{"id":4013,"date":"2022-02-10T19:13:39","date_gmt":"2022-02-10T18:13:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4013"},"modified":"2022-02-10T19:13:39","modified_gmt":"2022-02-10T18:13:39","slug":"album-der-woche-106","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/02\/10\/album-der-woche-106\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Diese Woche gibt es nicht nur ein Album, sondern drei Alben, die aber wie \u00fcblich von der gleichen Band stammen. Diese Band zeichnet sich durch ein relevantes Alleinstellungsmerkmal aus und hat au\u00dferdem einen f\u00fcr unge\u00fcbte Sprecher \u00e4u\u00dferst zungenbrecherischen Namen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Rede ist von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Jethro_Tull_(band)\">Jethro Tull<\/a>, und bei der letzten Besprechung eines ihrer Alben (der Klassiker Aqualung von 1971) bin ich bereits auf dem Thema Fl\u00f6tent\u00f6ne herumgeritten. Besagte Fl\u00f6tent\u00f6ne kommen zumindest bei zwei der drei Alben auch gut zur Geltung. Aber der Reihe nach.<\/p>\n<p>Auf die Besprechung des ersten Albums freu ich mich schon seit Wochen, weil es so herrlich britisch skurril ist. Ich mein, wer bastelt als Verpackung seines Albums eine ganze Zeitung, die dann die Texte und weitere Infos zum Konzept des Albums und jede Menge sinnlose weitere Artikel enth\u00e4lt? Richtig, keiner. Das Album ist dabei nicht nur ein H\u00f6hepunkt der klassischen Fr\u00fchsiebziger Prog-Geschichte (auf gleicher Ebene wie die Werke von Genesis mit Peter Gabriel). Achso, es geht &#8211; der Kenner hats vielleicht erraten &#8211; um <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Thick_as_a_Brick\">Thick As A Brick<\/a> von 1972.<\/p>\n<p>Auf der Scheibe treibt man das Thema Konzeptalbum auf die Spitze und zieht es gleichzeitig durch den Kakao, dass es eine Freude ist. Es gibt genau zwei Titel, einen pro LP-Seite, passenderweise als <em>Part I<\/em> und <em>Part II<\/em> bezeichnet. Und wenn man damals schon die M\u00f6glichkeiten heutiger Zeit gehabt h\u00e4tte, w\u00e4re der \u00dcbergang im Mittelteil vermutlich auch eleganter geworden. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, das Album ist auch 50 Jahre nach Erscheinen ein absolutes Highlight und Meisterwerk, wobei es nat\u00fcrlich schwierig ist einzelne Teile herauszuheben &#8211; insgesamt ist die erste LP-Seite zug\u00e4nglicher und besser strukturiert, die verschiedenen Themen und Melodien werden vorgestellt und sp\u00e4ter aufgegriffen und verfremdet, bleiben dabei aber stets nachvollziehbar. Auf der zweiten LP-Seite wirds dann manchmal etwas chaotischer und die \u00dcberg\u00e4nge zwischen den Teilen sind nicht ganz so fl\u00fcssig. So oder so ist das Album eine Wundert\u00fcte, an der ich mich auch nach knapp 30 Jahren, die ich das Album nun schon kenne, nicht satth\u00f6ren kann. Fazit: Wenn es nur ein Album der Band sein soll, dann definitiv dieses. (Und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=V46DQzKzh7Y\">hier<\/a> spielen ein paar Musikstudenten das ganze Album mal eben live im Studio).<\/p>\n<p>Allerdings w\u00fcrde man dann weitere gro\u00dfe Alben verpassen. Jethro Tull ver\u00e4nderten ihren musikalischen Charakter im Lauf der Zeit ziemlich drastisch. So ist <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Songs_from_the_Wood\">Songs From The Wood<\/a> von 1977 etwas akustiklastiger und wird oft als &#8222;folkig&#8220; beschrieben, was aber in erster Linie auf die lyrischen Inhalte zutrifft, und nur sehr rudiment\u00e4r auf die Musik. Es ist n\u00e4mlich schwerstens proggy und ein Fest f\u00fcr den geneigten Musiktheoretiker &#8211; so wechseln die Taktarten gerne mal je nachdem wie viele Silben der Text grad hat, was auch noch ironisch im Text aufgegriffen wird (&#8222;join the chorus if you can&#8220;) &#8211; laut einer Analyse die ich im Netz gefunden habe findet man da &#8222;13\/16, 5\/8, 4\/4, 7\/8, drei 11\/8-Takte, 3\/4, 4\/4, 3\/4, 6\/4&#8220; (allein im Titelsong, nicht etwa verteilt auf alle Songs) &#8211; jo, Bruchrechnung f\u00fcr Freidenker. \u00c4hnlich schr\u00e4g ist <em>Ring Out Solstice Bell<\/em>, bei dem es textlich viel um die Zahl Sieben geht und dementsprechend ein 7\/8-Takt zelebriert wird. Mit <em>Pibroch (Cap In Hand)<\/em> gibt es auch einen vertrackten Achtmin\u00fcter auf der Scheibe.\u00a0 Lediglich <em>Fire At Midnight<\/em> ist angedeutet folkig w\u00fcrde ich behaupten. Das Songwriting ist also durchaus spannend und \u00fcberraschend. Zum Reinh\u00f6ren empfehlen sich das Titelst\u00fcck und <em>The Whistler<\/em>. Fazit: Insgesamt fast gleichwertig mit Thick As A Brick.<\/p>\n<p>Wiederum ganz anders pr\u00e4sentiert sich die Band weitere f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter auf <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Broadsword_and_the_Beast\">The Broadsword And The Beast<\/a>. Das wird schon beim Cover deutlich, dass auch gut zu Blind Guardian oder \u00e4hnlichen Fantasy-Kapellen passen w\u00fcrde. Musikalisch gehts rockiger zur Sache, die Querfl\u00f6te wird nur sehr verhalten ausgepackt. Neu hingegen ist der ausgedehnte Einsatz von Synthies. Musikalisch ist alles etwas zug\u00e4nglicher und weniger vertrackt, wobei wir nat\u00fcrlich immer noch weit entfernt von simplen Popnummern sind. Das Titelst\u00fcck kommt schwer getragen episch daher, <em>Beastie<\/em> ist d\u00fcsterer Poprock, <em>Flying Colours<\/em> kommt flott rockend daher, ganz im Gegensatz zum gem\u00e4chlichen <em>Slow Marching Band<\/em> (nomen est omen). <em>Watching Me, Watching You<\/em> basiert auf einem Sequenzerlauf und h\u00f6rt sich dementsprechend hektisch an (daf\u00fcr h\u00f6rt man hier aber auch mal die charakteristische Fl\u00f6te, die auf dem Album insgesamt unterrepr\u00e4sentiert ist), w\u00e4hrend <em>Pussy Willow<\/em> gut ins Ohr geht. Fazit: Eleganter Rock mit einigen proggigen Einsprengseln, ich mags ziemlich, aber gegen die Klassiker aus den 70ern kommt es wohl kaum an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche gibt es nicht nur ein Album, sondern drei Alben, die aber wie \u00fcblich von der gleichen Band stammen. 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