{"id":4023,"date":"2022-02-24T19:01:26","date_gmt":"2022-02-24T18:01:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4023"},"modified":"2022-02-24T19:01:26","modified_gmt":"2022-02-24T18:01:26","slug":"album-der-woche-108","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/02\/24\/album-der-woche-108\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Diese Woche sind wir wieder bei ganz gro\u00dfen Legenden, die vor dreieinhalb Ewigkeiten Rockgeschichte geschrieben haben. Deswegen gehts heute nach Frankreich.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Album dieser Woche hab ich ja bereits im Dezember letzten Jahres angek\u00fcndigt, als sich n\u00e4mlich der Brand im Casino von Montreux zum 50. Mal j\u00e4hrte. Besagtes Ereignis wurde lyrisch verwurstet zu einem der gr\u00f6\u00dften Hits von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Deep_Purple\">Deep Purple<\/a> und war Teil von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Machine_Head_(album)\">Machine Head<\/a>, dessen Ver\u00f6ffentlichung sich morgen zum 50. Mal j\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Fangen wir mal beim miesesten Teil des Albums an: Die Verpackung ist Schrott. Und damit ersch\u00f6pfen sich die Kritikpunkte im Wesentlichen. Relevant ist der Inhalt, und au\u00dferdem die Entstehungsgeschichte, die im lesenswerten Bookelet der 25th Anniversary Edition (die ja nun auch schon wieder 25 Jahre auf dem Buckel hat) ausf\u00fchrlich beschrieben wird. Die Band wollte ja eigentlich im Casino von Montreux aufnehmen (weil sie in England abenteuerlich hohe Steuern h\u00e4tten zahlen m\u00fcssen, andere Bands wie eben die Stones oder auch Led Zeppelin nutzten auch diese M\u00f6glichkeiten zur Steuervermeidung). Das stand ja aber nach dem Brand nicht mehr zur Verf\u00fcgung. Stattdessen wurde in einem im Winter leerstehenden Hotel aufgenommen, wobei die Bandmitglieder \u00fcber mehrere Zimmer und einen Au\u00dfenbalkon turnen mussten, um sich im vor der T\u00fcre parkenden <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Rolling_Stones_Mobile_Studio\">Rolling Stones Mobile Studio<\/a> den Mix anh\u00f6ren zu k\u00f6nnen. Toningenieur Martin Birch produzierte trotzdem einen unverw\u00fcstlichen Klang, nicht so aggressiv und ungest\u00fcm wie noch auf In Rock, aber absolut auf den Punkt und ohne gro\u00dfartige Effekte. Das Hotelgeb\u00e4ude gibts \u00fcbrigens noch immer, allerdings ist es schon lange kein Hotel mehr.<\/p>\n<p>Insgesamt versammeln sich auf dem Album sieben Songs, was der zweite Kritikpunkt ist, denn ein wirklich guter Song wurde damals zur B-Seite degradiert und erst 25 Jahre sp\u00e4ter als Bonustrack hinzugef\u00fcgt. Aber dazu komme ich am Ende noch. Am anderen Ende des Albums, sozusagen ganz am Anfang, steht hingegen der erste von vielen Klassikern, die aus der Livesetlist bis heute kaum wegzudenken sind: Ritchie Blackmore rifft drauflos, der Rest der Band steigt ein, ein Schrei von Ian Gillan und schon ist man mittendrin in <em>Highway Star<\/em>. Passend zum Titel gehts flott vorw\u00e4rts, und Ritchie duelliert sich im Mittelteil aufs heftigste mit Organist Jon Lord.<\/p>\n<p>Nach diesem Auftakt geht es erstmal verhaltener weiter mit <em>Maybe I&#8217;m A Leo<\/em>, dem vielleicht schw\u00e4chsten Song der Scheibe. Der Song groovt trotzdem sehr sch\u00f6n und hat ein ziemlich verschachteltes Riffing. Das folgende <em>Pictures Of Home<\/em> kommt wieder flotter zur Sache, Ian Gillan schreit sich seinen Frust \u00fcber Heimweh und Studioarbeit von der Seele. Bemerkenswert ist das Fake-Ende des Songs, nachdem aber nochmal eine Minute lang soliert wird.<\/p>\n<p>An vierter Stelle folgt Never Before, was damals sogar als Single ausgekoppelt wurde, allerdings im wesentlichen unterm Radar blieb und nie eine nennenswerte Rolle in der Bandgeschichte spielte. Der Song rangiert damit neben Maybe I&#8217;m A Leo am unteren Ende der Beliebtheitsskala, aber es kommen ja noch die drei St\u00fccke der B-Seite, und die haben es in sich.<\/p>\n<p>Den Anfang macht der Song \u00fcber den Casinobrand. Das Riff dazu ist eins der bekanntesten der Rockgeschichte und so ziemlich jeder Gitarrenanf\u00e4nger hat es schonmal probiert. Ein Studienkumpel von mir konnte mir aber glaubhaft versichern, dass das gar nicht so einfach zu spielen ist, jedenfalls nicht wenn man will dass es auch in etwa so klingt wie die T\u00f6ne die Ritchie Blackmore da seiner Stratocaster entlockt. So oder so z\u00e4hlt <em>Smoke On The Water<\/em> zu den bekanntesten Rocksongs \u00fcberhaupt und ist bei Konzerten seitdem Pflichtprogramm &#8211; obwohl der Song witzigerweise als einer der letzten \u00fcberhaupt ins Liveprogramm rutschte.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Klassiker ist <em>Lazy<\/em>, die Hymne f\u00fcr alle Prokrastinierer und Sp\u00e4taufsteher. Text gibts nicht viel (im wesentlichen &#8222;Lazy, stay in bed&#8220;), daf\u00fcr umfangreiche Soli und ein schickes Hammond-Intro. Auch diese Nummer geh\u00f6rt seitdem fest zum Liveinventar und ist wichtiger Solospot f\u00fcr den Organisten.<\/p>\n<p>Den Abschluss bildet ein kompakter Riffrocker namens Space Truckin&#8216;, der einen Rock&#8217;n&#8217;Roll-Text mit Science Fiction kreuzt &#8211; quasi eine Rockband auf galaktischer Tournee. Auf dem Album ist das St\u00fcck mit viereinhalb Minuten das k\u00fcrzeste, live wurde es mit umfangreichen Instrumentalteilen auf \u00fcber zwanzig Minuten ausgedehnt (das wird aber sp\u00e4ter im Verlauf des Jahres besprochen werden).<\/p>\n<p>Der fehlende Song, der als B-Seite von <em>Never Before<\/em> versauerte, h\u00f6rt auf den Titel <em>When A Blind Man Cries<\/em> und ist eine sehr ruhige und traurige Bluesnummer, die von Ian Gillans Gesang getragen wird. Damit passt der Song halt nicht so wirklich zum Rest des Albums, aber er f\u00e4ngt die Stimmung der Aufnahmen sehr sch\u00f6n ein (&#8222;Had a friend once in a room, had a good time, but it ended much too soon. In a cold month in that room we found a reason for the things we had to do.&#8220;) &#8211; auch wenn das vermutlich gar nicht beabsichtigt war. Der Song wurde erst nach Ritchies Ausstieg und dem folgenden Wechsel am Gitarrenposten zu Steve Morse Mitte der 90er Jahre relevant und wird seitdem regelm\u00e4\u00dfig live gespielt.<\/p>\n<p>Fazit: Vier der gr\u00f6\u00dften Klassiker der Bandgeschichte, dazu eine superbe B-Seite, und da das Album seit Jahrzehnten f\u00fcr schmales Geld zu erwerben ist gibts eigentlich keine Ausrede, dieses St\u00fcck Rockgeschichte nicht im Regal stehen zu haben. Und ich h\u00f6r mir das Teil jetzt nochmal in Ruhe komplett an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche sind wir wieder bei ganz gro\u00dfen Legenden, die vor dreieinhalb Ewigkeiten Rockgeschichte geschrieben haben. 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