{"id":4009,"date":"2022-02-03T19:48:46","date_gmt":"2022-02-03T18:48:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=4009"},"modified":"2022-02-03T19:48:46","modified_gmt":"2022-02-03T18:48:46","slug":"album-der-woche-105","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/02\/03\/album-der-woche-105\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Das Album der Woche wird auch schon wieder 45 Jahre alt, und zwar morgen. Und obwohl das Album zu einem der erfolgreichsten Megaseller in Nordamerika werden sollte w\u00e4rs um ein Haar gar nicht entstanden&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Geschichte beginnt im London der 60er Jahre mit John Mayalls Bluesbreakers. Da spielte alles und jeder der irgendwie mal was werden sollte &#8211; in der Vita stehen u.a. Eric Clapton und Jack Bruce (beide sp\u00e4ter bei Cream), Mick Taylor (sp\u00e4ter Rolling Stones), Aynsley Dunbar (u.a. Frank Zappa) und auch Peter Green, John McVie und Mick Fleetwood.<\/p>\n<p>Letztgenanntere drei gr\u00fcndeten um 1967 herum Peter Green&#8217;s Fleetwood Mac, und spielten Blues und Proto-Hardrock (z.B. <em>Albatross<\/em> oder auch das sp\u00e4ter von Judas Priest durch den Wolf gedrehte <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZjOD8i-8uWY\"><em>The Green Manalishi With The Two-Pronged Crown<\/em><\/a>). 1970 war Peter Green drau\u00dfen und Christine McVie, die Ehefrau von John mit drin. Diverse weitere Lineupwechsel folgten, und 1975 stie\u00dfen schlie\u00dflich Lindsey Buckingham und seine Freundin Stevie Nicks dazu. Der Sound hatte sich da schon lange vom Blues verabschiedet und poppig-rockigeren radiofreundlichen Kl\u00e4ngen Platz gemacht. Und damit w\u00e4ren wir nun endlich beim Album der Woche, n\u00e4mlich dem 1977er Fleetwood Mac-Album &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Rumours_(album)\">Rumours<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p>Die Umst\u00e4nde, unter denen die Aufnahmen stattfanden, kann man wohl als anstrengend beschreiben &#8211; die McVies hatten sich scheiden lassen und sprachen nicht mehr miteinander, Stevie Nicks und Lindsey Buckinham suchten ihr Gl\u00fcck bei wechselnden Aff\u00e4ren und Drogen, Mick Fleetwood hatte ebenfalls Eheprobleme. Das alles beeinflusste nat\u00fcrlich Songwriting und Aufnahmen. Heraus kam jedoch etwas, was man mit Fug und Recht als Meisterwerk bezeichnen kann.<\/p>\n<p>Elf Songs fanden sich auf der Scheibe, und jede der Nummern hat einen eigenen Eintrag in der englischen Wikipedia &#8211; das schaffen sonst nur Gr\u00f6\u00dfen wie Led Zeppelin. Das Album wird er\u00f6ffnet von <em>Second Hand News<\/em>, in dem Lindsey Buckingham das Ende seiner Beziehung zu Stevie Nicks thematisiert (&#8222;I know there&#8217;s nothing to say, someone has taken my place&#8220;&#8230; &#8222;I&#8217;m just second hand news&#8220;). Ein sch\u00f6neres &#8222;Fick dich&#8220; wurde selten geschrieben (darauf kommen wir gleich nochmal zur\u00fcck). Das folgende <em>Dreams<\/em> stammt von Stevie Nicks, die das gleiche Thema nun aus ihrer Sicht darlegt. Das St\u00fcck klingt dabei erheblich poppiger und tanzbarer, wenn man das so bezeichnen kann. An dritter Stelle steht mit <em>Never Going Back Again<\/em> wieder ein St\u00fcck von Lindsey Buckingham. Jepp, wie zu erwarten dreht es sich um seine on\/off-Beziehung mit Stevie.<\/p>\n<p>So richtig gro\u00dfartig wird es nun mit <em>Don&#8217;t Stop<\/em> aus der Feder von Christine McVie, einem der bekanntesten Titel der Bandgeschichte (und wenn man die Texte genau liest merkt man auch, dass er nicht als Wahlkampfwerbung geschrieben wurde, auch wenn es textlich einigerma\u00dfen passt). Stattdessen gehts hier um die Scheidung der Eheleute McVie und auf den positiveren Blick auf das Leben, den sie daraus ziehen konnte.<\/p>\n<p>Das nun folgende <em>Go Your Own Way<\/em> ist f\u00fcr mich der beste (weil rockigste) Song des Albums. Ich sagte ja ein sch\u00f6neres &#8222;Fick dich&#8220; wurde selten geschrieben, aber genau das hat Lindsey Buckingham hier abgeliefert. Die Nummer war die erste Single des Albums (es folgten noch <em>Dreams<\/em>, <em>Don&#8217;t Stop<\/em> und <em>You Make Loving Fun<\/em>) und gilt als einer ihrer besten und bekanntesten Songs.<\/p>\n<p>Die erste LP-Seite wird abgeschlossen von <em>Songbird<\/em>, einem quasi-Solost\u00fcck von Christine McVie, nur begleitet von Buckingham an einer akustischen Gitarre &#8211; ein gro\u00dfer Kontrast zu den \u00fcbrigen Songs.<\/p>\n<p>Auf der zweiten LP-Seite findet sich zun\u00e4chst mal <em>The Chain<\/em>, das einzige St\u00fcck, bei dem die ganze Band beim Songwriting irgendwie zusammenarbeitete. Hier kommt die ganze unterschwellige Spannung und Zerissenheit der Band auf den Punkt &#8211; sie konnten sich auf pers\u00f6nlicher Ebene nicht mehr in die Augen sehen, standen aber gemeinsam auf der B\u00fchne und spielten die gr\u00f6\u00dften Hits der Bandgeschichte.<\/p>\n<p>Weiter gehts mit einem weiteren Song \u00fcber Untreue &#8211;<em> You Make Loving Fun<\/em> von Christine McVie \u00fcber ihre au\u00dfereheliche Aff\u00e4re, einen Mitarbeiter aus dem Bandumfeld. Das folgende <em>I Don&#8217;t Want To Know<\/em> ist ein \u00e4lteres St\u00fcck von Stevie Nicks aus ihrer Zeit vor Fleetwood Mac, es passt aber ganz hervorragend zu den anderen Songs zum sch\u00f6nen Thema &#8222;Liebe und Schluss machen&#8220;. Inzwischen sind wir bei Lied Nummer zehn angekommen &#8211; <em>Oh Daddy<\/em> von Christine McVie. Die Bandbiographen streiten wohl dr\u00fcber, ob der Song an Mick Fleetwood gerichtet ist (der damals als einziger in der Band Kinder hatte) oder nicht vielleicht doch auch an ihre Aff\u00e4re aus dem Bandumfeld. Auf jeden Fall ist es ein sch\u00f6nes nettes Liebeslied.<\/p>\n<p>Den Abschluss bildet das einzige Lied, was nicht mit Beziehungsstress zu tun hat. Das hei\u00dft beinahe, denn Stevie Nicks verarbeitet in <em>Gold Dust Woman<\/em> den Stress aus ihrer Beziehung zu Kokain. Zur Musik selbst gibts eigentlich wenig zu sagen, klassischer als hier kann &#8222;classic rock&#8220; der nordamerikanischen Art nicht definiert werden.<\/p>\n<p>Fazit: Elf Songs f\u00fcr die Ewigkeit, jeder f\u00fcr sich ein Juwel, und der Beweis dass Liebe (und deren Ende) eine der ganz gro\u00dfen Triebfedern f\u00fcr richtig gro\u00dfe Kunst ist. Und ich werd mir das jetzt sch\u00f6n gem\u00fctlich reinziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Album der Woche wird auch schon wieder 45 Jahre alt, und zwar morgen. Und obwohl das Album zu einem der erfolgreichsten Megaseller in Nordamerika werden sollte w\u00e4rs um ein Haar gar nicht entstanden&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4009"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4009"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4009\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4010,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4009\/revisions\/4010"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4009"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4009"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4009"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}