{"id":4360,"date":"2023-04-01T11:39:11","date_gmt":"2023-04-01T09:39:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4360"},"modified":"2023-04-01T11:39:11","modified_gmt":"2023-04-01T09:39:11","slug":"album-der-woche-165","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2023\/04\/01\/album-der-woche-165\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>N\u00e4chste Woche ist Ostern, was ja irgendwo irgendwann vor langer langer Zeit in einem weit weit entfernten Land mal was mit ollen R\u00f6mern zu tun hatte: Links zum Tor hinaus, jeder nur ein Kreuz und so. Und deswegen gehts heute im weiteren Sinne um das Thema, dass man es manchmal im Kreuz hat (oder so \u00e4hnlich).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich taucht das Kreuz namensgebend im Albumtitel auf. Es geht dabei um Geschichtsunterricht der krawalligen Sorte. Es geht (unter anderem) um Mythen und Legenden in Verbindung mit Robin Hood, um die schottische Unabh\u00e4ngigkeit sowie die Zusammenh\u00e4nge zwischen Indy Jones und Monty Python.<\/p>\n<p>Dieser Geschichtsunterricht wurde vor 25 Jahren von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Grave_Digger_(band)\">Grave Digger<\/a> pr\u00e4sentiert, die damals in ihrer &#8222;Middle Ages&#8220; Trilogie unterwegs waren. Der erste Teil &#8222;Tunes Of War&#8220; drehte sich im weiteren Sinne um die psychologische Auswirkung von Dudels\u00e4cken auf die Kampfeinstellung englischer Soldaten. Der dritte Teil &#8222;Excalibur&#8220; greift wiederum Monty Python auf, weil das Verteilen von irgendwelchen Schwertern aus irgendwelchen Seen heraus keine Grundlage f\u00fcr eine Regierung sein kann &#8211; Geralt von Rivia w\u00fcrde da sicher auch widersprechen. Heute gehts also um den zweiten Teil &#8211; &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Knights_of_the_Cross_(album)\">Knights Of The Cross<\/a>&#8220; von 1998.<\/p>\n<p>Thematisch gehts also um die Geschichte des Ordens der Tempelritter zur Zeit der Kreuzz\u00fcge. Die Band achtete aber sehr genau drauf, dass man sich an historisch verb\u00fcrgte Fakten hielt, soweit das anhand der verf\u00fcgbaren Aufzeichnungen m\u00f6glich war. Namen, Daten und Orte sind also wohl ziemlich korrekt.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist das Album damit ein Konzeptalbum und muss als solches mehr oder weniger am St\u00fcck geh\u00f6rt werden, weil man sonst L\u00fccken in der Geschichte hat. Tats\u00e4chlich stehen die Songs aber auch gut f\u00fcr sich alleine, und wenn man sich \u00fcber die gr\u00f6\u00dferen Zusammenh\u00e4nge keinen Kopp macht hat man einfach elf Metalsongs plus ein Intro, am letzten Song h\u00e4ngt noch direkt ein kurzes Outro dran. Bei Grave Digger gings immer um die klassischen Stampfer im Accept-Stil, gepaart mit den Reibeisen-Vocals von Chris Boltendahl. Farbtupfer gibts in Form von diversen Keyboard-Einsprengseln, aber definitiv weit davon entfernt irgendwie alles mit Keyboardfl\u00e4chen zuzukleistern. Je nach Thema gibts auch mal kurze akustische Atempausen.<\/p>\n<p>Die Geschichte beginnt (<em>Knights Of The Cross<\/em>) mit dem ersten Kreuzzug und der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzz\u00fcgler im Jahre 1099. Zwanzig Jahre sp\u00e4ter wird der Templerorden gegr\u00fcndet, um die heiligen St\u00e4tten Jerusalems bzw. das Heilige Land gegen die Moslems zu verteidigen. Ist halt bl\u00f6d, wenn die die gleichen heiligen Gebiete beanspruchen. Das wird im Song <em>Monks Of War<\/em> thematisiert. Tats\u00e4chlich waren es also Ritter im p\u00e4pstlichen Auftrag, nicht etwa M\u00f6nche, die der heiligen Schrift durch scharfkantige Meinungsverst\u00e4rker mehr Nachdruck verleihen wollte. Die Tempelritter wuchsen schnell zu einer Armee, die eine entsprechend gro\u00dfe Rolle als religi\u00f6ser, politischer und milit\u00e4rischer Machtfaktor in der Region und weit dar\u00fcber hinaus spielte.<\/p>\n<p>Ihnen gegen\u00fcber standen die st\u00e4rker werdenden muslimischen K\u00e4mpfer, darunter die mythischen Assassine aus Persien. Die k\u00e4mpften mit Methoden, die noch heute von Geheimdiensten angewandt werden und nutzten eher List und Heimt\u00fccke, da sie kein Heer f\u00fcr eine gro\u00dfe Feldschlacht hatten. Das Wort Assassine hat \u00fcbrigens den gleichen Wortstamm wie Haschisch, denn sie nutzten die Droge wohl tats\u00e4chlich. Dieses ganze Thema wird in <em>Fanatic Assassins<\/em> durchgekaut.<\/p>\n<p>Robin Hood kommt im folgenden Song ins Spiel, K\u00f6nig Richard I. (L\u00f6wenherz) k\u00e4mpfte ja im Dritten Kreuzzug im heiligen Land, w\u00e4hrend der Held in Strumpfhosen im Sherwood Forest Postkutschen \u00fcberfiel (oder so \u00e4hnlich). Logischerweise hei\u00dft der Song zum Thema <em>Lionheart<\/em>. Indy Jones kommt danach dran, denn die Legenden behaupten dass die Tempelritter den Heiligen Gral bewachten (<em>Keeper Of The Holy Grail<\/em>). Die ganze Geschichte fand auch ihren Eingang in die Geschichten um K\u00f6nig Arthur und die Ritter der Tafelrunde, f\u00fcr weitere Forschungen zum Thema kann man ja auch mal wieder Indiana Jones And The Last Crusade spielen bzw den gleichnamigen Film gucken.<\/p>\n<p>Das Ende des Ordens wird in den n\u00e4chsten vier Songs thematisiert. Da kommt nun Monty Python dazu, denn &#8222;Nobody expects the Spanish Inquisition&#8220;). Gut, bei den Templern warens keine Spanier, aber die Templer waren gewissen politischen Kreisen zu m\u00e4chtig und einflussreich geworden, weswegen man ihnen nun unter dem Vorwand der H\u00e4resie die <em>Inquisition<\/em> auf den Hals hetzte. Angeblich beteten die Tempelritter den Gott <em>Baphomet<\/em> an, was wohl eine Umschreibung f\u00fcr Mohammed sein k\u00f6nnte. Philipp IV von Frankreich hatte gro\u00dfe Schulden beim Templerorden, was wohl der Hauptgrund f\u00fcr ihn war, gegen den wohlhabenden Orden vorzugehen. Papst Clemens V wurde schlie\u00dflich von ihm gezwungen den Orden 1312 aufzul\u00f6sen. Wenige verbliebene Ritter flohen aus Frankreich in Richtung England (<em>Over The Sea<\/em>). Der letzte Gro\u00dfmeister des Ordens, Jacques de Molay wurde 1314 get\u00f6tet. Angeblich verfluchte er vom Scheiterhaufen aus den franz\u00f6sischen K\u00f6nig und den Papst, die beide innerhalb des kommenden Jahres starben (<em>The Curse Of Jacques<\/em>).<\/p>\n<p>Zum Abschluss des Albums gehts nochmal um schottische Kampfdudler, denn im Jahr 1314 k\u00e4mpften in der Schlacht von Bannockburn die Schotten gegen eine \u00dcbermacht der Engl\u00e4nder und gewannen, was nach weiteren K\u00e4mpfen schlie\u00dflich zur (vor\u00fcbergehenden) schottischen Unabh\u00e4ngigkeit f\u00fchrte. Angeblich k\u00e4mpften auf Seiten der Schotten einige wenige, daf\u00fcr aber kampferprobte Tempelritter (<em>Battle Of Bannockburn<\/em>).<\/p>\n<p>So, nun hab ich viel \u00fcber die historischen Inhalte gelabert, aber nicht viel zur Musik gesagt. Anspieltipps sind aus meiner Sicht das Titelst\u00fcck, <em>Lionheart<\/em> und das abschlie\u00dfende <em>The Battle Of Bannockburn<\/em>. Das sind klassische Hymnen mit fetten Ch\u00f6ren, etwas schneller und mit ordentlich Doublebass geht es bei <em>Monks Of War<\/em> und <em>Fanatic Assassins<\/em> zur Sache, w\u00e4hrend <em>Heroes Of This Time<\/em> und <em>The Keeper Of The Holy Grail<\/em> eher schleppend durchs Heilige Land stampfen. Richtiggehend getragen passend zum Thema wird <em>The Curse Of Jacques<\/em> dargeboten.<\/p>\n<p>Fazit: Geschichtsunterricht der anderen Art, klassisch teutonische Metallfachverarbeitung und eins der st\u00e4rksten Alben im Katalog von Grave Digger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>N\u00e4chste Woche ist Ostern, was ja irgendwo irgendwann vor langer langer Zeit in einem weit weit entfernten Land mal was mit ollen R\u00f6mern zu tun hatte: Links zum Tor hinaus, jeder nur ein Kreuz und so. 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