{"id":4369,"date":"2023-04-14T19:37:10","date_gmt":"2023-04-14T17:37:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4369"},"modified":"2023-04-14T19:37:10","modified_gmt":"2023-04-14T17:37:10","slug":"album-der-woche-167","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2023\/04\/14\/album-der-woche-167\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Der Postbote hat heute das neue Metallica-Album vorbeigebracht. Ob das nur eine aufgepumpte Parodie von Vivaldi ist (so von wegen 18x Vier Jahreszeiten) oder einfach nur das Wetter dieser Woche beschreibt (wir hatten n\u00e4mlich von Sonnenschein \u00fcber Nebel, Regen und Nachtfrost so ziemlich alles dabei, was man nicht unbedingt haben will) ist noch nicht klar, und Album der Woche ist es auch nicht. Warum ich das dann trotzdem erw\u00e4hne? Weil das Album der Woche von der anderen Band ist, die man neben Metallica als unumschr\u00e4nkte Platzhirsche im Heavy Metal ansehen kann.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es geht also um Iron Maiden, und die gro\u00dfe Gretchenfrage ist nun eigentlich nur: Welches Album darfs denn sein? Zur Auswahl stehen (in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge): Dance Of Death von 2003, Virtual XI von 1998, Seventh Son Of A Seventh Son von 1988 und Piece Of Mind von 1983.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Dance_of_Death_(album)\">Dance Of Death<\/a> enth\u00e4lt eine Handvoll relativ brauchbarer Songs, aber auch jede Menge F\u00fcllmaterial. Als brauchbare Songs w\u00fcrde ich <em>No More Lies<\/em> und <em>Dance Of Death<\/em> bezeichnen (letzterer ist der einzige, der sich l\u00e4ngerfristig im Liveset halten konnte). Einsames Highlight und einer der besten Songs der Band, der es auch mit den Gro\u00dftaten der 80er aufnehmen kann, ist <em>Paschendale<\/em>, ein Epos \u00fcber die Dritte Flandernschlacht, die 1917 an der belgischen Westfront stattfand. Das Albumcover hingegen ist das mit Abstand schlechteste der Bandgeschichte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Virtual_XI\">Virtual XI<\/a> war damals das zweite und letzte Album mit Blaze Bayley als S\u00e4nger, der die gro\u00dfen Fu\u00dfstapfen von Bruce Dickinson nicht ausf\u00fcllen konnte &#8211; was aber nicht allein an ihm lag, wie er 2000 mit Silicon Messiah bewies. Das Songmaterial des Albums ist auch eher mal mittelpr\u00e4chtig, und Steve Harris tat sich auch keinen Gefallen, als er alles selbst im Heimstudio abmischte. <em>The Angel And The Gambler<\/em> durch endlose Wiederholungen auf knapp 10 Minuten aufzupusten, obwohl dem Song nach sp\u00e4testens der H\u00e4lfte die Luft ausgeht ist auch kein Fehler des S\u00e4ngers gewesen. Als Highlights gehen hingegen die Single <em>Futureal<\/em> (eins der k\u00fcrzesten St\u00fccke von Maiden \u00fcberhaupt) und <em>The Clansman<\/em> durch &#8211; beide wurden auch von Bruce Dickinson live gesungen.<\/p>\n<p>Kommen wir nun also zu den eigentlichen Anw\u00e4rtern auf den Titel &#8222;Album der Woche&#8220;. Seventh Son Of A Seventh Son borgt sich den Titel von einem Buch von Orson Scott Card und spinnt daraus eine Art Geschichte, was die Scheibe zu einem &#8222;Konzeptalbum light&#8220; macht &#8211; jeder Song steht f\u00fcr sich alleine, aber alles dreht sich lose um den Kampf zwischen Gut und B\u00f6se, die sich die Kr\u00e4fte des Siebten Sohnes eines siebten Sohnes zunutze machen wollen. Den Charakter eines Konzeptalbums unterstreichen dann auch so Sachen wie die Wiederholung des Intros als Outro. Mich hat das Konzept nie wirklich \u00fcberzeugt, die Songs (bis auf einen) hingegen schon.<\/p>\n<p>Soundtechnisch relevant ist hier die Verwendung von Synthesizern zur Erweiterung des Klangspektrums, nachdem im Vorg\u00e4ngeralbum Somewhere In Time noch Gitarren-Synths verwendet worden waren, sehr zum Verdruss der Fans. Hier sorgte es allenfalls f\u00fcr einen Sound, der f\u00fcr einige zu pop-orientiert war. Insbesondere die Single <em>Can I Play With Madness<\/em> schielt arg direkt auf Radio-Airplay und landete auch auf Platz 3 in den britischen Charts, ist als Song aber eher mal verzichtbar.<\/p>\n<p>Aber beginnen wir mal ganz am Anfang: <em>Moonchild<\/em> er\u00f6ffnet das Album mit einem ruhigen Intro, steigert sich dann nach und nach in einen flotten Banger, ist aber ansonsten nicht irgendwie weiter relevant. Das folgende <em>Infinite Dreams<\/em> erz\u00e4hlt wieder mal von fiesen Alptr\u00e4umen, was bei Maiden ja Tradition hat und punktet mit abwechslungsreichem Songwriting und viel Heaviness. Danach folgt das schon angesprochene <em>Can I Play With Madness<\/em>, auf das wiederum <em>The Evil That Men Do<\/em> folgt, einer der gro\u00dfen Klassiker der Band. Gesanglich ist der Refrain ein ziemlicher Killer, textlich ist Shakespeare angesagt (wenn auch nur in Anlehnung und nicht inhaltlich): &#8222;The Evil that men do lives after them, The good is oft interred with their bones.&#8220; Hat er recht gehabt, der gute William.<\/p>\n<p>Auf der zweiten Seite des Albums findet sich das namensgebende Magnum Opus <em>Seventh Son Of A Seventh Son<\/em>, einer der ganz gro\u00dfen (und langen) Klassiker der Bandgeschichte mit seinen fast 10 Minuten. Die dritte Single <em>The Clairvoyant<\/em> kommt mit einem netten Bass-Intro und ziemlich starken Refrains daher und entstand aus der gar nicht mal so d\u00e4mlichen Fragestellung &#8222;Kann ein Hellseher seinen eigenen Tod vorhersehen?&#8220; Das abschlie\u00dfende <em>Only The Good Die Young<\/em> beschlie\u00dft das Album, hat aber sonst keine weitergehende Relevanz, ebenso das von mir grad \u00fcbersprungene <em>The Prophecy<\/em> &#8211; beide Songs spinnen das Konzept-Thema aus, \u00fcber dass ich mir aber eben quasi nie Gedanken machte.<\/p>\n<p>Das letzte Album im Bunde ist nun <em>Piece Of Mind<\/em> (ja richtig, nix Peace Of Mind, aufm Cover gibts Gummizelle und Lobotomie). Das Album war das erste mit Nicko McBrain am Schlagzeug, womit die klassischste Maiden-Besetzung mit Bruce Dickinson, Adrian Smith, Dave Murray, Steve Harris und eben Nicko McBrain komplett war. In dieser Besetzung wurden dann auch die n\u00e4chsten Alben bis inklusive &#8222;Seventh Son&#8230;&#8220; aufgenommen, die ja bis heute als Eckpfeiler der Banddiskographie und Konsens-Album der allermeisten Metal-Fans gelten.<\/p>\n<p>Ein paar Stinker gibts aber auch hier, die fallen nur nicht so auf, weil sie sich zwischen ordentlich Weltklasse verstecken. Das Album beginnt mit <em>Where Eagles Dare<\/em>, einem Song \u00fcber einen gleichnamigen Roman, der Clint Eastwood verfilmt wurde. Dessen Story \u00fcber das Enttarnen eines britischen Doppelagenten im Zweiten Weltkrieg ist aber so verworren, dass ich sie bis heute nicht geschnallt habe. Ist halt ein Actionfilm, Denken ist da nicht so entscheidend. Musikalisch ist das aber erste Sahne, und das Drum-Intro zeigt gleich mal, dass Nicko ordentlich was drauf hat. <em>Revelations<\/em> ist mein pers\u00f6nlicher Lieblingssong auf dem Album, m\u00e4chtig heavy und mit einem vieldeutigen Text \u00fcber Crowley und die Bibel. Der andere Lieblingssong ist das folgende <em>The Flight Of Icarus<\/em>, was sich aber inhaltlich nicht an die griechische Vorlage h\u00e4lt. Die Nummer wurde nach jahrzehntelanger Pause vor f\u00fcnf Jahren endlich auch live wieder ausgepackt und war gro\u00dfes Konzerthighlight. Die erste Albumseite wird abgeschlossen von <em>Die With Your Boots On<\/em>. Das ist dann aber eher ein L\u00fcckenf\u00fcller.<\/p>\n<p>Die zweite Seite enth\u00e4lt mit <em>The Trooper<\/em> gleich einen der allergr\u00f6\u00dften Klassiker \u00fcberhaupt. Der Song bezieht sich auf den Angriff der leichten Kavallerie w\u00e4hrend des Krimkriegs anno 1854, was ja aktuell wieder tagesaktuell ist &#8211; also die Krim, nicht die leichte Kavallerie. Der Angriff war ein Desaster f\u00fcr die Briten &#8211; ein Frontalangriff auf eine befestigte und mit Kanonen verteidigte Position und damit ein Vorbote auf das, was sich sp\u00e4ter in \u00e4hnlicher Form in der Schlacht von Gettysburg und noch viel sp\u00e4ter an der Somme wiederholen sollte. Der Song ist wie schon gesagt einer der allergr\u00f6\u00dften Klassiker nicht nur von Maiden, sondern im Heavy Metal \u00fcberhaupt. Das kann man vom folgenden <em>Still Life<\/em> nicht behaupten, das bleibt in erster Linie wegen des davor zu h\u00f6renden r\u00fcckw\u00e4rts abgespielten Textes von Nicko McBrain im Ged\u00e4chtnis. Damit nahm die Band die Kritiker in Amerika aufs Korn, die ihnen wegen <em>The Number Of The Beast<\/em> Satanismus vorwarfen. Danach folgen zwei weitere L\u00fcckenf\u00fcller namens <em>Quest For Fire<\/em> (basierend auf einem seltsamem franz\u00f6sischen Film von 1981) und <em>Sun And Steel<\/em> (eine Nummer \u00fcber Samurai &#8211; das Thema wurde Jahrzehnte sp\u00e4ter mit &#8222;Senjutsu&#8220; erneut aufgegriffen). Den Abschluss der Scheibe bildet ein Song, der nicht so hei\u00dfen durfte wie er h\u00e4tte hei\u00dfen m\u00fcssen: <em>To Tame A Land<\/em> basiert auf der Romanreihe Dune von Frank Herbert, der aber keine Erlaubnis zur Verwendung des Namens gab. Der Song ist ein Epos in der Tradition von <em>Phantom Of The Opera<\/em> oder <em>Hallowed Be Thy Name<\/em>, kommt aber nicht ganz an diese beiden Songs ran.<\/p>\n<p>Fazit: Vier Alben, zweimal meh, zweimal yeah. Und nun werd ich mir wohl mal in Ruhe die neue Metallica reinziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Postbote hat heute das neue Metallica-Album vorbeigebracht. 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