{"id":4042,"date":"2022-04-09T11:43:55","date_gmt":"2022-04-09T09:43:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4042"},"modified":"2022-04-09T11:43:55","modified_gmt":"2022-04-09T09:43:55","slug":"album-der-woche-114","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/04\/09\/album-der-woche-114\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Da passt man mal ein paar Sekunden nicht auf und schon ist eine Woche rum. Und dann wacht man mitten in der Nacht auf und denkt sich so in der Stille &#8222;da war doch noch irgendwas&#8230;&#8220;. Irgendwann gegen morgens halb vier f\u00e4llt es einem dann ein, dass es im Blog schon die ganze Woche zu ruhig war und es noch gar kein Album der Woche gab. Das ist so nat\u00fcrlich kein Zustand und wird deswegen nun umgehend nachgeholt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Album der Woche ist 25 Jahre alt und kommt aus Deutschland. Kennengelernt hab ich es ungef\u00e4hr vier Jahre sp\u00e4ter durch meinen damaligen Studien-WG-Mitbewohner. Und danach dauerte es nochmal ungef\u00e4hr vier\/f\u00fcnf Jahre bis es klick gemacht hat und ich die Musik verstanden habe &#8211; ziemlich konkret Ende Januar 2006 bei einem Spaziergang durch den schneebedeckten Chemnitzer Stadtpark. Wobei, so ganz stimmt es nicht, einen Titel davon hatten wir schon beim Abi irgendwie am Wickel. Damals hinterlie\u00df die Musik bei mir aber noch keinen bleibenden Eindruck.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall passt die Einleitung gut zum Titel des Albums, denn es hei\u00dft schlicht &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Stille_(Lacrimosa_album)\">Stille<\/a>&#8220; und stammt von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lacrimosa\">Lacrimosa<\/a>. Das ist ja nun weniger Band als Projekt von Komponist und S\u00e4nger Tilo Wolff, der alles von E-Gitarre \u00fcber Chorges\u00e4nge bis hin zum klassischen Orchester in einen Topf wirft und kr\u00e4ftig umr\u00fchrt. Heraus kommt dann, gepaart mit den \u00fcblicherweise deutschen Texten eine ausgesprochen eigenst\u00e4ndige und unverwechselbare Musik. Er besch\u00e4ftigt sich dabei oft mit den Schattenseiten des menschlichen Seins, eine gewisse N\u00e4he zur Goth-Szene ist dabei nicht verwunderlich. Auf jeden Fall ist es nur selten was f\u00fcr Gelegenheitsh\u00f6rer, die Musik erfordert genaues Hinh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Insgesamt finden sich auf dem Album &#8211; wie \u00fcblich mit schwarzwei\u00df gezeichnetem Cover &#8211; acht St\u00fccke mit insgesamt \u00fcber 70 Minuten Laufzeit. Die k\u00fcrzeste Nummer kommt bereits auf deutlich \u00fcber f\u00fcnf Minuten, zwei St\u00fccke knacken die 10 Minuten und das Grande Finale braucht mal eben eine Viertelstunde, um zur vollen Entfaltung zu kommen.<\/p>\n<p>Das Album wird gleich mal mit dem Zehnmin\u00fcter <em>Der erste Tag<\/em> er\u00f6ffnet. Dieser beginnt mit klassischer Instrumentierung, bevor nach zwei Minuten das Schlagzeug dazukommt. Die erste richtig verzerrte Gitarre mischt nach vier Minuten mit und nach f\u00fcnfeinhalb Minuten kippt die bis dahin getragene sakrale Stimmung in eine schnelle Heavy Metal Nummer mit Orchester Unterst\u00fctzung. Kann man mit einigen St\u00fccken von Nightwish oder auch mit den Orchesterwerken von Rage vergleichen.<\/p>\n<p>Das folgende <em>Not Every Pain Hurts<\/em> wird vom Gesang von Anne Nurmi getragen. Die Instrumentierung ist ausgesprochen sparsam, das St\u00fcck sehr getragen und schwelgerisch. Mit etwas \u00fcber f\u00fcnf Minuten ist es das k\u00fcrzeste St\u00fcck auf dem Album. An dritter Stelle steht <em>Siehst du mich im Licht<\/em>, das mit einem d\u00fcster treibenden Gitarrenriff losmarschiert, welches vom Orchester umspielt und unterst\u00fctzt wird. Tilo packt die aggressive Stimme aus, und insgesamt geht es reichlich sieben Minuten lang recht geradlinig metallisch zur Sache, von einem kurzen Klassik-Intermezzo abgesehen. Irgendwie \u00e4hnlich, aber dann doch wieder ganz anders kommt danach Deine N\u00e4he aus den Boxen gekrochen. Das St\u00fcck dehnt sich auf elf Minuten aus und variiert mehrfach Tempo und Instrumentierung, beginnend mit einem sparsam instrumentierten Intro, in der Mitte wieder heftig riffend, und statt viel Orchester h\u00f6rt man hier in erster Linie Akzente vom Klavier (neben einem heftigen Gitarrensolo).<\/p>\n<p>Den f\u00fcnften Titel \u00fcberspringen wir hier mal, weil man sich das Beste ja bis zum Schluss aufhebt \ud83d\ude09 Weiter geht es also mit <em>Mein zweites Herz<\/em>, was zun\u00e4chst mal irgendwie nach Spielesoundtrack der fr\u00fchen 90er klingt (irgendein Adventure wie Day Of The Tentacle oder so). Hier kommen auch Bl\u00e4ser zum Einsatz, bevor das gesamte Orchester einsetzt. Die Bl\u00e4ser erzeugen einen Eindruck wie in einem klischeehaften Film, der in einem Pariser Bistro spielt. Daf\u00fcr verzichtet die Nummer komplett aufs Schlagzeug und kommt dementsprechend d\u00fcster und schleppend daher. Das glatte Gegenteil ist das folgende <em>Make It End<\/em>. Dieser Sechsmin\u00fcter d\u00fcrfte die aggressivste Nummer des Albums sein. Viel verzerrte Gitarre und Wechselgesang von Tilo und Anne pr\u00e4gen das St\u00fcck.<\/p>\n<p>Den Abschluss des Albums bildet schlie\u00dflich der Viertelst\u00fcnder <em>Die Stra\u00dfe der Zeit<\/em>. Die Nummer beginnt mit einem sakral klingenden Chor, gefolgt von d\u00fcsteren Strophen, nur begleitet und gest\u00fctzt vom Orchester. Der Erz\u00e4hler wandert hierbei durch die Zeit zur\u00fcck, jede Epoche kommt dabei mit einem eigenen musikalischen Schwerpunkt daher. Die Instrumentierung wechselt dementsprechend zwischen Orchester und elektrischer Gitarre, zwischen Chorges\u00e4ngen und dem Wehklagen des S\u00e4ngers \u00fcber den Zustand der Welt. Nach gut zehn Minuten folgt ein rein orchestrales Zwischenspiel bevor das St\u00fcck zum Grande Finale furioso mit einem f\u00fcr die Band eher untypisch positiven Ausklang ansetzt.<\/p>\n<p>Das wichtigste und vielleicht bekannteste St\u00fcck des Albums ist trotzdem <em>Stolzes Herz<\/em>, dass in einer v\u00f6llig verst\u00fcmmtelten gek\u00fcrzten Version auch als Single ver\u00f6ffentlicht wurde. Einem ruhigen Pianointro folgt eine ebenso instrumentierte erste Stophe. In der \u00dcberleitung zum Refrain steigt das Schlagzeug ein, bevor der Refrain mit aller Macht \u00fcber den H\u00f6rer hereinbricht. Die zweite Strophe &#8211; wenn man es so nennen will, klassische Songstrukturen gibt es ja eher nicht &#8211; wird nun zus\u00e4tzlich von elektrischen Gitarren untermalt, bevor ein instrumentales Zwischenst\u00fcck einsetzt, welches teilweise an die minimalistischen Klangspielereien der Fr\u00fchwerke erinnert. Von diesen l\u00f6st man sich durch ein harsches Gitarrenriff, dass zur\u00fcck zum Refrain f\u00fchrt, der ebenso wie bei <em>Die Stra\u00dfe der Zeit<\/em> einen ungewohnt hoffnungsvollen Unterton hat: &#8222;Mit blutverschmierten H\u00e4nden, mit einer Tr\u00e4ne im Gesicht, einem L\u00e4cheln auf dem Lippen und der Hoffnung tief im Blick aufzustehen auch aus dem Dreck, tief beschmutzt und stolz im Herz&#8220;. Vermutlich war es genau das, was damals bei mir so klick gemacht hatte, denn es passt wunderbar wenn man gerade in einer pers\u00f6nlich vertrackten Situation steckt und am Ende vom Licht noch zu viel Tunnel \u00fcbrig ist.<\/p>\n<p>Fazit: Gute Scheibe, nicht die beste im Katalog (das ist meiner Meinung nach &#8222;Elodia&#8220;), aber allein wegen <em>Stolzes Herz<\/em> den Kauf wert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da passt man mal ein paar Sekunden nicht auf und schon ist eine Woche rum. 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