{"id":4034,"date":"2022-03-25T19:30:03","date_gmt":"2022-03-25T18:30:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4034"},"modified":"2022-03-25T19:30:03","modified_gmt":"2022-03-25T18:30:03","slug":"album-der-woche-112","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/03\/25\/album-der-woche-112\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Jeder Mensch braucht Vorbilder, und diese Woche nehme ich mir die Deutsche Bahn als Vorbild, und deswegen kommt das Album der Woche mit ein paar Tagen Versp\u00e4tung. Dann der runde Geburtstag des relevanten Albums ist schon drei Tage her. Macht aber nix, denn man kann feste feiern bis man alkoholbedingt f\u00e4llt oder wie das Sprichwort noch war&#8230; Und deswegen gehts heute um ganz fieses Folterwerkzeug.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Besagtes Folterwerkzeug besteht aus st\u00e4hlernen Dornen an der Innenseite eines Blechk\u00e4figs. In besagten K\u00e4fig wird das Opfer reingeschoben, dann wird die T\u00fcr zugemacht und die Person innendrin wird dann ziemlich fies aufgepiekst. Soweit jedenfalls die Legende, ob das tats\u00e4chlich jemals so stattfand wird von der Wissenschaft angezweifelt. Auf jeden Fall verdankt die Welt diesem Ger\u00e4t den Namen der gr\u00f6\u00dften und erfolgreichsten Heavy Metal Band (jaja, da kann man nun diskutieren und die Namen Judas Priest und Metallica in die Runde werfen) &#8211; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Iron_Maiden\">Iron Maiden<\/a> n\u00e4mlich.<\/p>\n<p>Der geneigte Fan wird nun im Geiste deren nicht ganz kleine Diskographie durchgegangen sein und schon wissen, dass es heute eigentlich nur um eins der besten und wichtigsten Heavy Metal Album aller Zeiten gehen kann. W\u00e4hrend man da aber durchaus diskutieren kann, ob nun Master Of Puppets oder Back In Black oder Reign In Blood noch besser sind w\u00fcrde ich mich soweit aus dem Fenster lehnen zu sagen dass <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Number_of_the_Beast_(album)\">The Number Of The Beast<\/a> das geilste Plattencover aller Kandidaten hat. So oder so feiert dieses Album also 40. Geburtstag und wird deswegen hier abgefeiert.<\/p>\n<p>Die Situation der Band war Ende 1981 eher schwierig. Sie hatten zwar zwei super Alben ver\u00f6ffentlicht und international getourt und galten als Speerspitze der sogenannten New Wave Of British Heavy Metal, gleichzeitig hatte ihr S\u00e4nger Paul Di&#8217;Anno allerdings ein au\u00dfer Kontrolle geratendes Drogenproblem. Im Herbst 1981 wurde er daher entlassen und zum Jahresende durch Bruce Dickinson ersetzt, der bis heute (mit einer Unterbrechung in den 90er Jahren) <em>die<\/em> Stimme der Band bleiben sollte und nebenbei eine der pr\u00e4gnantesten Stimmen der gesamten Szene ist. Damit waren nun die Weichen gestellt f\u00fcr den n\u00e4chsten Schritt. Dieser Schritt wurde dann allerdings gr\u00f6\u00dfer als die Band wohl selbst erwarten h\u00e4tte k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf dem Album landeten acht Songs (die heutzutage erh\u00e4ltliche CD-Neuauflage von 1997 enth\u00e4lt einen weiteren Song, der damals nur Single B-Seite war), von denen mindestens sechs zu Klassikern der Bandgeschichte wurden. Das bereits angesprochene Plattencover gestaltete wie damals \u00fcblich Haus- und Hofzeichner Derek Riggs und z\u00e4hlt meiner Meinung nach neben dem Artwork f\u00fcr &#8222;Somewhere In Time&#8220; zu seinen besten Arbeiten. Dass man mit der Teufelssymbolik in den USA aneckte blieb eine Randnotiz in der Bandgeschichte. Weniger Randnotiz sind die Songs:<\/p>\n<p>Das Album beginnt mit <em>Invaders<\/em>, einer schnellen kurzen Nummer \u00fcber Wikingerraubz\u00fcge. Das Thema hatte die Band schon auf einem fr\u00fcheren Song namens <em>Invasion<\/em> thematisiert, irgendwie erinnert es mich auch an den <em>Immigrant Song<\/em> von Led Zeppelin, auf jeden Fall gilt der Song aber als einer der schw\u00e4chsten auf dem Album. Der Rest der A-Seite enth\u00e4lt nun nur noch drei Klassiker.<\/p>\n<p>Der erste ist <em>Children Of The Damned<\/em>. Das St\u00fcck beginnt relativ ruhig und getragen, hebt dann aber nach dem zweiten Refrain mit einem dicken Tempowechsel ab und explodiert in ein heftiges Gitarreninferno, \u00fcber dem Bruce Dickinson etwas \u00fcber verbrennende Menschen schreit &#8211; der Song basiert auf dem Film&#8220;Dorf der Verdammten&#8220;, da passiert sowas. Song Nummer zwei ist <em>The Prisoner<\/em>, basierend auf einer obskuren britischen TV-Serie mit Patrick McGoohan (der spielte unter anderem mehrfach den B\u00f6sewicht bei Columbo oder neben Clint Eastwood in &#8222;Flucht von Alcatraz&#8220;). Der Song beginnt mit einem Zitat aus der Serie (&#8222;you are number six&#8220; &#8211; &#8222;I am not a number, I&#8217;m a free man!&#8220;), bevor zun\u00e4chst das Schlagzeug lossstampft und sp\u00e4ter die ganze Band dazukommt. Der letzte Song der A-Seite nennt sich <em>22 Acacia Avenue<\/em>. Dieser stammt urspr\u00fcnglich von Gitarrist Adrian Smith und dessen fr\u00fcherer Band und wurde hier nochmal erheblich modifiziert. Inhaltlich geht es um eine Hure (heutzutage w\u00fcrde man politisch korrekt wohl Sexworkerin sagen), deren Leben aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird. Passend dazu wird das Thema und die Rhythmik relativ komplex variiert, was ja ohnehin ein Markenzeichen der Band ist.<\/p>\n<p>Auf der B-Seite finden sich nun drei der gr\u00f6\u00dften Bandklassiker, eine Fehlentscheidung und inzwischen auch der Bonustitel. Die Fehlentscheidung hei\u00dft <em>Gangland<\/em>. Die Band hatte einen Song zu viel und musste daher einen Song als Single-B-Seite verwenden und konnte nur den anderen aufs Album packen. Damals fiel die Entscheidung f\u00fcr <em>Gangland<\/em>, das inzwischen von den meisten als wesentlich st\u00e4rker eingesch\u00e4tzte <em>Total Eclipse<\/em> endete als B-Seite. Inzwischen wurde &#8211; dem gr\u00f6\u00dferen Platzangebot auf CDs sei Dank &#8211; dieser Fehler korrigiert. <em>Total Eclipse<\/em> besch\u00e4ftigt sich mit einer Sonnenfinsternis als Bote f\u00fcr das Ende der Welt, <em>Gangland<\/em> hingegen mit einer dystopischen gef\u00e4hrlichen von Banden beherrschten Gegend. Nuja.<\/p>\n<p>Kommen wir nun zu den drei Klassikern: Zun\u00e4chst mal das Titelst\u00fcck. Es beginnt mit einem Zitat aus dem gr\u00f6\u00dften M\u00e4rchenbuch aller Zeiten, konkret aus der Offenbarung des Johannes: &#8222;Woe to you oh Earth and Sea&#8230;&#8220; usw., endend mit &#8222;Let him who have understanding reckon the number of the Beast, it&#8217;s number is 666.&#8220; Die Beschw\u00f6rung kennt jeder Metalfan vorw\u00e4rts und r\u00fcckw\u00e4rts, allerdings gehts in dem Song \u00fcberhaupt nicht um den Teufel, sondern um einen Alptraum, den Songwriter Steve Harris nach dem Genuss von &#8222;Das Omen II&#8220; (einem fiesen Horrorfilm mit&#8230; dem Teufel) hatte. Inhaltlich ganz \u00e4hnlich ist \u00fcbrigens das 20 Jahre sp\u00e4ter entstandene <em>Dance Of Death<\/em>. Kurz und klein, die Nummer geh\u00f6rt zu jedem Maiden-Konzert und m\u00fcsste auf jeder Tour gespielt worden sein. Ganz nebenbei war der Song damals Single, erreichte aber nur den unteren Teil der Top 20.<\/p>\n<p>Klassiker Nummer zwei ist <em>Run To The Hills<\/em>. Das St\u00fcck ist eine der definitiven Heavy Metal Hymnen und bringt in knapp vier Minuten alles auf den Punkt was es zum Thema Iron Maiden zu sagen gibt: Galoppierende Strophen, ein Refrain zum Mitschreien, schicke Gitarrenduelle und ein fetter Spannungsbogen, der in einem Schrei von Bruce Dickinson endet, mit dem Roger Daltrey&#8217;s Schrei aus <em>Won&#8217;t Get Fooled Again<\/em> Konkurrenz macht. Das St\u00fcck war die erste Single im Februar 1982 und landete in den Top 10. F\u00fcr die n\u00e4chsten knapp 20 Jahre war der Song bei Konzerten gesetzt, wurde dann aber immer mal wieder weggelassen, geh\u00f6rt aber nach wie vor zu den meistgespielten der Bandgeschichte. Achja, inhaltlich gehts um die Kolonisierung Nordamerikas und den Kampf gegen Indianer.<\/p>\n<p>Das Album endet schlie\u00dflich mit <em>Hallowed Be Thy Name<\/em>, einem Epos in der Art von <em>Phantom Of The Opera<\/em>, mit komplexen Gitarrenduellen, diversen Tempiwechseln und einer aus allen Rohren feuernden Band. Inhaltlich rattert sich Bruce Dickinson in atemberaubendem Tempo durch einen Text \u00fcber die letzten Gedanken eines zum Tode Verurteilten in der Nacht vor seiner Hinrichtung. Auch diese Nummer geh\u00f6rte jahrzehntelang zum Liveinventar und baut dort durch sein relativ ruhiges Intro viel Stimmung auf, bevor die H\u00f6lle losbricht.<\/p>\n<p>So, ich hab keine Ahnung wem ich das jetzt eigentlich alles erz\u00e4hlen musste, entweder man kann mit Heavy Metal nix anfangen, dann ist das Geschreibsel hier auch uninteressant, und wenn doch kennt man das ja sowieso eh alles. Also fassen wirs kurz zusammen: Muss man kennen.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen feiert auch &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Rock_in_Rio_(album)\">Rock In Rio<\/a>&#8220; dieses Jahr Jubil\u00e4um. Genauer gesagt feiert es heute Jubil\u00e4um. Hey, ich bin ja doch ein Zauberer, denn Zauberer kommen immer genau p\u00fcnktlich auf den Punkt. Von Iron Maiden gibts ja ungef\u00e4hr hundertdr\u00f6lfzig Livemitschnitte (das w\u00fcrde mal einen eigenen Artikel erfordern da mal durchzugehen, das ist fast so schlimm wie bei Deep Purple) von quasi jeder einzelnen Tour. Nicht jeden muss man wirklich besitzen, es sei denn man ist so irre wie ich (und ich hab sie auch nicht alle &#8211; also alle Livealben). Mit &#8222;Live After Death&#8220; von 1985 (in dieser Reihe schon bejubelt) und eben &#8222;Rock In Rio&#8220; hat man aber einen sehr sch\u00f6nen Querschnitt ohne allzuviele \u00dcberlappungen. Aufgenommen wurde das Album 2001 in Brasilien (welch \u00dcberraschung bei dem Titel) vor ungef\u00e4hr einer Viertelmillion Zuschauern. Mit 19 Songs auf zwei CDs gibt es einen Querschnitt mit Fokus auf das damals aktuelle &#8222;Brave New World&#8220; plus die \u00fcblichen Klassiker wie eben drei Viertel der B-Seite von &#8222;The Number Of The Beast&#8220;, wobei <em>Run To The Hills<\/em> tats\u00e4chlich extra f\u00fcr diesen Gig in die Setlist genommen wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder Mensch braucht Vorbilder, und diese Woche nehme ich mir die Deutsche Bahn als Vorbild, und deswegen kommt das Album der Woche mit ein paar Tagen Versp\u00e4tung. Dann der runde Geburtstag des relevanten Albums ist schon drei Tage her. Macht aber nix, denn man kann feste feiern bis man alkoholbedingt f\u00e4llt oder wie das Sprichwort [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4034"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4034"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4034\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4035,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4034\/revisions\/4035"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4034"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4034"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4034"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}