{"id":4235,"date":"2023-03-01T17:02:55","date_gmt":"2023-03-01T16:02:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4235"},"modified":"2023-03-03T20:37:39","modified_gmt":"2023-03-03T19:37:39","slug":"album-der-woche-161","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2023\/03\/01\/album-der-woche-161\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Das Album der Woche wird heute auf den Tag genau 50 Jahre alt, ist unbestritten einer der ganz gro\u00dfen Klassiker und eigentlich ist dar\u00fcber von unz\u00e4hligen Leuten schon alles wichtige und vor allem unwichtige dar\u00fcber erz\u00e4hlt worden. Und genau deswegen gebe ich da jetzt auch noch meinen Senf dazu.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Beginnen wir beim Albumcover, das weder Bandname noch Albumtitel enth\u00e4lt &#8211; sowas trauen sich ja nur die ganz Gro\u00dfen wie Led Zeppelin. Stattdessen gibts ein Bild aus dem Physik-Lehrbuch. Zu sehen ist auf schwarzem Hintergrund ein Lichtstrahl, der auf ein Prisma trifft und in alle Farben des Regenbogens zerlegt wird. Das Bild ist so ikonisch, da d\u00fcrfte fast jeder erkannt haben, dass es um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pink_Floyd\">Pink Floyd<\/a>&#8217;s Meisterwerk &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Dark_Side_of_the_Moon\">The Dark Side Of The Moon<\/a>&#8220; geht. (Besagte dunkle Seite gibts ja aber sowieso nicht, &#8222;matter of fact it&#8217;s all dark&#8220; &#8211; wie man auf dem Album ja erf\u00e4hrt).<\/p>\n<p>Das Album l\u00e4sst sich mit einem Wort beschreiben: &#8222;Wahnsinn&#8220;. Das war das Konzept, dass Bassist Roger Waters als inhaltliche Klammer aller Songs vorschlug &#8211; Dinge, die den Menschen in den Wahnsinn treiben. Geld als Wurzel allen \u00dcbels, Stress und Hektik, nie Zeit zu haben, Politik im Allgemeinen und Kriege im Besonderen, und so weiter und so weiter. Daraus entstanden also neun Songs, die auf zwei LP-Seiten quasi nahtlos ineinander \u00fcbergehen.<\/p>\n<p>Musikalisch war man nach den ausufernden psychedelischen Experimenten der Anfangsjahre deutlich kompakter unterwegs, die modernste Studiotechnik wurde aufgefahren und Toningenieur Alan Parsons (sp\u00e4ter mit eigener Band erfolgreich) zauberte einen glasklaren Sound, bei dem die ganzen Effekte (Herzschlag, Sprachfetzen, Weckerklingeln, Registrierkassen und so weiter) ihren Platz im Gro\u00dfen Ganzen finden. Das Album ist eines der wenigen, wo sich eine gute Surroundanlage wirklich lohnt, der Surroundmix ist allererste Sahne, wenn die Gespr\u00e4chscollagen aus allen Ecken auf einen Einprasseln und die Kassen im Kreis klingeln ist das schon sehr speziell.<\/p>\n<p>Man nehme sich also ein Glas Rotwein, mache es sich auf dem Sessel gem\u00fctlich und starte das Album. Es beginnt mit einem langsam eingeblendeten Herzschlag, unverst\u00e4ndlichen Gespr\u00e4chsfetzen, diversen Ger\u00e4uschen, steigert sich zu einem Schrei und nach gut einer Minute ist der Opener <em>Speak To Me<\/em> auch schon direkt in das St\u00fcck <em>Breathe<\/em> \u00fcbergegangen. Inhaltlich beschreibt es so etwas wie die Geburt und unbeschwerte Kindheit und den Ausblick auf das m\u00f6glicherweise eint\u00f6nige Leben als Erwachsener in den F\u00e4ngen der modernen Gesellschaft &#8211; &#8222;Long you live and high you fly, but only if you ride the tide. Balanced on the biggest wave, you race towards an early grace.&#8220;<\/p>\n<p>Damit geht das St\u00fcck auch nahtlos in <em>On The Run<\/em> \u00fcber, ein weiteres Instrumentalst\u00fcck, welches das Thema Reisen bzw. konkreter Flugangst zum Inhalt hat. Musikalisch wird das St\u00fcck von einem Synthesizer-Loop vorangetrieben, was eine konstante Hektik und Ruhelosigkeit verbreitet &#8211; passend zu den Emotionen die man zum Beispiel an Flugh\u00e4fen oder Bahnh\u00f6fen gerne mal hat. Mit dem Klang eines abst\u00fcrzenden Flugzeugs endet dieser Alptraum.<\/p>\n<p>Man h\u00f6rt tickende Uhren, und schon fangen aus allen Ecken irgendwelche Wecker an zu klingeln. Richtig, das n\u00e4chste St\u00fcck hei\u00dft konsequenterweise <em>Time<\/em>. Im mehrmin\u00fctigen Intro des Songs l\u00e4uft in der Basslinie wieder der Herzschlag aus dem Albumanfang mit, jetzt aber eingebettet in die Rhythmik diverser Percussioninstrumente &#8211; &#8222;ticking away the moments that make up a dull day&#8220;. Der Song beginnt, die Zeit rast, und pl\u00f6tzlich stellt man fest, dass nicht nur der Song fast schon wieder vorbei ist: &#8222;And then one day you find ten years have got behind you. No one told you when to run, you missed the starting gun.&#8220; Carpe diem und so. Lyrisch ganz gro\u00dfes Kino hier. Zum Ende des Songs wird dann das er\u00f6ffnende musikalische Thema aus <em>Breathe<\/em> nochmal aufgegriffen.<\/p>\n<p>Den Abschluss der ersten LP-Seite bildet <em>The Great Gig In The Sky<\/em>, ein quasi Instrumentalst\u00fcck zum Thema Tod und Trauer, bei dem Gasts\u00e4ngerin Clare Torry die f\u00fcnf Stufen der Trauer lautmalerisch durchleidet, mal flehend, mal wimmernd, mal schreiend &#8211; auf jeden Falle aber h\u00f6chst beeindruckend in der schieren interpretativen Performance.<\/p>\n<p>Die zweite LP-Seite beginnt mit dem Klappern der Kassen und den Ger\u00e4uschen von M\u00fcnzw\u00fcrfen, eingespielt in einem Loop auf einem 7\/4-Takt eines markanten Bass-Riffs. <em>Money<\/em> d\u00fcrfte einer der bekanntesten Songs von Pink Floyd sein &#8211; &#8222;money, so they say, is the root of all evil today&#8220; (stimmt auch nach 50 Jahren noch). Mittendrin gibts dann noch ein Solo im 4\/4-Takt (der Legende zufolge soll Gitarrist David Gilmour nicht in der Lage gewesen sein, auf 7\/4 zu solieren).<\/p>\n<p>Auf jeden Fall blendet das St\u00fcck dann direkt in die l\u00e4ngste Nummer der Scheibe \u00fcber. <em>Us And Them<\/em> dreht sich um das Thema Krieg in relativ abstrakter Form (ein Thema, dass Roger Waters sp\u00e4ter noch h\u00e4ufig und sehr viel plakativer nutzen sollte) &#8211; &#8222;&#8218;Forward!&#8216; he cried, from the rear and the front rank died. The general sat and the lines on the map moved from side to side&#8220;. Man kann den Text aber auch auf s\u00e4mtliche anderen Formen von Konflikten m\u00fcnzen, seien sie nun pers\u00f6nlicher oder anderer Natur. Nach knapp acht Minuten und ein Saxofon sp\u00e4ter geht der Song direkt in das Instrumentalst\u00fcck <em>Any Colour You Like<\/em> \u00fcber &#8211; m\u00f6glicherweise auf Henry Ford gem\u00fcnzt, der ja auch Autos in allen Farben verkaufte &#8211; solang sie schwarz waren. Die Wahlfreiheit ist ja wie so oft im Leben nur eine Illusion, und ob man nun die eine Partei oder die andere w\u00e4hlt, \u00fcber Ohr gehauen wird man so oder so.<\/p>\n<p>Und damit w\u00e4ren wir dann beim Wahnsinn angekommen. <em>Brain Damage<\/em> ist auf das fr\u00fchere Bandmitglied Syd Barrett gem\u00fcnzt, der in einer unheilvollen Kombination aus Schizophrenie und LSD irgendwann in den sp\u00e4ten Sechzigern den Verstand verloren hatte: &#8222;You lock the door and throw away the key, there&#8217;s someone in my head but it&#8217;s not me.&#8220; Hier taucht nun auch die namensgebende dunkle Seite des Mondes auf: &#8222;And if the band you&#8217;re in starts playing different tunes, I&#8217;ll see you on the dark side of the moon.&#8220; Auch das ist eine direkte Anspielung auf Barrett.<\/p>\n<p>Damit geht nun auch dieser Song nahtlos in das abschlie\u00dfende <em>Eclipse<\/em> \u00fcber. Hier wird nochmal alles aufgez\u00e4hlt, was das Leben so ausmacht: &#8222;All that is now, and all that is gone, and all that&#8217;s to come&#8220; &#8211; das Leben, das Universum und der ganze Rest quasi. Und alles, also wirklich alles, steht unter einem zentralen Einfluss: &#8222;And everything under the sun is in tune, but the sun is eclipsed by the moon.&#8220; Und damit blendet die Musik aus, zur\u00fcck bleibt der Herzschlag des Albumanfangs und die unsterblichen Worte des damaligen Pf\u00f6rtners der Abbey Road-Studios:<\/p>\n<p>&#8222;There is no dark side of the moon, really. As a matter of fact it&#8217;s all dark.&#8220;<\/p>\n<p>Fazit: Einer der unbestritten ganz gro\u00dfen Klassiker der Rockgeschichte, muss man kennen, blablabla. Das Album muss man sowieso am St\u00fcck geh\u00f6rt haben, und optisch macht das nat\u00fcrlich mit der gro\u00dfen Lightshow noch viel mehr her: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ImlFp6QOZRU\">Live PULSE<\/a> (1994)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Album der Woche wird heute auf den Tag genau 50 Jahre alt, ist unbestritten einer der ganz gro\u00dfen Klassiker und eigentlich ist dar\u00fcber von unz\u00e4hligen Leuten schon alles wichtige und vor allem unwichtige dar\u00fcber erz\u00e4hlt worden. 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