (in Englisch, Deutsch und Franz\u00f6sisch) waren am videokonferenzieren. Die Strecke selbst war jetzt nicht so wirklich der Hingucker, sie schl\u00e4ngelt sich in vielen Kurven durchs H\u00fcgelland s\u00fcdwestlich von Bern und zwingt den Zug damit zu einer ganz sch\u00f6nen Schleicherei. Stellenweise h\u00e4tte man sch\u00f6ne Aussichten auf hohe Berge haben k\u00f6nnen, wenn da keine Wolken davor gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ab Bern mit seinem potth\u00e4sslichen superdunklen Bahnhof war die Strecke dann schnell und bekannt &#8211; ich war sie bei der Anreise schon gefahren, und auch bei so ziemlich jedem vorherigen Schweizurlaub ebenso. Man rollt auf der relativ langweiligen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neubaustrecke_Mattstetten%E2%80%93Rothrist\">Neubaustrecke<\/a> nach Olten (inklusive sch\u00f6nem Ausblick auf die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Festung_Aarburg\">Festung Aarburg<\/a>, wenn man wei\u00df wann man hingucken muss) und kurvt dann weiter \u00fcber Aarau nach Z\u00fcrich, um schlie\u00dflich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Z%C3%BCrich_Hauptbahnhof\">im Tiefgeschoss<\/a> auf Gleis 33 oder 34 oder so anzukommen. Von dort wuchtet man seinen Koffer dann \u00fcber zwei Rolltreppen nach oben ans Tageslicht und kann seine Reise fortsetzen &#8211; schlie\u00dflich hatte ich das Umsteigen ja erst auf der Hinfahrt ge\u00fcbt. Oder man machts auf die gem\u00fctliche Tour und organisiert erstmal Verpflegung und guckt sich in Ruhe das bunte Treiben an.<\/p>\n<p>Erfreulicherweise war das Wetter inzwischen besser geworden, hinter Bern hatte sich auch endlich die Sonne aus der Deckung gewagt, und in Z\u00fcrich war ein sch\u00f6ner Sommertag.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PpRoOvbLJZ0&amp;t=3000s\">Video der Fahrt von Lausanne nach Bern<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iQ5Uae8OAfE\">Video der Fahrt von Bern nach Z\u00fcrich<\/a><\/p>\n<p><strong>Z\u00fcrich &#8211; Chur<\/strong><\/p>\n<p>Ich bestieg schlie\u00dflich &#8211; nachdem ich mir den Bahnbetrieb lange genug angeschaut hatte den Zug Richtung Chur. Die Strecke bin ich schon mehrfach gefahren, da gibts in reichlich einer Stunde mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Z%C3%BCrichsee\">Z\u00fcrichsee<\/a> und dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walensee\">Walensee<\/a> gleich zwei sehr sehenswerte Abschnitte, die allein mehr als die H\u00e4lfte der Fahrzeit ausmachen. Das ist immer wieder super anzuschauen, aber es wird wohl nie wieder an das Gef\u00fchl herankommen, wie ich da 2011 das erste Mal langfuhr &#8211; bis Z\u00fcrich war absolutes Mistwetter gewesen mit Regen und k\u00fchl und b\u00e4h, und dann kamen wir vor Thalwil aus dem Tunnel raus und da schien pl\u00f6tzlich die Sonne, links guckte man auf den glitzernden See und im Hintergrund t\u00fcrmten sich die ersten Berge \u00fcber 2000m auf. Das hatte schon was.<\/p>\n<p>Die Berge t\u00fcrmten sich heute zwar auch, aber ebenso t\u00fcrmten sich einige fiese Wolken, wobei man nicht so genau wusste wie das Wetter sich nun entwickeln w\u00fcrde, Richtung Osten sah es tr\u00fcbe aus, Richtung S\u00fcden (also Richtung St. Moritz) war es tendenziell heller, aber was soll das im Gebirge schon hei\u00dfen&#8230; Ich genoss trotzdem die Fahrt und die sch\u00f6ne Aussicht, und pl\u00f6tzlich war ich kurz vor 14 Uhr auch schon in Chur angekommen. Der Zug hatte dabei die sagenhafte Versp\u00e4tung von 3 Minuten, was dem Spa\u00df beim Umsteigen aber keinen Abbruch tat, einmal quer \u00fcbern Bahnsteig rollen schafft man da trotzdem.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iQ5Uae8OAfE\">Video der Fahrt von Z\u00fcrich nach Chur<\/a><\/p>\n<p><strong>Chur &#8211; St. Moritz<\/strong><\/p>\n<p>Der Zug nach St. Moritz war \u00fcberraschend voll, allein ganzer Waggon der ersten Klasse war durch eine Gruppe orthodoxer Juden belegt. Sieht man auch nicht jeden Tag. Ein schickes Pl\u00e4tzchen mit Aussicht zur richtigen Seite hin war trotzdem zu finden, damit stand einer sch\u00f6nen Fahrt nix mehr im Wege, abgesehen vom Wetter. Das beschloss jetzt n\u00e4mlich erstmal die Schleusen zu \u00f6ffnen. Bis Reichenau gabs einen kurzen Schauer, danach entwickelte es sich zu einem Landregen, der \u00fcber den Bergen von gelegentlichen Blitzschl\u00e4gen begleitet wurde. Das war also durchaus spektakul\u00e4r anzusehen.<\/p>\n<p>Die Fahrt ist auf der Strecke aber sowieso ein Erlebnis, egal bei welchem Wetter. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albulabahn\">Albulastrecke<\/a> ist ja UNESCO-Welterbe, worauf in Durchsagen auch hingewiesen wird. Ich bin die Strecke inzwischen oft genug gefahren, um bei dem Geschl\u00e4ngel zwischen Berg\u00fcn und Preda keinen Knoten im Kopf zu kriegen, das ging aber nicht allen Mitreisenden so (sofern sie sich f\u00fcr derlei technische Meisterleistungen \u00fcberhaupt interessieren und nicht nur stumpf von A nach B fahren wollen).<\/p>\n<p>Bis Preda war das Wetter dann ziemlich zum Vergessen, heftiger Dauerregen, gelegentliche Blitze und null Aussicht wegen Wolken. Die einzige Hoffnung war die Tatsache, dass der Himmel Richtung S\u00fcden etwas heller aussah &#8211; und da ist ja noch der Albulapass dazwischen. Und siehe da, auf der S\u00fcdseite des Passes war es beinahe fast trocken und der Wolkenbruch vom Norden hatte sich in einen leichten Nieselregen verwandelt. Damit kann man auch als Fu\u00dfg\u00e4nger leben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tnUxvl7gZOw\">Video der Fahrt von Chur nach St. Moritz<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uQq3ZKwCuWc\">Version 2<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nchN0_gGqvo\">Winterversion<\/a><\/p>\n<p><strong>Abend in St. Moritz<\/strong><\/p>\n<p>Und ein solcher war ich ja dann f\u00fcr einige Minuten in St. Moritz auch, denn man musste ja vom Bahnhof bis zum Hotel marschieren, so Koffer hinter sich herzottelnd und so. Bl\u00f6derweise liegt St. Moritz nat\u00fcrlich &#8211; wie k\u00f6nnte es anders sein &#8211; am Berghang, das Hotel liegt also schlappe 50m h\u00f6her als der Bahnhof. Erfreulicherweise gibt es da eine Ansammlung von Rolltreppen, die ich normalerweise nicht benutzen w\u00fcrde, wenn ich da nicht meinen Koffer dabei gehabt h\u00e4tte. \u00c4rgerlicherweise war die l\u00e4ngste der Rolltreppen aber defekt. Gl\u00fccklicherweise gibt es neben der Rolltreppe auch einen Schr\u00e4gaufzug, der eigentlich f\u00fcr Rollstuhlfahrer und sonstige mobilit\u00e4tseingeschr\u00e4nkte Personen vorgesehen ist. Ich definierte meinen Koffer also flugs als mobilit\u00e4tseinschr\u00e4nkend und fuhr Fahrstuhl &#8211; die mitreisenden Rentner hats nicht gest\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die restlichen paar Meter bis zum Hotel &#8211; vorbei am teuersten Hotel am Platze, wo der Rolls-Royce vor der T\u00fcre parkt und die G\u00e4ste vermutlich mit dem Privatflieger ankommen &#8211; bis hin zum zentralen Kreisverkehr. Das hatte ich mir vorher per Streetview angeguckt, da konnte also nicht viel schiefgehen. Einen Checkin samt Ausf\u00fcllen von komischen Meldeformularen sp\u00e4ter konnte ich schon wieder Fahrstuhl fahren, Hotelzimmer im vierten Stock f\u00fcr die gute Aussicht auf den See. Das gab in dem Augenblick in erster Linie gute Aussicht auf eher durchwachsenes Wetter &#8211; nieselpieselig, aber sonst ok.<\/p>\n<p>Der erste Erkundungsspaziergang f\u00fchrte mich dann einen Kreisverkehr weiter in den Ort hinein, da war der lokale Supermarkt und somit meine Wanderverpflegungsquelle. Der weitere Plan sah nun den Besuch eines Fresstempels vor &#8211; man kann sich ja nicht immer nur von Nussmischungen ern\u00e4hren. Das Problem in St. Moritz ist simpel &#8211; es ist teuer, selbst f\u00fcr Schweizer Verh\u00e4ltnisse. Und ein Sternerestaurant brauche ich auch nicht, ich will was Handfestes (&#8222;Du h\u00f6rst mit dem Vorschlagen auf und bringst was zu Fressen, sonst qualmts! F\u00fcr den Gentleman und mich!&#8220; &#8211; <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hPUZ0Ta8ZeM\">wie Bud Spencer sich ausdr\u00fcckte<\/a>).<\/p>\n<p>Ich guckte mir diverse Restaurants von au\u00dfen an und stellte fest, dass es eigentlich nicht so wahnsinnig viel Auswahl gibt, und ohne Reservierung w\u00fcrde man wohl auch Gl\u00fcck brauchen um einen Platz zu kriegen. Inzwischen hatte sich das Wetter in einen Dauerregen verwandelt, mit drau\u00dfen sitzen war also auch nix. Schlu\u00dfendlich landete ich im Restaurant Hauser (im zugeh\u00f6rigen Hotel war ich 2011 schon gewesen), welches ausgesprochen gut besucht war.<\/p>\n<p>Neben mir sa\u00df eine Familie mit drei Kindern im Vorschulalter, die aber alle gut mit Malen besch\u00e4ftigt waren. Der Kellner war gro\u00dfe Klasse, der nahm die W\u00fcnsche der Erwachsenen auf und meinte dann salopp: &#8222;Was solls f\u00fcr euch sein? Spaghetti mit Tomatenso\u00dfe? Pommes? Chicken Nuggets?&#8220; &#8211; damit hatte er die Kinder sofort \u00fcberzeugt. Mich auch, aber das wird erst im Bericht f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag relevant.<\/p>\n<p>Ich hingegen entschied mich f\u00fcr eine Kalbsbratwurst mit Pommes und Gem\u00fcse &#8211; ausgesprochen lecker. Runtergesp\u00fclt wurde mit einem Glas regionalen Wei\u00dfweins &#8211; ich hab mir bl\u00f6derweise nicht die Sorte gemerkt, aber der war lecker. Anschlie\u00dfend gabs noch einen kurzen Verdauungsspaziergang im Regen, bevor der Rest des Abends im Hotelzimmer verbracht wurde &#8211; den ganzen Tag nicht viel gemacht au\u00dfer mit der Bahn zu fahren, und dann ist man trotzdem fix und fertig&#8230;<\/p>\n<p>Der Plan f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag sah eine Wanderung im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Puschlav\">Puschlav<\/a> vor, also im s\u00fcdwestlichsten Zipfel der Schweiz, kurz vor Italien. Das wird dann aber im n\u00e4chsten Beitrag in aller unn\u00f6tigen Ausf\u00fchrlichkeit ausdiskutiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer Woche Brig hie\u00df es f\u00fcrs Erste Abschied nehmen vom Wallis. Die n\u00e4chsten Tage sollten in Graub\u00fcnden verbracht werden. Dazu musste ich mich und meinen dicken Koffer einmal quer durch die Schweiz kutschieren lassen. 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