{"id":4159,"date":"2022-10-13T19:38:58","date_gmt":"2022-10-13T17:38:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4159"},"modified":"2022-10-13T19:38:58","modified_gmt":"2022-10-13T17:38:58","slug":"album-der-woche-141","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/10\/13\/album-der-woche-141\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Vor 50 Jahren, tief im&#8230; hatten wir das nicht erst letzte Woche? Richtig. Aber das Album der aktuellen Woche ist halt auch schon ein halbes Jahrhundert alt. Reisen wir also also zur\u00fcck auf die Insel der teetrinkenden Spinner (Obelix hat das behauptet, und wer w\u00fcrde einem Typen in einer blauwei\u00df gestreiften Hose schon widersprechen?).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Anfang der 70er war musikalisch eine ziemlich grenzenlose Zeit. F\u00fcnf Jahre zuvor hatten die Beatles die Popmusik und die Langspielplatte als Kunstmedium umdefiniert, neuartige Instrumente wie die ersten analogen Synthesizer sorgten f\u00fcr bislang nie m\u00f6glich gewesene Klangexperimente und somit loteten zahlreiche Bands immer neue Grenzen dessen aus, was man unter neuartiger Musik abseits von drei-Minuten Singles so auf Vinyl verewigen konnte. Quasi w\u00f6chentlich erschienen neue Werke, die man heutzutage als &#8222;Progressive Rock&#8220; einsortiert &#8211; Jethro Tull hatten wir hier schon, Pink Floyd ebenso, und diese Woche sind nun <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Genesis_(Band)\">Genesis<\/a> dran.<\/p>\n<p>Die hatten ja 1971 zu ihrer klassischen Besetzung mit Peter Gabriel, Steve Hackett, Phil Collins, Michael Rutherford und Tony Banks gefunden (dass nur die letzten drei davon \u00fcbrigblieben und 20 Jahre sp\u00e4ter die gr\u00f6\u00dfte Popband der Welt waren ist eine andere Geschichte). Ihr Magnum Opus erschien also vor ziemlich genau 50 Jahren und bekam den sch\u00f6nen Namen &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Foxtrot_(album)\">Foxtrot<\/a>&#8222;. Passend dazu gibts auch nen Fuchs im Frauenkleid aufm Cover, und Peter Gabriel trug im Konzert entsprechende Fummel &#8211; is halt Kunst, muss man nicht unbedingt verstehen.<\/p>\n<p>Sechs St\u00fccke sind auf dem Album enthalten, darunter alles vom gut einmin\u00fctigen Instrumental bis hin zum damals technisch machbaren von etwas \u00fcber 20 Minuten (mehr passte nicht auf eine LP-Seite). Beide Extreme landeten witzigerweise auf der gleichen LP-Seite. Die andere H\u00e4lfte sind zwei ausgefeilte Longtracks und zwei daneben etwas unscheinbar daherkommende Songs.<\/p>\n<p>Das Album wird mit <em>Watcher Of The Skies<\/em> er\u00f6ffnet. Das beginnt mit vertr\u00e4umten Mellotronkl\u00e4ngen, die dann in einen rhythmisch wilden Ritt \u00fcbergehen. Inhaltlich geht es um Aliens, die die Erde menschenleer vorfinden. Der Song ist gleich ein ganz gro\u00dfes Ausrufezeichen und geh\u00f6rt inzwischen zur Progger-Allgemeinbildung. Es folgt <em>Time Table<\/em>, da gehts aber nicht um Fahrpl\u00e4ne, sondern um einen Tisch, der von alten Zeiten erz\u00e4hlt. Kann gut sein, dass man dazu verschiedene Substanzen intus haben muss. Das n\u00e4chste Highlight ist <em>Get &#8218;em Out By Friday<\/em>, in dem vor allem Peter Gabriel gl\u00e4nzt. Er singt in einem sozialkritischen Mietshausdrama n\u00e4mlich verschiedenste Personen und wechselt dabei Stimmh\u00f6hen und -f\u00e4rbung in beeindruckender Art und Weise. Allerdings leidet der Song meiner Meinung nach ein wenig unter dem Problem &#8222;zu viel Text f\u00fcr zu wenig Musik&#8220;, obwohl die Nummer gute achteinhalb Minuten dauert.<\/p>\n<p>Die erste Seite wird beschlossen von <em>Can-Utility And The Coastliners<\/em>, einer recht merkw\u00fcrdigen Nummer. Das Lied ist eigentlich nach zwei Minuten vorbei, danach folgen noch drei Minuten musikalisch spannender Ideen (sch\u00f6nes Keyboardsolo), von denen ich aber nicht ganz verstehe warum sie an der Stelle stehen und was sie mit dem Anfang des Songs zu tun haben. Da fehlt mir irgendwie am Ende nochmal eine Klammer, die den Instrumentalteil einf\u00e4ngt und zum Beispiel ein musikalisches Motiv vom Anfang aufgreift. Vielleicht fehlt mir aber auch nur die Bildung, um zu verstehen was mir die K\u00fcnstler hier sagen wollen.<\/p>\n<p>Seite 2 enth\u00e4lt nun zwei St\u00fccke, zun\u00e4chst mal das gut einmin\u00fctige Gitarreninstrumental <em>Horizons<\/em>, was nicht weiter st\u00f6rt. Viel wichtiger ist ohnehin das folgende <em>Supper&#8217;s Ready<\/em> (Mahlzeit!). Das ist die Blaupause f\u00fcr quasi alle Longtracks, die danach kamen, besteht dabei aber eigentlich aus sieben einzelnen Teilen, die nicht wirklich was miteinander zu tun haben, au\u00dfer dass sie eben zusammenh\u00e4ngen und man wild von einem Teil zum n\u00e4chsten h\u00fcpft. Besonders cool dabei sind neben den Wortspielen von Peter Gabriel auch die Titel der einzelnen Teile (Apocalypse in 9\/8 &#8211; da muss man die Takte dann auch mitz\u00e4hlen).<\/p>\n<p>Fazit: Ein Klassiker des Prog, wegweisend f\u00fcr die Bandgeschichte und das Genre ansich. Wer Genesis hingegen nur von <em>Land Of Confusion<\/em> oder <em>I Can&#8217;t Dance<\/em> kennt, wird sich hier ziemlich wundern. Hier gehts deutlich komplexer zu, daf\u00fcr klingt das Album aber auch 50 Jahre sp\u00e4ter noch frisch und spannend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 50 Jahren, tief im&#8230; hatten wir das nicht erst letzte Woche? Richtig. Aber das Album der aktuellen Woche ist halt auch schon ein halbes Jahrhundert alt. Reisen wir also also zur\u00fcck auf die Insel der teetrinkenden Spinner (Obelix hat das behauptet, und wer w\u00fcrde einem Typen in einer blauwei\u00df gestreiften Hose schon widersprechen?).<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4159"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4159"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4159\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4160,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4159\/revisions\/4160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}