{"id":4180,"date":"2022-11-17T19:06:08","date_gmt":"2022-11-17T18:06:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4180"},"modified":"2022-11-17T19:06:08","modified_gmt":"2022-11-17T18:06:08","slug":"album-der-woche-146","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/11\/17\/album-der-woche-146\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Manche Tage sind zum Vergessen. Da braucht man eine bestimmte Sorte Musik um wieder runterzukommen. Am besten bleischwer, erhaben und majest\u00e4tisch. Und wie es der Zufall will passt das Album der Woche genau zu dieser Beschreibung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wir begeben uns nach Schweden und h\u00fcpfen ins Jahr 1987. Dort werkelte eine Band an ihrem zweiten Album, nachdem das Deb\u00fct zwei Jahre vorher bereits gut angekommen war. Allerdings gab es im Vorfeld mehrere Besetzungswechsel, darunter auch einen sehr wichtigen Wechsel am Mikroposten. Dort war jetzt ein langhaariger Unhold namens Messiah Marcolin am Werke, der auf der B\u00fchne passend zum K\u00fcnstlernamen in einer M\u00f6nchskutte gewandet auftrat.<\/p>\n<p>Dem Kenner d\u00fcrfte damit klar sein, dass es um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Candlemass\">Candlemass<\/a> geht, womit dann auch gekl\u00e4rt w\u00e4re, dass das Album der Woche auf den Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Nightfall_(Candlemass_album)\">Nightfall<\/a>&#8220; h\u00f6rt. Candlemass wurden damit zu den wichtigsten Vertretern des sogenannten Doom Metal &#8211; gekennzeichnet in erster Linie durch langsame Riffs (z\u00e4hfl\u00fcssiger noch als die langsamsten Werke der fr\u00fchen Black Sabbath, die ja eh die Urv\u00e4ter von so ziemlich allen Stilen sind). Der Name Doom Metal kommt im \u00dcbrigen vom Deb\u00fctalbum der Band &#8222;Epicus Doomicus Metallicus&#8220;, nur damit das auch gekl\u00e4rt ist.<\/p>\n<p>Das Album &#8211; also &#8222;Nightfall&#8220; &#8211; erschien Ende 1987 und enth\u00e4lt zehn Songs, darunter vier Instrumentalst\u00fccke. Die sind eher als kurze Zwischenspiele, Intro und Outro zu verstehen, die eigentlichen Songs walzen sich hingegen nicht unter f\u00fcnf Minuten durch die Lautsprecher. Den Kontrast zu den fetten Riffs bildet die hohe und klagende Stimme von Messiah Marcolin. Verpackt ist die Scheibe in eine H\u00fclle mit dem Gem\u00e4lde aus der Serie &#8222;The Voyage Of Life&#8220; von Thomas Cole von 1842 &#8211; soll noch einer sagen, Metal und Kunst h\u00e4tten keine Schnittmengen.<\/p>\n<p>Das Album beginnt mit dem Instrumental <em>Gothic Stone<\/em>, dass nahtlos in <em>The Well Of Souls<\/em> \u00fcberleitet, seines Zeichens der l\u00e4ngste Song der Platte. Das Riff erinnert frappierend an (ich erw\u00e4hnte es) fr\u00fche Black Sabbath, der Gesang ist jedoch v\u00f6llig anders und absolut eigenst\u00e4ndig. Das folgende Instrumental <em>Codex Gigas<\/em> ist nicht wirklich eine Verschnaufpause, sondern rifft tonnenschwer durch die Botanik. Zweiter echter Song der ersten LP-Seite ist danach <em>At The Gallows End<\/em>. Man merkt, textlich gehts jetzt nicht unbedingt um G\u00e4nsebl\u00fcmchen oder Friede, Freude &amp; Eierkuchen. Der Song beginnt mit einem eher ruhigen semiakustischen Intro, bevor hier tats\u00e4chlich zwischendurch mal so das Gaspedal zumindest gestreichelt wird, nur um im Refrain wieder voll in die Eisen zu steigen.<\/p>\n<p>Die Seite wird abgeschlossen vom \u00dcberklassiker <em>Samarithan<\/em>, einem der eindr\u00fccklichsten Songs in der Geschichte des Genres. Besonders deutlich werden hier die religi\u00f6sen Motive, die sich durch s\u00e4mtliche Songtexte ziehen: &#8222;I joined with my destiny,\u00a0 eternally. I knew I was born again, an angel to be, a vision beyond my dreams called me by name. So in devotion I spread my wings, to heaven I had come to stay&#8220; Und mit diesem Abflug in himmlische Sph\u00e4ren endet die erste Seite.<\/p>\n<p>Die zweite Seite wird von Chopin er\u00f6ffnet, bzw. mit einer Bearbeitung seines Totenmarsches. Danach geht es ebenso schleppend weiter mit <em>Dark Are The Veils Of Death<\/em>. Jo, dunkel, d\u00fcster, schwer und als Song vergleichsweise flott. Die Handbremse wird aber danach gleich wieder angezogen, <em>Mourners Lament<\/em> kommt dann auch noch mit schweren Glockenschl\u00e4gen daher. Der letzte Song des Albums, abgesehen vom abschlie\u00dfenden Instrumentalst\u00fcck <em>Black Candles<\/em> ist schlie\u00dflich <em>Bewitched<\/em>: &#8222;Sing with me, meet your destiny. Set yourself free to the magic. So come with me my kingdom to see. Believe me you&#8217;re captured my friend. You are bewitched&#8230;&#8220; Hier gehts also eher in Richtung ewiges H\u00f6llenfeuer.<\/p>\n<p>Man sieht, das Album ist nix f\u00fcr Leute die nur noch nach einem Grund suchen, m\u00f6glichst schnell das bessere Jenseits aufzusuchen. F\u00fcr alle anderen gibts hier sechs gute Gr\u00fcnde, ganz irdischen Kl\u00e4ngen zu lauschen, die das Genre des Epic Doom Metal (mit)begr\u00fcndeten und noch heute wichtige Eckpfeiler des Stiles sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Tage sind zum Vergessen. Da braucht man eine bestimmte Sorte Musik um wieder runterzukommen. Am besten bleischwer, erhaben und majest\u00e4tisch. 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