{"id":4419,"date":"2023-07-06T19:58:42","date_gmt":"2023-07-06T17:58:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4419"},"modified":"2023-07-06T19:58:42","modified_gmt":"2023-07-06T17:58:42","slug":"album-der-woche-179","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2023\/07\/06\/album-der-woche-179\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Wir hatten ja vor einigen Wochen erst hochtrabende Themen wie olle Griechen und die Feststellung, dass das Alphabet nicht auf Omikron endet. Und sowas \u00e4hnliches haben wir heute auch, denn wir schauen uns den Anfang und das Ende an. Also den Beginn und das (Quasi-)Ende einer Band. Und mit dieser kurzen, unn\u00f6tigen und wie immer am Thema leicht vorbeilaufenden Einleitung wechseln wir direkt ins Geschehen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im Jahr 1983, mithin also vor 40 Jahren, erschien das erste Album der Band <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Savatage\">Savatage<\/a>. Dieses h\u00f6rt auf den kurz pr\u00e4gnant und von ollen Griechen (ha, da ist der Bezug zur Einleitung) beeinflussten <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sirens_(Savatage_album)\">Sirens<\/a>. Also nicht Sirene wie in Martinshorn, sondern Sirene wie bei Odysseus. Die Gebr\u00fcder Oliva bannten hier in k\u00fcrzestm\u00f6glicher Studiozeit neun Songs aufs Band, die mitten im Spannungsfeld von Heavy Metal, dem aufkommenden Thrash Metal und diversen anderen Unterarten des elektrisch verst\u00e4rkten Gitarrenkrachs.<\/p>\n<p>Zwei Dinge stechen auf dem Album hervor (und ansonsten gibts eigentlich reichlich wenig dr\u00fcber zu erz\u00e4hlen, weil es halt doch im Grunde nur ziemlich simpler Heavy Metal ist, der auch noch ziemlich suboptimal produziert ist): Die absolut abartig heftigen Schreie von S\u00e4nger Jon Oliva, und das wilde Gitarrenspiel seines Bruders Criss. Meisterwerk des Albums ist das Titelst\u00fcck, was sich als einziges auf quasi ewig im Liveset halten konnte, aber auch bei <em>Rage<\/em> oder dem schnellen <em>Scream Murder<\/em> kriegt man einen guten Eindruck davon, wie es klingen kann, wenn jemand seine Stimmb\u00e4nder (und ein anderer die Gitarrensaiten) aufs \u00e4u\u00dferste maltr\u00e4tiert. Inhaltlich gehts hingegen recht d\u00fcster zu, Songtitel wie <em>Holocaust <\/em>oder<em> Twisted Little Sister<\/em> sprechen f\u00fcr sich, und auch <em>Living For The Night<\/em> ist kein Song zum Party machen.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall war das Album zusammen mit der zeitgleich aufgenommenen EP &#8222;The Dungeons Are Calling&#8220; der Einstand der Band, es folgte das \u00dcberalbum &#8222;Power Of The Night&#8220; (in dieser Reihe schon besprochen) und danach kamen ja weitere gro\u00dfe Klassiker. Hier begann also die ganze Geschichte.<\/p>\n<p>Und damit springen wir direkt zehn Jahre nach vorne ans Beinahe-Ende der Band. Im Jahr 1993 erschien &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Edge_of_Thorns\">Edge Of Thorns<\/a>&#8222;. Nach dem Dreigestirn &#8222;Hall Of The Mountain King&#8220;, &#8222;Gutter Ballet&#8220; und &#8222;Streets&#8220; (die auf ewig die besten Savatage-Alben sein werden) war dieses Album ein Einschnitt: Jon &#8222;Mountain King&#8220; Oliva stand nicht mehr am Mikro, da er seine Stimme durch ungesunden Lebenswandel (Drogen, Rauchen, das volle Programm) ruiniert hatte. Als Ersatz kam ein gewisser Zak Stevens rein, der ein exzellenter S\u00e4nger mit superstarker Stimme ist, aber eben kein Jon Oliva. Durch diese Ver\u00e4nderung ver\u00e4nderte sich auch das Songwriting, nach dem \u00fcberkomplizierten Konzeptalbum &#8222;Streets&#8220; waren es jetzt einfach &#8222;nur&#8220; 13 Songs, darunter zwei kurze Instrumentals.<\/p>\n<p>Das beeindruckendste an dem Album ist entsprechend auch Criss Oliva&#8217;s Gitarrenspiel (gefolgt von dem Airbrush-Coverartwork). Mein Highlight ist das Ende von <em>He Carves His Stone<\/em>, die Soli in <em>Edge Of Thorns<\/em> sind aber auch wild. Zak Stevens dr\u00fcckt den Songs ebenso seinen Stempel auf, insbesondere in <em>All That I Bleed<\/em>. Die restlichen Songs bewegen sich irgendwo dazwischen, mal ruhiger wie in <em>Sleep<\/em>, mal d\u00fcster wie in <em>Skraggy&#8217;s Tomb<\/em>, mal mit fiesen Texten wie in <em>Conversation Piece<\/em>.<\/p>\n<p>Was zum Ver\u00f6ffentlichungszeitpunkt im Fr\u00fchjahr 1993 keiner ahnen konnte: Es sollte das letzte Album mit dem Gitarrenspiel von Criss Oliva sein. Im Oktober verstarb er bei einem Autounfall, den ein betrunkener Autofahrer verursacht hatte. Damit war beinahe das Ende von Savatage besiegelt. Jon Oliva f\u00fchrte die Band weiter, Produzent Paul O&#8217;Neill bestimmte aber deutlich mehr die musikalische Ausrichtung mit Fokus auf Konzeptalben und Einflechtung von klassischer Musik. Das f\u00fchrte ja dann zur Gr\u00fcndung des Trans-Siberian Orchestra.<\/p>\n<p>Fazit: Es sind beides nicht die allergr\u00f6\u00dften Klassiker im Katalog der Band, aber aus bandhistorischem Kontext ausgesprochen wichtige Scheiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir hatten ja vor einigen Wochen erst hochtrabende Themen wie olle Griechen und die Feststellung, dass das Alphabet nicht auf Omikron endet. Und sowas \u00e4hnliches haben wir heute auch, denn wir schauen uns den Anfang und das Ende an. Also den Beginn und das (Quasi-)Ende einer Band. Und mit dieser kurzen, unn\u00f6tigen und wie immer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4419"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4419"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4419\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4420,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4419\/revisions\/4420"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}