{"id":4162,"date":"2022-10-20T18:10:51","date_gmt":"2022-10-20T16:10:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4162"},"modified":"2022-10-20T18:10:51","modified_gmt":"2022-10-20T16:10:51","slug":"album-der-woche-142","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/10\/20\/album-der-woche-142\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt K\u00fcnstler, die Zeit ihres Lebens nie gro\u00df rauskommen. Es gibt welche, die welche, die nicht nur gro\u00df rauskommen, sondern geradezu revolution\u00e4re Kunst machen und bahnbrechenden Einfluss haben (Jimi Hendrix und so). Es gibt welche die ihre Erfolgsformel nie gro\u00df variieren und damit gut unterwegs sind\/waren (AC\/DC, Mot\u00f6rhead). Es gibt welche, die sich immer wieder neu erfinden (David Bowie). Und es gibt welche, bei denen hat jeder genau ein Album oder einen Song im Kopf, wenn es um den K\u00fcnstler geht. Und genau das ist beim aktuellen Album der Woche der Fall.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlicht wurde das Album vor ziemlich genau 45 Jahren von einem bis dahin relativ unbekannten Typen, der am Broadway Theater spielte und eine Rolle in der Rocky Horror Picture Show hatte. Besagter Typ hatte nicht unbedingt die passende Figur f\u00fcr einen Rockstar, daf\u00fcr aber genug Volumen f\u00fcr eine herausragende Stimme &#8211; um es mal so zu formlieren. Von besagter K\u00f6rperf\u00fclle leitet sich auch sein K\u00fcnstername ab: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Meat_Loaf\">Meat Loaf<\/a>. Und sp\u00e4testens jetzt wei\u00df auch jeder um welches Album es geht, denn Meat Loaf hat nun mal in seiner Karriere zwar \u00fcber ein Dutzend Scheiben ver\u00f6ffentlicht, konnte aber nie auch nur ansatzweise an den Multiplatinerfolg von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Bat_Out_of_Hell\">Bat Out Of Hell<\/a> ankn\u00fcpfen k\u00f6nnen (am ehesten noch mit Bat Out Of Hell II).<\/p>\n<p>Sieben St\u00fccke finden sich auf der Scheibe, alle komponiert von Jim Steinman. Von der sparsam instrumentierten Pianoballade bis zum Bombastoverkill ist alles dabei, allein drei St\u00fccke kommen erst nach \u00fcber acht Minuten ins Ziel.<\/p>\n<p>Produziert wurde das alles von Todd Rundgren, der sich einen Spa\u00df draus machte alle Regler auf 11 zu drehen und noch bombastischer zu sein als Phil Spector&#8217;s Wall Of Sound. Funktionieren tut der Spa\u00df trotzdem (oder grade deswegen), und das Gitarrensolo im Titelst\u00fcck, das so schwer nach Motorrad klingt ist sowieso un\u00fcbertroffen.<\/p>\n<p>Das Album wird er\u00f6ffnet vom fast zehnmin\u00fctigen Titelst\u00fcck, womit im Prinzip eigentlich die gesamte Karriere von Meat Loaf hinreichend zusammengefasst ist. Hier ist alles drin. Rock, Bombast, Theatralik, Drama. Im Endeffekt gehts eigentlich &#8222;nur&#8220; um einen (allerdings ziemlich blutigen) Motorradunfall. Jethro Tull hatten sowas in <em>Too Old To Rock&#8217;n&#8217;Roll, To Young To Die<\/em> auch schon mal thematisiert. Die Nummer wurde sp\u00e4ter in einer gek\u00fcrzten und v\u00f6llig entstellten Variante als Single herausgebracht, die man jedem als abschreckendes Beispiel vorhalten kann.<\/p>\n<p>Weiter geht es mit <em>You Took The Words Right Out Of My Mouth. <\/em>Der Song war die erste Single von Meat Loaf \u00fcberhaupt und hinterlie\u00df keinen bleibenden Eindruck in den Charts. Allerdings ist es einer der eing\u00e4ngigsten Rocksongs auf dem Album und kommt in ziemlich genau f\u00fcnf Minuten auf den Punkt. Anschlie\u00dfend wird es mit <em>Heaven Can Wait<\/em> deutlich ruhiger, hier gibt es in erster Linie Piano als Begleitung f\u00fcr Meat Loafs Stimme, die die ganze Ballade tr\u00e4gt. Die erste LP-Seite wird schlie\u00dflich vom k\u00fcrzesten St\u00fcck des Albums abgerundet, <em>All Revved Up With No Place To Go<\/em>.<\/p>\n<p>Die zweite Seite beginnt mit <em>Two Out Of Three Ain&#8217;t Bad<\/em>, Jim Steinmans Variation eines &#8222;einfachen Songs&#8220; zum Thema &#8222;I Want You, I Need You, I Love You&#8220;. Einfach hei\u00dft hier trotzdem deutlich \u00fcber f\u00fcnf Minuten und eine komplexe Produktion. Es folgen noch zwei Achtmin\u00fcter, von denen der erste einer der gro\u00dfen Klassiker im Rockradio wurde: <em>Paradise By The Dashboard Light<\/em>.<\/p>\n<p>Das St\u00fcck kommt daher wie <em>Bohemian Rhapsody<\/em> auf Steroiden und teilt sich mit Queen&#8217;s Magnum Opus die Dreiteilung. Allerdings geht es hier in erster Linie um jugendliches Gefummel auf der R\u00fccksitzbank im Lichte des Armaturenbretts, und dazu l\u00e4uft im Hintergrund eine Baseball\u00fcbertragung voller Doppeldeutigkeiten. Die beiden Protagonisten werden sich aber nicht einig, denn sie will sich ihm nur hingeben, wenn er ihr verspricht sie f\u00fcr immer und ewig zu lieben und zu heiraten. Nach einigem Z\u00f6gern willigt er ein, womit wir beim dritten Teil des St\u00fccks angekommen sind, denn er w\u00fcnscht sich nun nix sehnlicher als dass das Ende aller Zeiten kommt, denn er h\u00e4lt es nicht mehr aus mit ihr. Tja&#8230; drum pr\u00fcfe wer sich ewig bindet und so&#8230; Erstaunlicherweise wurde die Nummer quasi ungek\u00fcrzt als Single herausgebracht, bei rund achteinhalb Minuten Spielzeit ist das erw\u00e4hnenswert.<\/p>\n<p>Den Abschluss des Albums bildet danach die Powerballade (d\u00e4mlicher Begriff, das passt quasi auf das ganze Album mehr oder weniger) <em>For Crying Out Loud<\/em>. Hier gibt es nochmal einen ruhigeren Beginn mit Fokus auf die Vocals, bis dann sp\u00e4ter Bombastschichten dr\u00fcbergelegt werden.<\/p>\n<p>Fazit: Ein Album f\u00fcr die Ewigkeit, eins der meistverkauften Alben aller Zeiten (\u00fcber 40 Mio) und ein Lehrst\u00fcck in Sachen theatralischer Rockmusik. Meat Loaf tat sich schwer an diesen Erfolg anzukn\u00fcpfen, Jim Steinman hingegen produzierte sp\u00e4ter auch erfoglreiche Popsachen f\u00fcr Bonnie Tyler und andere.\u00a0 Die Scheibe muss man kennen, auch wenn man sonst nicht allzuviel mit Rockmusik am Hut hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt K\u00fcnstler, die Zeit ihres Lebens nie gro\u00df rauskommen. Es gibt welche, die welche, die nicht nur gro\u00df rauskommen, sondern geradezu revolution\u00e4re Kunst machen und bahnbrechenden Einfluss haben (Jimi Hendrix und so). Es gibt welche die ihre Erfolgsformel nie gro\u00df variieren und damit gut unterwegs sind\/waren (AC\/DC, Mot\u00f6rhead). 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