{"id":4410,"date":"2023-06-15T20:17:43","date_gmt":"2023-06-15T18:17:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4410"},"modified":"2023-06-15T20:17:43","modified_gmt":"2023-06-15T18:17:43","slug":"album-der-woche-176","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2023\/06\/15\/album-der-woche-176\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Fun fact: Das Alphabet hei\u00dft ja bekannterma\u00dfen so, weils nicht mit C und D anf\u00e4ngt. Denn wenns mit C und D anfangen w\u00fcrde, w\u00fcrds ja Gammadelta hei\u00dfen, was eher nach wissenschaftlichem Paper oder nach Science-Fiction klingt (ungew\u00f6hnliche Solaraktivit\u00e4ten im Gammadelta-Quadranten!). Heute gehts aber um das entgegengesetzte Ende des Alphabets, denn wo ich bin ist vorn, und wenn ich hinten bin ist hinten vorn. Und zu wissen wo hinten und vorn ist, ist ja gewisserma\u00dfen das A und O im Leben. Im \u00dcbrigen hei\u00dft es nur deswegen nicht A und Z, weil die ollen Griechen sich nicht mit so komischen Buchstaben wie F herumgeschlagen haben &#8211; waren eben auch alles Philosophen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Am Ende dieser komischen buchstabenlastigen Einleitung kommen wir nun jedenfalls zu einer ungarisch-griechischen Koproduktion, n\u00e4mlich der ungarischen Band mit dem griechisch klingenden Namen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Omega_(Band)\">Omega<\/a>. Denn da gibt es gleich mehrere Alben, die in diesem Jahr runden Geburtstag feiern und deswegen hier mal erw\u00e4hnt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das erste Album &#8211; gleichzeitig das Deb\u00fct der Band &#8211; datiert aus dem Jahr 1968 und h\u00f6rt auf den sperrigen Titel &#8222;Trombit\u00e1s Fredi \u00e9s a rettenetes emberek&#8220; (auf deutsch &#8222;Trompeter Fredi und die schrecklichen Menschen&#8220;). Hier klingt die Band noch sehr nach den damals angesagten Rock- und Beatbands der 60er Jahre, mischt aber auch osteurop\u00e4ische Klangtupfer rein, so dass es nicht zum reinen Abklatsch von Stones, Beatles und Kinks usw. wird. Das Titelst\u00fcck wird zum Beispiel (klar bei dem Namen) mit Trompete begonnen, in anderen Songs kommen Klavier und Fl\u00f6te dazu. Einige Songs wie <em>Ha \u00e9n sz\u00e9l lehetn\u00e9k<\/em> sind in Ungarn inzwischen zu modernen Volksliedern geworden, w\u00e4hrend mich das abschlie\u00dfende <em>Kiskar\u00e1csony-nagykar\u00e1csony<\/em> m\u00e4chtig an die d\u00fcstere Ursprungsfassung von <em>Still I&#8217;m Sad<\/em> der Yardbirds erinnert.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter hatte sich nicht nur die Besetzung ver\u00e4ndert (G\u00e1bor Presser und Tam\u00e1s Soml\u00f3 hatten Locomotiv GT gegr\u00fcndet und die Haupttexterin Anna Adamis gleich mitgenommen), die Band hatte auch drei weitere Alben ver\u00f6ffentlicht, international getourt und den Sound mehr in Richtung fr\u00fche Deep Purple verschoben. Das f\u00fcnfte Album erschien also 1973 (und wurde 25 Jahre sp\u00e4ter als &#8222;Szvit&#8220; (Suite) neu aufgelegt. Der Name ist dabei Programm, eine LP-Seite wird komplett von einer Suite eingenommen, die wiederum aus mehreren lose zusammenh\u00e4ngenden St\u00fccken besteht &#8211; Progressive Rock auf ungarisch also. Der Sound ist insgesamt sehr orgellastig, in der Suite gibts stellenweise auch Streicherunterst\u00fctzung, am Ende wirds aber lupenreiner Hardrock, der sich nicht vor den englischen Originalen verstecken braucht. <em>A j\u00f6vend\u00f5mond\u00f3<\/em> klingt beispielsweise schwer danach, als h\u00e4tte man die Sounds direkt von Deep Purple&#8217;s &#8222;Machine Head&#8220; nach Ungarn verfrachtet. Im letzten Song <em>B\u00facs\u00faztat\u00f3<\/em> hingegen wird ein Synthesizer eingesetzt, was dann einen Ausblick auf die n\u00e4chsten Jahre gibt.<\/p>\n<p>Bevor die dazu kommen, m\u00fcssen wir aber noch das Album &#8222;Omega&#8220; erw\u00e4hnen, welches ebenfalls 1973 erschien und englischsprachige Titel enth\u00e4lt. Diese stammen von verschiedenen Alben der fr\u00fchen 70er und bieten einen \u00dcberblick \u00fcber das Schaffen der Band.<\/p>\n<p>Wiederum f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter waren Omega eine der f\u00fchrenden Bands im Ostblock und nahmen ihre Alben mit modernster Technik im Westen auf. Zum Sound hatte sich dabei ein guter Schuss Pink Floyd hinzugesellt.<\/p>\n<p>Das achte Album der Band hei\u00dft auf englisch &#8222;Skyrover&#8220;, auf ungarisch &#8222;Csillagok \u00fatj\u00e1n&#8220; (ich kann die \u00dcbersetzung nicht ganz nachvollziehen, denn das ungarische Titelst\u00fcck wurde mit <em>High On The Starway<\/em> \u00fcbersetzt, w\u00e4hrend es auf deutsch wohl in etwa &#8222;Sternenweg&#8220; hei\u00dfen d\u00fcrfte). Egal, die Scheibe erschien 1978 und ist f\u00fcr mich neben dem Vorg\u00e4ngeralbum das Beste, was die Band je aufgenommen hat. Das beginnt schon mit der Overt\u00fcre aka <em>Nyit\u00e1ny<\/em>, bei der einem erstmal das klassische da-da-daaaaa von Beethoven um die Ohren gehauen wird, bevor die Musik nahtlos in ein spaciges Instrumental \u00fcbergeht. An zweiter Stelle folgt das englische Titelst\u00fcck <em>Skyrover<\/em> bzw. <em>\u00c9gi v\u00e1ndor<\/em>, eine Pianoballade mit fl\u00e4chigen Keyboardsounds untermalt. Danach folgt das St\u00fcck <em>Russian Winter<\/em> bzw. <em>L\u00e9na<\/em>, eine konsequente Vertonung eines Rittes durch verschneite W\u00e4lder. Das folgende St\u00fcck <em>The Lost Prophet<\/em> (<em>L\u00e9gy er\u00f5s<\/em>) ist erneut recht ruhig und atmosph\u00e4risch geraten, und erinnert phasenweise (und insbesondere beim Gitarrensolo) frappierend an Mittsiebziger Pink Floyd. Es folgt ein wesentlich rockigeres Stock namens <em>Metamorf\u00f3zis<\/em> (bzw. <em>Metamorphosis<\/em>), bei dem ein Synthesizer f\u00fcr Klangtupfer zust\u00e4ndig ist. Danach ist erneut eine Ballade dran, <em>Purple Lady<\/em> bzw. <em>B\u00edbor h\u00f6lgy<\/em> n\u00e4mlich, bevor das ungarische Titelst\u00fcck mit seinem markanten Bassintro daherkommt &#8211; \u00c4hnlichkeiten mit <em>Space Truckin&#8216;<\/em> sind sicher nur zuf\u00e4llig. Danach folgt der zweite Teil von <em>Metamorf\u00f3zis<\/em> (in der englischen Fassung <em>The Hope, The Bread And The Wine<\/em> betitelt). Musikalisch hat es aber quasi nix mit dem ersten Teil zu tun, daf\u00fcr geht der Keyboardklang am Ende nahtlos in das abschlie\u00dfende Fin\u00e1l\u00e9 \u00fcber, welches die instrumentale Overt\u00fcre wieder aufgreift, weiter ausschm\u00fcckt und den H\u00f6rer am Ende mit den Schlussakkorden von Beethoven&#8217;s F\u00fcnfter Sinfonie entl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Fazit: Drei Alben, drei sehr unterschiedliche Klangwelten. Die ungarischen Texte haben nat\u00fcrlich nochmal nen Exotenbonus, aber auch rein musikalisch kann man hier auf ausgedehnte Entdeckungsreisen gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fun fact: Das Alphabet hei\u00dft ja bekannterma\u00dfen so, weils nicht mit C und D anf\u00e4ngt. Denn wenns mit C und D anfangen w\u00fcrde, w\u00fcrds ja Gammadelta hei\u00dfen, was eher nach wissenschaftlichem Paper oder nach Science-Fiction klingt (ungew\u00f6hnliche Solaraktivit\u00e4ten im Gammadelta-Quadranten!). 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