{"id":4052,"date":"2022-04-29T21:36:38","date_gmt":"2022-04-29T19:36:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4052"},"modified":"2022-04-29T21:36:38","modified_gmt":"2022-04-29T19:36:38","slug":"album-der-woche-117","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/04\/29\/album-der-woche-117\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin grad m\u00e4chtig sauer. Also so richtig ober mega riesensauer. Ich musste mich n\u00e4mlich grad mit einer absolut grottigen &#8222;user experience&#8220; einer Onlinebanking-App herumschlagen. Die braucht f\u00fcr eine Funktion &#8211; die ich nicht nutzen will &#8211; Daten, die ich nicht in der App eintragen will, damit ich mich \u00fcberhaupt erst am PC in die Webseite einloggen kann. Daf\u00fcr hab ich nun noch ein Passwort mehr, was ich mir merken muss, damit ein b\u00f6ser Bube der mir das Handy klaut nicht einfach so meinen Kontostand abfragen kann. Sicherheitstechnisch fragw\u00fcrdig und in Sachen Benutzerkomfort echt das Allerletzte, wobei grade sowas eigentlich das A und O w\u00e4re. Und das zum Ende der Woche&#8230; Und damit sind wir beim Thema Album der Woche, da gehts heute n\u00e4mlich auch um das A und O.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Also eigentlich gehts weniger um das A und mehr um das O, und au\u00dferdem um Fremdsprachen. Das ABC hei\u00dft ja vor allem deswegen Alphabet, weil es mit Gamma und Delta weitergeht. Und wenn Epsilon nicht grade kleiner als Null ist, sind wir auch schon beim Ende des ganzen Witzes angekommen, da steht n\u00e4mlich das Omega (oder wahlweise der Omega, dann bezeichnet es aber ein Modell von Opel von vor 30 Jahren). Der Physiker wird sich jetzt hochohmig aufstellen, w\u00e4hrend sich die Informatiker \u00fcber untere Schranke der Komplexit\u00e4t meiner weitschweifigen Einleitung den Kopf zerbrechen.<\/p>\n<p>Hier gehts ja aber um das Album der Woche, und somit sollte einleuchten, dass es um die Band <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Omega_(Band)\">Omega<\/a> geht. Die stammt aus Ungarn, existierte seit 1962 (yay, Jubil\u00e4um!) und war seit den 70er Jahren eine der gr\u00f6\u00dften Rockbands im damaligen Ostblock. Die Band war noch bis vor Kurzem aktiv, allerdings sind in den letzten beiden Jahren mehrere Mitglieder verstorben, so dass man dieses Kapitel Musikgeschichte wohl als abgeschlossen betrachten kann.<\/p>\n<p>Wesentliches Alleinstellungsmerkmal der Band waren und sind die ungarischen Texte, die einen Exotenbonus verleihen (es gibt auch englischsprachige Aufnahmen, aber die sind im Vergleich eher schw\u00e4cher). Zwei Alben feiern dieses Jahr runden Geburtstag: &#8222;200 \u00e9vvel az utols\u00f3 h\u00e1bor\u00fa ut\u00e1n&#8220; (200 Years After The Last War) wurde zwar vor 50 Jahren aufgenommen, erschien aber erst Ende der 90er Jahre, weil es damals den politischen Machthabern nicht in den Kram passte. Ergo ist das Album der Woche das 1977 erschienene &#8222;Id\u0151rabl\u00f3&#8220; (Time Robber). Die englische Version ist dabei eine komplette Neueinspielung, die sogar noch vor der ungarischen Variante ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p>In ihrer Anfangszeit hatten Omega typische Beatmusik im Stile der Beatles oder der Kinks gespielt, danach folgte eine Phase im Stile der Protohardrocker in Richtung Deep Purple oder Led Zeppelin, und hier kommen nun als Haupteinfl\u00fcsse die progressiven Bands der 70er hinzu, in erster Linie Pink Floyd.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Titel sind auf der Scheibe versammelt, von denen das Titelst\u00fcck das mit Abstand l\u00e4ngste und beste ist. Hier sind auch die Einfl\u00fcsse von Pink Floyd in Form von fl\u00e4chigen Keyboardarrangements am st\u00e4rksten zu h\u00f6ren. Das St\u00fcck hat sehr viele Parallelen zu <em>Shine On You Crazy Diamond<\/em>, haut aber zwischendurch wesentlich rockiger aus den Boxen. Zwischen dem Rauschen des Windes, atmosph\u00e4rischen Akustikteilen und heftigem Rock pendelt diese Nummer und kommt nach 12 Minuten ans Ziel, wobei das Grundthema des ersten Teils nach zwei Dritteln nochmal sch\u00f6n aufgenommen und variiert wird.<\/p>\n<p>Der folgende F\u00fcnfmin\u00fcter <em>N\u00e9vtelen utaz\u00f3<\/em> (Invitation) basiert auf einem schnellen Sequencerlauf (vgl <em>On The Run<\/em> von &#8222;Dark Side Of The Moon&#8220;), ist ansonsten aber ein klassischer Rocksong, wie man ihn auch von Aerosmith oder \u00e4hnlichen Kalibern in jener Zeit h\u00f6ren konnte. An dritter Stelle (zumindest in der ungarischen Variante, die englische tauscht ein paar Titel durch) folgt <em>A k\u00f6nyvel\u00f5 \u00e1lma<\/em> (An Accountant&#8217;s Dream), ein sehr an Uriah Heep erinnerndes heftig riffendes St\u00fcck mit einem witzigen Text \u00fcber einen Buchhalter, der davon tr\u00e4umt Rockstar zu sein.<\/p>\n<p>Das nun folgende <em>N\u00e9lk\u00fcled<\/em> (Don&#8217;t Keep Me Waiting) ist im Gegensatz dazu recht ruhig gehalten, ein schwerm\u00fctiges gitarrenlastiges St\u00fcck von \u00fcber sieben Minuten mit ausladenden Instrumentalparts. Pate standen hier sicherlich die gro\u00dfen westlichen Rockbands der 70er, Led Zeppelin hat man ganz offensichtlich auch hinterm Eisernen Vorhang geh\u00f6rt. Den Abschluss des Albums bildet <em>\u00c9jf\u00e9li koncert<\/em> (Late Night Concert), welches ebenfalls ruhiger gehalten ist und nach der H\u00e4lfte mit einem akustischen Intermezzo aufwartet, bevor man sich mit Gitarre und Keyboard zum gro\u00dfen Finale steigert, sehr \u00e4hnlich wie bei <em>July Morning<\/em> von Uriah Heep, allerdings nicht so episch ausgewalzt, sondern (leider) nach reichlich f\u00fcnf Minuten ausgefaded.<\/p>\n<p>Fazit: Zusammen mit den beiden Nachfolgeplatten so ziemlich die st\u00e4rkste Scheibe der Bandgeschichte, die restlichen Highlights im Bandkatalog werden in den n\u00e4chsten Jahren noch in dieser Reihe besprochen werden. Und ich werd mir jetzt das ganze Album nochmal von A bis O anh\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin grad m\u00e4chtig sauer. Also so richtig ober mega riesensauer. Ich musste mich n\u00e4mlich grad mit einer absolut grottigen &#8222;user experience&#8220; einer Onlinebanking-App herumschlagen. 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