{"id":4122,"date":"2022-08-09T23:38:26","date_gmt":"2022-08-09T21:38:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4122"},"modified":"2022-08-09T23:38:26","modified_gmt":"2022-08-09T21:38:26","slug":"album-der-woche-132","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/08\/09\/album-der-woche-132\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher war alles besser. Vor allem die Zukunft. Und deswegen geht es diese Woche besonders weit zur\u00fcck in die Vergangenheit, die noch fr\u00fcher auch mal die Zukunft war. Denn gestern war ja nur das morgen von vorgestern. Wir gehen also diese Woche zur\u00fcck in die fr\u00fche Kaiserzeit, d.h. genaugenommen sogar noch ein St\u00fcck weiter.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In der Zeit um die es geht war besagter Kaiser noch nicht gekr\u00f6nt und auch noch nicht die Lichtgestalt sp\u00e4terer Jahre, sondern f\u00fchrte die Bayern grade zum ersten Sieg im Pokal der Pokalsieger sowie zum DFB-Pokal. Und f\u00fcr den Rest des Artikels spielt er auch keine Rolle mehr, au\u00dfer dass man aus den genannten Fakten konstatieren kann, dass wir im Jahr 1967 unterwegs sind.<\/p>\n<p>Und damit w\u00e4ren wir bei der gro\u00dfen popkulturellen Grundsatzfrage jener Zeit: &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/The_Beatles\">Beatles<\/a> oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/The_Rolling_Stones\">Stones<\/a>?&#8220; Die einzig richtigen Antworten auf die Frage sind aber sowieso &#8222;Beide&#8220; (musikhistorisch) bzw. &#8222;Ja&#8220; (logisch). Und da ich in meinem Schrank nur eine Best Of der Stones stehen habe muss das Album der Woche ja dann logischerweise von den Pilzk\u00f6ppen kommen.<\/p>\n<p>Und die hatten ein sehr turbulentes Jahr 1967. Keine Touren mehr, stattdessen ein Film, der Tod ihres Managers Brein Epstein, zwei Alben, drei Singles und mal eben nebenbei die Popmusik komplett neu definiert. Und deswegen gibt es diese Woche zwei Alben der Woche.<\/p>\n<p>Beginnen wir bei dem weniger relevanten: &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Magical_Mystery_Tour\">Magical Mystery Tour<\/a>&#8220; war urspr\u00fcnglich eine Doppel-EP in Gro\u00dfbritannien, ein komplettes Album in den USA und erschien in anderen Gegenden Jahre sp\u00e4ter. Erst im Rahmen der Konsolodierung der v\u00f6llig chaotischen Ver\u00f6ffentlichungen im Rahmen der Einf\u00fchrung von CDs wurde das Album vollwertiger Beitrag der Beatles-Diskographie. Damit ist dieses Album aber auch das Einzige, bei dem der amerikanische Release relevant ist &#8211; f\u00fcr alle anderen Alben ist die britische Ver\u00f6ffentlichung die ma\u00dfgebliche Version (bei den Stones ist das \u00fcbrigens genau andersrum).<\/p>\n<p>Kurzer Einschub hierzu: Bei den Beatles war es \u00fcblich, Alben zu ver\u00f6ffentlichen und zus\u00e4tzlich noch Singles. Die Praxis dass die Singles Songs eines Albums plus irgendwelche Sondersongs enthalten kam erst sp\u00e4ter auf. Somit erschienen einige der gr\u00f6\u00dften Beatles-Hits nie auf regul\u00e4ren Studioalben. Dar\u00fcber hinaus gibt es bei den Beatles noch erheblichen Variantenreichtum im Bezug auf die Abmischungen, erschienen doch die fr\u00fchen Alben zun\u00e4chst nur in Mono und erst ganz zum Ende ihrer Bandkarriere hin wurde eine einzige Stereomischung zum Ziel.<\/p>\n<p>Der langen Vorrede kurzer Sinn: Elf Songs, darunter die weltbekannten <em>The Fool On The Hill<\/em>, <em>I Am The Walrus<\/em>, <em>Hello Goodbye<\/em>, <em>Strawberry Fields Forever<\/em>, <em>Penny Lane<\/em> (Gr\u00fc\u00dfe an meine damalige Englischlehrerin) und schlussendlich auch <em>All You Need Is Love<\/em>. Die restlichen Songs sind nicht weiter erw\u00e4hnenswert, bis auf das Titelst\u00fcck. Aber grunds\u00e4tzlich f\u00fchrt an dieser Scheibe mit dieser Hitdichte halt einfach mal kein Weg vorbei.<\/p>\n<p>Auf die einzelnen Songs im Detail einzugehen er\u00fcbrigt sich eigentlich, weil die sowieso jeder mal geh\u00f6rt haben muss, immerhin sprengten die Beatles damit s\u00e4mtliche bis dahin geltenden Grenzen der Popmusik. Allein die Aufnahmeeffekte von <em>Strawberry Fields Forever<\/em> waren wegweisend f\u00fcr die weitere Musikgeschichte und ebneten um mehrere Ecken den Weg f\u00fcr Bands wie Pink Floyd oder Queen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Magical Mystery Tour also in erster Linie einige der relevantesten Singles der Popgeschichte enth\u00e4lt, wurde das Thema &#8222;wegweisendstes Studioalbum der 60er Jahre (und evtl auch dar\u00fcber hinaus)&#8220; bereits am Anfang des Jahres abgehandelt. Wer ein wenig in der Historie der Popmusik bewandert ist wird wissen dass Ober-Beach Boy Brian Wilson sich diesem Ziel bereits im Vorjahr verschrieben hatte und das Ganze mit einem Nervenzusammenbruch bezahlte, mit &#8222;Pet Sounds&#8220; aber auch den Weg wies. Die Beatles hatten danach das ganz klare Ziel, mit diesem Album mindestens gleichzuziehen. Das haben sie meiner unma\u00dfgeblichen Meinung nach geschafft und nebenbei s\u00e4mtliche bis dahin geltenden Konventionen gesprengt. Nicht umsonst gilt &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sgt._Pepper%27s_Lonely_Hearts_Club_Band\">Sgt. Peppers&#8217;s Lonely Hearts Club Band<\/a>&#8220; als eins der wichtigsten Alben der Popgeschichte.<\/p>\n<p>Das beginnt schon beim wahnsinnig aufwendigen Coverfoto. Bis dahin wurde einfach ein Foto vom Interpreten aufs Cover gepappt, oft genug ohne jeglichen Bezug zur Musik. Die Beach Boys schleppten in ihrer Fr\u00fchzeit aufm Cover st\u00e4ndig Surfbretter \u00fcber den Strand, konnten aber gar nicht surfen &#8211; bis auf einen, und der ertrank sp\u00e4ter dabei. Die Beatles hingegen engagierten hier einen eigenst\u00e4ndigen K\u00fcnstler bzw. ein K\u00fcnstlerteam. Dieses wiederum verewigte neben den vier Pilzk\u00f6pfen in modisch bunter Uniform noch einen ganzen Haufen mehr oder minder ber\u00fchmter Pers\u00f6nlichkeiten auf dem Cover &#8211; sowas ginge heute gar nicht mehr, allein schon wegen der notwendigen Bildrechte. Au\u00dferdem kostete der Spa\u00df einen Haufen Kohle, den heutzutage niemand mehr bereit w\u00e4re f\u00fcr ein Album auszugeben.<\/p>\n<p>Die inneren Werte bestehen aus 13 Songs, darunter aber nur wenige wirklich bekannte Hits. Daf\u00fcr gibt es auf dem Album einige der relevantesten Werke zum Thema &#8222;Ausnutzen moderner Studiotechnik&#8220; und &#8222;Sprengen musikalischer Grenzen&#8220;. Eine Nummer wie <em>A Day In The Life<\/em> w\u00e4re nur ein Jahr vorher v\u00f6llig undenkbar gewesen. Die asiatischen Kl\u00e4nge von <em>Within You Without You<\/em> ebenso. Ein Album als in sich geschlossenes k\u00fcnstlerisches Statement zu sehen war bis dahin ausgesprochen un\u00fcblich, hier gibt es nun eine Einleitung namens <em>Sgt. Pepper&#8217;s Lonely Hearts Club Band<\/em>, die nahtlos in das von Ringo gesungene <em>With A Little Help From My Friends<\/em> (als Cover zwei Jahre sp\u00e4ter der gro\u00dfe Durchbruch f\u00fcr Joe Cocker) \u00fcbergeht und auf der zweiten LP-Seite durch eine Reprise abgeschlossen wird.<\/p>\n<p>Der &#8222;Hit&#8220; des Albums ist das an dritter Stelle stehende <em>Lucy In The Sky With Diamonds<\/em>, w\u00e4hrend die anderen St\u00fccke die Band in erster Linie als gereifte Texter pr\u00e4sentieren. Nix is mit Boygroup-Ich liebe Dich, sie liebt mich nicht, blabla-Texten &#8211; hier geht es um Betrachtungen von Alltagsgegebenheiten. Gut, <em>When I&#8217;m 64<\/em> ist jetzt nicht unbedingt Alltag und dauert bei mir noch ein paar J\u00e4hrchen, wurde daf\u00fcr aber z.B. von Udo Lindenberg gecovert.<\/p>\n<p>Fazit: Zweimal ganz gro\u00dfe Popgeschichte. Einmal als Sammlung von Hitsingles, einmal als gro\u00dfe Albumkunst. Muss man kennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher war alles besser. Vor allem die Zukunft. Und deswegen geht es diese Woche besonders weit zur\u00fcck in die Vergangenheit, die noch fr\u00fcher auch mal die Zukunft war. Denn gestern war ja nur das morgen von vorgestern. 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