{"id":4186,"date":"2022-11-30T20:11:07","date_gmt":"2022-11-30T19:11:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4186"},"modified":"2022-11-30T20:11:07","modified_gmt":"2022-11-30T19:11:07","slug":"album-der-woche-148","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/11\/30\/album-der-woche-148\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche war Mainstream-Pop, deswegen gibts diese Woche Kontrastprogramm. Dazu begeben wir uns nach Florida und diskutieren nicht nur ein Album, sondern zwei &#8211; von der gleichen Band, aber grundverschieden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das erste Album der aktuellen Woche stammt aus dem Jahr 1987. Es war damals das vierte Album der Bandgeschichte. Das erste war ein Underground-Hit, das zweite habe ich in dieser Reihe vor zwei Jahren besprochen &#8211; eins der gr\u00f6\u00dften Metal-Alben der 80er &#8211; und das dritte war kommerzieller Schrott und ein Totalflop. Nun ergab es sich, dass die Band auf einen Produzenten traf, der einige coole Ideen hatte. In erster Linie geh\u00f6rte dazu das Einbringen von Elementen klassischer Musik und eine Steigerung des Bombastlevels. Nein, Jim Steinman ist nicht gemeint, Meat Loaf war erst vor einigen Wochen dran. Die Rede ist vom (inzwischen ebenso wie Jim Steinman und Meat Loaf verstorbenen) Paul O&#8217;Neill. Beim Kenner f\u00e4llt jetzt der Groschen, allen anderen sei gesagt, dass die Band der Woche <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Savatage\">Savatage<\/a> hei\u00dft &#8211; und zu meinen absoluten Lieblingsbands z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Das Album der Woche (also das erste von zweien) war quasi die Wiedergeburt der Band nach dem Flop des Vorg\u00e4ngers. Der Name &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hall_of_the_Mountain_King_(album)\">Hall Of The Mountain King<\/a>&#8220; ist dabei Programm, denn passend dazu gibts eine Adaption des entsprechenden St\u00fccks von Edvard Grieg. Das hei\u00dft eigentlich ist die Adaption nur das instrumentale Intro, der eigentliche Song mit dem Namen ist eine Eigenkomposition und einer der ganz gro\u00dfen Bandklassiker. Aber der Reihe nach:<\/p>\n<p>Erster Hingucker der Scheibe ist zun\u00e4chst das Cover, eine coole Airbrush-Interpretation des Titelst\u00fccks. Auf der Scheibe selbst verteilen sich dann zehn Songs, darunter zwei Instrumentalnummern. Die erste Seite ist dabei in erster Linie reiner Heavy Metal, die zweite Seite kommt dann mit den bereits angesprochenen Ausfl\u00fcgen in Richtung Klassik. Akustische Farbtupfer gibt es in Form des zweiten kurzen Instrumentalst\u00fccks <em>Last Dawn<\/em> ebenso.<\/p>\n<p>Schauen wir also mal die erste Seite an: vier Songs, viermal Volltreffer. Das letzte St\u00fcck der Seite ist <em>Strange Wings<\/em>, der m\u00f6glicherweise eing\u00e4ngigste Song der Bandgeschichte. Die Nummer h\u00e4tte als Single und mit entsprechender Werbung auf MTV sicher eingeschlagen &#8211; wurde halt nicht gemacht. Die drei anderen Songs, <em>24 Hrs. Ago<\/em>, <em>Beyond The Doors Of The Dark<\/em> und <em>Legions<\/em> kommen eher d\u00fcster daher, insbesondere textlich. Allerdings sind es eben auch drei dicke fette Volltreffer.<\/p>\n<p>Die zweite Seite beginnt mit der bereits erw\u00e4hnten Interpretation der Grieg&#8217;schen Bergh\u00f6hle, gefolgt vom eigentlichen Titelst\u00fcck der Platte. Dieses Doppel ist der zweite fette Anspieltipp, denn so episch, bombastisch und gesanglich am Anschlag war die Band danach so gut wie nie wieder. Die anderen drei Songs fassen sich jetzt eher k\u00fcrzer und sind relativ geradlinige Rocker mit interessanten Texten &#8211; S\u00e4nger Jon Oliva thematisiert zum Beispiel in <em>White Witch<\/em> seine Erfahrungen mit Kokain, wohingegen <em>Devastation<\/em> apokalyptisch daherkommt.<\/p>\n<p>Die Apokalypse blieb damals aus, die Band spielte bis 1993 noch drei weitere Klassikeralben ein (das dritte schon mit neuem S\u00e4nger, weil Jon Olivas ungesunder Lebenswandel die Stimme ruiniert hatte). Dann starb Gitarrist Criss Oliva, Jons j\u00fcngerer Bruder, im Oktober &#8217;93 bei einem unverschuldeten Autounfall und die Band zerbrach beinahe.<\/p>\n<p>Produzent Paul O&#8217;Neill bekam danach gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf die Musik der Band, die sich deutlich st\u00e4rker in Richtung Klassik und Konzeptalben bewegte &#8211; man h\u00f6re &#8222;Dead Winter Dead&#8220; von 1995 mit diversen Adaptionen klassischer St\u00fccke von Mozart und Beethoven. Daraus entstand dann sp\u00e4ter auch das in Amerika ungemein erfolgreiche Trans-Siberian Orchestra.<\/p>\n<p>Und damit w\u00e4ren wir beim zweiten Album, dem vorletzten der Bandgeschichte. &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Wake_of_Magellan\">The Wake Of Magellan<\/a>&#8220; erschien 1997 und ist irgendwie ein Konzeptalbum, wobei ich das Konzept bis heute nicht verstanden habe. Das st\u00f6rt aber \u00fcberhaupt nicht, denn wichtig sind die Songs, und die funktionieren zum Gl\u00fcck auch so.<\/p>\n<p>Das Album enth\u00e4lt 13 Songs, darunter aber diverse Intros, Instrumentalst\u00fccke und Zwischenspiele. Wenn man das abzieht, bleiben neun Songs \u00fcbrig. Das Album startet nach den Intros relativ ruhig mit <em>Turns To Me<\/em> und <em>Morning Sun<\/em>, bevor die Sache mit <em>Another Way<\/em> und <em>Blackjack Guillotine<\/em> Fahrt aufnimmt. Die eigentlichen Highlights kommen erst recht weit hinten auf der Scheibe, als die Geschichte auf ihren H\u00f6hepunkt zusteuert. Man k\u00f6nnte ketzerisch behaupten, die ersten sechs Songs bis zu <em>Underture<\/em> (einem musikalischen Zwischenspiel) dienen nur zum Aufw\u00e4rmen, bevor man richtig anf\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Das Titelst\u00fcck beschreibt einen Zwischenfall auf einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/M%C3%A6rsk_Dubai\">Containerfrachter<\/a> aus dem Jahr 1996, als Schiffbr\u00fcchige vom Kapit\u00e4n \u00fcber Bord geworfen wurden. Der dramatische H\u00f6hepunkt des Songs ist ein aufwendiger Satzgesang der gesamten Band. Dieses Stilmittel, dass ich so auch nur von Savatage kenne, hatten sie erstmals nach dem Tod von Criss Oliva begonnen und hier perfektioniert. Das abschlie\u00dfende Opus <em>The Hourglass<\/em> ist \u00e4hnlich aufgebaut und bringt die Geschichte zu einem dramatischen Abschluss.<\/p>\n<p>Fazit: Zwei starke Alben, das erste ist eher leicht zug\u00e4nglich, das zweite Album muss man sich in Ruhe erarbeiten, direkte Hits gibt es nicht, die beiden hervorgehobenen Songs machen ja schon eine Viertelstunde aus und sind nicht einfach mal nebenbei angeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Laut Plan bleiben wir die n\u00e4chsten Wochen im Jahr 1977 und beleuchten da noch verschiedene musikalische Genres. Es bleibt also spannend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche war Mainstream-Pop, deswegen gibts diese Woche Kontrastprogramm. 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