{"id":4036,"date":"2022-03-31T20:42:15","date_gmt":"2022-03-31T18:42:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4036"},"modified":"2022-03-31T20:42:46","modified_gmt":"2022-03-31T18:42:46","slug":"album-der-woche-113","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/03\/31\/album-der-woche-113\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Neue Woche, altes Album. Diese Woche geht es ins tiefste Sachsen, denn da trugen sich kurz nach der letzten Eiszeit erstaunliche Dinge zu.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nein, ich meine damit nicht dass sich August der Starke an einem St\u00fcck Eierschecke verschluckte und auch nicht die Tatsache dass ich da vor ziemlich genau 15 Jahren ein Unidiplom in die Hand gedr\u00fcckt bekam. Die fragliche Geschichte fand Ende Mai 1995 statt, da war ich n\u00e4mlich im tiefsten Sachsen auf Klassenfahrt unterwegs, und abends sa\u00dfen wir in einer lustigen Laberrunde mit unserem ziemlich coolen Klassenlehrer zusammen &#8211; wir mit Limo und Cola, die Lehrer mit nem Bier. Und im Hintergrund gabs dazu Krach ausm Lehrerfundus. Das klang f\u00fcr mich damals alles noch ziemlich gleich und konkret kann ich mich auch nur noch an zwei Bands erinnern, d.h. eigentlich eher an einskommaf\u00fcnf Bands. Die eine war AC\/DC, und die andere hatte eine CD mit einem ziemlich schicken Cover. Und um letzteres Album gehts heute.<\/p>\n<p>Besagtes Cover ist in dunklen Blaut\u00f6nen gehalten und zeigt ein Lagerfeuer im Wald mit ein paar komischen Gestalten, die sich offenbar interessante Geschichten erz\u00e4hlen. Und obendr\u00fcber prangt ein fetter Schriftzug des Bandnamens. Musikalisch blieb mit nur ein fetter Chor im Ged\u00e4chtnis, der irgendwas mit &#8222;Asche zu Asche, Staub zu Staub&#8220; proklamierte. Es dauerte noch einige Jahre, bis ich dahintergestiegen war, dass die Truppe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Blind_Guardian\">Blind Guardian<\/a> hei\u00dft, das Album auf den Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Somewhere_Far_Beyond\">Somewhere Far Beyond<\/a>&#8220; h\u00f6rt und <em>Ashes To Ashes<\/em> nicht die beste Nummer der Scheibe ist. Auf jeden Fall sind wir nun nach viel Einleitung endlich beim Album der Woche angekommen.<\/p>\n<p>Das vierte Album der Bandgeschichte enth\u00e4lt 10 Songs plus diverse Bonustracks. Der Stil variiert dabei deutlich st\u00e4rker gegen\u00fcber dem doch recht eng begrenzten Speed Metal der ersten Alben und deutet an, welchen bombastischen Stil sie auf den folgenden Alben beschreiten w\u00fcrden. Das Album ist somit eine ziemliche Wundert\u00fcte zwischen superschnellen Songs, bombastischen Epen und eher balladesken T\u00f6nen. Aber der Reihe nach:<\/p>\n<p>Das Album wird er\u00f6ffnet von <em>Time What Is Time<\/em>, einer typisch schnellen Nummer mit dickem Chor im Refrain. Im Text gehts um Blade Runner. In die gleiche Kerbe haut das folgende <em>Journey Through The Dark<\/em>. Anschlie\u00dfend folgen zwei untypische St\u00fccke, n\u00e4mlich das knapp einmin\u00fctige sehr experimentelle <em>Black Chamber<\/em> und das sehr orchestral angelegte <em>Theatre Of Pain<\/em> (eine spezielle Classic Version mit Orchestersound gabs als Bonussong, das waren so die ersten Gehversuche mit Orchestrierung, das wurde sp\u00e4ter wesentlich beeindruckender). An f\u00fcnfter Stelle haben wir das mit einem epischen Refrain versehene <em>The Quest For Tanelorn<\/em> nach einer Fantasy-Buchvorlage. Relativ \u00e4hnlich ist das folgende <em>Ashes To Ashes<\/em>, ein episch angelegtes St\u00fcck mit erneut dickem Chor im Refrain und ein paar schnellen Gitarrensoli dazu.<\/p>\n<p>Die einzige noch heute live gesetzte Nummer des Albums folgt an Stelle sieben. Dieses St\u00fcck war damals v\u00f6llig untypisch, ist es doch ein kleines Lied mit sparsamer Wanderklampfeninstrumentierung und einem eskapistischen Lagerfeuertext. Trotzdem oder grade deswegen ist <em>The Bard&#8217;s Song &#8211; In The Forest<\/em> das wichtigste St\u00fcck jedes Blind Guardian Livekonzerts, denn da geben die Zuschauer den gro\u00dfen Chor, w\u00e4hrend die Band nur ein paar Gitarrenakkorde beisteuern braucht. Ist halt kein Heavy Metal, geh\u00f6rt aber definitiv dazu.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten zwei St\u00fccke sind eher F\u00fcllmaterial, n\u00e4mlich <em>The Bard&#8217;s Song &#8211; The Hobbit<\/em> (warum auch immer der Titel so hei\u00dft) als eher generisches St\u00fcck mit einem Text um einen Hobbit (wer h\u00e4tt&#8217;s gedacht) und <em>The Piper&#8217;s Calling<\/em> als knapp einmin\u00fctiges Instrumentalst\u00fcck mit Dudels\u00e4cken. Das Grande Finale ist dann das Titelst\u00fcck, gleichzeitig mit siebeneinhalb Minuten die l\u00e4ngste Nummer des Albums. Hier verheiraten die Jungs den Speed Metal der fr\u00fcheren Alben mit dem epischen Stil, der die n\u00e4chsten Alben bestimmen sollten. Leider wird der meiner Meinung nach st\u00e4rkste Song des Albums live eher selten ber\u00fccksichtigt &#8211; wobei die Band ja mehr als genug Auswahl hat.<\/p>\n<p>Die Bonussongs umfassen zwei Coverversionen (<em>Spread Your Wings<\/em> von Queen und <em>Trial By Fire<\/em> von Satan) sowie den schon angesprochenen Classic-Mix von Theatre Of Pain &#8211; kann man machen, ist aber kein zwingender Grund f\u00fcr den Kauf des Albums.<\/p>\n<p>Queen ist \u00fcbrigens ein gutes Stichwort, denn 10 Jahre nach &#8222;Somewhere Far Beyond&#8220; ver\u00f6ffentlichten die Gardinen ein Album mit dem sch\u00f6nen Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/A_Night_at_the_Opera_(Blind_Guardian_album)\">A Night At The Opera<\/a>&#8222;, was nat\u00fcrlich direkt an das gleichnamige Album von Queen erinnert. Das Album war damals &#8211; ist ja inzwischen auch schon wieder 20 Jahre her &#8211; ziemlich umstritten aufgrund des \u00fcberbombastisch \u00fcberladenen Klangbildes und der ziemlich vollst\u00e4ndigen Abkehr vom fr\u00fcheren Power\/Speed-Metal. Die Songs waren auch ausgesprochen komplex und ziemlich lang, abgesehen von einigen wirklich gut ins Ohr gehenden Refrains.<\/p>\n<p>Das zug\u00e4nglichste St\u00fcck auf dem Album d\u00fcrfte <em>Battlefield<\/em> und <em>The Soulforged<\/em> sein (erinnert am ehesten an den Power-Metal der sp\u00e4ten 90er). Das gro\u00dfe Highlight des Albums ist hingegen <em>And Then There Was Silence<\/em>, eine viertelst\u00fcndige Tour de Force \u00fcber den Krieg zwischen Griechen und Trojanern. Das ist musikalisch eine v\u00f6llig andere Baustelle als die Fr\u00fchwerke, aber andererseits haben sich Blind Guardian ja ohnehin mit jedem Album mehr oder minder komplett neu erfunden &#8211; wenn auch zugegebenerma\u00dfen nicht immer in einer f\u00fcr mich nachvollziehbaren Art.<\/p>\n<p>Und nun werd ich mir mal ein paar gut abgehangene Epen reinziehen \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Woche, altes Album. 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