{"id":4466,"date":"2023-08-30T23:15:48","date_gmt":"2023-08-30T21:15:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4466"},"modified":"2023-08-30T23:15:48","modified_gmt":"2023-08-30T21:15:48","slug":"wild-von-wald-zu-wald-gewandert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2023\/08\/30\/wild-von-wald-zu-wald-gewandert\/","title":{"rendered":"Wild von Wald zu Wald gewandert"},"content":{"rendered":"<p>Wie der Name andeutet, hatte ich mir f\u00fcr den ersten Tag eine sch\u00f6ne Wanderung herausgesucht &#8211; von Oberwald nach Niederwald n\u00e4mlich. Da f\u00fchrt n\u00e4mlich der Gommer H\u00f6henweg als einer der am besten bewerteten Wanderwege der Schweiz entlang, immer so am Berghang mit viel Aussicht, aber noch unterhalb der Baumgrenze &#8211; so jedenfalls die Beschreibung. In der Mitte wollte ich dann aber wieder runter ins Tal, weil es dann der Beschreibung nach doch etwas h\u00f6her gehen sollte. Den zweiten Teil wollte ich dann auf dem Rottenweg laufen &#8211; Rotten ist der lokale Name f\u00fcr die Rhone, die ja dort eher wilder Bergbach als ausgewachsener Fluss ist. Soweit der Plan.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Vorbereitung ist alles<\/strong><\/p>\n<p>Der Tag begann also mit einem sehr p\u00fcnktlichen Wecker gegen 6:30 Uhr und damit deutlich eher als an einem normalen Arbeitstag. Leicht verpeilt erreichte ich aber p\u00fcnktlich um sieben Uhr das Fr\u00fchst\u00fccksbuffet, bevor drei Minuten sp\u00e4ter eine Busladung Engl\u00e4nder hereinst\u00fcrmte. Frisch gest\u00e4rkt mit Wurstbr\u00f6tchen, Orangensaft, Kaffee und R\u00fchrei und gut informiert durch das Schweizer Fr\u00fchst\u00fccksfernsehen (kein Stau in Sicht, keine Wolken in Sicht, Temperaturen \u00fcber 30 Grad zu erwarten) konnte ich kurz darauf zu den finalen Vorbereitungen \u00fcbergehen.<\/p>\n<p>Neben dem Packen des Rucksacks musste ich vor allem noch die nagelneue Einlegesohle in den Wanderschuh hineinfummeln und nat\u00fcrlich den gerade getrunkenen Kaffee wieder loswerden. Kurz vor acht war es dann soweit &#8211; mein Opa h\u00e4tte jetzt gesagt &#8222;der J\u00e4ger stie\u00df auf und brach in sein Horn&#8220;. Ich hatte kein Horn zur Hand und machte mich dementsprechend in stiller Art und Weise auf den Weg, z\u00e4hlte aber bei der Gelegenheit die Stufen im Hotel, die ich nach der Wanderung wieder nach oben w\u00fcrde laufen m\u00fcssen &#8211; 82 an der Zahl.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20230810\/s-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Vorm Bahnhof ging ich noch in den lokalen Supermarkt zwecks Erwerb einer Nussmischung und weiterer Getr\u00e4nke, sah mich dann ein wenig im Bahnhof selbst um und wartete dann am Bahnsteig auf die Z\u00fcge die da kommen sollten. Zun\u00e4chst mal kam da ein Zug aus Richtung Oberwald, der nach l\u00e4ngerem Aufenthalt in Richtung Zermatt fahren sollte, w\u00e4hrend an meinem Bahnsteig noch ein Zug stand, der nach &#8222;bitte nicht einsteigen&#8220; fuhr (wo immer das ist). Der r\u00e4umte auch schnell das Gleis und ich konnte dahinter die bereitstehenden Postbusse beobachten, ungef\u00e4hr zeitgleich mit den Z\u00fcgen in alle m\u00f6glichen Richtungen fahren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Unter anderem stand dort auch ein Bus &#8211; also eigentlich ein Kleintransporter &#8211; in Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Simplonpass\">Simplonpass<\/a>. Das war insofern relevant, als dass ich ja auch eine Wanderung geplant hatte, wo ich diesen Bus vorher nutzen wollte. Der Witz daran: Der Kleinbus war schon zehn Minuten vor der Abfahrt voll. Der Busfahrer gestikulierte beruhigend und f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter stand ein ausgewachsener Linienbus bereit, der dann auch genug Platz bot. Das Spielchen wiederholte sich \u00fcbrigens auch an den folgenden Tagen &#8211; warum sie \u00fcberhaupt den Kleinbus da hinstellen m\u00fcsste mir bei Gelegenheit mal jemand erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Mein Zug Richtung Oberwald kam dann auch an, ich suchte mir einen schicken Fensterplatz und dann konnte es auch losgehen.<\/p>\n<p><strong>Im Fr\u00fchtau zu Berge ich fahr, fallera (40.5km, 1:13h, \u2197704m, \u219833m)<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die ungef\u00e4hr 40 km wird eine Reisezeit von \u00fcber einer Stunde veranschlagt, was an 17 Zwischenhalten (teilweise nur Bedarfshalte) und drei Zahnstangenabschnitten liegt, die das Tempo begrenzen. Aber gut, wer es eilig hat, ist da sowieso falsch. Daf\u00fcr kann man in Ruhe aus den gro\u00dfen Fenstern gucken und die Berge links und rechts der Strecke bestaunen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20230810\/s-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Vorbei an den Talstationen der diversen Seilbahnen in Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Riederalp\">Riederalp<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bettmeralp_VS\">Bettmeralp<\/a> und wie sie alle hei\u00dfen geht es da immer entlang der hier tief eingeschnittenen Rhone. Bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grengiols\">Grengiols<\/a> (sprich &#8222;grennjols&#8220;) gibt es einen Kehrtunnel mit Zahnstange f\u00fcr extra starken Anstieg, da erhaschte man dann auch einen ersten Blick auf das Weisshorn in \u00fcber 40km Entfernung &#8211; das war dann quasi der Polarstern f\u00fcr die Wanderung sp\u00e4ter. N\u00e4chster relevanter Zwischenhalt war <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fiesch\">Fiesch<\/a>, danach folgt ein weiterer steiler Anstieg bis F\u00fcrgangen-Bellwald, wo eine imposante <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/M%C3%BChlebach_VS#H%C3%A4ngebr%C3%BCcke\">Seilbr\u00fccke<\/a> das Tal \u00fcberspannt. Das war das Ziel einer sp\u00e4teren Wanderung. Danach wird das Tal deutlich breiter (die Geologen k\u00f6nnen einem da jetzt was von L\u00e4ngst\u00e4lern und geologischen St\u00f6rungen erz\u00e4hlen). Hier ist man nun im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bezirk_Goms\">Bezirk Goms<\/a> angekommen. Der Zug kurvt durch verschiedene kleine D\u00f6rfer mit schw\u00e4bisch klingenden Namen (Blitzingen, Gluringen, Reckingen), vorbei an gleich mehreren Flugpl\u00e4tzen (Ulrichen und M\u00fcnster) und so erreicht man schlie\u00dflich Oberwald.<\/p>\n<p>Hier ist das Tal quasi zuende, wer weiter will muss nun die Passstra\u00dfen nehmen: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grimselpass\">Grimselpass<\/a> via <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gletsch\">Gletsch<\/a> nach Norden, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Furkapass\">Furkapass<\/a> ebenso via Gletsch nach Osten und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nufenenpass\">Nufenenpass<\/a> zur S\u00fcdseite des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gotthard-Gruppe\">Gotthardmassivs<\/a>. Da gibt es auch entsprechende Postbuslinien. Die Bahnlinie f\u00fchrt durch den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Furka-Basistunnel\">Furka-Basistunnel<\/a> weiter Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andermatt\">Andermatt<\/a>, im Sommer kann man zumindest an Wochenenden auch die touristische <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dampfbahn_Furka-Bergstrecke\">Dampfbahn Furka-Bergstrecke<\/a> bestaunen (oder mitfahren, wenn man Wochen vorher reserviert hat). Das war f\u00fcr mich aber alles nur am Rande relevant, ich wollte ja ab Oberwald quasi wieder zur\u00fcck wandern. Die einzige Sache die ich \u00fcberpr\u00fcfen wollte war die Umsteigerei in den Postbus Richtung Furkapass, denn die Wanderung hatte ich f\u00fcr einen der Folgetage eingeplant, und laut Plan hat man da nur drei Minuten zum Umsteigen. Da wollte ich also einfach nur wissen, wo der Bus abf\u00e4hrt.<\/p>\n<p><strong>Gommer H\u00f6henweg<\/strong><\/p>\n<p>Gegen 9:40 Uhr, nachdem ich das mit dem Postbus gekl\u00e4rt hatte begann nun die eigentliche Wanderung. Als erste Amtshandlung wurde dick Lichtschutzfaktor aufgetragen und die breitkrempige Wanderhut aus dem Rucksack gekramt &#8211; die H\u00f6hensonne kann ja f\u00fcr Flachlandwei\u00dfbrote wie mich schon arg gef\u00e4hrlich sein.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20230810\/s-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Der Weg f\u00fchrte mich nun sehr gut beschildert zun\u00e4chst dreieinhalb Meter nach Oberwald hinein, entlang der Furka-DFB-Strecke (wo erst eine Stunde sp\u00e4ter ein Zug fahren sollte) und dann nach links in die Bergflanke hinein. Es folgte ein steiler und recht l\u00e4nglicher Anstieg durch den Wald, da war ich dann gleich erstmal aus der Puste. Die Morgensonne tat ein \u00dcbriges und kurbelte die Schwei\u00dfproduktion an.<\/p>\n<p>Nachdem ich dann die eigentliche H\u00f6he des Wanderwegs erreicht hatte ging es nun immer am Berghang entlang Richtung West-S\u00fcdwest &#8211; mit dem Weisshorn als Referenzpunkt direkt vor der Nase (wenn auch von hier rund 65km entfernt &#8211; aber mit \u00fcber 4500m auch nochmal anderthalb Kilometer h\u00f6her als die Berge links und rechts von mir).<\/p>\n<p>Der Weg war schmal, aber gut zu laufen, kaum Wurzeln oder fiese Steine, es ging aber immer wieder mal 20-30 H\u00f6henmeter bergauf und bergab, teilweise auch recht steil. An einigen Stellen war der Weg mit Seil zum Festhalten gesichert. Das war aber alles prima, nur die Anzahl der B\u00e4nke zum Pausieren war mir zu gering, man musste sich dann immer mal einen gro\u00dfen Stein oder einen Baumstumpf suchen. Auch die B\u00e4ume waren gern mal im Weg wenn es um Aussicht ins Tal ging. Das soll im westlichen Teil des Wegs besser sein, da w\u00e4re ich aber erst am Nachmittag angekommen und dann in der fettesten Nachmittagshitze unterwegs gewesen. Der Plan sah aber vor, zu dem Zeitpunkt unten im Tal an der Rhone entlang zu laufen und da den Schatten der B\u00e4ume (sofern vorhanden) zu nutzen.<\/p>\n<p>Gegen Mittag hatte ich also mein Zwischenziel oberhalb von M\u00fcnster erreicht. Es folgte ein steiler Abstieg hinunter ins Tal (ungef\u00e4hr 200m, im Diagram gut um 13 Uhr herum zu sehen), dem ein weniger steiler Abstieg durch den Ort folgte. Vorbei am Bahnhof ging es nun bis zur Talsohle an der Rhone. Heraus kam ich am Flugplatz M\u00fcnster, wo gerade ein Segelflieger letzte Vorbereitungen zum Start traf. Die Segelflieger waren schon den ganzen Vormittag unterwegs, st\u00e4ndig brummte die Schleppmaschine \u00fcber mir herum und brachte weitere Flieger in die Luft, die sich die gute Thermik an diesem hei\u00dfen Sommertag nicht entgehen lassen wollten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20230810\/t-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Direkt danach wurde ich Zeuge einer verbalen Auseinanderseitzung zwischen einem \u00e4lteren Ehepaar auf einer Radtour und einem jugendlichen Hei\u00dfsporn, der r\u00fccksichtslos auf dem Mountainbike unterwegs war. Muss alles nicht sein &#8211; also letzteres, das Ehepaar wollte nur in Ruhe die Stra\u00dfe entlangfahren, da muss man nicht mit halbstarken Mountainbikern rechnen. Mir konnte das als gem\u00fctlichem Fu\u00dfg\u00e4nger eh alles egal sein &#8211; das Goms eignet sich aber im Sommer auf jeden Fall f\u00fcr ruhige Radtouren &#8211; die Steigungen sind \u00fcberschaubar solange man im Tal bleibt. Der der Rhone-Radweg Richtung Frankreich beginnt hier, die Rennradler erklimmen von hier aus die bereits genannten Passstra\u00dfen und Mountainbike-Strecken gibts auch genug, f\u00fcr alle die mehr Action brauchen. Man muss halt eben nur dran denken, dass andere auch unterwegs sind und eine gute Zeit haben wollen.<\/p>\n<p><strong>Rottenweg<\/strong><\/p>\n<p>Die restliche Wanderung folgte nun dem Rottenweg. Der verl\u00e4uft unten im Tal, immer entlang der Rhone (bzw. Rotten). Was ich allerdings untersch\u00e4tzt hatte war die Tatsache dass es unten im Tal quasi keinen Schatten gibt. Man l\u00e4uft lange Strecken kreuz und quer durch blanke Felder, vorbei an Campingpl\u00e4tzen. Hinter Reckingen machte ich nochmal eine l\u00e4ngere Pause und stellte da dann schon fest, dass mir langsam der Getr\u00e4nkevorrat zur Neige ging. Es war einfach zu warm, damit hatte ich nicht gerechnet.<\/p>\n<p>Im Nachhinein w\u00e4re es cleverer gewesen die Wanderung in M\u00fcnster zu beenden, oder danach einen der Zwischenhalt in Biel oder Blitzingen zum Umsteigen in die Bahn zu nutzen. Da ich aber manchmal (um nicht zu sagen meistens bis quasi immer) ein sturer Ochse bin und mir vorgenommen hatte bis nach Niederwald zu marschieren, wurde eben weiter gelaufen. Zwischen Blitzingen und Niederwald war dann tats\u00e4chlich mal f\u00fcr ein paar Meter Schatten, daf\u00fcr gab es aber zwischendurch auch nochmal kurze giftige Anstiege &#8211; nicht viel, 10 H\u00f6henmeter oder so (das Diagramm ist da zu ungenau) &#8211; aber eben fies.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20230810\/t-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr einen Kilometer vor Niederwald wurde schlie\u00dflich die Rhone \u00fcberquert, der Weg stieg ein paar Meter an bis zur Bahnlinie und nun ging es noch parallel der Gleise bis zum Bahnhof. Dort kam ich ungef\u00e4hr 15:37 Uhr an. Ein Blick auf den Fahrplan verriet, dass um 15:40 Uhr ein Zug kommen sollte. Das passte ja prima.<\/p>\n<p>Fassen wir also mal zusammen: Der Weg ist eigentlich super, aber in erster Linie ist es ein Radweg, teilweise asphaltiert, breit genug auch f\u00fcr Autos bzw. landwirtschaftliche Fahrzeuge. L\u00e4uft sich nat\u00fcrlich super, bietet aber keinerlei Schutz vor der Nachmittagssonne, die unbarmherzig herunterknallte.<\/p>\n<p>Die ganze Wanderung belief sich am Ende auf 21.68km in 5:58h (inklusive Pausen), <strong>\u2197<\/strong>955m<strong>, \u2198<\/strong>1042m. Dabei verteilt es sich ungef\u00e4hr 50\/50 auf den H\u00f6henweg und den Rottenweg.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckfahrt nach Brig (23.9km, 0:53h, \u2197160m*, \u2198715m*)<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Von der R\u00fcckfahrt kann ich gar nicht viel erz\u00e4hlen, mir ging es n\u00e4mlich pl\u00f6tzlich gar nicht mehr gut. Als ich am Bahnhof Niederwald aufh\u00f6rte, einen Fu\u00df vor den anderen zu setzen merkte ich ganz schnell, wie mein Kreislauf der Meinung war, nicht mehr ordentlich im Kreis laufen zu wollen. Der Blutdruck machte \u00dcbungen im Tieftauchen und ich musste mich mal ganz schnell hinsetzen &#8211; es gab nur keinen geeigneten Platz oder eine Bank oder irgendwas, nur ein paar von der Sonne beschienene steinerne Treppenstufen, an denen man sich den Hintern verbrennen konnte. Also trat ich noch drei Minuten lang von einem Fu\u00df auf den anderen und lie\u00df mich dann ziemlich fix und fertig im klimatisierten Zug in einen Sitz fallen.<\/p>\n<p>So wirklich besser wurde es mit dem Kreislauf aber auch da noch nicht, stattdessen brach mir noch kalter Schwei\u00df aus. Erst kurz vor Brig konnte ich wenigstens soweit grade sitzen, dass der Kopf wieder der h\u00f6chste Punkt des K\u00f6rpers war &#8211; vorher hatte ich mich extra flach gemacht. In Brig waren hochsommerliche Temperaturen von weit \u00fcber 30 Grad, als wir um 16:33 Uhr eintrafen. Ich schaffte es mit viel M\u00fche unfallfrei aus dem Zug, musste mich aber noch auf dem Bahnsteig auf eine Bank setzen, zum Gl\u00fcck im Schatten. Da blieb ich dann auch erstmal sitzen, bis ich wieder soweit gradeaus denken konnte, wie ich nun ins Hotel zur\u00fcckkommen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Der Plan lautete also: 150m Weg in den Schatten zum Supermarkt, dort Getr\u00e4nke erstehen und dann mal sehen. Das klappte auch, und frisch bewaffnet mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rivella\">Rivella<\/a>, eiskaltem Orangensaft und einem Eis am Stiel verlie\u00df ich den Laden. Das Eis verschwand in meiner gro\u00dfen Klappe als h\u00e4tte es ein Staubsauger eingesaugt, und pl\u00f6tzlich gings wieder.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20230810\/t-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Ich erreichte das Hotel, schaffte sogar ohne weitere Probleme die 82 Treppenstufen bis ganz nach oben und leerte dort dann quasi in einem Zug den Orangensaft. Danach war ich auch wieder putzmunter und konnte mich den n\u00e4chsten T\u00e4tigkeiten widmen: duschen und W\u00e4sche waschen n\u00e4mlich. Die Wanderklamotten wurden eingeweicht, grob gesp\u00fclt und zum Trocknen aufgehangen, die wurden ja f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage wieder gebraucht.<\/p>\n<p>Den Rest des Tages verbrachte ich im luftigen Schlafanzug auf dem Bett herumgammelnd mit der \u00dcberpr\u00fcfung der TV-Inhalte (viele Sender nur mit Ton statt Bild, das Programm allgemein ziemlich unterirdisch, aber irgendwo fand ich dann auch einen Schweizer Wetterbericht).<\/p>\n<p>Da f\u00fcrs Wochenende potentiell Gewitter und starke Wolkenbildung angesagt war und ich aber am Furkapass die Dampfeisenbahn erwischen wollte (die nur Donnerstags bis Sonntags f\u00e4hrt) lautete der Plan schlie\u00dflich, dass ich am n\u00e4chsten Morgen gleich wieder nach Oberwald fahren w\u00fcrde. Aber das wird dann in den n\u00e4chsten Eintr\u00e4gen in aller unn\u00f6tigen Ausf\u00fchrlichkeit beschrieben werden.<\/p>\n<p>* Die H\u00f6henwerte sind da wohl doch etwas schief, die Bahnstrecke f\u00fchrt ja doch in erster Linie nach unten, aber der GPS-Track war da auch nicht besonders genau. Bei der Hinfahrt hatte ich gar keinen Empfang, weswegen ich die Werte anhand der Streckenbeschreibung aus Wikipedia und den dort verzeichneten H\u00f6henwerten ermittelt und das dann gegen die Strecke in OpenStreetMap geplottet. F\u00fcr die R\u00fcckfahrt sind die H\u00f6henwerte aus dem ungenauen GPS-Track. Realistischer ist ein Abstieg um rund 600m f\u00fcr die R\u00fcckfahrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie der Name andeutet, hatte ich mir f\u00fcr den ersten Tag eine sch\u00f6ne Wanderung herausgesucht &#8211; von Oberwald nach Niederwald n\u00e4mlich. Da f\u00fchrt n\u00e4mlich der Gommer H\u00f6henweg als einer der am besten bewerteten Wanderwege der Schweiz entlang, immer so am Berghang mit viel Aussicht, aber noch unterhalb der Baumgrenze &#8211; so jedenfalls die Beschreibung. In [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4466"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4466"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4466\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4469,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4466\/revisions\/4469"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4466"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4466"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4466"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}