{"id":4525,"date":"2023-09-16T18:58:29","date_gmt":"2023-09-16T16:58:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4525"},"modified":"2023-09-16T18:58:29","modified_gmt":"2023-09-16T16:58:29","slug":"bahn-erleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2023\/09\/16\/bahn-erleben\/","title":{"rendered":"Bahn erleben"},"content":{"rendered":"<p>Nach einer Woche war der Aufenthalt in Brig schon beinahe fast vorbei. Der Wetterbericht verk\u00fcndete weiterhin allerbestes Sommerwetter, darum hatte ich die Wanderung am Simplonpass ad acta gelegt wegen &#8222;zu wenig Schatten und zu viel H\u00f6hensonne&#8220;. Stattdessen wollte ich mich mal ein wenig in der Stadt umschauen und dem Bahnlehrpfad Simplon folgen, wenn man schon nicht mit der Bahn unterwegs ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dementsprechend ging es also ganz gem\u00fctlich nach dem Fr\u00fchst\u00fcck los. Diesmal war ja &#8211; v\u00f6llig ungewohnt &#8211; kein Zug zu kriegen und kein Fahrplan einzuhalten, so dass ich mich nach den ersten paar hundert Metern erstmal zu einer wohlverdienten Verschnaufpause setzen konnte. Da sa\u00df ich dann neben der schwer einbetonierten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Saltina\">Saltina<\/a>, die vor 30 Jahren <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brig\">Brig<\/a> m\u00e4chtig verw\u00fcstet hatte (die Hochwassermarke vorm Hauptbahnhof ist auf \u00fcber 2m H\u00f6he gegen\u00fcber dem Stra\u00dfenniveau).<\/p>\n<p><strong>Wanderung (13.7km, \u2197512m, \u2198528m*)<\/strong><\/p>\n<p>*Die H\u00f6henwerte stimmen hinten und vorne nicht. Da weder direkt am Anfang in Brig so ein steiler Anstieg auf \u00fcber 750m, noch war in Bitsch eine solche Spitze auf fast 900m. Entsprechend kann man an den aufsummierten H\u00f6hen vermutlich je um die 300m abziehen. Die Genauigkeit der Aufzeichnung ist auch insgesamt eher d\u00fcrftig, irgendwie war der Empfang an dem Tag wohl insgesamt recht m\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20230816\/s-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Ich spazierte nach einer l\u00e4ngeren Pause also ganz gem\u00fctlich die Saltinapromenade hinauf, irgendwie verquer durch das was man dort so Innenstadt nennt, vorbei an einer Schule (t\u00e4t mich ja ankotzen wenn ich bei so einem Bombenwetter die Schulbank dr\u00fccken m\u00fcsste, hehe) und schlie\u00dflich die Tunnelstra\u00dfe entlang. Tunnelstra\u00dfe deswegen, weils da Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Simplontunnel\">Simplontunnel<\/a> geht, klar. Der Wanderweg schl\u00e4gt sich dann rechts in die B\u00fcsche bzw. den Berghang hinauf.<\/p>\n<p>Unterwegs gibts alle paar Meter informative Schautafeln \u00fcber das Dran und Drum der Eisenbahn, wie etwa Remisen (aka Lokschuppen), Drehscheiben, die Geschichte des Bahnbetriebs der Schweiz, den Bau des Simplontunnels, und allerlei andere Dinge, die mehr oder minder relevant und interessant sein k\u00f6nnten. Ich nahm mir jedenfalls reichlich Zeit, das alles zu lesen und die gelegentlichen Ausblicke auf die umfangreichen Bahnhofsanlagen und den dahinter liegenden Ortsteil Naters zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20230816\/s-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>(Anmerkung zum Tempodiagram: Da ich mal nicht mit der Bahn unterwegs war ist hier die Skala recht \u00fcbersichtlich und man erkennt auch sehr deutlich, wann ich Pausen gemacht hab &#8211; da hab ich mich auf dem Hintern sitzend mit etwa einem Stundenkilometer auf der Bank herumbewegt&#8230; Die Spitzengeschwindigkeit da am Ende ist aber Bl\u00f6dsinn und definitiv ein Messfehler.)<\/p>\n<p>Man klettert da dann diverse H\u00f6henmeter \u00fcberm Portal des Simplontunnels herum, bevor man dann wieder den ganzen Weg runter muss und dann an der Rhone herauskommt. Da wars noch immer fr\u00fch am Morgen und es war schon wieder viel zu warm. Der Weg f\u00fchrte mich dann weiter nach Bitsch und dann gleich mal wieder den Berg hoch. Da kommt man dann oberhalb eines Steinbruchs raus, denn Eisenbahnen brauchen Kies und Schotter (als Bettung f\u00fcr Schienen und zum Bezahlen der Mitarbeiter). Daneben findet man auch ein Staubecken, welches seit \u00fcber 50 Jahren nicht mehr in Betrieb ist, weil die Wasserkraftwerke f\u00fcr die Stromerzeugung inzwischen durch unterirdische Becken gespeist werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20230816\/s-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Eine weiter l\u00e4ngere Pause sp\u00e4ter bummelte ich also durch Bitsch und am Ortsausgang &#8211; \u00dcberraschung &#8211; wieder den Berg hoch. Aber nicht weit, denn dann folgt man einer alten Wasserleitung, die aber auch schon seit 70 Jahren au\u00dfer Betrieb ist. Da hat man aus Betonfertigteilen eine Art Aqu\u00e4dukt an den Hang gezimmert, und auf eben diesen Betonfertigteilen verl\u00e4uft heute ein Wander- und Radweg. Das war mir nicht so ganz geheuer, denn die Betonteile sind runde zweieinhalb Meter hoch, und dann f\u00e4llt man m\u00f6glicherweise schon etwas tiefer wenn man nicht aufpasst. Andererseits geht es nat\u00fcrlich sch\u00f6n gleichm\u00e4\u00dfig den Berg runter bis zur Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Am Rhoneufer flanierte ich anschlie\u00dfend wieder ganz gem\u00e4chlich &#8211; es war ja noch nicht mal Mittag &#8211; wieder in Richtung Brig. Da kam ich dann an fahrenden Z\u00fcgen und einer K\u00e4sefabrik vorbei. Die produzieren da aber nicht einfach nur K\u00e4se, sondern so richtig pr\u00e4mierten K\u00e4se mit Goldmedaillen und so. Und weil Askese auch gro\u00dfer K\u00e4se ist futterte ich derweil meine T\u00fcte N\u00fcsse leer.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20230816\/t-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Der Fu\u00dfweg f\u00fchrte nun quasi topfeben entlang der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Furka-Oberalp-Bahn\">Bahnstrecke<\/a> Richtung Brig und zweigt dann kurz vorm Ortseingang ab. Da \u00fcberquert die Bahn die Rhone und f\u00e4hrt dann direkt in Richtung Bahnhof. Das war vor 2007 anders, da f\u00fchrte die Bahnlinie direkt durch den Ortsteil Naters und bog dann in einem 180-Grad Bogen in den Bahnhof ein, so dass man f\u00fcr die Weiterfahrt Richtung Zermatt immer Loks umkuppen und\/oder rangieren musste. Nach dem Umbau wurde die ehemalige Bahntrasse durch einen roten Teppich, \u00e4h, eine rote Meile \u00fcberbaut. Die fr\u00fcheren Masten der Oberleitung sind jetzt die Masten f\u00fcr die Stra\u00dfenbeleuchtung und der ganze Weg ist als Fu\u00df- und Radweg ausgebaut und mit rotem Tartanbelag \u00fcberzogen.<\/p>\n<p>Ich spazierte da also weiter entlang, bog dann aber ab in Richtung Rhoneufer, denn da erzeugte der Flu\u00df etwas Luftzug, w\u00e4hrend im Ort selbst die Hitze stand. Entsprechend wurde nun mit weiteren Pausen am Rhoneufer entlangflaniert. Bl\u00f6derweise hat man von dieser Seite keinen guten Blick aufs Tunnelportal vom Simplontunnel, aber das war nur ein kleiner Sch\u00f6nheitsfehler. Nun ging es noch gef\u00fchlte f\u00fcnfzig Kilometer (tats\u00e4chlich weniger als ein Kilometer) bis zur n\u00e4chstbesten Rhonebr\u00fccke am Bahnhof, bevor ich mich nochmal in den fr\u00fchnachmitt\u00e4glichen Trubel der Innenstadt wagte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20230816\/t-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>(Anmerkung zum Diagramm: Hier sieht man jetzt auch mal sehr sch\u00f6n, wie ich die Wanderzeit durch geschicktes Ausnutzen jeder verf\u00fcgbaren Sitzgelegenheit auf fast das doppelte gestreckt habe&#8230;)<\/p>\n<p>Das Ziel war der erstbeste Laden, wo man Ansichtskarten erstehen konnte. Ich wurde in einem Buchladen neben dem Hotel de Londres f\u00fcndig und stellte anschlie\u00dfend fest, dass die Winkelgasse aus den Harry Potter-B\u00fcchern nicht etwa in London, sondern in Brig liegt. Damit war ich mit meinem Spaziergang dann aber auch schon am Ende. Ich organisierte einen neuen Schwung Getr\u00e4nke und ein Eis und marschierte nun eisschleckenderweise zur\u00fcck ins Hotel.<\/p>\n<p>Dort bezahlte ich dann gleich mal das Zimmer, denn am n\u00e4chsten Morgen hatte ich &#8211; ganz im Gegensatz zum heutigen Tage &#8211; ein straffes Programm mit sehr fr\u00fchen Z\u00fcgen. Den Rest des Tages verbrachte ich dann aber erstmal ganz gem\u00fctlich mit Karten schreiben und TV glotzen. Der Wetterbericht f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag sah \u00fcberraschenderweise gar nicht mal so gut aus, aber das konnte mir egal sein, solange die Z\u00fcge nicht von den Strecken gesp\u00fclt w\u00fcrden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20230816\/t-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer Woche war der Aufenthalt in Brig schon beinahe fast vorbei. 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